Miron Zownir , Nico Anfuso Pommerenke

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Inhaltsangabe zu „Pommerenke“ von Miron Zownir

Er war "das Ungeheuer vom Schwarzwald": Der Serienmörder Heinrich Pommerenke (1937 – 2008) versetzte im Jahr 1959 eine ganze Region in Angst und Schrecken und beging eine unvergleichliche Serie von mehr als sechzig Überfällen, Gewaltverbrechen, Vergewaltigungen und Morden.

Anfang unseres Jahrtausends besucht die junge Journalistin Billie den Verbrecher einige Male im Gefängnis, weil sie seine Biografie schreiben möchte. Das Ungeheuer ist nun ein alter Mann, aber noch immer ein Meister darin, Menschen zu manipulieren …

Während der Beschäftigung mit Pommerenke und seinen Morden driftet Billie tatsächlich immer weiter in eine Wahnwelt ab. Ihre Recherchen werden immer atemloser, die grausamen Taten und die Überführung des Mörders werden Teil ihrer Realität. Das Leben des Serienmörders setzt sich langsam zusammen, das von Billie zerfällt.

Ein auf vielen Ebenen packender Psycho-Thriller, der das traditionelle True-Crime-Genre auf faszinierende Weise erweitert – filmisch erzählt, hochspannend und extrem fesselnd.

»Gewalt ist toxisch, der Umgang mit Monstrositäten lebensgefährlich. Zownir & Anfuso erzählen meisterhaft von einer jungen Frau, die sich radikal diesem Risiko aussetzt.« Thomas Wörtche

Eine Journalistin gerät bei der Recherche zum Serienmörder Pommerenke an ihre Grenzen. Ungewöhnlicher, aber interessanter True-Crime-Roman.

— Gulan

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Wieder ein sehr guter Fitzek. Spannend und undurchschaubar bis zum Schluß.

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Ich hätte mir von diesem Buch mehr erhofft.

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  • Das Ungeheuer vom Schwarzwald.

