Mohsin Hamid Der Fundamentalist, der keiner sein wollte

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Inhaltsangabe zu „Der Fundamentalist, der keiner sein wollte“ von Mohsin Hamid

Aufrüttelnd, provozierend und mit unwiderstehlicher Sogkraft Lahore. In einem Café sitzen sich ein mitteilsamer Pakistani und ein zurückhaltender Amerikaner gegenüber. Als langsam die Nacht über die Stadt hereinbricht, enthüllt der Pakistani immer mehr Details seiner Lebensgeschichte, und allmählich ahnt man das Drama, das sich zwischen den beiden Männern anbahnt.

Ein Monolog über 190 Seiten, trotzdem nie langweilig

— Gruenente
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  • Eine amerikanische Geschichte

    Der Fundamentalist, der keiner sein wollte
    serendipity3012

    serendipity3012

    30. June 2016 um 18:27

    Eine amerikanische GeschichteMohsin Hamids kluge und sehr lesenswerte Essays, die in dem Band „Es war einmal in einem anderen Leben. Ein Leben zwischen Orient und Okzident“ veröffentlicht wurden, und die ich vor ein paar Monaten las, machten so neugierig auf den Autor, dass ich unbedingt etwas Fiktionales von ihm lesen wollte. Es lag nah, zu seinem vielleicht bekanntesten Roman zu greifen: „Der Fundamentalist, der keiner sein wollte“ erschien 2007 und war im gleichen Jahr für den Booker Prize nominiert. Zu Recht? Ganz klar: Ja.In einem Café in Lahore trifft der Erzähler des Romans, Changez, ein Pakistani, auf einen Amerikaner, dem er an nur einem Abend aus seinem Leben, das heißt, von der Zeit erzählt, die dieser in den Vereinigen Staaten verbracht hat, die Jahre vor und nach dem 11. September 2001. Da der Roman seinen Reiz unter anderem dadurch erhält, dass der Leser nicht weiß, wohin die Geschichte sich entwickeln wird, möchte ich zur Handlung nicht viel verraten, nur so viel: Changez ist zurück in Pakistan, sein Leben in den USA eine abgeschlossene Sache, die sich wohl nicht wiederholen wird, dies wird schnell klar. Warum? Weil er in irgendeiner Form gescheitert ist, obwohl es zunächst nicht danach aussah, hatte er doch einen gutbezahlten, prestigereichen Job, kam zurecht und fühlte sich als einer von ihnen, dazugehörend, so weit möglich, jedenfalls in zufrieden stellendem Maß.Als Leser weiß man nie, in welche Richtung sich die Geschichte Changez’ entwickelt, will dies aber schon nach wenigen Seiten unbedingt wissen, verliert sich einerseits immer wieder in seinen Schilderungen über ein Leben, das dem unserem sehr ähnlich ist, mit bekannten Problemen im Job und auch in Liebesdingen. Andererseits aber wird man immer wieder zurückgeholt, teils durch Changez selbst, der aus seiner eigenen Erzählung heraustritt und den Amerikaner direkt anspricht, teils auch dadurch, dass man spürt, vielleicht steuern wir auf ein unheilvolles Ende zu, sind uns dessen aber nie sicher. Diese sehr gekonnte Technik macht einen großen Reiz des schmalen Romans aus. Man taucht ab in die Erzählungen Changez’ und wird von ihm „geweckt“, daran erinnert, dass wir in einem Café in Lahore sitzen, wenn er das Verhalten des Amerikaners kommentiert, Fragen beantwortet, die dieser stellt, wobei, und dies ist der zweite Kniff des Autors, der Amerikaner nie selbst spricht. Changez hält einen einzigen, fast 200-seitigen Monolog und alles, was sein Gegenüber tut und sagt, sehen wir nur durch die Augen des Pakistaners. So bleibt der Amerikaner schwer fassbar, schemenhaft, ja, man mag sich sogar zuweilen fragen, ob er wirklich existiert. Wie Hamid seinen Leser zu fesseln weiß, ihn verwirrt, ihn hin- und herschickt zwischen Vergangenheit und Zukunft, ihn im Dunkeln darüber lässt, was das alles eigentlich soll, das ist beeindruckend gemacht und sehr lesenswert.Da Changez’ Geschichte nur aus seiner Perspektive erzählt wird, wissen wir nicht, was er im Schilde führt – führt er etwas im Schilde? Wir kommen ihm nah, fiebern mit ihm, tatsächlich ist er eine sehr sympathische Figur, einfühlsam und klug, sodass uns eine neutrale, eine gleichberechtigte Sicht auf ihn und den Amerikaner verwehrt wird, wir sind parteiisch, wenn auch nie sicher, dass wir nicht doch irgendwo manipuliert wurden. „Der Fundamentalist, der keiner sein wollte“ zeigt uns, wie sich das Klima in den USA nach dem 11. September geändert hat, anhand einer einzelnen, persönlichen Geschichte. Auf klare Schuldzuweisungen, auf eindeutige Antworten wird verzichtet. Ist Changez das, was der Titel uns vorschlägt? Ein widerwilliger Fundamentalist? Einer, der in diese Rolle gedrängt wurde? Sie sich selbst aussuchte? Hamids Roman ist zwar von schmalem Umfang, aber dennoch komplex. Er verweigert eine Einteilung in Gut und Böse, die es nicht geben kann. Er stellt die richtigen Fragen. Und das soll gute Literatur ja schließlich tun.

