Das Buch hat mich in gewisser Weise überrascht. Ich hatte aufgrund der Beschreibung reine, schnell geschriebene Erotik erwartet, aber tatsächlich steckt zwischen den eindeutig erotischen Elementen auch ein gewisser erzählerischer Sog, der vor allem aus der Figurenkonstellation entsteht.
Leonora wird als jemand dargestellt, die in einer Zwangslage steckt – nicht nur finanziell, sondern auch emotional. Gerade das macht sie zu einer Figur, die man nicht sofort abtun kann. Sie ist impulsiv, selbstbewusst und zugleich offensichtlich auf der Suche nach Kontrolle in einer Situation, die ihr zu entgleiten droht. Dieses Spannungsfeld fand ich interessanter als die erotischen Szenen selbst.
Zwischen ihr, Tim und Damian entsteht eine Dynamik, die an manchen Stellen fast voyeuristisch, an anderen wiederum überraschend offen wirkt. Das Buch versucht gar nicht erst, moralisch zu sein – es präsentiert seine Handlung provokant, direkt und ohne Scham. Und genau das macht seinen Reiz für jene aus, die solche Tabubrüche in Literatur bewusst suchen.
Stilistisch ist die Geschichte schnell und unkompliziert erzählt, eher wie ein impulsiver Blick in ein Leben, das gerade dabei ist, Grenzen neu zu definieren. Man merkt, dass es ein Roman ist, der nicht durch Tiefe glänzen will, sondern durch Intensität und Eskapismus. Wer also eine Handlung mit komplexen Charakterentwicklungen oder viel emotionaler Feinzeichnung erwartet, wird hier weniger fündig. Wer jedoch eine direkte, fantasievolle und sehr freimütige Erzählung sucht, bekommt genau das.
Für mich persönlich war es vor allem ein Buch, das man nicht rational liest, sondern aus reiner Neugier – mit einem gewissen Augenzwinkern und dem Wissen, dass es genau das liefert, was es verspricht: eine provokante, hemmungslose Fantasie, die keinerlei Wert auf Zurückhaltung legt.