Mohammed Hanif

 3.7 Sterne bei 52 Bewertungen
Mohammed Hanif

Lebenslauf von Mohammed Hanif

Der Autor Mohammed Hanif ist in Pakistan geboren und arbeitet as Schriftsteller und Journalist. Er lebt in Karachi und ist dort Korrespondent der BBC. Bevor er zu Schreiben begann war er Pilot bei der pakistanischen Luftwaffe. Nach seinem Umzug nach London war er journalistisch tätig und schrieb Artikel für „The Guardian“ oder die „New York Times“. Er hat auch kreatives Schreiben an der University of East Anglia unterrichtet und Theaterstücke verfasst. Sein Debütroman „Eine Kiste explodierender Mangos“ hat als Politsatire Furore gemacht und wurde bereits kurz nach dem Erscheinen für den Man Booker Prize nomiert. Aktuell ist Mohammed Hanif der Preisträger des Belletristikpreises des Internationalen Buchpreises Corine 2009.

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Erscheint am 05.03.2019 als Hardcover bei Hoffmann und Campe.

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Rezension zu "Eine Kiste explodierender Mangos: Roman" von Mohammed Hanif

Wie es wirklich war...
Xirxevor 3 Jahren

Im August 1988 explodierte kurz nach dem Start das Flugzeug des pakistanischen Militärdiktators Zia ul-Haq, wobei er sowie einige seiner Generäle und der amerikanische Botschafter ums Leben kamen. Bis heute sind die Ursachen, die zu diesem Unglück führten, nicht bekannt. In dem Buch mit diesem ungewöhnlichen Titel stellt der Autor Mohammed Hanif seine eigene Sicht der Dinge dar - und das in einer eher ungewöhnlichen Form.
Stets kapitelweise wechselnd erfolgt ein Bericht der Hauptfigur, des jungen Luftwaffenkadetten Ali Shigri und (zumeist) ein zeitgleicher Abschnitt aus dem Leben Zia al-Haqs. Während Shigri einen zu Beginn mysteriösen Plan zu verfolgen scheint, der ihn in eine ausgesprochen schwierige Situation bringt, fühlt sich der Diktator von allen Seiten bedroht - nicht immer zu Recht. Auch die Sichtweisen anderer Personen spielen in den Kapiteln eine Rolle, denn irgendwie haben diese alle ihren Anteil an dem zu Beginn genannten Unglück.
Was sich nun vielleicht eher wie eine kriminalistische Aufklärungsgeschichte anhören mag, ist jedoch eine herrliche Satire auf die Situation in den Herrschaftsverhältnissen dieser Militärdiktatur. Zia ul-Haq wird als ein sehr gläubiger Moslem dargestellt, überaus eitel und voller Paranoia vor möglichen Attentätern. Selbst der Generalsekretär der Straßenfegergewerkschaft sitzt deswegen im Kerker. Doch die Ängste des Diktators entbehren nicht ganz jeglicher Grundlage: Seine Führungsriegen sind ausschließlich auf ihren eigenen Vorteil bedacht und jeder katzbuckelt und intrigiert so gut und viel wie möglich. Shigris Kapitel dagegen beschreiben die Wilkür und Gewalt, der im Prinzip jeder (nicht nur Soldat) ausgesetzt sind. Doch sein Tonfall ist dabei so wunderbar trocken, dass ich beispielsweise selbst bei der Beschreibung der unschönen Unterbringung in der Folterkammer lachen musste (schon mal was von 'Do-it-yourself-Folter' gehört?).
Ein witziges Buch mit einem ernsten Hintergrund, das nicht immer ganz einfach zu lesen ist, da die häufigen Zeitsprünge gelegentlich irritierend wirken.

