Engel sprechen Russisch

von Mitja Vachedin 
3,0 Sterne bei4 Bewertungen
Engel sprechen Russisch
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10 Jahre kommunistische Sowjetunion.- 10 Jahre kapitalistisches Russland. 10 Jahre Deutschland.

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War mir viel zu konfus, hab es abgebrochen

Alle 4 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Engel sprechen Russisch"

"Mein russisch-deutsches Zahnpastaleben" - Von einem der auszog, das Glück zu finden

»Wie Zahnpasta bestehe ich aus drei Schichten: zehn Jahre sowjetische Kindheit, zehn Jahre wilder russischer Kapitalismus, zehn Jahre Westdeutschland. Rot, blau, weiß - mein russisch-deutsches Zahnpastaleben.«
Mitja hat schon drei Leben hinter sich. Er will endlich mal irgendwo ankommen. Doch das ist gar nicht so einfach, wenn das Scheitern in den Genen liegt: Die Babuschka schaffte es statt nach St. Petersburg nur bis zu einem Vorort an der Bahnstation »125 Kilometer«. Der Großvater, einst stolzer Seemann, verkauft nach dem Zerfall der Sowjetunion Pullover von der Motorhaube seines Ladas. Der Vater, ein bärenstarker Mann, greift nach dem Verlust seines Jobs immer öfter zur Flasche. Deutschland erscheint für Mitja und seine Mutter wie das gelobte Land - werden sie dort endlich Wurzeln schlagen können und ihr Glück finden?
Mitja Vachedin zeichnet ein Leben nach, in dem die Hoffnung auf Besserung zuverlässig von den Launen des Schicksals durchkreuzt wird, und findet zwischen Traum und Alltagsrealität immer wieder einen Zauber im ansonsten selten zauberhaften Alltag.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783421047762
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:224 Seiten
Verlag:DVA
Erscheinungsdatum:25.09.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    Linker_Mopss avatar
    Linker_Mopsvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: War mir viel zu konfus, hab es abgebrochen
    Was will uns der Autor sagen?

    Was will uns der Autor sagen? Diese Frage habe ich mir von der ersten Seite an gestellt und einfach keine Antwort erhalten. Es reihte sich ein konfuses Kapitel an das andere ohne wirklich einen roten Faden zu entwickeln. Deshalb habe ich das Buch nach einem Drittel abgebrochen.

    Schade, denn so eine "Biographie" aus drei Kulturkreisen klang wirklich interessant, aber der Autor hat es einfach nicht geschafft mich in den Bann zu ziehen bzw. eine Story zu kreieren, wo man am Ball bleiben möchte.

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    Curinvor einem Jahr
    Erlebnisse aus Russland und Deutschland

    Im ehemaligen Leningrad geboren, hat Mitja den Untergang der Sowjetunion und den darauffolgenden russischen Kapitalismus miterlebt, bis er schließlich seiner Mutter nach Deutschland gefolgt ist. Sein Leben teilt er selbst in diese drei Phasen ein und erzählt in seinem Roman von vielen Erlebnissen, die ihn geprägt haben... .
    Mich hat dieses teils kuriose, teils aber auch sehr ernste Buch von Anfang an in seinen Bann gezogen. Beim lesen hat man ständig das Gefühl, dass Mitja ein gewisses Talent dafür besitzt, in äußerst ungewöhnliche und manchmal auch sehr gefährliche Situationen hineinzugeraten und man ist gespannt, wie er sich dort wieder hinaus manövriert. So wird er zum Beispiel Zeuge, als sein Cousin eine lebensgefährliche Aufgabe meistern muss. Doch auch in Deutschland erlebt er schwierige Verhältnisse in einem Internat für russischsprachige Jugendliche, wo eine eigene Hierarchie herrscht und er sich unterordnen muss, um von den anderen akzeptiert zu werden. 
    Bei den Geschichten hat mich oft gestört, dass es keine fließenden Übergänge gibt und manche sogar scheinbar in der Mitte abbrechen und erst später zu Ende erzählt werden. Mir war auch beim lesen nicht ganz klar, welche Freiheiten er sich als Autor bei seinen Erlebnissen genommen hat. Schließlich bezeichnet er sein Werk als ,,Roman" und kennzeichnet es damit eindeutig als Fiktion. Da aber auch offensichtliche biographische Züge im Buch vorhanden sind, hätte ich mir ein Nachwort gewünscht.
    Mitja Vachedin schreibt einfach und schafft es, seinen Leser wirklich in die jeweilige Situation hineinzunehmen. Mit viel Humor und manchmal mit einer zu großen Offenheit für meinen Geschmack, schildert er seine Erlebnisse aus Russland und Deutschland. 
    Insgesamt hat mich ,,Engel sprechen russisch" gut unterhalten. Dieses Buch ist teilweise etwas verrückt, aber man merkt auch, dass der Autor sehr viel Herzblut investiert hat. Gerne empfehle ich diesen Roman weiter.

