Andere Menschen ändern zu wollen, ist wohl eine Illusion, an der schon manche Beziehung gescheitert ist. Wenn man überhaupt etwas verändern kann, dann sind es vielleicht die eigenen Grundeinstellungen und Sichtweisen. Aber selbst das erweist sich in der Regel als ziemlich schwierig, weil man gar nicht weiß, wie man das eigentlich machen soll. In diesem Buch geht es darum, welche unserer Sichtweisen, Ansichten und Glaubenssätze in der Lage sind, jede Beziehung in den Sand zu setzen. Allerdings täuscht der Titel über den wahren Inhalt, denn Charifi möchte seine Leser keineswegs darin unterrichten, ihre vielleicht kriselnde Ehe und ähnliche Gemeinschaften restlos zu ruinieren. Ganz im Gegenteil: Sein sehr kluger Text zeigt vielmehr die meistens selbst aufgestellten Fallen, in die man immer wieder tappt.
Zweifellos ist nicht jede Beziehung noch zu retten. Manche Menschen, die sich aus irgendeiner Situation heraus zusammengetan haben, passen in Wirklichkeit gar nicht zusammen. Ihr gemeinsames Leben ist eine einzige quälende Verschwendung von Lebenszeit, die nur noch aus Angst vor Einsamkeit oder anderen eingebildeten oder realen Abhängigkeiten formal am Leben gehalten wird. Über solche unrettbar verlorenen Beziehungen schreibt Charifi nicht. Wozu auch? Sein Thema sind vielmehr Beziehungen, die eigentlich funktionieren könnten, es aber nicht zufriedenstellend tun, weil die Partner nicht erkennen, dass sie sie durch ihre Eigenheiten, unbewussten Glaubenssätze oder Ängste zu zerstören beginnen.
Charifi, eigentlich ausgebildeter Physiker, betreibt eine Beziehungsberatung. Aus diesen Erfahrungen entstammen offenbar seine zahlreichen lebensnahen Beispiele, die das Buch zusätzlich interessant machen. Irgendwie kennt man davon so manches aus eigenem Erleben oder aus Erzählungen anderer. Nach solchen Beispielen folgen dann Charifis einfühlsamen und klugen Erklärungen. Weil er typische Beispiele diskutiert, bringt er eine gewisse Struktur in die oftmals verwirrende Beziehungswelt. Schwierig wird es allerdings nach diesen Erklärungen. Wie soll man zum Beispiel sein schwaches Selbstbewusstsein oder mangelnde Eigenliebe in etwas Besseres umwandeln? In der Regel ist das der kompliziertere Teil der Geschichte, weil solche Defizite die teuflische Eigenschaft der Selbstbestätigung besitzen. Wer also beispielsweise nicht selbstbewusst genug ist, wird sich wenig trauen, was wiederum nicht dazu beiträgt, selbstbewusster zu werden.
Man kann dieses Buch Menschen empfehlen, die Probleme in einer nicht hoffnungslos verlorenen Beziehung haben und nicht genau wissen, woran es eigentlich liegt. Allerdings müssen sie sich dann bei Charifi darauf gefasst machen, dass nicht auf den Partner, sondern erst einmal auf sich selbst gezeigt wird, denn nur hier hat man eine größere Chance auf Veränderung. Das Buch enthält zahlreiche Anregungen, um auf die Ursachen von Beziehungsproblemen zu kommen. Natürlich lösen Bücher keine Probleme, aber dieses kann helfen, Problemen auf den Grund zu gehen. Und nur so kann man sie lösen. Wenn man sich mit Charifis Stil angefreundet hat, liest sich der Text sehr gut. Er ist nicht so lang, wie man nach der Seitenzahl vermuten würde. Der Zeilenabstand ist ungewöhnlich groß.
Mohsen Charifi
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von Mohsen Charifi
Ein Tag mit der Liebe
Der sanfte Weg der Poesie
Die Kunst, Beziehungen in den Sand zu setzen
Ein Tag mit der Liebe – Hörbuch
Neue Rezensionen zu Mohsen Charifi
Der seit 1961 in Deutschland lebende iranische Psychotherapeut, Physiker und Mystiker Mohsen Charifi lässt in seiner Parabel die Verliebtheit in Form eines jungen Mädchens und die Liebe in Form eines alten Mannes aufeinandertreffen. Im Verlauf des Tages, den sie miteinander verbringen, stellt das junge Mädchen dem alten Mann, der die Verliebtheit aus seiner Jugendzeit gut kennt, viele Fragen. Geduldig, gewissenhaft und weise beantwortet der alte Mann ihr diese Fragen, sodass am Ende alle Ängste, Sorgen und Zweifel beseitigt sind und die Verliebtheit bereit ist zur Liebe.
Hier spricht ohne Frage ein großer Poet, der die Wirklichkeit hinter den Erscheinungen so klar durchdrungen hat, dass die Wahrheit durch die klare, einfache, direkte dialogische Sprache in den Schoß des Lesers fällt. Ein Beispiel gefällig? Auf die Frage der Verliebtheit, was am Küssen ein Schmerzmittel sein soll, was süchtig macht, antwortet die Liebe: „Hinter jedem Kuss, der nicht nur ein Kind der Leidenschaft und Freude ist, verbirgt sich ein Stückchen Hoffung und Sehnsucht. Hoffnung, dass der andere mir das gibt, war nur ich selbst mir geben kann…Solche Küsse befreien dich kurzfristig wie ein Schmerzmittel von deiner Sehnsucht, geliebt zu werden. Doch wie jedes Schmerzmittel befreien dich diese Küsse nicht von der Ursache des Schmerzes.“
Im Zentrum dieser berührenden Parabel steht der Beweis des Satzes: „Was man braucht, kann man nicht lieben.“ Der im Vordergrund stehende Dialog enthält so viele schöne, starke allegorische und symbolhafte Bilder, dass die Fantasie des Lesers angeregt wird und er bereitwillig der Verwandlung von Verliebtheit in Liebe folgen kann. Aus der Perspektive der unglücklichen, ungeduldigen und mit einem Rucksack voller Erinnerungen, Sehnsüchten, Enttäuschungen, Hoffnungen und Ängsten beladenen Verliebtheit macht sich der Leser auf eine Reise zu sich selbst und begegnet dort „versteinerten Erinnerungen“ und „Minutenwahrheiten“, dem schlechten und dem guten Brauchen sowie den zwei Irrtümern der Liebe.
Schließlich dringen wir zusammen mit der Verliebtheit zu den ewigen Fragen der Menschheit vor: „Was ist die Quelle allen Missbrauchens und Leidens?“, „Was ist Glück?“, „Wie verwandeln wir die Ängste in Unbeschwertheit und Leichtigkeit?“ Und schließlich wird auch die letzte Frage noch befriedigend beantwortet: „Warum wurden die Menschen aus dem Paradies vertrieben?“ Die Antworten möchte ich nicht verraten, doch kann man sich manches schwierige Philosophiebuch ersparen, wenn man dieses kleine, feine Buch voller poetischer Perlen, Quintessenzen und Weisheiten liest. Eine Antwort möchte ich zum Schluss aber dennoch verraten. Auf die Frage von Verliebtheit „Wo ist unser Anfang und unser Ende?“ antwortet die Liebe: “Dich gibt es, seit es Menschen gibt. Mich aber gibt es seit Beginn der Zeit. Dich wird es auch so lange geben, wie es Menschen geben wird. Mich wird es immer geben, solange es die Zeit geben wird.“
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