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  • Erschreckendes aber eindrucksvolles Buch

    Der Fundamentalist, der keiner sein wollte
    MarionvV

    MarionvV

    25. January 2014 um 12:47

    Ein erschreckendes Buch, dass von der ersten Seite an fesselt und deutlich macht wie schmal der Grat sein kann, der die vermeintlich Guten von den Bösen trennt, und wie fremd wir Menschen uns doch oft sind.
    Ein Buch über das man noch lange nachdenkt und bestimmt immer wieder lesen sollte.

  • Ein ganz persönliches Schicksal

    Der Fundamentalist, der keiner sein wollte
    PrinzessinAnne

    PrinzessinAnne

    08. June 2013 um 17:51

    Worum geht es: Changez hat das geschafft, wo von heute viele junge Menschen träumen: Durch Intelligenz und Fleiß konnte er eines der begehrten Stipendien für Auslandsstudenten an der Princeton University, einer der Top Eliteuniversitäten Amerikas, ergattern und lebt nun seinen amerikanischen Traum. Dank hervorrangender Noten steht ihm die Welt offen und schon bald kann er einen Job an Land ziehen, der wie auf ihn zugeschnitten zu sein scheint und ihm ein weitgehend sorgenfreies Leben ermöglicht. Und auch die junge Frau, Erica, die er kennen lernt trägt einen großen Teil zu seinem scheinbar so perfekten Leben in den USA bei. Doch der 11.09.2011 verändert Changez' Leben.  Der American Way Of Life gerät ins Wanken. Er beginnt nachzudenken über sein Leben hier und das was er verlassen hat - und wie die Zukunft für ihn weitergehen soll, in einem Land das Menschen wie ihm nun so feindlich gegenüber steht. Meine Meinung:  Der 11. September ist ein Datum, der sich vermutlich jedem von uns ins Gedächtnis gebrannt hat, und der auch unsere Einstellung in mancherlei Hinsicht -obwohl Deutschland als Land nicht direkt betroffen war - geändert hat. Wie fair die jetzigen Ansichten sind, lässt sich an anderer Stelle diskutieren, aber ich lege großen Wert darauf, Konfliktpotential diesen Ausmaßes für mich auch immer von 2 Seiten zu beleuchten. Was ich bei dieser Geschichte ganz besonders fand, auch ganz besonders wichtig, ist dass sie eben nicht aus der Sicht eines direkt Betroffenen geschildert wird, sondern von dem Blickwinkel eines jungen Mannes, der in Amerika sein Glück gefunden zu haben scheint, und dessen Leben so stark durch das Attentat beeinflusst wird, nur aus dem Grund dass er der jetzt verhassten Ethnie angehört.  Dabei unterstütze ich natürlich nicht alle Aussagen die er trifft, aber das Buch ist mit einer so speziellen Stärke geschrieben, dass ich wenige Bücher kennen die mich so beeindruckt haben - ohne großes auf die Tränendrüse drücken.  Auch die ungewöhnlich tragische Liebesgeschichte zwischen Erica und Changez finde ich nicht unpassend. Sie gibt dem Buch eine persönliche Note, und gibt tiefe Einblicke in das Leben von dem jungen Mann. Wie viel eigene Erfahrungen des Autors in dem Buch stecken ist reine Spekulation, viele Lebensabschnitte überlagern sich, und dennoch - fiktiv hin oder her - ist es eine ebenso wichtige wie gute Geschichte, die man gelesen haben sollte, sofern man sich für dieses Thema interessieren kann.