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    miss_mesmerizeds avatar
    miss_mesmerizedvor einem Jahr
    Kurzmeinung: 10 Jahre kommunistische Sowjetunion.- 10 Jahre kapitalistisches Russland. 10 Jahre Deutschland.
    Mitja Vachedin - Engel sprechen Russisch

    Mit Anfang 30 fragt sich Mitja Vachedin, wer er eigentlich ist. Am besten passt die Metapher der Zahnpasta, die aus drei Schichten besteht, so ist nämlich auch er: eine Schicht russischer Kommunismus der 80er Jahre. Eine Schicht russischer Kapitalismus nach dem Zusammenbruch und dann noch einmal 10 Jahre in Deutschland. Diese Erfahrungen haben ihn zu dem Mann gemacht, der er heute ist. Er lässt sein noch kurzes Leben episodenhaft Revue passieren: Die Kindheit, die aus endlos langen Sommern am See und der Datscha bestanden. Die Jugendjahre im chaotischen Leningrad, das plötzlich St. Petersburg hieß und wo alle versuchten, schnell Geld zu machen. Seine Zeit in Deutschland, zunächst umgeben von unzähligen Russen, die alle im Westen das Glück suchten und dann das Studium, das aber wiederum in ein Nichts führt.

    Die Grundidee von Mitja Vachedins Buch ist nicht wirklich neu. Zahlreiche (auch anekdotische) Romane über russische Spätaussiedler sind in den letzten Jahren erschienen, am bekanntesten dürfte wohl Wladimir Kaminer sein, der inzwischen unzählige Bücher veröffentlicht hat, aber auch Alexandra Friedmanns „Besserland“ oder Sasha Marianna Salzmanns „Außer sich“ nehmen diese Thematik auf. Was macht Mitja Vachedins Geschichte dann lesenswert?

    Für mich waren seine Episoden deutlich nachdenklicher und weniger auf den humorigen Aspekt abzielend als vergleichbare Romane. Auch wenn das Leben in Russland vielerlei Entbehrungen erforderte, dies kommt sehr klar raus, wird es aber nicht als negativ empfunden, auch dort konnte ein Kind oder Jugendlicher Spaß haben und ganz normal wie auch im Westen mit den Freunden die Sommer verbringen und sich ausprobieren. Auch die Ankunft in Deutschland ist nicht so sehr von den negativen Erlebnissen geprägt, was jedoch auch bei Vachedin zwischen den Zeilen herauskommt, ist der lange Zeit fehlende Kontakt tatsächlich zu Deutschen. Die ausgewanderten Russen oder Russlanddeutschen bleiben weitgehend unter sich und bilden eine ganz eigene Kultur heraus.

    Vieles ist heiter und lädt zum Lachen ein ob der Absurdität, an vielen Stellen wird man jedoch auch nachdenklich, vor allem stellte sich für mich die Frage, inwieweit diese zerrissene Identität ursächlich für die wenig zielgerichtete berufliche Planung ist. Ein abgeschlossenes Studium und dann im Supermarkt Regale einräumen?

    Mitja Vachedin erzählt keine außergewöhnliche Geschichte, kein besonderes Leben, das sich von allen anderen abhebt. Und darin liegt seine Stärke: er findet das Interessante im Alltag, die banalen Situationen können entscheidend werden und sind es auch wert, dass man ihnen Aufmerksamkeit schenkt. Vor allem gelingt es ihm, Stimmungen und Atmosphären zu transportieren, man kann seinen Figuren nachempfinden, wie es ihnen ergangen ist. Er hat das Buch seiner Familie gewidmet, diese ist das Band, das auch die Episoden zusammenhält und zu einem Ganzen werden lässt. 

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    GrueneRonjas avatar
    GrueneRonjavor einem Jahr
    Über ein Zahnpastaleben

    „Schickt uns alle direkt in den Himmel, lasst es ewig so bleiben, mehr brauche ich wirklich nicht.“ (S.66)


    Engel sprechen Russisch beschreibt das Zahnpastaleben des Autors: drei Schichten, drei Jahrzehnte, drei Städte: Leningrad, Sankt Petersburg und eine Stadt am Rhein. Es sind schöne Jahre. Verrückte Jahre. Und manchmal kaum zu glauben.


    Der Autor erzählt Geschichten aus seiner Jugend, vermischt mit Gedanken und Fantasien. Alles aus der Ich-Perspektive, sodass man das Gefühl hat bei einer Flasche Vodka alles direkt erzählt zu bekommen. Wir lernen seine Mutter und seine Babuschka kennen, seine Freunde und das kleine russische Leben. Und am Ende stehen wir wieder am Anfang. Beim Zahnpastaleben.

    Der Schreibstil ist sehr flüssig, die Geschichten spannend, alles in allem ein nettes, kleines Buch für Zwischendurch.

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