So wirst du stinkreich im boomenden Asien

von Mohsin Hamid 
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So wirst du stinkreich im boomenden Asien
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Inhaltlich meiner Meinung nach ziemlich hohl, aber hier ist eindeutig die Sprache das Kunstwerk. Sätze wie edle Pralinen für Lesegoumets...

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Überraschend anders als erwartet! Für mich war es eine Reise mit gemischten Gefühlen, eines aber bestimmt: besonders.

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Inhaltsangabe zu "So wirst du stinkreich im boomenden Asien"

›So wirst du stinkreich im boomenden Asien‹ erzählt die erstaunliche und dramatische Geschichte eines Mannes, der sich von einem verdreckten und kränklichen Jungen aus der verarmten Provinz zu einem korrupten Großunternehmer wandelt, und beruft sich dabei auf die Art von Selbsthilfebüchern, wie sie zu Tausenden im heutigen Asien von jungen, hoffnungsvollen Männern gelesen werden.
Der namenlose Held kommt in einer riesigen Millionenstadt zu erstem Geld und baut sich alsbald ein eigenes Imperium auf – mit dem wichtigsten und knappsten Gut, das man sich denken kann: mit Wasser. Doch sein Herz hat er für immer verloren an das hübsche Mädchen, dessen Stern parallel zu seinem aufgeht. Immer wieder kreuzen sich ihre Lebenswege in dieser Liebe zueinander, entzündet und erloschen von den Kräften ihrer jeweiligen Schicksale.
Der Held dieser brillanten Geschichte könnte jeder von uns sein – auf der Suche nach einem besseren Leben. Und nicht nur das: Auch das Schicksal, das ihn erwartet, könnte das unsere sein … Tempogeladen, lebhaft und emotional tiefgehend erzählt dieser Roman von zwei unvergesslichen Menschen zwischen Momenten transzendenter Intimität und aufwühlenden gesellschaftlichen Veränderungen in der Welt von heute.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783832163037
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:224 Seiten
Verlag:DuMont Buchverlag
Erscheinungsdatum:16.01.2015
Das aktuelle Hörbuch ist am 09.08.2013 bei Hörbuch Hamburg erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    HeikeGs avatar
    HeikeGvor 3 Jahren
    Der kleine Taschentherapeut für die globalisierte Welt

    Ob Prüfungsangst, Beziehungsangelegenheiten, Krankheit oder der Sinn des Lebens im Allgemeinen, Selbsthilfebücher gibt es für jedes Problem, mit dem wir Menschen uns den lieben langen Tag herumschlagen müssen. Selbsthilfe macht unabhängig. Und weil wir im permanenten Konsumrausch nebenbei auch noch das nötige Kleingeld aufbringen müssen, gibt es dazu noch allerhand Ratgeber zum Anlegen, Sparen oder Mehren desselbigen. Wenn man allerdings "stinkreich" werden will, dann nimmt man sich das neue Buch von Mohsin Hamid zur Hand, kauft sich das nächste Flugticket Richtung Asien und setzt all das um, was der pakistanische Autor in seinen zwölf Kapiteln eindrucksvoll schildert. Denn in der globalen Welt des 21. Jahrhunderts kann schon lange nicht mehr über die Weltwirtschaft ohne zum Beispiel China und Indien gesprochen werden.