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Rezension zu "A Case of Exploding Mangoes" von Mohammed Hanif

Explodierende Mangos für den Diktator
Ein LovelyBooks-Nutzervor 4 Jahren

Ali Shigri kommt aus einem anerkannten und hoch dekorierten Elternhaus: Sein Vater war ein bekannter Colonel bei der pakistanischen Armee mit gutem Ruf. Bis er eines Tages an einem Bettlaken hängend aufgefunden wurde. Offiziell gilt sein Tod als Selbstmord, der Sohn allerdings hat seine Zweifel an dieser Theorie. Täglich geht er seinen Pflichten als Pilot der Luftwaffe und als Trainer einer Silent Drill Einheit nach. Insgeheim aber sucht er eine Möglichkeit, den Tod seines Vaters zu rächen. Shigri macht General Zia ul-Haq, der sich etwas mehr als 10 Jahre zuvor an die Staatsspitze geputscht hatte, für den Tod verantwortlich.

Shigris Geschichte setzt ein, als sein Zimmerkollege Obaid eines Morgens nicht mehr da ist. Shigri macht Meldung und durchläuft routiniert, aber ahnungslos, die folgenden Fragerunden. Wie es aussieht, hat Obaid ein Flugzeug gekapert und Shigris Erkennungssignal benutzt. Shigri kann es sich nicht erklären und hält die Sache für erledigt. Nicht so der Geheimdienst. Dessen Chef General Akhtar, nach General Zia der zweitwichtigste Mann im Staat, lässt Shigri in den Kerker sperren und meint, mehr herausfinden zu können.

Hanif verknüpft die Geschichte von Shigri mit der von Zia, der zu diesem Zeiptunkt bereits massiv an Macht und Selbstbewusstsein eingebüßt hat. Dabei wechselt Hanif nicht nur regelmäßig zwischen diesen beiden Kernfiguren; er springt zudem entlang der Zeitskala hin und her. Szenen vor Obaids Verschwinden wechseln sich mit Szenen danach ab und es empfiehlt sich, am Buch dranzubleiben, sonst werden die Zuordnungen immer schwieriger. Die Sprünge rücken andererseits aber immer mehr Personen in klareres Licht. In Pakistan verfolgen viele Würdenträger innerhalb der Militärdiktatur eigene Ziele. In einem Land, in dem man sich die Macht mühelos heranputschen konnte, ist der effiziente Ausbau der eigenen Macht nur eine Frage der eigenen Skrupellosigkeit und Rafinesse.

General Akhtar gehört zu den Männern, die noch weiter hinauf wollen: Vom zweitwichtigsten Mann zum wichtigsten. Im Weg steht nur einer und den kennt er dank seiner intensiven Abhörtätigkeiten bestens. Aus Zia ist in den Jahren seiner Regierungstätigkeit ein unsicherer Mann geworden, von seiner Frau vor die Tür gesetzt, sich in Paranoia suhlend und überall Mörder sehend. Ihn plagt Wurmbefall und auf Grund seiner Perspektivlosigkeit spielt er mit seinem Koran Weisheiten-Lotto. Als er eines Tages per Koranvers eine in seinen Augen schlechte Prognose bekommt, setzt er seinen Sicherheitscode verängstigt auf die höchste Stufe.

Helfen wird es nicht viel: Das Buch beginnt und endet mit dem 1988 tatsächlich geschehenen Flugzeugabsturz, bei dem Zia, der amerikanische Botschafter sowie ein großer Teil der Regierungsmitglieder ums Leben kamen. Was tatsächlich geschehen war, ließ sich nie eindeutig ermitteln, aber Theorien gab es selbstverständlich viele. Von den Verdächtigen, die seinerzeit gehandelt wurden (darunter CIA, Mossad, KGB oder Indiens Geheimdienst), ist im Buch wenig zu finden. Bei Hanif reichen die Pakistani völlig aus, die Zia an den Kragen wollen. Hanif bringt in seinem Buch eine ganze Handvoll unter und schafft es, am Ende alles konsequent und süffisant zusammen zu führen. Obgleich das Springen zwischen Zeiten und Erzählern manchmal kompliziert wirkt, hält dieser Vortrieb zur Verkettung aller Auslöser das Buch am Laufen.