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  • Ein Monolog über 190 Seiten, trotzdem nie langweilig

    Der Fundamentalist, der keiner sein wollte
    Gruenente

    Gruenente

    23. May 2013 um 16:49

    Changez, ein junger Mann in der Altstadt einer pakistanischen Stadt sprich auf dem Marktplatz eine Amerikaner an, lädt ihn in ein Cafe ein und erzählt ihm sein eigenes Leben in Amerika das durch die Terror-Anschläge  2001 eine neue Wendung nahm. Immer spannend, bewegend, interessant. Eine Liebesgeschichte, College-Erlebnisse, Leben in Pakistan, Arbeit... Viele Themen kommen zur Sprache bis das Cafe schliesst, die beiden sich auf den Heimweg machen und der Roman  ganz am Schluss eine (für mich vollkommen) überraschende Wendung macht und ein offenes Ende zu tage fördert dass der Phantasie des Lesers viele Möglichkeiten offen lässt.

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  • Rezension zu "Der Fundamentalist, der keiner sein wollte" von Mohsin Hamid

    Der Fundamentalist, der keiner sein wollte
    Jari

    Jari

    21. August 2011 um 10:28

    Inhalt: Ein Amerikaner sitzt in einem Café in Lahore, als sich plötzlich ein Einheimischer zu ihm gesellt. Changez, so der Name des Pakistani, führt den Amerikaner nicht nur in die pakistanische Küche ein, sondern beginnt auch damit, ihm seine Lebensgeschichte zu erzählen. Vom Studium in den Vereinigten Staaten, seinem Beruf und von Erica. Und während Changez erzählt, senkt sich langsam aber stetig die Nacht über Lahore... Meine Meinung: In "Der Fundamentalist, der keiner sein wollte", geschrieben von Mohsin Hamid, erzählt Changez einem fremden Ausländer von einer wichtigen Etappe in seinem Leben. Ein Leben, geführt zwischen Amerika und Pakistan. Das Buch ist interessant aufgebaut, denn der Amerikaner kommt gar nicht zu Wort, obwohl er sich an der Diskussion beteiligt. Changez erzählt hier und es ist, als ob Hamid neben ihm sitzen würde und alles aufschreibt, was der junge Mann sagt. So tritt der Besucher aus den Staaten nur durch Rückfragen und Beschreibungen Changez' auf. Deswegen umgibt den Fremden eine mysteriöse Aura, die bis zum Schluss erhalten bleibt und dort sogar noch mysteriöser wird. Geschrieben ist das Werk durchaus flüssig und einfach. Dadurch bleibt jedoch vieles bloss an der Oberfläche und Gefühle kommen nur wenig auf. Jedoch fand ich Hamids Einschübe wunderbar, in denen Changez dem Amerikaner Pakistan und das Leben in diesem Land näher bringt. Die Teile, die vom Essen, der Stadt und den Einwohnern handeln, habe ich mit grossem Interesse gelesen und fand es schade, wenn sich die Geschichte wieder in die USA verlagerte. Denn leider muss ich gestehen, dass mich die Geschichte ein wenig enttäuscht hat. Ich erwartete eine kleine, aber feine Erzählung darüber, wie es ist, zwischen den Fronten zu leben und von den Leuten gleich als Terrorist und Feind abgestemptelt zu werden, nur weil man aus dem Nahen Osten stammt. Diese Dinge wurden zwar angesprochen, aber bloss stiefmütterlich behandelt. Die Liebesgeschichte zwischen Erica und Changez dagegen nimmt einen viel höheren Stellenwert im Buch ein. Aber leider fand ich diesen Part der Geschichte öde und einfallslos. Somit muss ich sagen, dass der Buchtitel "Der Fundamentalist, der keiner sein wollte" sehr wenig mit dem eigentlichen Inhalt zu tun hat. Fazit: Ein Buch, aus dem man viel hätte machen können! Sehr schade um die Geschichte. Etwas mehr Seiten, dafür aber auch mehr Tiefgang hätten sicherlich nicht geschadet. Wer eine Liebes- und Lebensgeschichte mit ernstem Hintergrund lesen möchte, liegt hier sicherlich nicht falsch. Vielleicht sogar als Urlaubslektüre geeignet, auch wenn nur ein paar Abschnitte in Lahore selber spielen. Wer sich auf ernsthafte literarische Weise mit dem Nahen Osten und dem 11. September auseinandersetzen möchte, wird aber leider vom Buch mit dem vielversprechenden Titel enttäuscht werden.