    "Hab Vertrauen. Du bist nicht so machtlos, wie du wirkst. Deine Zeit kommt noch. Jawohl, dieses Buch wird dir eine Wahl bieten.", so steht es bereits auf den ersten Seiten des in Lahore aufgewachsenen, nach Zwischenstationen in Harvard, Princeton, New York und London heute wieder mit seiner Familie in der Heimat lebenden Autors, der 2007 mit seinem "Der Fundamentalist, der keiner sein wollte" bereits einen beachtlichen Text vorgelegt hat. Sein Roman ist natürlich kein wirkliches Selbsthilfebuch, auch wenn Tonfall (gehalten in der ungewöhnlichen zweiten Person) und Anonymität der durchgängig namenlosen Personen und Orte daran angelegt wurden (es darf trotzdem vermutet werden, dass Handlungsschauplatz eben jene zweitgrößte Stadt Pakistans ist). Auch die zwölf, 15 bis 20 Seiten langen Kapitel mit Überschriften wie: "Zieh in die Stadt", "Verschaff dir Bildung", "Verlieb dich nicht", "Meide Idealisten" oder "Freunde dich mit einem Bürokraten an" erzeugen einen derartigen Eindruck. Letztendlich sind sie jedoch nur literarisches Stilmittel und dienen Mohsin Hamid dazu, die schwindelerregenden sozialen und ökonomischen Veränderungen des "boomenden Asiens" anzuprangern.

    "Du", wie er im Buch nur genannt wird, ist dabei alles andere als ein unsympathischer Zeitgenosse. Aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen auf dem Land, schildert der Autor seinen Werdegang vom hepatitiskranken, schmächtigen Jungen, zum strebsamen Studenten, mit Zwischenstation als "Vertreter für abgelaufene Waren mit nicht abgelaufenem Verfallsdatum", bis hin zum Geschäftsmann und Unternehmer für Tafelwasser. Obwohl der Ehrgeiz treibendes Element ist, klopft auf seinem Weg immer wieder die Liebe in Gestalt "des hübschen Mädchens" an die Tür. Doch auch wenn das Streben nach Reichtum und jenes nach Liebe vieles gemeinsam haben, so stehen sich beide letztendlich nur kontraproduktiv im Weg. Er heiratet die Tochter eines Geschäftsfreundes, sie kämpft sich als Model in die Liga der Schönen und Reichen. Das namenlose Gesicht des Helden, dem durchaus eine gewisse Sympathie innewohnt, gibt jedoch deutlich und mit aller Schärfe gezeichnet die Wesensart der ansonsten unkenntlichen Welt wider. Seine Verletzlichkeit steht in einem scharfen Kontrast zu dem fast liebevoll und charmant skizzierten Umfeld aus Korruption, Armut und Reichtum, aus Geld und Hungerlohn. "Es ist eine explosive Umwandlung, in der die stützenden, erstickenden, stabilisierenden Bindungen ausgedehnter Beziehungen schwächer werden, sich auflösen und Unsicherheit, Furcht, Produktivität und Potenzial hinterlassen."

    Fazit: Mit ungewöhnlichen Stilmitteln, souverän von Eike Schönfeld ins Deutsche übertragen, gelingt es Mohsin Hamid die großen Veränderungen unserer Zeit zu verkörpern. Ein Buch, das erschreckt und eine zerbrechliche Verletzlichkeit zu Tage fördert, hervorgerufen durch das Zerstörerische des unaufhörlichen Wachstums in einer globalisierten Welt.

    "Es hat einmal einen Augenblick gegeben, in dem alles möglich war. Und es wird einen Augenblick geben, in dem nichts mehr möglich ist. Aber in der Zwischenzeit können wir gestalten. (aus "So wirst du reich im boomenden Asien")

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    R_Mantheys avatar
    R_Mantheyvor 3 Jahren
    Das Leben gibt, und das Leben nimmt

    Früher, in der guten alten Zeit, wurden noch Geschichten ausführlich erzählt. Entsprechend dickleibig waren die Gesellschaftsromane. Vielleicht verkaufen sich solche Bücher heute schlechter, vielleicht ist unsere Zeit sehr schnelllebig geworden und mag keine ausführlichen Bücher, oder vielleicht gibt es auch heute einfach mehr Bücher als damals, weshalb man wiederum auffallen muss, wenn man eines schreibt. Und das ist Mohsin Hamid mit seinem jüngsten Werk offenbar gelungen.

    Im Zeitraffer beschreibt es das Leben eines asiatischen Geschäftsmannes. Vielleicht ist er Pakistaner, doch das weiß man nicht so genau, weil Personen und Orte in diesem Buch allgemein gehalten werden. Vor allem aber fällt auf, dass der Roman in der zweiten Person erzählt wird, etwa so als säße der Held vor dem Erzähler, der ihm seinen Werdegang darlegt und ihn dabei immer wieder einmal anspricht.

