Mohsin Hamid Es war einmal in einem anderen Leben

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Inhaltsangabe zu „Es war einmal in einem anderen Leben“ von Mohsin Hamid

Aufgewachsen in Pakistan und den USA, ausgebildet in New York und London, geprägt von zwei Sprachen glaubt Mohsin Hamid nicht an die Notwendigkeit der scharfen Abgrenzung von Kulturen. Seine in zahlreiche Sprachen übersetzten Romane sind ebenso der Tradition des Westens wie der seiner Heimat verpflichtet. Hier verwischen sich die Grenzen. Als Einwanderer und Ausländer jedoch hat er nicht nur erfahren, was Freiheit im westlichen Sinne bedeutet, sondern auch wie schnell diese ihm, dem Pakistaner und Muslim,entzogen werden kann.
Die politische und wirtschaftliche Situation in der muslimischen Welt, vor allem in Pakistan, ist neben der Literatur das vornehmliche Thema dieser hochaktuellen Texte. Mohsin Hamid erweist sich als scharfsinniger Kritiker der modernen globalen Lebensbedingungen.
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  • Für die Verwischung von Grenzen

    Es war einmal in einem anderen Leben

    serendipity3012

    23. February 2016 um 19:11

    Für die Verwischung von Grenzen „Kein Mensch ist nur Muslim, und kein Mensch ist nur Amerikaner.“ So Barack Obama in einer Rede zu Beginn seiner Amtszeit 2009 in Kairo. Ein Gedanke, den Mohsin Hamid in seinem Band mit Essays aus den letzten ca. 15 Jahren aufnimmt und erläutert. Hamid wurde in Pakistan geboren, lebte jeweils einige Jahre in New York und in London und ist inzwischen zurückgekehrt nach Lahore, wo er mit seiner Familie mit mehreren Generationen unter einem Dach lebt. Hamid hat bisher drei Romane geschrieben, von denen „Der Fundamentalist, der keiner sein wollte“ auf der Shortlist des Booker Prize stand und verfilmt wurde. Und er schrieb Essays für verschiedene Zeitungen, die er für das vorliegende Buch zusammengestellt und leicht überarbeitet hat. Der Band „Es war einmal in einem anderen Leben. Eine Heimat zwischen Orient und Okzident“ gliedert sich in die drei Teile „Leben“, „Kunst“ und „Politik“. Die Texte sind thematisch, aber nicht chronologisch angeordnet, eine schlüssige Entscheidung, die einem zunächst die Person des Verfassers nahe bringt, dann seine Gedanken zur Literatur vorstellt und sich schließlich, im längsten Abschnitt des Buchs, politischen Fragen widmet. Am Ende jedes Essays erfahren wir, wann der Text entstand bzw. erstmals veröffentlicht wurde. Hamid verbrachte prägende Kindheitsjahre in den USA, erzählt davon, dass er sein Urdu verlernt hatte, als er mit 9 Jahren zum ersten Mal nach Pakistan zurückkehrte: Sein Leben zwischen der Heimat, den USA und später auch Großbritannien hat seinen Blick geschärft, stets ist er in der Lage, sein jeweiliges Sujet aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Er ist Pakistaner und liebt sein Land, die teils komplexe Situation dort hinterfragt er kritisch. Zunächst einmal lernen wir Hamid genauer, auch privat kennen. Er erzählt von Vaterschaft, von Begegnungen, an die er sich erinnert. Zum Beispiel als er sich in der überfüllten Londoner U-Bahn auf den einzigen freien Platz neben einen offensichtlich nervösen und aggressiv anmutenden Muslim setzt, weil er bei den anderen Fahrgästen Rassismus wittert. Wie er dann beschreibt, dass er selbst in die gleiche Falle tappt, dass ihm der Schweiß ausbricht und es ihm nicht gelingt, mit seinem Landsmann – denn der andere Mann ist ebenfalls aus Pakistan – ein ruhiges, ein „normales“ Gespräch zu führen, das ist nicht nur aufschlussreich, sondern dazu noch unterhaltsam. Im zweiten Teil widmet er sich literarischen Helden, denkt auch über die Frage nach, ob es wichtig ist, dass Romanfiguren sympathisch sind – eine Frage, über die man als Vielleser sicher schon mal nachgedacht hat – hier spricht der Schriftsteller und derjenige, der das Lesen liebt. Der ausführlichste Teil ist der, der sich politischen Fragen widmet. Zentrales Thema ist hier naturgemäß Pakistan, und hier kann man als Leser noch einiges lernen. Hamids Überlegungen zur Zerrissenheit des Landes, zur Instabilität, zu der Art und Weise, wie Minderheiten behandelt werden, sind komplex und lesenswert: Sein Blick ist einer sowohl von innen als auch von außen. Letztendlich lesen sich Hamids Essays als Aufforderung zu Toleranz, zu Besonnenheit und vor allem gegen jede Art von Schubladendenken. Nicht nur ist jeder von uns nicht nur Mann oder Frau, nicht nur Muslim, Christ oder Atheist, Lehrer oder Geschäftsmann, sondern es gibt überall Schnittmengen. Es ist auch die Idee von deutlich abgrenzbaren Kulturen, gegen die der Autor sich erklärt: Was ist eine abendländische, was eine muslimische Kultur? Und wohin gehörte hier zum Beispiel ein muslimischer Soldat in der U.S. Army? Die Festlegung auf Kulturen nehme uns die Freiheit, uns selbst zu erfinden, und daher sei sie gefährlich. Mohsin Hamids Essays sind teils leicht und unterhaltsam, teils widmen sie sich ernsten Themen, sie sind besonnen und werfen Fragen auf, zeigen Lösungsvorschläge, über die es wert ist, nachzudenken. Ein kluges Buch.

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