Miriam Toews Mr T., der Spatz und die Sorgen der Welt

(2)

Lovelybooks Bewertung

  • 3 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 1 Rezensionen
(2)
(0)
(0)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Mr T., der Spatz und die Sorgen der Welt“ von Miriam Toews

'Nichts auf die Beine gestellt.' Ein kleiner, verzweifelter Satz, geflüstert von einem Mann, der glaubt, auf der ganzen Linie versagt zu haben. Der sich zwei Tage später das Leben nimmt. Dies ist das Buch seiner Tochter, Miriam Toews, mit dem sie beweisen möchte, dass er sich getäuscht hat. Siebzehn Jahre alt war Melvin Toews, als bei ihm manische Depression diagnostiziert wurde. Sein Arzt riet ihm davon ab zu heiraten, eine Familie zu gründen. Doch genau das tat er. Er heiratete Elvira, zog die Töchter Marjorie und Miriam groß und arbeitete vierzig Jahre als Grundschullehrer. Und er schwieg. Während er in der Schule für seine witzige, schwungvolle Art, für seine kräftige Stimme bekannt war, sprach er zuhause nicht. Kurz nach seiner Pensionierung, am 13. Mai 1998, ging er hinaus, lief zu einem Café nahe den Gleisen und nahm sich das Leben. Mr T., der Spatz und die Sorgen der Welt ist der Versuch seiner Tochter, das Leben des Vaters, diese letzte Entscheidung zu verstehen; den Schmerz zu lindern und die Teile seines Lebenspuzzles zusammenzusetzen. Es ist ein anrührendes, aufrüttelndes Buch, eine oft verblüffend witzige Spurensuche und, ganz unerwartet, ein Plädoyer für den Mut zu einem unkonventionellen Leben.

Stöbern in Romane

Dann schlaf auch du

Packend und sehr gut geschrieben, empfehlenswert!

Esse74

Ein Haus voller Träume

Zaubert trotz einiger Längen ein Lächeln ins Gesicht

Kelo24

Palast der Finsternis

Fantasievolle Gruselgeschichte in einem unterirdischen Palast. Hochspannung!

DonnaVivi

Wo drei Flüsse sich kreuzen

Eines der besten historischen Bücher, welches auf einer wahren Begebenheit basiert, das ich gelesen habe.

IndigoGrace

Die Idiotin

Berührend, humorvoll, "Idiotisch", sprachlich sehr gut

Daniel_Allertseder

Niemand verschwindet einfach so

Versetzt einen ein wenig in eine depressive Stimmung, sprachlich durchaus eindrucksvoll, aber ich habe ein wenig das wilde Biest vermisst!

Jennifer081991

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Zweifel und Tod: eine Bilanz.

    Mr T., der Spatz und die Sorgen der Welt
    Clari

    Clari

    01. May 2013 um 22:00

    Miriams Vater gab zeitlebens Rätsel auf: er war ein mitreißender Lehrer, witzig, erfindungsreich und beliebt. Zu Hause aber war er ein Schweiger. Fragte man ihn nach seinem Befinden, so ging es ihm nach seinen Aussagen gut. Doch tief im Inneren wütete eine Krankheit in ihm, die weit verbreitet ist und zu oft verleugnet wird: er leidet an einer Depression. Mit 17 wurde eine manisch depressive Krankheit bei ihm diagnostiziert. Man riet ihm von einer Familiengründung ab. Doch er heiratete Elvira, die er schon aus der Schulzeit kennt, und bekommt zwei Töchter mit ihr. Die Tochter Miriam ist es, die sich auf Spurensuche begibt, als sie nach dem Suizid des Vaters, den er kurz nach der Pensionierung beging, seine Vergangenheit durchforscht.   Sie hat ein liebevolles und ehrliches Bild ihres Vaters ersonnen und beschrieben. Dazu gehören Rückblicke auf die Familiengeschichte, das Leben in Kanada in einem Ort namens „Steinbach“, die Berufszeit des Vaters als Lehrer und das Familienleben im Allgemeinen. Die Familie gehörte über Generationen zur religiösen Gemeinschaft der Mennoniten. Das ist eine streng gläubige und moralisch rigide Freikirche.   Melwin Toews war ein Grübler und Zweifler. Er hat sich über die Umwelt gelegentlich lustig gemacht; über Krankenschwestern, Ärzte  und ihre Medikationen. Niemand konnte ihm helfen, zumal er zu Hause schwieg. Woher sollte man wissen, wie es in seinem Inneren zuging?  Sein ganzes Leben erscheint als eine Flucht vor der Krankheit. In der Arbeit, die er weit über das übliche Maß hinaus betreibt, findet er Zufriedenheit. Fällt sie weg, so fällt er in sich zusammen und zurück bleibt die innere Leere, das Gefühl des Versagens und der Unfähigkeit. Weit in die Kindheit reichen die Wurzeln für diese Störung zurück.   Zart angedeutet darf man sich ein Bild machen von der Lieblosigkeit, mit der Melvin in frühester Kindheit konfrontiert wurde. Hier ruht bereits der schicksalhafte Konflikt zwischen Schuld und Versagen. Frustrationen in frühester Kindheit verursachen Entwicklungen, die gravierende Folgen zeitigen können.   In einem langen Rückblick geht die Autorin der Familiengeschichte nach. Sie lässt den Vater selber zu Wort kommen und skizziert seine Gedanken über die Welt, die Brüder, die Schwestern und den ganzen Familienclan. Herausgekommen ist eine wirklich witzige und amüsante Familiengeschichte, die mit Leichtigkeit berichtet, wo Tragik womöglich belasten könnte. Ernst wird mit Ironie und Komik vermischt, so dass mit Distanz die Traurigkeit vertrieben wird. Zahlreiche Szenen aus dem gelebten Familienleben bieten Einblicke in das Dasein auf dem Lande, in Familienkonstellationen mit ihren Erfolgen, Niederlagen und religiösen Bindungen. Die Krankheit „manische Depression“ bekommt ein Gesicht, das anrührt und erschüttert. Der Text ist locker aufbereitet und bietet Unterhaltung mit tiefgründiger Lebenserfahrung auf hohem Niveau.

    Mehr