    Das Du als Erzählebene folgt auch aus dem zweiten Stilmittel Hamids. Er benutzt Anweisungen aus Selbsthilfebüchern: Jedes der 12 Kapitel wird mit einer solchen Anweisung überschrieben, etwa wie "Zieh in die Stadt", womit das Buch beginnt, oder "Denk an ein Ausstiegsszenario" als Überschrift des letzten Kapitels.

    Unter diesen Überschriften erzählt Hamid dann, was sein Held aus diesen Anweisungen wirklich gemacht hat, wie er sich aus einfachen Verhältnissen hochkämpft, sich den Umständen immer wieder anpasst und schließlich alles wieder verliert. Das Leben ist wie es ist. Manchmal gibt es, manchmal nimmt es. Und zu kontrollieren ist es schon gar nicht.

    Hamid bleibt absichtlich unscharf in der Zeichnung seiner Hauptfigur. Er wollte einen Jedermann beschreiben, der sich durchs Leben kämpft und seinen Platz sucht. Folglich hätte sein Buch auch hundert Jahre früher in Amerika oder noch weiter zurück in Europa angesiedelt sein können. Die Umstände und Geschichten würden sich ähneln.

    Allein der Stil dieses Buches macht es einzigartig, weil es das Leben dieses Jedermanns sehr gerafft schildert. So entsteht eine Art Kurzfassung eines Lebens, wobei aber die Momente, an denen sich die Lebenswege verzweigen können, doch letztlich nur einer beschritten wird, sehr einfühlsam erzählt werden. Hamid folgt damit Regel 11: "Konzentrier dich aufs Wesentliche". Und das macht er sehr gut.

    Wenn man sich mit Hamids Stilmitteln anfreunden kann, wird einem dieser Roman bestimmt gefallen. Ich konnte das nicht immer, was aber möglicherweise meiner altmodischen Sichtweise geschuldet ist.

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    Alexandra_vom_Buecherkaffees avatar
    Alexandra_vom_Buecherkaffeevor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Eine scharfsinnige, grundehrliche und bissige Satire, die in Ratgeberform einen etwas anderen Einblick in das 'boomende Asien' gewährt
    Am Anfang der Wille, am Ende die Liebe – und dazwischen ein ganzes Leben

    Ein kleiner Einblick in den Klappentext:
    ›So wirst du stinkreich im boomenden Asien‹ erzählt die erstaunliche und dramatische Geschichte eines Mannes, der sich von einem verdreckten und kränklichen Jungen aus der verarmten Provinz zu einem korrupten Großunternehmer wandelt, und beruft sich dabei auf die Art von Selbsthilfebüchern, wie sie zu Tausenden im heutigen Asien von jungen, hoffnungsvollen Männern gelesen werden.
    Der namenlose Held kommt in einer riesigen Millionenstadt zu erstem Geld und baut sich alsbald ein eigenes Imperium auf – mit dem wichtigsten und knappsten Gut, das man sich denken kann: mit Wasser. Doch sein Herz hat er für immer verloren an das hübsche Mädchen, dessen Stern parallel zu seinem aufgeht. Immer wieder kreuzen sich ihre Lebenswege in dieser Liebe zueinander, entzündet und erloschen von den Kräften ihrer jeweiligen Schicksale.
    Der Held dieser brillanten Geschichte könnte jeder von uns sein – auf der Suche nach einem besseren Leben. Und nicht nur das: Auch das Schicksal, das ihn erwartet, könnte das unsere sein … Tempogeladen, lebhaft und emotional tiefgehend erzählt dieser Roman von zwei unvergesslichen Menschen zwischen Momenten transzendenter Intimität und aufwühlenden gesellschaftlichen Veränderungen in der Welt von heute.