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  • Rezension zu "Der Fundamentalist, der keiner sein wollte" von Mohsin Hamid

    Der Fundamentalist, der keiner sein wollte
    michella propella

    michella propella

    24. June 2010 um 15:20

    ein mann dessen ziel ein bestbezahlter job der new yorker geschäftswelt ist. ein mann der das zeug dazu hat. der es schafft. dann der 11. september und er hat nicht die richtige herkunft? ein subtiles porträt eines jungen mannes, der in einem monolog seinen inneren zwiespalt offenbart und die ereignisse des 11.september vor einem persönlichen hintergrund aus der "sicht der anderen seite" erfahrbar macht und für manche nachvollziehbar werden lässt.

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  • Rezension zu "Der Fundamentalist, der keiner sein wollte" von Mohsin Hamid

    Der Fundamentalist, der keiner sein wollte
    Lysander

    Lysander

    15. March 2009 um 13:31

    Der ausführlichen Rezension von HeikeG habe ich im Grunde nichts hinzuzufügen, außer, dass ich dieses hervorragende Buch von 190 Seiten in einer einzigen Sitzung gelesen habe - so spannend war es. 100% Empfehlung!!

  • Rezension zu "Der Fundamentalist, der keiner sein wollte" von Mohsin Hamid

    Der Fundamentalist, der keiner sein wollte
    HeikeG

    HeikeG

    28. May 2007 um 11:56

    Protokoll einer Entfremdung Ein beeindruckendes Buch hat Mohsin Hamid mit "Der Fundamentalist, der keiner sein wollte" vorgelegt, mit einem spektakulären Schluss-Szenario, das - für manchen Leser vielleicht nicht gewollten - großen Freiraum für eigene Spekulationen und Gedankengänge lässt und vielleicht sogar schockieren kann. Dabei beginnt das Buch charmant harmlos: "Entschuldigen Sie, Sir, kann ich Ihnen behilflich sein? Oh, jetzt habe ich Sie erschreckt. Sie brauchen keine Angst vor meinem Bart zu haben: Ich liebe Amerika." So wird ein unbekannter Amerikaner (der auch während des gesamten Buches recht nebulös bleibt), von Changez, einem respektvoll höflichen, einheimischen Universitätsdozenten, auf einem Platz in der Altstadt von Lahore (Pakistan) angesprochen. Dieser lädt ihn in ein Straßencafé ein und beginnt ihm von seinem Leben zu erzählen: Studium in Princeton, Abschluss mit summa cum laude und gut bezahlter Job in einer Elite-Unternehmensberatung in New York, beginnende Liaison mit einer Amerikanerin (Erica) aus New Yorks High Society. Ein perfekt assimilierter Ausländer - wie es scheint -, der das große Los gezogen hat. Und er genießt es auch - anfänglich. Er "badete in dem warmen Gefühl, etwas erreicht zu haben". Doch beginnende Zweifel, ob der Mentalität der Upper Class, sei es die Leichtigkeit beim Geldausgeben oder aber die Selbstgerechtigkeit im Umgang mit Leuten, scheinen an ihm zu nagen. Gewöhnt an traditionelle Ehrerbietung Älteren gegenüber, schockieren ihn diese Menschen, "denen es so ganz an Kultiviertheit fehlte" und die man in seinem Land als Emporkömmlinge bezeichnen würde, die jedoch trotzdem "in der Lage waren, sich auf der Welt zu benehmen, als wären sie ihre herrschende Klasse." Endgültig aus dem Gleichgewicht gerät er, als am 11. September 2001 die Zwillingstürme in