Das Buch folgt den typischen Grausamkeiten einer Diktatur und nimmt den Leser mit in die Folterkammern oder thematisiert die absurde Verurteilung einer blinden Frau. Dennoch kann das Buch ohne Verdauungspausen gelesen werden. Möglich macht das die satirische Perspektive, mit der Hanif an seine Handlung herangeht. Zia gerät zur Witzfigur, die andere Regierungsgrößen treffen darf, ohne sich mit ihnen staatsmännisch austauschen zu können. In der Militärakademie werden Joints herumgereicht und Akhtar sucht verbissen und eifersüchtig seine Chance. Die diplomatischen Parties des amerikanischen Botschafters werden als sinnfreie und von den Gästen missverstandene Karnevalsgesellschaften dargestellt, die Panzervorführung der US-Amerikaner landet nicht einen Treffer ins Schwarze.

Die explodierenden Mangos waren nur eine der Möglichkeiten, die Zia das Leben gekostet haben könnten. Es lohnt sich nachzulesen, mit was die Mangos bei diesem Flugzeugabsturz in Konkurrenz standen. So sehr man an fremde Geheimdienste oder Staatsvisionen glauben mag, zeigt das Buch durch seine kuriosen Ansätze aber auch, welche merkwürdigen Kleinigkeiten einem mächtigen Staatsmann den Tag versauern können. Vielleicht war am Ende auch nur eine Krähe schuld?

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sabatayn76s avatar

Rezension zu "Alice Bhattis Himmelfahrt" von Mohammed Hanif

'[...] immer sagen, dass das alles normal ist.'
sabatayn76vor 5 Jahren

'[...] immer sagen, dass das alles normal ist. [...] Mehr brauchst du über psychiatrische Betreuung nicht zu wissen.'

Inhalt:
Alice Bhatti arbeitet im 'Herz Jesu Krankenhaus' und trifft dort auf den Polizeispitzel und Bodybuilder Teddy Butt. Trotz vieler Gegensätze und Unterschiede werden die beiden ein Paar und heiraten. Doch kann diese Ehe zwischen den Religionen und zwischen den Welten funktionieren?

Mohammed Hanif erzählt anhand der Liebesgeschichte zwischen Alice und Teddy von Armut und Religion, von Polizeigewalt und Willkür, von der Rolle, dem Status und dem Wert einer Frau.

Mein Eindruck:
Mir hat der Einstieg ins Buch sehr gut gefallen, Hanifs trockener, boshafter und bissiger Humor hat mich bisweilen zum Lachen gebracht, und ich habe mich auf die Lektüre des restlichen Buches sehr gefreut. Leider wird 'Alice Bhattis Himmelfahrt' im Verlauf deutlich schwächer, Hanifs Schilderungen fand ich bisweilen zu ausschweifend und wenig spannend. Das Ende hat mir wiederum recht gut gefallen und wurde noch einmal richtig fesselnd.

Sprachlich ist der Roman oft sehr explizit und derb, was meiner Meinung jedoch gut zum Thema passt. Die Gewaltschilderungen hätten meiner Meinung nach weniger ausführlich und weniger deutlich beschrieben werden können.

Mein größter Kritikpunkt am Roman ist die Tatsache, dass die Liebesgeschichte zwischen Alice und Teddy für mich überhaupt nicht nachvollziehbar war, die Gefühle zwischen den beiden unklar und fremd blieben. Auch die anderen Protagonisten empfand ich als sehr oberflächlich charakterisiert, keiner wurde mir nahegebracht, keinen konnte ich mir bildlich vorstellen.

Mein Resümee:
Mir hat 'Alice Bhattis Himmelfahrt' leider nicht so gut gefallen, und ich kann es nicht empfehlen.

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