    Meine Gedanken zu dem Buch:

    Mohsin Hamid gelingt es auf eine unglaublich gewitze, bissige und unterhaltsame Art und Weise, seine Leser zu fesseln und zu integrieren, indem er seinen Roman als eine Art Ratgeber auftreten lässt. Einen Ratgeber, der mich direkt mit 'Du' anspricht und mich quasi anstupst und auffordert.
    Dieser ganz besondere Erzählstil bindet, nein-  fesselt den Leser regelrecht ans Geschehen und man vermag es kaum, dieses tiefgründige und absolut facettenreiche Werk aus der Hand zu legen.
    Der Autor trifft die wunden Punkte der boomenden asiatischen Welt und nagelt sie fest und zeigt mir gleichzeitig, weil ich es schaffe, hier nicht unterzugehen, sondern mir mein großes Stück dieser immer größer werdenden Torte zu sichern. Natürlich gehört auch eine mal kleine, mal größere Portion Glück dazu, aber ist das nicht immer und überall so?
    Eine korrupte, eine erbarmungslose Gesellschaft, in der man unterzugehen droht - außer man öffnet die Augen und sieht sie Chancen, die sich gleichzeitig auftun. Chancen, die zwar auch fragwürdig, aber trotzdem Chancen sind. Willst du stinkreich im boomenden Asien werden, musst du kreativ und einfallsreich sein und deine Chancen ergreifen, egal wie rücksichtslos diese erscheinen mögen.
    Eine raue Gesellschaft fordert eine raue Schale um einen weichen Kern.

    "Denn es hat einmal einen Augenblick gegeben, in dem alles möglich war. Und es wird einen Augenblick geben, in dem nichts mehr möglich ist.
    Aber in der Zwischenzeit können wir gestalten." - Seite 136

    Der namenlose Held, der als Paradebeispiel für den außergewöhnlichen Ratgeber herhält, fasziniert auf seine ganz besondere Weise. Sein Ehrgeiz, sein Durchhaltevermögen, seine Ideen - ein Junge, der keine Arbeit scheut, der nach vorne blickt und selten zurück, der zu einem wahren Geschäftsmann heranwächst.
    Ein Junge, der aufzeigt, dass man selbst aus der ärmlichsten und ausweglosesten Situation mit dem richtigen Händchen und der richtigen Portion Glück 'stinkreich' werden kann. Denn ist es nicht das, was viele im tiefen innersten wollen? Stinkreich werden?
    Doch wann ist man wirklich stinkreich? Wenn der Geldbeutel voll ist? Wenn die Taschen aller korrupten Stellen gefüllt sind, alles bezahlt ist und trotzdem noch genug übrig bleibt? Wenn man es geschafft hat, von der Wellblechhütte ins eigene Haus zu ziehen, vor dem halt dann aus Sicherheitsgründen besser ein Leibwächter stehen sollte?
    Wann ist man wirklich stinkreich?
    Vielleicht auch erst dann, wenn das schöne Mädchen an der Seite steht und ein Lächeln auf ihren Lippen liegt?
    Indem der Autor des vermeidet, seinen Protagonisten als auch den Handlungsorten Namen zu geben, bewahrt er ein Stück Anonymität. Ein jeder von uns könnte damit gemeint sein. Eine Situation, wie sich sich an jedem x-beliebigen Ort im 'boomenden Asien' abspielen könnte.
    Was bewirken die Globalisierung, der explosiver Bevölkerungswachstum, die mit fast Lichtgeschwindigkeit voranschreitende Technisierung auf die Menschen selbst und auf den gesamten Weltmarkt. Wie verändert es das Leben selbst? Der Autor legt ein unglaubliches Tempo vor und zeigt es uns anhand dessen wunderbar auf. Gerade mal 224 Seiten umfasst dieser Ratgeber der besonderen Art und doch begleiten wir den Protagonisten schon fast in Zeitraffer von seiner Geburt bis zu seinem Tod. Schnörkels, gradlinig, immer das Ziel vor Augen und doch gibt es da immer wieder eine Abzweigung, ein kleiner Ausbruch, das schon fast wie eine Art Bodenständigkeit, eine Art Wurzel wirkt: das hübsche Mädchen.
    Jahrelang aus den Augen verloren, im Herzen aber immer präsent, laufen sie sich doch immer wieder im Leben über den Weg.
    Der Ratgeber weißt darauf hin, sich auf das wesentliche im Leben zu konzentrieren. Und meines Erachtens trifft für den Protagonisten, der auch du oder ich sein könnte, nach einem langen Weg genau dies am Ende ein. Kein Geld, keine Statussymbole - nein, er konzentriert sich auf sein persönlich Wesentlichstes: das schöne Mädchen...

