Miriam Toews

 3.7 Sterne bei 79 Bewertungen
Autorin von Ein komplizierter Akt der Liebe, Die fliegenden Trautmans und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Miriam Toews

Miriam Toews wurde 1964 in Steinbach, einer Mennonitengemeinde im Staat Manitoba in Kanada. Sie studierte Geisteswissenschaften und Journalismus an der University of Manitoba sowie an der University of King's College in Halifax. Nach ihrem Studium arbeitete sie als freiberufliche Journalistin für Presse und Rundfunk. Der internationalen Durchbruch geland ihr mit ihrem Roman »Ein komplizierter Akt der Liebe« welche sich ein Jahr lang auf den kanadischen Bestseller-Listen hielt und mit dem renommierten Governor General’s Literary Award ausgezeichnet wurde. Miriam Toews lebt und arbeitet als freie Journalistin und Autorin in Winnipeg.

Alle Bücher von Miriam Toews

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Buchformat:
Cover des Buches Die fliegenden Trautmans (ISBN: 9783833306402)

Die fliegenden Trautmans

 (17)
Erschienen am 27.02.2010
Cover des Buches Ein komplizierter Akt der Liebe (ISBN: 9783833350542)

Ein komplizierter Akt der Liebe

 (19)
Erschienen am 02.09.2010
Cover des Buches Die Aussprache (ISBN: 9783455005097)

Die Aussprache

 (8)
Erschienen am 05.03.2019
Cover des Buches Das gläserne Klavier (ISBN: 9783827012494)

Das gläserne Klavier

 (8)
Erschienen am 02.05.2016
Cover des Buches Die Aussprache (ISBN: 9783455005103)

Die Aussprache

 (6)
Erschienen am 05.03.2019
Cover des Buches Kleiner Vogel, klopfendes Herz (ISBN: 9783827010292)

Kleiner Vogel, klopfendes Herz

 (6)
Erschienen am 09.07.2011
Cover des Buches Kleinstadtknatsch (ISBN: 9783833305818)

Kleinstadtknatsch

 (5)
Erschienen am 28.02.2009
Cover des Buches Mr T., der Spatz und die Sorgen der Welt (ISBN: 9783827011312)

Mr T., der Spatz und die Sorgen der Welt

 (2)
Erschienen am 16.04.2013

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Neue Rezensionen zu Miriam Toews

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Rezension zu "Ein komplizierter Akt der Liebe" von Miriam Toews

"Ich träume davon, in die echte Welt zu flüchten." (S. 13)
leseleavor 2 Monaten

Die 16-jährige Nomi wächst als Mennonitin in einer kanadischen Kleinstadt auf. Der Alltag besteht aus Kirche und Arbeit, moderne Errungenschaften werden misstrauisch beäugt, wenn nicht gar ganz vermieden. Das Leben gilt der Gemeinschaft als etwas, was es durchzustehen gilt, bis der Tod die Erlösung in Form des paradiesischen Jenseits bringt. Nomis Schwester Tash hat diese eingeengte und einengende Welt nicht ertragen und schon vor Monaten die Stadt verlassen; Nomis Mutter Trudie verschwand kurz darauf. Nomi bleibt mit ihrem Vater Ray und einem Haufen Zweifel zurück: Sie sehnt sich nach Freiheit, Lebensfreude, einem aufregenden Leben in New York, gleichzeitig kann und will sie ihren Vater nicht allein lassen. Nomi beginnt, die Grenzen zu dehnen, nimmt Drogen, schwänzt die Schule, hat Sex, hinterfragt. Doch mit jedem Tag wird deutlicher, dass ein selbstbestimmtes Leben nur jenseits der Grenzen des East Village warten…

Ich will einfach sein, wie ich bin, ich will einfach was machen, ohne zu überlegen, ob das jetzt Sünde ist oder nicht. Ich will frei sein. Ich will wissen, wie es ist, wenn einem ein anderer Mensch verzeiht […], statt mein Leben lang ängstlich überlegen zu müssen, ob ich als Mensch okay bin oder nicht, es aber erst zu erfahren, wenn ich tot bin. Ich will Güte und Menschlichkeit außerhalb eines religiösen Kontextes erleben. (S. 64f.)

Auf die neue Taschenbuchausgabe von Miriam Toews Ein komplizierter Akt der Liebe bin ich Anfang des Jahres zufällig beim Stöbern in der Buchhandlung gestoßen. Der Roman hat mich aufgrund seiner thematischen Ausrichtung und seines humorvollen Erzähltons direkt angesprochen; zudem erinnerte er mich stark an Jeanette Wintersons Orangen sind nicht die einzige Frucht, das zu meinen Lesehighlights 2020 gehört. Und tatsächlich haben beide Bücher viele Gemeinsamkeiten, was sicherlich auch daran liegt, dass beide Autorinnen verstärkt autobiografische Elemente in ihre Geschichten einbinden.

