Mirko Bonné Wie wir verschwinden

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Inhaltsangabe zu „Wie wir verschwinden“ von Mirko Bonné

Raymond erhält nach Jahrzehnten des Schweigens einen Brief seines todkranken Jugendfreundes Maurice, der ihn in die gemeinsam erlebte Vergangenheit zurückversetzt: nach Villeblevin, wo 1960 Albert Camus bei einem Autounfall ums Leben kam. Erinnerung an die eigene Jugend und das Sterben eines Idols verbinden sich zu einem ergreifenden Roman, der Mirko Bonné als einen der bedeutenden Autoren unserer Zeit zeigt.

Berührendes Buch über Freundschaft, Leben, Liebe, Enttäuschungund das Sterben.

— Tatzentier
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  • Rezension zu "Wie wir verschwinden" von Mirko Bonné

    Wie wir verschwinden
    Himmelfarb

    Himmelfarb

    Der mit Abstand beste deutsche Roman, den ich seit langer Zeit gelesen habe, alle Buchpreisträger (dieser Roman stand nur auf der Longlist) eingeschlossen. Mit wieviel Feingefühl Bonnè seine Protagonisten beschreibt, wie meisterlich seine Sprache ist, und wieviel Empathie er in dieses Werk legt, ist bemerkenswert. Ganz sicher wird das nicht das letzte Buch dieses großartigen Schriftstellers sein, welches ich lese!

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    HeikeG

    HeikeG

    12. January 2013 um 20:17
  • Rezension zu "Wie wir verschwinden" von Mirko Bonné

    Wie wir verschwinden
    Ruth_liest

    Ruth_liest

    26. November 2011 um 17:21

    Wie verschwinden wir? Mit Anstand und Würde? Ausgesöhnt mit uns und unserer Umgebung? Hoffentlich! Bonné führt in seinem Roman "Wie wir schwinden" zwei Lebensgeschichten zusammen. Zum einen schildert Bonné die Geschichte von Raymond und Maurice über Jahrzehnte hinweg. Zum anderen schreibt er über die letzten Stunden im Leben von Albert Camus, der 1960 bei einem Autounfall im Dorf von Raymond und Maurice starb. Dieses Erlebnis ist unmittelbar mit dem Ende der sehr engen Teenagerfreundschaft der beiden Jungen verknüpft. Beide Geschichten handeln vom Abschied nehmen - Abschied von geliebten Menschen, Abschied von lieb gewonnenen Urteilen über Menschen und nicht zuletzt Abschied vom Selbstbild. Ein außergewöhnlicher Roman, der sicher lange nicht aus meinen Gedanken verschwinden wird.

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  • Rezension zu "Wie wir verschwinden" von Mirko Bonné

    Wie wir verschwinden
    claudiaausgrone

    claudiaausgrone

    10. April 2011 um 19:21

    Sprachlich hat mich dieses Buch von Anfang an begeistert. Inhaltlich habe ich länger gebraucht. Albert Camus' Unfalltod ist der "Aufhänger" der Geschichte. Schön, wenn der/die LeserIn A. Camus und seine Werke kennt, aber es ist nicht zwingend nötig. Albert Camus reflektiert in seinen Sterbeminuten seine Freundschaft mit Michel Gallimard und die Liebe zu seinen drei Frauen. Das ist fiktiv. Diese Fiktion stammt von dem Schriftsteller Maurice Ravoux, der mit seinem Romanfragment - im Sterben liegend - seine Freundschaft zu dem Ich-Erzähler Raymond aufarbeiten möchte. Auch Parallelen zu Maurice und "seinen" Frauen lassen sich erahnen. Es geht in erster Linie um Freundschaft, Verrat an dieser Freundschaft, Erkenntnis, dass der Verrat das Band nie ganz durchtrennt hat, Verzeihen und auch um Liebe in all ihren Facetten. Auf dem Einband des Buches heißt es: ..."menschenfreundlicher Roman"...; dem möchte ich zustimmen. Die Figuren sind liebevoll ausgearbeitet. Rundherum ein schöne Lektüre.

