Mohsin Hamid Exit West

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Inhaltsangabe zu „Exit West“ von Mohsin Hamid

In einer Welt, die aus den Fugen geraten ist, in einem muslimisch geprägten Land, das am Rande eines Bürgerkriegs steht, in einer Stadt, die namenlos bleibt, lernen sie sich kennen: Nadia und Saeed. Sie hat mit ihrer Familie gebrochen, fährt Motorrad, lebt säkular und trägt ihr dunkles Gewand nur als Schutz vor den Zudringlichkeiten fremder Männer. Er wohnt noch bei seinen Eltern, ist eher schüchtern und nimmt die Ausübung seiner Religion sehr ernst. Doch während die Stadt um sie herum in Flammen aufgeht, sich Anschläge häufen und die Sicherheitslage immer prekärer wird, finden die beiden zusammen. Sie wollen eine gemeinsame Zukunft, in Freiheit. Und da sind diese Gerüchte über Türen, die diejenigen, die sie passieren, an ferne Orte bringen können. Doch den Weg durch diese Türen muss man sich mit viel Geld erkaufen. Als die Gewalt weiter eskaliert, entscheiden sich Nadia und Saeed, diesen Schritt zu gehen. Sie lassen ihr Land und ihr altes Leben zurück ...

›Exit West‹ ist ein überaus berührender Roman, der sich mit den zentralen Themen unserer Zeit beschäftigt: Flucht und Migration. Mohsin Hamid beweist, dass Literatur poetisch und zugleich politisch sein kann.

Mit diesem »fesselnden Roman« (New York Times) steht Mohsin Hamid auf der Shortlist des diesjährigen Man Booker Preises.

Wie vieles in dem Buch sollte Flucht nicht real sein - ist sie aber leider. Ein empathisches, ungewöhnliches Buch.

— eelifant

Von den Türen in ein neues Leben - sehr berührend.

— Monika58097

Sehr lesenswert! Hamid beschreibt den Weltbürgerkrieg im Stadium seiner Entstehung