    Kurz & gut - mein persönliches Fazit

    Eine scharfsinnige, grundehrliche und bissige Satire, die in Ratgeberform einen etwas anderen Einblick in das 'boomende Asien' gewährt - und doch fehlt es ihr nicht an Warmherzigkeit, Liebe und Würde.
    Ein Roman, der einem aufgrund seines hohen Tempos wie eine Achterbahnfahrt vorkommt und mich quasi fast atemlos zurück ließ. Ein 'Ratgeber' der besonderen Art, aus dem sich ein jeder seinen ganz persönlichen Rat herausziehen kann, der aber mit Sicherheit JEDEN erst einmal eine ganze Weile lang nachdenklich zurück lassen wird.
    In meinen Augen definitiv ein schriftstellerisch grandioses Werk.

    © Rezension: 2013, Alexandra
    buecherkaffee.blogspot.de

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    Gospelsingervor 5 Jahren
    Wunderbar und ungewöhnlich

    Wer hegt nicht den Wunsch, stinkreich zu werden? Der Protagonist dieses Buches macht vor, wie es geht. Die Grundvoraussetzung dafür lag allerdings nicht in seiner Hand.
    „Die Straße zum Reichtum hält Gabelungen bereit, die nichts mit Wahl, Wunsch oder harter Arbeit zu tun haben, Gabelungen, die mit Zufall zu tun haben, und in deinem Fall ist einer davon der Zeitpunkt deiner Geburt. Als Dritter kehrt man nicht ins Dorf zurück. Als Dritter arbeitet man nicht als Malergehilfe. Als Dritter ist man nicht wie das vierte von drei verbliebenen Geschwistern ein winziges Skelett in einem kleinen Grab am Fuß eines Baumes.“
    Der Zufall seines Geburtszeitpunkts ermöglicht es dem Protagonisten, die klaren Anweisungen zu befolgen, die in diesem Buch die Kapitelüberschriften bilden: Zieh in die Stadt, verschaff dir Bildung, verlieb dich nicht, meide Idealisten, lerne von einem Meister, arbeite für dich selbst, scheue nicht vor Gewalt zurück, freunde dich mit einem Bürokraten an, fördere die Kriegskünstler, jongliere mit Schulden, konzentrier dich aufs Wesentliche, denk an ein Ausstiegsszenario.
    Der Protagonist hat auch nach der Geburt Glück: Der Vater siedelt mit der Kleinfamilie in die Hauptstadt um, weit entfernt vom rückständigen Dorf, in dem der Familienclan lebt. Dem intelligenten Protagonisten fällt das Lernen leicht, und sein Vater besteht darauf, dass er die weiterführende Schule abschließt. „Er (der Vater) hat begriffen, dass seine Arbeitgeber von zwei Dingen profitieren, die er nicht hat, höhere Schulbildung und zügellose Vetternwirtschaft. Außerstande, seinen Kindern Letzteres mitzugeben, tat er alles, um sicherzustellen, dass wenigstens einer von euch Ersteres erlangte“.
    Dem Protagonisten gelingt sogar der Zugang zur Universität. Um seiner Familie nicht auf der Tasche zu liegen und sich trotzdem auf das Studium konzentrieren zu können, schließt er sich einer politischen Organisation an, die ihn im Gegenzug mit einem monatlichen Stipendium, einem Bett im Wohnheim, Essen und Kleidung versorgt. Die Zugehörigkeit zu dieser Gruppe erfordert es, sich einen Bart wachsen zu lassen, bringt auf der anderen Seite aber einen Zuwachs an Respekt ein. Erst, als seine Mutter an Krebs erkrankt und die Organisation ihr nicht helfen will, schafft es der Protagonist, auszutreten.