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  • Rezension zu "Wie wir verschwinden" von Mirko Bonné

    Wie wir verschwinden
    *Arienette*

    *Arienette*

    11. January 2010 um 07:23

    Dann schreibe ich auch mal kurz meine Meinung zu diesem lesenswerten Roman: "Wie wir verschwinden" ist die Geschichte zweier Jugendfreunde, deren Freundschaft aber zerbrach, Grund war eine Frau. Seitdem haben sie sich aus den Augen verloren. Raymond, Witwer und Vater von zwei erwachsenen Töchtern, erhält eines Tages Briefe seines ehemaligen Freundes Maurice. Diese Briefe versetzen Raymond in die Vergangenheit. Damals lebten sie in Villeblevin, dem Ort, wo Albert Camus am 4. Januar 1960 mit dem Auto tödlich verunglückte. Maurice und Raymond arbeiteten an einer Draisine, um aus dem Ort zu verschwinden - aber diese Flucht scheitert an dem Tag, als Camus starb. Beide Freunde sehen sich über viele Jahre nicht mehr und haben auch keinen Kontakt, bis Raymond die Briefe erhält. Maurice ist todkrank und Raymond entschließt sich spät, hinzufahren. Bonné beschreibt in einer sehr ruhigen, einfühlsamen Sprache über eine Freundschaft, über Familie, Liebe und Eifersucht. Besonders der Autounfall Camus' ist sehr poetisch beschrieben. Sartre, Chateaubriand und van Gogh werden zitiert. Das Buch stand auf der longlist des Deutschen Buchpreises 2009 Von Bonné werde ich sicher noch mehr lesen.

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  • Rezension zu "Wie wir verschwinden" von Mirko Bonné

    Wie wir verschwinden
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    05. January 2010 um 19:38