sich zusammenbrechen und er immer mehr - durch das in seiner Umgebung aufflackernde Misstrauen gegen "Araber" - isoliert wird. Auch die Liebe zu Erica hat keine Zukunft, da diese in Schizophrenie verfällt. Changez - zunehmend von Loyalitätskonflikten getrieben - schmeißt seinen Job und kehrt nach Pakistan zurück. Das Gespräch nimmt unterschwellig immer bedrohlichere Maße an, obwohl Changez stets höflich kultiviert bleibt. Muss man vermuten, dass er mit islamischen Terrorgruppen sympathisiert? Ist er jetzt ein Fundamentalist geworden? Eingebettet ist die Lebensgeschichte in eine Rahmenhandlung. Jedes Kapitel beginnt und endet mit Gegenwartsbezügen, in denen Changez dem relativ wortkargen und immer mehr verunsicherten Amerikaner, die Augen für flüchtige, sehenswerte Momente öffnet, teilweise mit leicht arrogantem Unterton. Dazwischen resümiert er aus seiner Vergangenheit, die er chronologisch vor dem Fremden ausbreitet und in dessen Verlauf er die Hintergründe seines Sinneswandels erläutert. Der Roman ist ein langer, fließender Monolog in einem einfachen, schlichten, schnörkellosen Plauderton, jedoch von unglaublicher Intensität und grandioser Beobachtungsgabe gezeichnet, der man sich schwer entziehen kann. Man taucht in dieses Buch ein und kann sich kaum von der unglaublichen Sogwirkung dieser Lebensbeichte lösen. Dabei zeigt der Protagonist volles Verständnis für die Denkweise des Westens, öffnet aber gleichzeitig dem Leser neue Aspekte seines - völlig säkulären - "Abfalls vom Glauben an Amerika". Grandios eingewebt in die Geschichte ist die fragile Beziehung Changez' zu Erica. Deren zunehmende Nostalgie an ihre verstorbene einzige Liebe Chris wird mit der aufkommenden Rückwärtsgewandtheit Amerikas assoziiert. Am Ende verfällt dann auch Changez immer mehr dem "tödlichen Bann vergeblicher Liebe". Fazit: Das Buch ist ein Versuch, um herauszufinden, warum Menschen zu Fundamentalisten werden können. Ich kann mich der NZZ nur anschließen, für die "Der Fundamentalist, der keiner sein wollte" ein äußerst gelungener "Versuch eines Autors aus der islamischen Welt, dem Westen auf Augenhöhe mit kritischem Blick, aber ohne die dräuende Macht eines zornigen Gottes im Rücken zu begegnen" ist. Mohsin Hamid gelingt es meisterhaft, mit Hilfe seines Protagonisten - des jungen Changez, der als ungewöhnlich begabt, ehrgeizig, human, einfühlsam, einsichtig, wissbegierig und liebenswürdig dargestellt wird - die Veränderung einer Geisteshaltung zu vermitteln. Dabei weist die Hauptfigur keine einzige "negative" Eigenschaft auf. Changez ist wie ein Heiliger, unbelastet und unfehlbar. Aber gerade deshalb ist das Ende für mich sehr widersprüchlich. Es ist am Leser, die Geschichte "fertig zu spinnen" und das Finale einzusetzen, an welches man selbst meint zu glauben. Doch gerade dies fällt mir aufgrund der aufgebauten Sympathie zum "Helden" persönlich sehr schwer und ist für mich befremdlich und beunruhigend zugleich. Aber gerade diese Unklarheit neben dem gleichzeitigen Realismus ist eine der Stärken dieses Romans. Auf jeden Fall ist es ein Buch, was lange nachhallt. Sehr passend für unsere Zeit.

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