— jamal_tuschick

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    Exit West

    Buecherschmaus

    13. November 2017 um 12:05

    Laut UN sind weltweit mehr als 65 Millionen Menschen auf der Flucht. Sei es vor Kriegen, Terror, politischen Verfolgungen, sexuellen Diskriminierungen, aus purer Not oder Perspektivlosigkeit, diese Menschen zieht es in den Westen, manchmal trotz Vorbehalten gegenüber den dort herrschenden Werten und der Lebensweise dort, immer aber mit der großen Hoffnung, ein besseres, ein erfüllteres Leben zu finden. Auch wenn die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit nicht mehr so groß ist wie in den Jahren 2015/2016, als sich besonders viele Menschen aus dem Nahen Osten und dem nördlichen Afrika aufmachten, ihr Glück in Europa zu suchen, beherrscht das Thema die Nachrichten im Fernsehen und den Printmedien, bestimmt es Wahlkämpfe mit, entzweit es die Bevölkerungen der westlichen Staaten darüber, wie umzugehen ist mit diesem Phänomen, das nicht einfach verschwindet, das sich als eine feste Konstante des globalisierten 21. Jahrhunderts festzusetzen scheint. Egal, ob man dem Thema Zuwanderung positiv oder negativ gegenübersteht, es sind immer die gleichen Bilder, die es bestimmen: lange Schlangen von zumeist jungen Männern mit Rucksäcken, Familien mit Sack und Pack und kleinen Kindern auf den Schultern, dunkelhäutige Menschen in maroden Schlauchbooten, Berge an Schwimmwesten an östlichen Mittelmeerstränden, überfüllte Flüchtlingscamps, trostlose Erstaufnahmeunterkünfte, aufgebrachte „Migrationsgegner“.Bei all diesen stereotypen Bildern geht der Blick verloren auf die Einzelschicksale. Auch wenn wir empathisch genug sind, uns vorzustellen, was diese Menschen alles vielleicht für immer verloren haben – Heimat, Familie, Freunde, Identität, den Platz im Leben -, wird es doch nicht gelingen, wirklich zu fühlen, was es heißt ein Flüchtender zu sein. Es braucht möglicherweise einen ganz neuen Ton, eine besondere Sprache, eine andere Art des Erzählens, um wieder aufmerksam zu machen auf das Ungeheuerliche, das fast schon Alltag zu werden beginnt.Der pakistanische Autor Mohsin Hamid versucht, in seinem Roman „Exit West“ eine solche neue, aufrüttelnde Art des Erzählens zu finden.Er erzählt ganz sanft und leise. Er erzählt eine Liebesgeschichte.Saeed und Nadia, zwei junge, gebildete und aufgeklärt Menschen lernen sich auf einer Fortbildungsveranstaltung zu „Corporate Identity und Produktbranding“ in einer nicht näher bezeichneten muslimischen Großstadt kennen. Hamid war diese Universalität wichtig. Sie kommen sich langsam näher, die unabhängige, allein lebende, Motorrad fahrende, sich vor den Zudringlichkeiten der Männer in schwarze Gewänder hüllende Nadia und der sanfte, zurückhaltende, vorsichtige Saeed. Irgendwann gerät die politische Auseinandersetzung, der religiöse Disput im Land außer Kontrolle. Es führt zum Bürgerkrieg, fanatisierte Gruppen streben nach der Macht. Die Infrastruktur kommt zum Erliegen, Kämpfe brechen aus, Stadtteile geraten unter die Herrschaft der einen oder anderen Gruppierung. Als Saeeds Mutter zufälliges Opfer der Kämpfe wird, beschließen die beiden zu fliehen. Der Vater fühlt sich zu alt, zu sehr an den Ort und die letzte Ruhestätte der Mutter gebunden. Er bleibt zurück. Hamid erzählt bis hierhin sehr realistisch. Dennoch schwebt ab der ersten Zeile ein besonderer Ton über den Seiten. Man merkt sehr bald, dass hier keine gewöhnliche Liebes- oder Lebensgeschichte erzählt werden soll. Es ist der Ton der Parabel oder des Märchens. Und tatsächlich verlässt Hamid schon sehr bald das rein realistische Erzählen. Türen tauchen auf im Land, überall auf der Welt, Türen durch die man – gegen Bezahlung – treten kann, um sich danach woanders wiederzufinden: „Exit West“. Ein wenig magischer Realismus, ein wenig moderne Legende, ein wenig „Die Chroniken von Narnia“. Saeed und Nadia landen zunächst auf Mykonos, dann in London und schließlich in der San Francisco Bay, in einer von Geflüchteten neu gegründeten Stadt, Marin. Die Erfahrungen, die das Paar macht, werden genau und realistisch und gleichzeitig märchenhaft-allgemeingültig erzählt. Das überfüllte Flüchtlingslager auf der griechischen Insel, das mehr einem Gefängnis gleicht, das Ghetto in London, gegen das aufgebrachte Einheimische randalieren, das Aufbauprojekt, das den Menschen ermöglicht, sich in Eigenleistung ein Zuhause aufzubauen, die zukunftsweisende Stadt Marin – Dystopie sowohl wie Utopie. Hamid beschreibt, was Schlimmes geschieht und noch geschehen könnte (London befindet sich irgendwann kurz vor einem Bürgerkrieg), er phantasiert aber auch mögliche Auswege, Lösungen der Problematik mit dem Selbsthilfeprojekt und der Zukunftsstadt in Amerika. Es sind keine rosigen „Heile-Welt-Lösungen“, aber es sind Ideen für konstruktiven Umgang.Saeed und Nadia verändern sich während ihrer Odyssee. Nadia wird noch unabhängiger, offener, individualistischer, verliebt sich in eine andere Frau; Saeed sucht in der Fremde die Gemeinschaft, den Halt und die Orientierung im Glauben, findet in der Tochter eines Predigers eine neue Liebe. Ihre Gemeinsamkeit zerbricht, aber auch das, wie das ganze Buch, auf sanfte, stille Art.Ein Roman über Flucht und Vertreibung als Märchen, als Utopie. Kann das gelingen?Ja und Nein. Mohsin Hamid schreibt sehr ruhig, präzise, gut lesbar. Er wählt das leicht Magische, Universelle und schafft damit eine Parabel, eine Reflexion über das Thema, die allgemeingültig, klug und einfühlsam ist. Er schreibt nicht politisch, ist mit seiner Aussage aber natürlich ganz nah dran an einem der wichtigsten politischen Themen unserer Zeit.Andererseits verwehrt er durch diese spezielle Erzählhaltung – zumindest mir – einen wirklichen Zugang zu den Personen und ihren Geschichten. Man hat die Botschaft der Geschichte verstanden, man teilt die meisten Gedanken, stimmt zu, dass es ein richtiges und wichtiges Buch für diese Zeit ist. Tiefere Spuren hinterlässt der Roman aber kaum. Dazu bleibt er (gewollt) zu sehr im Allgemeingültigen. Um wirklich zu ergreifen braucht ein Roman, vor allem ein Liebesroman, Protagonisten, die dem Leser auf die eine oder andere Art nahe kommen, und nicht nur Figuren. Auch wenn ihm das nicht ganz gelungen ist, hat Mohsin Hamid dennoch einen beachtens- und lesenswerten Roman geschrieben, er stand dieses Jahr sowohl auf der Shortlist des Man Booker Prize als auch unter den Finalisten des Kirkus Prize.