Ein komplizierter Akt der Liebe erzählt vom Aufwachsen in einer strengreligiösen Gemeinde und dem Abnabelungsprozess der jungen Protagonistin, der mit dem Eintritt in die Pubertät beginnt und durch den Bruch ihrer Schwester und ihrer Mutter mit der Bewegung an Dynamik gewinnt. Die Erzählung, die kaum stringent ist und primär aus der Aneinanderreihung von Alltagsszenen in der Gegenwart und Erinnerungsschnipseln aus Nomis Kindheit besteht, pendelt zwischen Schilderungen des mennonitischen Lebensstils und Nomis Bemühungen, die Grenzen eben jenes Stück für Stück zu erweitern. Dabei bleibt die Geschichte jedoch immer „im Moment“ und damit sehr introspektiv: Die Strukturen, Glaubenssätze und Rituale der Mennoniten werden nur indirekt durch Nomis vereinzelte Erklärungen erfahrbar; gleichzeitig sind ihre Ausbruchsversuche spontane, gefühlsgeleitete Handlungen, denen kein konkretes Ereignis vorangehen muss. Ein komplizierter Akt der Liebe ist kein Buch, das über die Mennoniten aufklären oder gar mit ihnen abrechnen will, sondern sollte eher als literarische Auseinandersetzung mit dem eigenen religiösen Hintergrund verstanden werden.

Dazu passt auch der Erzählton, den Toews in ihrem Roman installiert. Nomi ist trotz allem eine typische Teenagerin, ihre Stimme strotzt somit vor Rotzigkeit und Ironie. Sie nimmt wenig ernst und gleichzeitig alles viel zu sehr und mit eben dieser Haltung führt sie den Leser durch ihr Leben – oder eben durch die Impressionen, die ihr Leben in ihrem Kopf ungeordnet hinterlässt. Zugleich wohnt der Geschichte ein unheimlich große Traurigkeit und Einsamkeit inne, die man als Leser jedoch erst mit der Zeit zwischen den Zeilen entdeckt. Nomi flüchtet sich ins Abstruse und Lächerliche, um den Schmerz, den sie durch den Verlust ihrer Mutter und Schwester erfahren hat, nicht zu spüren; auch die Zerrissenheit zwischen ihren eigenen Lebensvorstellung und der Treue und Liebe, die sie ihrem Vater gegenüber empfindet, gärt nur unterschwellig. Nomi stellt sich ihren Gefühlen nicht, bis es nicht mehr anders geht – und findet dann so etwas wie Hoffnung!

Dem Roman fehlt es ein wenig an einem roten Fanden bzw. an einem deutlich erkennbaren Entwicklungsstrang, was die Lust, zum Buch zu greifen, manchmal schmälert. Beginnt man dann jedoch wieder mit der Lektüre, zieht es einen schnell in diese merkwürdige Kleinstadt hinein. Die Sympathie für die Protagonistin ist über die knapp 300 Seiten ungebrochen und die bittersüße Atmosphäre weiß zu berühren – wenn auch eher unterschwellig. Für mich daher insgesamt ein gelungener Roman, dem ich 4 Sterne vergebe.

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Rezension zu "Die Aussprache" von Miriam Toews

Bleiben und kämpfen oder gehen
schokoloko29vor einem Jahr

In einem mennotischen Dorf in Kanada wurden kleine Kinder und Frauen mit einem Belladonnaspray betäubt und vergewaltigt. Es kam zu Fehlgeburten und Frauen wachten beschmiert mit Kot, Sperma und Blut auf. Der oberste war der Meinung, dass es Satan war, der die Frauen für die "unzüchtigen" Gedanken bestraft. Bis Frauen einen Mann erwischt haben wie er bewaffnet mit einem Belladonnaspray in ein Haus eindrang. Sie stellten ihn zur Rede und er gab seine Taten zu und schuldigte sieben weitere Männer. Es kam zu Selbstjustiz ( Frauen bedrohten Männer und wollten sie mit einer Peitsche schlagen), so dass der Oberste der Gemeinschaft einschied diese Männer ins Gefängnis zu bringen, wo ihnen der Prozess gemacht wird. Die Frauen haben 48 Stunden Zeit sich zu entscheiden. Ihre Religion wünscht sich, dass sie die Männern vergibt. Doch die Frage steht im Raum, ob das mögliche ist. Aus diesem Grund beratschlagen die Frauen drei Optionen entweder Nichtstun, Bleiben und Kämpfen oder Gehen.

Meine Meinung:
Die Sprache des Buches ist sehr ruhig, sehr klar und einfach gehalten. Es wird aus der Perspektive von August Epp geschrieben, der die Dialoge der Frauen protokolliert. Aus diesem Grund ist der Leser nicht so stark emotional involviert, als wenn es aus der Sicht einer Frau geschrieben ist.
Ich benötigte einige Zeit, um mit dem Buch warm zu werden. Doch es ist sehr leise, aber wirklich sehr gut geschrieben.
Aus diesem Grund kann ich das Buch sehr empfehlen.