    Die Zeit spielt regelmäßig wie die konstante Bewegung der Uhrzeiger ihre Streiche. Mal vergeht sie gefühlsmäßig schnell, mal schleicht sie wie eine Schnecke. Sie hat auch das riesige Talent, uns viel vergessen zu lassen, im Fluss der Zeit. Auch ganz besondere Erfahrungen und Erlebnisse geraten trotz ihrer Einmaligkeit ins Abseits des Gedächtnisses. Vielleicht ist dies aber nur eine Schutzfunktion, die wir in uns tragen, dass wir allzu Trauriges mit der Zeit vergessen, auch wenn sie die Wunden nie heilen kann, wie es der oft naive Volksmund uns weismachen will. Doch manchmal brauchen wir trotzdem Aufforderungen, einen Anlass, uns an spezielle Ereignisse zu erinnern, wie im Fall des Helden aus Mirko Bonnés neuem Roman „Wie wir verschwinden.“ DIE BRIEFE Raymond Mercey erhält eines Tages einen mysteriösen Brief. Nicht der Absender erscheint für den pensionierten Geschäftsführer eines renommierten Labors und Witwer mit zwei erwachsenen Töchtern ein Rätsel, vielmehr stellt er sich die Frage, warum sein früherer Freund Maurice nach mehr als 40 Jahren Funkstille erneut Kontakt zu ihm sucht. Der Inhalt des Briefes erklärt schließlich die Lösung – Maurice leidet an einer seltenen und tückischen Nervenkrankheit. Ihm bleibt deshalb nicht viel Lebenszeit, und er möchte Raymond noch einmal sehen. Mit den Briefen sendet der Freund aus der gemeinsamen Kindheit zudem Texte, die einen speziellen Tag im Leben der beiden Männer literarisch verarbeiten. Denn gleichzeitig war dieser Tag, ein Januartag im Jahr 1960, der letztes eines bekannten und renommierten Schriftstellers, der im Heimatort von Raymond und Maurice bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Raymond beginnt sich wieder an jenen besonderen Tag zu erinnern. Raymond und Maurice wachsen in dem kleinen Ort Villeblevin nahe Paris auf. Sie sind nahezu unzertrennlich. Gemeinsam stromern sie durch die Landschaft und basteln an einer Maschine des „Verschwindens“, einer alten, verfallenen Draisine, die sie nahe der Eisenbahnstrecke aufgespürt haben. Doch zwischen ihn steht bald ihre Mitschülerin, die hübsche Delphine, in die beide verliebt sind. Jener Tag zum Beginn des Jahres 1960 bringt das Ende einer Freundschaft und den Tod für jenen großen Schriftsteller: Albert Camus. Doch nicht nur die Ereignisse bringen Raymond ins Grübeln. Denn in der Familie kommt es zu Spannungen: Seine Tochter Jeanne hat ein Verhältnis und lässt sich von ihrem Mann scheiden. Und dann gibt es noch die Frage, welche Beziehung Raymonds Frau Veronique, die vor einigen Jahren an Krebst verstarb, hat. Denn eines Tages tauchen Bücher auf, von Maurice geschrieben und mit Widmungen für Veronique versehen. Raymond muss sich diesen Problemen stellen, vor allem einer Begegnung mit seinem früheren Freund Maurice, um Antworte auf jene Frage zu bekommen und ein bestimmtes Kapitel in seinem Leben zu beenden. CAMUS TOD Selbst die kurze Inhaltsangabe zeigt, wie treffend der Titel des Romans gewählt wurde und zugleich auf wie verschiedene Art und Weise er verstanden werden kann. „Wie wir verschwinden“ – viele Arten des Verschwindens tauchen in diesem Buch auf. Es gibt eine Maschine des Verschwindens; die Trennung von einem Freund birgt auch eine Form des Verschwindens. Ja, selbst der Tod verwandelt einen Zustand; den des Vorhandenseins in ein Verschwundenes. Immer wieder kehrt Mirko Bonné zu jenen Fragen zurück und immer wieder verbindet er diese verschiedenen inhaltlichen Stränge – die fiktive Geschichte der beiden Männer und der reale Unfall von Albert Camus. Und das auf eine eindrucksvolle Art und Weise. Denn gerade diese Vernetzung bewirkt eine Spannung, die dieses Buch zu einem Lesegenuss werden lässt. Man fliegt über die Seiten, will erfahren, was an jenem Tag im Januar 1960 nun geschehen ist, warum die Freundschaft der beiden Männer urplötzlich ein Ende fand. Und wie geht überhaupt die Begegnung nach mehr als 40 Jahren aus? Doch ein wirklich guter Roman besticht nicht nur durch seine Spannung, dieses besondere Element der Unterhaltung, dem leider heute meist dem Vorrang gegeben wird. Und „Wie wir verschwinden“ ist ein wirklich guter Roman – das schon einmal vornweg. Was den Zauber ebenfalls ausmacht ist jene Sprache, die in einzelnen Szenen des Erzählens oder auch in den Phasen des Erinnerns und Grübelns eine dichte und bildhafte Atmosphäre schafft. Orte werden detailreich beschrieben, Personen eindrucksvolle mit Sprache erschaffen. Der Eindruck, in einem Kinosaal zu sitzen und gebannt auf die Leinwand zu starren, ist genau jenes Gefühl, das man spürt, liest man dieses Buch. Dabei ist dieser Film im Kopf ein Schwarz-Weiß-Film, vor allem mit den typischen Eigenschaften eines französischen Streifens. Haben die Franzosen nicht bei Filmen ein Händchen für die speziellen Verhältnisse der Menschen untereinander, für Szenen mit Überraschungen und Konfrontationen? Hinzu kommt noch ihr Talent für Details, die der Kamera nicht entgeht, auch wenn sie vielleicht nur winzige Teile des Umfeldes sind. Mirko Bonnés Buch „Wie wir verschwinden“ wird – wenn auch recht simples Sprachspiel nutzend – wird nicht aus dem Gedächtnis eines Lesers verschwinden, läse er noch so viele und dicke und spannende Bücher. Der Roman ist etwas Besonderes für all jene, die wehmütige und intelligent konstruierte Geschichten und überraschende Wendungen lieben. Zudem könnte das Buch ein spezieller Beitrag in diesem Jahr sein, in dem der nunmehr 50. Todestag von Albert Camus begangen wird. Hinweise auf seine Werke, für die er zudem den Literaturnobelpreis bekam, finden sich an zahlreichen Stellen, vielleicht auch als Aufforderung den großen französischen Schriftsteller und seine Bücher wie „Die Pest“, „Der Mythos des Sisyphos“ oder „Der Fremde“ neu zu entdecken. Er starb viel zu früh, und dass der Tod meist unerwartet und viel zu schnell Schicksale an sich reißt, belegt ebenfalls dieser wunderbare Roman. DER AUTOR Mirko Bonné, 1965 in Tegernsee geboren, jobbte nach seinem Abitur in verschiedenen Berufen. 1994 erschien sein Debüt – der Lyrikband „Langrenus“, zwei Jahre später das zweite Buch mit Gedichten unter dem Titel „Gelenkiges Geschöpf“. Bonné arbeitet zudem als Übersetzer und brachte in der Vergangenheit unter anderem Werke von Keats, Cummings und Yeats ins Deutsche. Er schreibt außerdem für mehrere Zeitungen und Zeitschriften und Beiträge für literarische Anthologien. Sein 2006 erschienener Roman „Der eiskalte Himmel“ erhielt positive Kritiken. In den vergangenen Jahren wurde der Autor, der heute in Hamburg lebt, mit zahlreichen Preisen geehrt, darunter den Förderpreis zum Kunstpreis der Stadt Berlin und den Ernst-Meister-Förderpreis.