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  • Leserunde zu "Das Phantom der Oper" von Gaston Leroux

    Das Phantom der Oper

    Luftpost

    ©Fotolia: fergregory Samstag:19:24 Uhr - 21:24 Uhr: Team Ballett keine Seiten19:21 Uhr - 21:21 Uhr: Team Oper doppelte Seiten für Klassiker, Drama und Epos 18:00 Uhr  - 20:00 Uhr: Team Musical doppelte SeitenFreitag, 28/09/17: Die Teams sind nun eingeteilt. Es darf sich im passenden Probenraum eingefunden werden. Mittwoch, 27/09/17: Deadline für die Anmeldung ist der Freitag, der 29.09. um 12 Uhr!Freitag, 22/09/17: Ab sofort könnt ihr für das Team eurer Wahl vorsprechen.adfkjd

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  • Von den Türen in ein neues Leben

    Exit West

    Monika58097

    17. September 2017 um 12:04

    Ein Land, dessen Namen man nicht erfährt. Ein Land, das auf einen Bürgerkrieg zusteuert. Zwei junge Menschen, die sich ineinander verlieben,  obwohl sie ganz unterschiedlich leben. Die beiden jungen Menschen sind Nadia und Saeed. Nadia lebt in ihrer eigenen kleinen Wohnung. Sie ist frei und unabhängig, doch der Preis für ihre Freiheit ist der, dass sie keinen Kontakt mehr zu ihrer Familie hat. Nadia trägt über ihrer Jeans und ihrem Shirt ein schwarzes Gewand, aber nur, weil es sie vor anderen Männern schützen soll. Saeed lebt noch bei seinen Eltern. Er betet viel und regelmäßig. Der Krieg nimmt Saeed die Mutter. Nadia zieht zu Saeed und seinem Vater, weil sie dort sicherer ist. Die beiden jungen Menschen planen die Flucht, denn da sind diese Türen, von denen die anderen sprechen. Türen in die Freiheit, Türen in ein besseres Leben. Nadia und Saeed wagen den großen Schritt. Ihre Stationen werden Mykonos, London und schließlich das ferne Amerika sein.  "Exit West" - ein Buch mit einem äußerst aktuellen Thema, Flucht und Migration. Die Flucht selbst wird kaum beschrieben. Es sind lediglich Türen, durch die man hindurchgeht in eine andere Welt. Es geht ums Loslassen, Zurücklassen und ums Ankommen. Ankommen in der Freiheit. Ankommen in einer ihnen völlig fremden Welt. In London findet das Paar Unterschlupf in einem besetzten Haus, doch die Einheimischen protestieren gegen immer mehr Migranten. Hass und Gewalt schlägt ihnen entgegen. Schließlich landen sie in Amerika. So viel haben die beiden miteinander erlebt, so viel Zeit haben sie miteinander verbracht und doch sind sie sich fremd geworden. Saeed wendet sich immer mehr dem Gebet zu, während Nadia endlich frei ist und doch nicht auf ihr schwarzes Gewand verzichten wird.  "Exit West" - der Leser wird ganz offen mit dem Grauen eines Bürgerkrieges konfrontiert. Bomben fallen, Häuser und Existenzen werden ausgelöscht, Menschen geköpft und aufgehängt. Trotz aller Gewalttätigkeit ist dieses Buch sehr poetisch geschrieben. Das widerspricht sich? Man muss dieses Buch wahrscheinlich erst lesen um zu verstehen, was ich damit ausdrücken möchte. Es ist ein sehr intensives Buch, das einen Leser wie mich aber auch etwas ratlos zurück lässt. Warum gibt Nadia ihre Verschleierung nicht auf? Diese junge Frau, die doch immer nach Freiheit gestrebt hat, die in der Heimat eine eigene Wohnung, die sogar Sex vor der Ehe hatte! Wieso tut sie das? Und wieso wendet sich Saeed immer mehr mit der Religion zu? Weil sie beide entwurzelt sind? Weil die Religion, der schwarze Umhang ein Stück Heimat bedeuten? Eine Lösung bietet das Ende der Geschichte nicht.   Im Buch geht es übrigens nicht nur um die beiden jungen Menschen. Immer wieder werden kleine Begebenheiten von anderen Menschen von diesem Erdball mit eingeflochten. Menschen, die auch durch eine Tür gehen, die eine Entscheidung getroffen haben, ohne zu wissen, was dann passiert.  "Exit West" - eine berührende Erzählung über entwurzelte Menschen, die durch Türen gehen, die in der Ferne einen Neuanfang suchen. Sehr lesenswert!