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L

Rezension zu "Die Aussprache" von Miriam Toews

Ein bewegender Hintergrund, der sehr gut verarbeitet wurde
Loonylovegood03vor einem Jahr

Inhalt


"Die Aussprache" ist ein Roman, der reale Vorkommnisse verarbeitet. In einer Mennonitenkolonie in Bolivien wurden zwischen 2005 und 2009 regelmäßig 300 Frauen und Mädchen nachts von acht Männern der Gemeinde betäubt und vergewaltigt. Nachdem den Frauen vielmals unterstellt worden war, dass sie sündhafte Gedanken gehegt hätten und deshalb vom Teufel misshandelt worden wären, wurde schließlich ein Mann bei den Misshandlungen erwischt. Dieser gab in Gefangenschaft die Namen von sieben weiteren Männern preis. Nachdem einige Frauen Angriffe auf die Männer verübt hatten, wurden diese schließlich zu ihrem Schutz von der Polizei in Gewahrsam genommen. Die restlichen Männer Molotschnas, so eben hieß die Kolonie, fuhren daraufhin in die Stadt um eine Kaution für die Freiheit der Sexualstraftäter zu hinterlegen. Das würde sie ungefähr zwei Tage kosten. währenddessen wogen die Frauen nun ab, wie ihre Zukunft auszusehen hatte. Es blieben ihnen drei Optionen: Nichts tun, Bleiben & Kämpfen und Gehen. Die Frauen können weder lesen, schreiben, und die Sprache des Landes sprechen, noch wissen sie, wo sie sich befinden. Um den Weg zu genau dieser Entscheidung dreht sich der Inhalt des Buches. 

Meine Meinung

Gerade die Charakterzeichnung hat mir sehr gut gefallen, da alle Frauen und Mädchen sehr starke und eigenwillige Persönlichkeiten aufweisen und sie den Leser oft mit ihrer Begabung für einen prägnante Audruck von ihren Gefühlen und ihrer Situation überraschen. Sie alle weisen eine eigene Art und Weise auf, mit dem Geschehenen umzugehen. 
Der Aufbau des Buches ist, meiner Meinung nach sehr gut gelungen. Es handelt sich um ein Protokoll des Gespräches der Frauen durch den ehemaligen Bewohner der Kolonie, August Epp, welcher aufgrund des revolutionären Verhaltens seiner Eltern, als Kind exkommuniziert wurde und in London aufwuchs, um im Erwachsenenalter, lebensmüde und sinnsuchend nach Molotschna zurückzukehren. Er schiebt oft Anmerkungen ins Protokoll ein, welche oft zum Verständnis der Umstände in Molotschna dienen, aber teilweise auch nur aus Tagträumen seinerseits bestehen. Dies gibt der Geschichte oftmals mehr Symbolik oder fügt ihr eine tragische Note hinzu. 
Eine Plot-Entwicklung lässt sich nur schwer erkennen, da das Protokoll eher wie ein natürlicher Gesprächsfluss aufgebaut ist.
Inhaltlich geht es vor allem um Glaubensfragen nach Frieden, Liebe und Gehorsam und ihre persönliche Auslegung durch die Frauen. 
Insgesamt habe ich den Roman sehr gerne gelesen, da mich die einzelnen Charaktere sehr interessiert haben und ich mehr über sie, ihre Geschichte und ihren Glauben erfahren wollte. Das Buch lebt auf jeden Fall durch die besonderen Charaktere dieser Frauen. Außerdem hat mich ihr Mut und ihre Stärke sehr inspiriert und beeindruckt. Ich halte es also für eine gute Verarbeitung der Ereignisse.

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Gespräche aus der Community

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Cover des Buches Das gläserne Klavier

Elfrieda von Riesen ist eine umjubelte Konzertpianistin, reich, berühmt, verheiratet mit dem Mann, den sie liebt. Ihre Schwester Yoli ist pleite, geschieden und schläft unfehlbar mit den falschen Männern. Unterschiedlicher könnten zwei Schwestern nicht sein. Und doch gibt es niemanden, dem sie näher stünden als einander.

Aber Elfrieda will nicht mehr leben. Kurz vor ihrer neuen Welttournee bricht sie zusammen und bittet ihre Schwester um das Unmögliche, bittet sie um diesen letzten Dienst, der bei weitem das übersteigt, was einem Menschen zumutbar ist. Während ihr Agent sie verzweifelt zu erreichen versucht, setzt Yoli alles daran, Elfrieda Kraft und Zuversicht einzuflößen, sie nicht nur für die Tour wieder fit zu machen. Sie kämpft aus Leibeskräften. Denn wie sollte man einem solchen Wunsch entsprechen?

In ihrem neuen Roman erzählt Miriam Toews von der Liebe zweier Schwestern, von einer Familie, die zusammenrückt und mit Witz und Menschlichkeit den Zumutungen des Lebens trotzt. Und ihr gelingt das Unglaubliche: selbst angesichts des Schwersten bringt sie uns zum Lachen.

37 Beiträge

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