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  • Rezension zu "Wie wir verschwinden" von Mirko Bonné

    Wie wir verschwinden
    Leserrezension_2009

    Leserrezension_2009

    14. September 2009 um 11:21

    Eingereicht von von jess020: Mirko Bonné wurde 1965 am Tegernsee geboren. Nach drei Romanen und mehreren Gedichtbänden veröffentlicht der preisgekrönte Autor, Mirko Bonné, nun seinen vierten, aktuell für die Longlist des Deutschen Buchpreises 2009 nominierten Roman "Wie wir verschwinden". In dem Roman erzählt Mirko Bonné von einer tiefen Jugendfreundschaft, die vor vielen Jahrzehnten an zwei Frauen und einem dramatischen Unfall zerbrach. Einem Autounfall, bei dem Albert Camus als Beifahrer Michel Gallimards, einem Neffen seines Verlegers, tödlich verunglückte. Zum Inhalt: Raymond ist Witwer, seine Frau Véronique ist vor zwei Jahren an Krebs verstorben. Er hat zwei erwachsene Töchter, Jeanne und Penelope, und eine liebenswürdige Nachbarin, die sich um ihn kümmert, die er aber nicht sonderlich mag. Eines Tages erhält er überraschend einen Brief. Einen Brief von Maurice Ravoux, seinem Jugendfreund, den er seit vierzig Jahren weder gesehen noch gesprochen hat. Maurice ist todkrank und erzählt in seinen Briefen die Geschichte um Albert Camus' Tod, den sowohl er als auch Maurice miterleben mussten. Ein Autounfall bei Villeblevin, dem Heimatort der beiden Freunde, irgendwo auf dem Weg zwischen der Provence-Alpes-Côte d’Azur und Paris. Mit dem Unfall begann der Riss in einer tiefen, bis dahin unzertrennlichen scheinenden Freundschaft. Maurices Briefe fördern in Ray mond längst vergessene Erinnerungen zurück ans Tageslicht, Erinnerungen, die leider nicht immer gut waren. Erinnerungen an die "Maschine des Verschwindens", an Véronique, an Maurice und Délphine und nicht zuletzt an Délphine und ihn selbst. Gleichzeitig durchleben seine Töchter einschneidende Veränderungen: Jeanne verlässt ihren Mann, Penelope lernt einen neuen kennen und wird prompt schwanger. Zudem erkennt Raymond seine Liebe zu Robertine Sochu - der netten Nachbarin - und dass längst nicht alles so rosig war, wie es einst schien... Fazit: Mirko Bonné erzählt in "Wie wir verschwinden", wie wichtig Familie und Freundschaft für uns Menschen sind und wie leicht diese von einer Sekunde auf die andere zerbrechen können. Er erzählt dabei mit einem wundervoll einfühlsamen und sanften Schreibstil. Er versteht es, seine Leser in den Bann zu ziehen und sie mit einer traurig-fröhlichen Handlung und Haltung an das Buch zu fesseln. Auf jeden Fall ein Roman, der Mirko Bonné und seinem Ruf als virtuoser Autor vollends gerecht wird.

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  • Rezension zu "Wie wir verschwinden" von Mirko Bonné