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  • „Wir sind alle Migranten in der Zeit“

    Exit West

    serendipity3012

    22. August 2017 um 18:28

    „Wir sind alle Migranten in der Zeit"Nadia und Saeed lernen sich in einem Abendkurs kennen, irgendwo in einem muslimischen Land, dessen Name nie genannt wird. Schon zu Beginn der Geschichte befindet sich die Heimatstadt der beiden „am Rande des Abgrunds“, wie es heißt. Große Unruhen werfen ihre Schatten voraus. Nadia und Saeed kommen aus unterschiedlichen Verhältnissen: Sie verhüllt zwar ihren Körper mit einem schwarzen Gewand, tut dies aber nicht aus religiösen Gründen, sondern um sich die Männer vom Leib zu halten. Nadia versucht, ein freies Leben zu führen und lebt allein. Ein Zustand, den sie sich hart erkämpft hat, mit ihrer Familie hat sie kaum noch Kontakt. Saeed dagegen lebt noch bei seinen Eltern und ist religiös, wenn auch nicht sehr streng, jedoch gehört zum Beispiel das Freitagsgebet fest zu seinem Leben. Während die Situation in Nadias und Saeeds Heimat immer gefährlicher wird, es zu ersten Ausgangssperren und Kämpfen kommt, verlieben sich beide ineinander. Es ist ihnen verboten, unverheiratet zusammen zu sein. Damit Nadia nicht allein in ihrer Wohnung ist, zieht sie zu Saeed und seinen Eltern. Als Gerüchte von geheimnisvollen Türen die Runde machen, durch die man dem inzwischen vom Krieg geschüttelten Land entkommen kann, beschließen Nadia und Saeed, es zu versuchen. Sie nehmen Kontakt auf zu einem Vermittler, der sie für eine größere Summe zu einer solchen Tür in ein wie sie hoffen besseres Leben zu bringen verspricht.„Exit West“, so lautet der Titel des neuen Romans des pakistanischen Autors Mohsin Hamid, dessen Roman „Der Fundamentalist, der keiner sein wollte“ und dessen Essaysammlung „Es war einmal in einem anderen Leben“ ich mit Begeisterung gelesen habe. Ein Ausgang gen Westen ist die Tür, durch die die beiden Protagonisten entkommen wollen. In eine andere, eine hoffentlich bessere Welt. Obwohl sie, auch das ist sehr deutlich, viel zurücklassen. Hamid verbindet in seinem Roman realistische und unrealistische Komponenten auf packende Weise. Fast alles, was wir lesen, kann sich so oder ähnlich zutragen – hat sich so oder ähnlich mit Sicherheit schon abgespielt – nur die geheimnisvollen Türen, die die Fliehenden in andere Länder, auf andere Kontinente verfrachten, fallen aus diesem manchmal nur schwer erträglichen Realismus heraus, wobei sie mitnichten komplikationslos in ein sogleich besseres Leben führen. Diese Türen übrigens werden von den Protagonisten nur sehr kurz angezweifelt, sie bilden so etwas wie eine magisch-realistische Komponente.Hamids nur gut 200 Seiten umfassender Roman zeichnet sich auf der einen Seite durch seinen eher nüchternen Stil aus, in dem alles unumwunden ausgesprochen wird, in dem Alltägliches und Außergewöhnliches, auch Grausames ebenbürtig nebeneinander steht. Die Sätze sind oft lang und doch von einer Einfachheit im besten Sinne, ein wenig atemlos liest sich das, wenn immer noch etwas nachgeschoben wird. Ein neuer einfacher und doch philosophischer Gedanke etwa, oder nur eine knappe Beschreibung von Äußerlichkeiten. In „Exit West“ habe ich kein Wort zu viel gefunden.Hamid schreibt über alle Menschen, nicht nur über die, die ihre Heimatländer verlassen (müssen). Genauso geht es um jene, in deren Länder sie kommen und ebenso um Lebensbereiche, in denen wir alle gleich sind, unabhängig von Herkunft und Religion. Beziehungen, Wünsche, Lebensträume. Der Roman lädt sehr dazu ein, sich eigene Gedanken zu machen. „Exit West“ bewegt sich stets zwischen dem Wunsch nach Utopie und schonungslosem Realismus. Die Metapher der Türen, die einen in kürzester Zeit in eine komplett andere Welt bringen können, und die den langen Weg der Flucht komplett eliminieren, ist dabei äußerst gut gelungen. Und das Thema Migration wird nicht nur von einer Seite beleuchtet, sie betrifft uns alle.„Exit West“ ist ein Roman, der mit seiner ruhigen Erzählweise zu fesseln weiß und der den Leser dazu auffordert, genau hinzusehen. Man kann viel herauslesen aus dieser Geschichte, sie ist eine einzige Einladung zur Interpretation. Es steckt enorm viel in ihr. Ein Buch, das genau in unsere Zeit passt. Eine Geschichte voller Poesie und Menschlichkeit, stark, klug und packend. „Exit West“ ist eines meiner Highlights in diesem Lesejahr und für den Man Booker Prize 2017 nominiert. Ich wünsche ihm viele Leser.

