Miroslaw Nahacz Bombel

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Inhaltsangabe zu „Bombel“ von Miroslaw Nahacz

Bombel sitzt mitten in seinem Dorf an einer Bushaltestelle und redet mit sich selbst: über einen Ausflug in die Slowakei, über Zigeuner, Fische, ein ausgebrochenes Feuer, eine Überschwemmung. Bombel erzählt sich Geschichten vom Leben und vom Tod, von Träumen und Enttäuschungen, von sonderbaren Freundschaften und dem Sonderbarsten überhaupt: dem eigenen Ich. „Bombel“ ist ein lustiges und trauriges, ein ungebärdiges und irritierendes Buch, etwas Singuläres wie etwa Jerofejews „Reise nach Petuschki“ oder Bohumil Hrabals „Tanzstunden für Erwachsene und Fortgeschrittene“. „Bombel“ ist eine Arie des Widerstands, die jeder, der einmal einsam war, schon gesungen hat.

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  • Rezension zu "Bombel" von Miroslaw Nahacz

    Bombel
    Kornelis

    Kornelis

    09. January 2009 um 13:46

    Da sitzt er, unser Erzähler, Bombel, vor Sonnenaufgang an seiner Bushaltestelle in der tiefsten polnischen Provinz und redet mit sich selbst, denn da ist niemand, mit dem er sprechen könnte. Seine halsbrecherischen Anekdoten und Abschweifungen berühren alle denkbaren - und alle abwegigen Themen: Da philosophiert er über die Möglichkeit junge Touristinnen zu verführen, die sich in seinem Bauernhof einmieten könnten, da werden seltsame Träume interpretiert, da geht es darum, was Gott und seinem Personal für Pannen unterlaufen sind, da wird berichtet, aus welchen Gründen er das Angeln hasst, wir lernen etwas über fiese Zigeuner und deren verführerischen Frauen, über behäbige Polizisten und seltsame Sonnenanbeterinnen und immer wieder geht es um die Gier nach Wodka, Zigaretten und Sex. Denn genau das ist, was Bombel am meisten fehlt. Und während er darauf wartet, dass ihm etwas davon in den Schoß fällt, plappert er munter drauf los, „weil es dann nicht so saugt.“ Die Bedeutung von Freundschaft, das pralle, verrückte Leben und eine skurrile Hauptfigur zeichnen dieses einzigartige Buch aus. Bombel ist der zweite Roman von Mirosław Nahacz, dem hier bislang unbekannten Shootingstar der polnischen Literaturszene, der sich mit nur 23 Jahren 2007, betrunken und im Drogenrausch, in Warschau das Leben nahm. 2008 erschien Renate Schmigdalls sprachgewaltige Übersetzung bei weissbooks.w in Frankfurt. Meiner Meinung nach ein genauso großer Coup wie Jerofejews Reise nach Petuschki. Eine riesige Entdeckung dieses Wahnsinns-Buch, das ich jedem ans Herz lege!

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  • Rezension zu "Bombel" von Miroslaw Nahacz

    Bombel
    KollegeKraftwagen

    KollegeKraftwagen

    03. January 2009 um 23:08

    Bombel sitzt an seiner Bushaltestelle, obwohl kein Bus kommen wird. Er hat keinen Alkohol mehr, braucht ihn aber dringend, seine Stütze ist alle, deshalb sitzt er hier, um die Tage hinter sich zu bringen, bis das neue Geld ihn erlöst. Er vertreibt sich die Zeit mit Erzählen, von seinem Leben, seinen Augenreiben provozierenden Abenteuern, von Unglaublichkeiten aus dem Dorf oder dem Fernsehen, auch Geschichten, die ihm Freunde erzählt haben, werden ordentlich ausgeschmückt weitergegeben. Das alles sprudelt scheinbar unkontrolliert und wild aus seinem Mund, ein endloser Monolog, mal amüsant, mal mitleiderregend. Mal tendiert er zur Dreistigkeit, mal nimmt er die Dreistigkeiten, die das Schicksal und die polnische Geschichte ihm antun, ohne Widerstand auf sich. Mal ist er glasklar (selten), mal läßt ihn der Entzug beinahe delirieren (öfter), immer stellt er sich als Schelm dar, der sich gegen die Zumutungen des Lebens zur Wehr setzen und sich nehmen muß, was er kriegen kann. Dieses wilde und ungezügelte Erzählen liest sich für deutsche Augen ziemlich erfrischend, das karnevaleske, alle Hierarchien umstürzende Sinnieren Bombels gibt dabei ein so amüsantes wie erschreckendes Bild vom heutigen Polen. Kaum zu glauben, daß ein Achtzehnjähriger dieses Buch geschrieben hat, noch unglaublicher ist, daß es nicht sein erstes war und er bis zu seinem Selbstmord mit 21 drei Bücher abgeschlossen hatte. Dorota Maslowska ist offensichtlich nicht das einzige Junggenie, das Polen in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Auch Nahacz erzählt wie aus einem Guss, voller Wucht und Sarkasmus, angetrieben von einem geradezu manischen Mitteilungsdrang. Tolles Buch, hoffentlich wird noch mehr übersetzt. Das Nachwort hat übrigens Andrzej Stasiuk beigesteuert, der mit Nahacz befreundet war. In Stasiuks Texte würde Bombel auch gut hineinpassen, er scheint ganz in der Nähe von Dukla zu wohnen.

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