    Wie wir verschwinden
    jess020

    jess020

    06. September 2009 um 14:28

    Mirko Bonné wurde 1965 am Tegernsee geboren. Nach drei Romanen und mehreren Gedichtbänden veröffentlicht der preisgekrönte Autor, Mirko Bonné, nun seinen vierten, aktuell für die Longlist des Deutschen Buchpreises 2009 nominierten Roman "Wie wir verschwinden". In dem Roman erzählt Mirko Bonné von einer tiefen Jugendfreundschaft, die vor vielen Jahrzehnten an zwei Frauen und einem dramatischen Unfall zerbrach. Einem Autounfall, bei dem Albert Camus als Beifahrer Michel Gallimards, einem Neffen seines Verlegers, tödlich verunglückte. Zum Inhalt: Raymond ist Witwer, seine Frau Véronique ist vor zwei Jahren an Krebs verstorben. Er hat zwei erwachsene Töchter, Jeanne und Penelope, und eine liebenswürdige Nachbarin, die sich um ihn kümmert, die er aber nicht sonderlich mag. Eines Tages erhält er überraschend einen Brief. Einen Brief von Maurice Ravoux, seinem Jugendfreund, den er seit vierzig Jahren weder gesehen noch gesprochen hat. Maurice ist todkrank und erzählt in seinen Briefen die Geschichte um Albert Camus' Tod, den sowohl er als auch Maurice miterleben mussten. Ein Autounfall bei Villeblevin, dem Heimatort der beiden Freunde, irgendwo auf dem Weg zwischen der Provence-Alpes-Côte d’Azur und Paris. Mit dem Unfall begann der Riss in einer tiefen, bis dahin unzertrennlichen scheinenden Freundschaft. Maurices Briefe fördern in Raymond längst vergessene Erinnerungen zurück ans Tageslicht, Erinnerungen, die leider nicht immer gut waren. Erinnerungen an die "Maschine des Verschwindens", an Véronique, an Maurice und Délphine und nicht zuletzt an Délphine und ihn selbst. Gleichzeitig durchleben seine Töchter einschneidende Veränderungen: Jeanne verlässt ihren Mann, Penelope lernt einen neuen kennen und wird prompt schwanger. Zudem erkennt Raymond seine Liebe zu Robertine Sochu - der netten Nachbarin - und dass längst nicht alles so rosig war, wie es einst schien... Fazit: Mirko Bonné erzählt in "Wie wir verschwinden", wie wichtig Familie und Freundschaft für uns Menschen sind und wie leicht diese von einer Sekunde auf die andere zerbrechen können. Er erzählt dabei mit einem wundervoll einfühlsamen und sanften Schreibstil. Er versteht es, seine Leser in den Bann zu ziehen und sie mit einer traurig-fröhlichen Handlung und Haltung an das Buch zu fesseln. Auf jeden Fall ein Roman, der Mirko Bonné und seinem Ruf als virtuoser Autor vollends gerecht wird.

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  • Rezension zu "Wie wir verschwinden" von Mirko Bonné