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  • 'Wir hatten nicht das Gefühl, dass wir etwas zu verlieren hätten.‘

    Exit West

    sabatayn76

    22. August 2017 um 00:00

    ‚Stell dir vor, du würdest hier leben. Und Millionen Menschen würden plötzlich aus aller Welt herkommen.‘ ‚Auch in unser Land sind Millionen gekommen [...]. Als in den Nachbarländern Krieg geherrscht hat.‘‚Das war was anderes. Unser Land war arm. Wir hatten nicht das Gefühl, dass wir etwas zu verlieren hätten.‘Saeed und Nadia könnten nicht gegensätzlicher sein: Er wohnt noch bei seinen Eltern und ist religiös, sie hat mit ihrer Familie gebrochen, um allein leben zu können, fährt Motorrad und lebt säkular. Beide wohnen in einer namenlosen Stadt, treffen bei einem Abendkurs aufeinander, verbringen mehr und mehr Zeit miteinander und verlieben sich schließlich ineinander. Als das Leben in ihrer Heimatstadt jeden Tag gefährlicher wird, bitte Saeed Nadia, zu ihm und seinen Eltern zu ziehen, und als Terror und Krieg immer näher kommen, entschließen sich die beiden, die Stadt endgültig zu verlassen und ihr Glück in der Fremde zu suchen. Vor mehreren Jahren habe ich ‚Der Fundamentalist, der keiner sein wollte‘ mit großer Begeisterung gelesen, so dass ich schon sehr gespannt auf Mohsin Hamids neuen Roman ‚Exit West‘ war. Der Einstieg in den Roman hat mir sehr gut gefallen, und die Schilderungen, wie sich Saeed und Nadia kennengelernt haben, wie sie leben, woher sie stammen und in welchem Milieu sie aufgewachsen sind, empfand ich als spannend und lebendig beschrieben. Auch die Szenerie mit den zunehmend verschärften Lebensbedingungen in der namenlosen Stadt und die unheimliche Stimmung, die über der Stadt liegt, wurden perfekt eingefangen. Dabei wurden die Protagonisten authentisch gezeichnet, und die einfache Sprache hat dafür gesorgt, dass sich der Roman schnell und flüssig lesen ließ. Dennoch ist der Funke bei mir nicht übergesprungen, und ich habe mich den Figuren nicht nah gefühlt und konnte mich nicht ganz auf die Geschichte einlassen. Im Verlauf empfand ich ‚Exit West‘ sprachlich häufig als etwas zu gestelzt und hölzern, und auch der magisch-realistisch anmutende Kniff mit den Türen, die an einen anderen Ort führen, wurde meiner Meinung nach nicht so eingeführt und beschrieben, dass er glaubwürdig erscheint, obwohl dieser Aspekt als Metapher für das Durchschreiten einer Pforte in eine andere Welt und das Eintreten ins Ungewisse durchaus Potenzial gehabt hätte. Spannend fand ich, wie genau Hamid die durch die Flucht und den Neuanfang an einem anderen Ort erzeugten Veränderungen an Saeed und Nadia geschildert hat, und auch die Tatsache, dass er die Hoffnungslosigkeit, die Verzweiflung und die Angst am Beispiel der beiden Hauptprotagonisten aufzeigt und den Flüchtenden im Allgemeinen so ein Gesicht und eine Stimme geben kann, hat mir gut gefallen. ‚Exit West‘ steht zusammen mit ‚4 3 2 1‘ von Paul Auster, ‚Das Ministerium des äußersten Glücks‘ von Arundhati Roy, ‚The Underground Railroad‘ von Colson Whitehead u.a. auf der diesjährigen Longlist des Man Booker Prize. Die Shortlist wird am 13. September 2017 veröffentlicht, der Gewinner wird am 17. Oktober bekannt gegeben.