    Pommerenke

    Gulan

    18. November 2017 um 16:47

    Eine halbe Stunde später beobachtete Heinrich im Wirtshaus Südstern eine Kellnerin bei der Abrechnung. Draußen standen noch Leute herum, und er fragte sich ungeduldig, was ihm die Kellnerin einbringen konnte. Sex und Geld, aber das genügte ihm nicht. Er hatte immer Liebe gewollt. Liebe um jeden Preis. Aber Amor war der Teufel im Schafspelz. Heinrich hatte ihm alles geopfert, und er hatte ihm alles genommen. Dass der Preis zu hoch war, bezahlten jetzt andere. Nach langen Jahren der Demütigung und Qualen war Hass die einzige Empfindung, die ihn mit seiner Vergangenheit versöhnte, seine Gegenwart rechtfertigte und seine Zukunft bestimmte. Er hatte die Liebe aus seinem Leben gelöscht und seine Seele mit Hass aus einem Eisberg geschmolzen. Er fühlte sich so vogelfrei und gesetzlos wie ein entlassener Sträfling, den man mit einem Hirschfänger im Dschungel ausgesetzt hatte... (S.235) Anfang unseres Jahrtausends verfolgt die junge Journalistin Billie ein ehrgeiziges Projekt: Sie recherchiert den Fall des Serienmörders Heinrich Pommerenke, sucht Kontakt zum immer noch Inhaftierten, weil sie seine Biografie schreiben will. Dabei gerät das Leben von Billie immer mehr aus den Fugen. Je länger sie schreibt, je tiefer sie in Pommerenkes Leben eindringt, desto mehr verliert sie den Bezug zur Realität und gleitet in die Paranoia. Das Ungeheuer vom Schwarzwald Heinrich Pommerenke ist wohl einer der bekanntesten Gewalttäter und Serienmörder Deutschlands. „Das Ungeheuer vom Schwarzwald“ war bereits als Jugendlicher straffällig geworden, doch im Jahr 1959 steigerte sich dies in eine unheimliche Gewaltserie. Am Ende gestand Pommerenke 65 Straftaten, darunter vier Morde und sieben Mordversuche. Im True-Crime-Erzählstrang werden die Ereignisse aus Pommerenkes Sicht geschildert. Er wirkt als unreifer, unsicherer junger Mann mit einer extrem verkorksten Kindheit ohne tiefe Geborgenheit und mit Ausnahme zu seiner Schwester ohne echtes Vertrauensverhältnis. Es wird beschrieben, wie der Besuch des Kinofilms „Die zehn Gebote“  und der Tanz ums goldene Kalb der Auslöser für seinen religiös-begründeten Hassausbruch auf Frauen wurde. Noch am Abend nach dem Kinobesuch beging er in Karlsruhe seinen ersten Mord. Die weiteren Ereignisse (teilweise als Rückblenden) werden im Buch sehr intensiv und schockierend, aber gleichzeitig fesselnd erzählt. Dabei entwickelt man in manchen Momenten sogar Mitleid mit diesem armen, alleingelassenen Heinrich Pommerenke, um dann wieder von seiner brutalen Gewalt, seinem pseudoreligiösen Hass und seiner fehlenden Reue extrem abgestossen zu werden. Pommerenke wurde im Sommer 1959 gefasst und war bis zum seinem Tod 2008 inhaftiert, am Ende war er der am längsten einsitzende Häftling der Bundesrepublik. Die ambitionierte Journalistin Die Geschichte von Heinrich Pommerenke wird in diesem True-Crime-Roman in die Geschichte von Billie eingebettet. Billie ist eine Journalistin in den Zwanzigern, frisch verheiratet mit Branco, einem Kameramann. Doch die Flitterwochen werden in Venedig jäh unterbrochen, weil Branco einen Job in New York wahrnimmt. So wartet Billie alleine im neu bezogenen Loft in Berlin. Aber dort fühlt sie sich nicht heimisch. Zur Ablenkung stürzt sie sich vollständig in ihr Pommerenke-Projekt, stellt nach und nach die Kapitel fertig. Die Ungeheuerlichkeit von Pommerenkes Gewalttaten setzt ihr immer mehr zu, sie beginnt sich in den Monstrositäten zu verlieren. Gleichzeitig erfährt die labile Billie in der Realität keinen Ausgleich. Auch als Branco wiederkehrt, findet er keinen Zugang zu ihr. Weitere Dinge kommen hinzu: Im Hinterhof ein Abrisshaus, Ratten an der Hintertreppe, ihr Kater stirbt an Giftködern, die Erinnerung an eine Abtreibung. Außerdem nimmt ihr Marihuana-Konsum ständig zu. Die Folge: Billie wird zunehmend wahnhaft, paranoid, die Taten Pommerenkes werden Teil ihrer Wahrnehmung. Billie hatte fast so etwas wie Schuldgefühle beim Lesen empfunden. Hatte sie nicht in den intimsten Sphären fremder Menschen herumgeschnüffelt? […] Dass sie sich nicht mehr so gut konzentrieren konnte, ihr Gedächtnis sie manchmal im Stich ließ und ihre räumliche und zeitliche Orientierung sich immer häufiger ins Ungewisse verirrte, schob sie auf ihr angespanntes Verhältnis zu Branco. Ohne seinen emotionalen Rückhalt war die Eiseskälte ihres Protagonisten kaum zu ertragen. Sie hatte sich in einen tiefen Abgrund gewagt und nun Angst bekommen, nicht wieder herauszufinden. (S.258) Psychologisches Das Buch ist inhaltlich so konzipiert, dass die Geschichte von Heinrich Pommerenke immer dann weitererzählt wird, wenn Billie im anderen Strang an Pommerenkes Biografie arbeitet. Billie fährt auch zweimal nach Bruchsal bzw. nach Pforzheim, um mit Pommerenke zu sprechen. Auch die Autorin Nico Anfuso hatte die Gelegenheit, den Serienmörder im Gefängnis zu interviewen. Billie und Pommerenke bilden die zwei Fixpunkte im Buch, in beiden Strängen werden die Figuren intensiv betrachtet. Die Psychologie beider Personen spielt die Hauptrolle im Buch. Ich muss gestehen, dass ich teilweise Schwierigkeiten hatte, die Persönlichkeitsveränderung von Billie nachzuvollziehen, zumal auch Pommerenke nicht unbedingt als intelligent-verbrecherischer Manipulator dargestellt wird. Allerdings halte ich es durchaus für nachvollziehbar, dass der intensive Umgang mit Verbrechen solchen Ausmaßes labile Personen beeinflussen kann. Literarisch ist das Ganze auf jeden Fall gut gemacht, die psychische Veränderung Billies findet sich am Ende auch in sprachlichen Besonderheiten wieder. Insgesamt hat mir dieser Roman gut gefallen und ich darf ihn allen empfehlen, die für eine ungewöhnliche Behandlung eines True-Crime-Themas aufgeschlossen sind. Ein Extra-Lob gibt es für das großartige Cover mit der V200-Lok.

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