    Wie wir verschwinden
    HeikeG

    HeikeG

    30. August 2009 um 12:30

    Möglichkeiten, das Leben zu lieben . "Wie wir verschwinden" - der Titel des vierten Romans des Hamburger Schriftstellers Mirko Bonné ist mehrdeutig. Verschwinden? Wohin? Wer? Und warum? Verschwinden - ein Wort, das vielschichtig gedeutet werden kann. Davonlaufen, sich fortstehlen, abhanden kommen, nicht mehr vorhanden sein oder sich entfernen, sind nur ein paar Synonyme, die dazu einfallen. Und alle treffen sie mehr oder weniger auf die im Buch agierenden Personen und/oder deren Gefühle und Empfindungen zu. . Zudem scheint der Tod, das Sterben, ein alles verbindendes Element zu sein. Dies klingt ziemlich düster, schwarz und destruktiv. Aber nicht so Bonnés Erzählung. In seiner Grundstruktur ist "Wie wir verschwinden" ein durch und durch optimistischer Roman. Der Autor selbst: "Es geht auch darum, einem älteren Menschen wieder Spaß am Leben haben zu lassen. Es geht im Grunde darum, ihn dazu zu bringen, die Geschichte seiner Kränkungen, Verletzungen und all diesen Dingen, die ihm das Leben vermiest haben, zu überwinden." . Gekränkt und verletzt ist auch der Ich-Erzähler Raymond Mercey, ein frühpensionierter 63-jähriger Witwer, der sich von einer Herzerkrankung erholt. Als er nach längerem Klinikaufenthalt zu Hause eintrifft, erwartet ihn ein Brief seines ehemaligen besten Freundes Maurice Ravoux, inzwischen Schriftsteller im letzten Stadium einer unheilbaren Lateralsklerose, der ihn nach "46 Herbste[n], 46 Winter[n] und eine[m] Jahrhundertsommer" um Verzeihung bittet. Doch Raymond, seit dem Tod seiner Frau Veronique apathisch und depressiv, kann nicht verzeihen. "Wen kümmert schon wirklich die Seelenpein eines anderen. Eine Fehlfunktion von Gehirn und Neurotransmittern. Wen kümmerte die meine? Einen, so schien es, der im Sterben lag, den ich seit 38 Jahren nicht mehr gesehen hatte. Aber hatte mich deshalb auch gleich seine Seelenfehlfunktion zu kümmern?" . Hervorgerufen wurde diese Verletzung durch einen Verrat. "Wir hatten jahrelang einen gemeinsamen Traum gehabt, aber diese Jahre, vier oder fünf, waren mittlerweile zehnmal solange Vergangenheit. Der Traum war verschwunden, so verschwunden, wie wir mit unserer Maschine hatten verschwinden wollen." Gemeinsam hatten Maurice und Raymond die "Große Maschine des Verschwindens" gebaut - eine Draisine -, auf der sie aus ihrem engen Dorf Villeblin südöstlich von Paris fliehen wollten. Doch Maurice verrät ihr Geheimnis, zuerst der Jugendliebe von Raymond - Delphine, um sich dann mit jener ganz aus dem Staub zu machen. Für Raymond geht seine Kindheit an diesem verhängnisvollen Tag, dem 4. Januar 1960, zu Ende. . Verhängnisvoll ist auch der schwere Verkehrsunfall, der sich just in dem Moment ereignet, als die beiden Halbwüchsigen Villeblin den Rücken kehren wollen. Einer der beiden Unfalltoten ist derer beider Idol, der Schriftsteller und Philosoph Albert Camus (dessen Freund- und Feindschaft zu Jean-Paul Sartre Analogien zu Maurice und Raymond aufweist). Sein Geist und sein berühmtes Werk "Mythos des Sisyphos" stehen über der Handlung des gesamten Romans. Maurice beginnt über den Vorfall einen Roman zu schreiben, dessen Entwurf er Raymond in seinem ersten Brief beilegt und der in den folgenden Korrespondenzen langsam Gestalt annimmt. . Doch zur Versöhnung ist Raymond, der sich "fehl am Platz [fühlt] in der Ordnung der Dinge, die anscheinend nur auf Konflikt, Streiterei, Auseinandersetzung und Feindseligkeit beruhte", noch nicht bereit. Erst das Zerbrechen der Ehe seiner Tochter Jeanne und die wachsende Freundschaft zu seiner Nachbarin Robertine reißen ihn aus seiner Lethargie und lassen ihn über das Leben, das keineswegs mit Anfang 60 zu Ende ist, nachdenken. "Eine Trennung, so heilsam sie anfangs sein mag, bedeutet immer auch, dass die Hälfte von einem selbst verloren geht - als hätte man mit dem anderen, den man aufgibt, die Kraft zu unterscheiden verloren." Schritt für Schritt, mehr leise als laut, gewinnt Raymonds Leben wieder an Struktur und Helligkeit. "Vielleicht musste man manchmal Fehler machen, damit man merkte, dass man noch lebte." Nicht der Verlust des Lebens, sondern der Lebendigkeit ist das Schlimmste was einem passieren kann. "Wie wir verschwinden" setzt sich ganz nach Albert Camus mit der Frage auseinander, wie man die Liebe zum Leben erhalten kann. . Mirko Bonnés Roman beginnt ganz leise und unspektakulär. Anfangs umkreist der Plot den Leser wie ein trudelnder Schmetterling. Es fehlt etwas klar Greifbares, Substantielles. Bonnés Stoff, seine Wesenheit, ist zunächst schwer fassbar und der Hintergrund diffus, die Zeit scheint nahezu gedehnt. Man weißt noch nicht, worum es eigentlich geht. Doch mit zunehmendem "Geschehen" bekommt die Handlung mehr und mehr Klarheit. Der Plot verdichtet sich und nimmt Gestalt an. Licht und Schatten gewinnen Konturen. Zunehmend kommt die "Maschine des Verschwindens", die so lange auf dem toten Gleis stand, in Fahrt. . Fazit: "Wie wir verschwinden" ist der leise, aber intensive, unzeitgemäße Roman einer Freund- und Feindschaft im Gestern und im Heute. Angesiedelt in Frankreich ist auch sein gelassen erzählerischer Ton durch und durch französisch. Ein Buch von der Liebe und der Eifersucht, von Tod und Verlust, aber und vor allem vom Leben. Der Roman ist einer von 20 Titeln, der für die Longlist zum Deutschen Buchpreis 2009 nominiert wurde.

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