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  • Detonationen an der Sinnesperipherie

    Exit West

    jamal_tuschick

    20. August 2017 um 19:35

    Die ersten Kampfhandlungen wirken kaum alarmierend. Ab und zu mal ein Schusswechsel oder eine Detonation an der Sinnesperipherie organisiert Gewöhnung und hilft dem Trotz auf die Sprünge. Niemand gibt seiner Angst einen Job als Ratgeberin. Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten. Ein ausgebranntes Fahrzeug gewinnt als Wegmarke Bedeutung. Ein Viertel verliert seinen permissiven Charakter. Die Topografie wird abenteuerlich, zumal unter dem Einfluss von Halluzinogenen. Apocalypse now. Angeturnt bewegen sich zwei nach den Spielregeln der Liebe aufeinander zu. Nadia tarnt ihre innere Unabhängigkeit mit den Erkennungszeichen religiöser Ernsthaftigkeit. Ihre Einraumwohnung hat sie sich mit der Lüge erschlichen, eine Kriegerwitwe zu sein. Sie fährt auf einer Geländemaschine durch die Stadt und nimmt täglich Drogen. Die Emanzipation erfolgt unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Saeed erscheint viel säkularisierter als Nadia. In Wahrheit sind seine traditionellen Bindungen stärker und seine Bereitschaft zur Anpassung ist größer. Er arbeitet in der Werbung und wohnt bei den Eltern. Während Saeed ein typisches Produkt seine Klasse ist, repräsentiert Nadia nur sich selbst. Ihre Freiheit verträgt kein Forum. In den „sozialen Medien“ verwendet sie „Online-Entsprechungen ihrer schwarzen Gewänder“. Sie bestellt berauschende Kahlköpfe (Psilocybe mexicana) im Internet bei einem Händler, der außerdem Spitzenrestaurants mit Schlauchpilzen beliefert. Ihn erwartet ein furchtbarer Tod in nächster Zukunft. Das erzählt Hamid im Eingangsbereich des Romans wie hinter vorgehaltener Hand. Die Stadt und das Land der frühen Ereignisse haben keine Namen, die Milizen werden mit ihren allgemeinsten Merkmalen charakterisiert. Der Bürgerkrieg schweißt das Paar zusammen, wer weiß, ob Nadia und Saeed zusammengeblieben wären ohne die vereinende Not. Durch die lange Schlucht eines Versorgungsengpasses gelangen die Liebenden in Saeeds ewiges Kinderzimmer. Seine Mutter stirbt, der Vater verfällt, am vorläufigen Ende der Geschichte geht eine Tür nach Europa auf. Hamid variiert die Türmetaphorik von William Blake über Aldous Huxley bis zu Jim Morrison und den Doors. Erst öffnen Rauschpilze „die Pforten der Wahrnehmung“, später dreht sich ein Lagertor auf Mykonos in den Angeln der Freiheit. Nadia und Saeed erreichen London. Feinde der Flüchtlinge eskalieren, in besetzten Villen schließen sich Migranten landmannschaftlich ab. So weit weg von Zuhause sucht Saeed Trost im Gebet. Für Nadia ist das keine Lösung.Hamid beschreibt eine Dystopie in unserer zeitlichen, räumlichen und seelischen Reichweite. Der Autor schildert im Spiegel biografischer Verwerfungen das Verhalten der saturierten Gastgeber von Teilnehmern einer Völkerwanderung. Kein Mensch betritt mehr einen Flughafen ohne Katastrophenempfindungen im Abraum des Zugelassenen. Abweichungen von vertrauten Kursen erscheinen rasch vertraut als neue Wege. Lauerte der Weltbürgerkrieg nicht schon immer unter der Friedensfirnis? Natürlich nicht. Was da stattfindet, sind Kriegsvorbereitungen, die mentale Einrüstung empfindlicher Wesensteile in Prozessen der Annahme eines neuen Grauens.

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