    „Die Liebe erstickt das Feuer unterm Dampfkessel des Ehrgeizes“, warnt der Selbsthilferatgeber, aber der Protagonist verliebt sich dennoch. Die Liebe zu dem hübschen Mädchen wird ihn sein Leben lang begleiten, obwohl sie sich aus den Augen verlieren und er mit einer anderen Frau eine Familie gründet.
    Der Protagonist wird tatsächlich reich; das Geschäftemachen wird zu seiner neuen Religion. Zunächst wird er „Vertreter für abgelaufene Waren mit nicht abgelaufenem Verfallsdatum“, was er nicht verwerflich findet, sorgt er doch dafür, „dass Waren, die sonst weggeworfen würden, bei reduzierten Verkaufspreisen Käufer finden“. Später füllt er abgekochtes Leitungswasser in gebrauchte Mineralwasserflaschen und baut so ein lukratives Großunternehmen auf. „Stinkreich zu werden erfordert ein gewisses Maß an Unzimperlichkeit“, konstatiert der Ratgeber.
    Nun ist der Protagonist tatsächlich stinkreich und steht vor dem nächsten Problem: Wie bewahrt man das angehäufte Vermögen?
    Dieses wundervolle Buch ist etwas ganz Besonderes. Das liegt zum einen an der ungewöhnlichen Erzählform. Der Roman ist durchgehend in der zweiten Person Singular geschrieben, was den Eindruck, ein Selbsthilfebuch zu lesen, noch verstärkt. Außerdem ist es so möglich, völlig ohne Namen auszukommen. Weder der Protagonist, noch die Frau, in die er sich verliebt, werden namentlich genannt. Nicht einmal Ortsnamen gibt es. (Allerdings kann man sich relativ leicht ableiten, dass der Roman in Pakistan spielt.)
    Hamid beschreibt eindringlich die marode Infrastruktur, die Korruption im Land, die Orientierung am westlichen Lebensstil (so wird zum Beispiel eine gated community geplant, die das Abbild einer westlichen Stadt werden soll) und die Probleme armer Menschen, an Bildung und gut bezahlte Arbeitsplätze zu gelangen.
    Auch die Protagonisten sind dem Spagat zwischen traditionellen Strukturen und einer fieberhaft eingeführten Moderne unterworfen. Das macht ethisches Handeln schwierig. Trotz seiner Skrupellosigkeit in geschäftlichen Dingen ist mir der namenlose Protagonist daher sympathisch. Außerhalb der Geschäftswelt ist er gefühlvoll, was besonders in seiner Liebe zu dem hübschen Mädchen zum Ausdruck kommt.
    Die Liebe tritt in diesem Buch immer ein wenig wehmütig auf, und das Ende der Geschichte fand ich herzzerreißend.
    Wird man denn nun stinkreich, wenn man dieses Buch gelesen hat? Nicht im monetären Sinne. Aber reicher an Eindrücken und Denkanstößen wird man auf jeden Fall.


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    Queenelyzas avatar
    Queenelyzavor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Inhaltlich meiner Meinung nach ziemlich hohl, aber hier ist eindeutig die Sprache das Kunstwerk. Sätze wie edle Pralinen für Lesegoumets...
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    Anidays avatar
    Anidayvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Überraschend anders als erwartet! Für mich war es eine Reise mit gemischten Gefühlen, eines aber bestimmt: besonders.
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    schmoeker-rikes avatar
    schmoeker-rikevor 5 Jahren
    Kurzmeinung: ein Leben im Zeitraffer- sozialkritisch, humorvoll. Und - wie das Leben an sich-am Ende ziemlich traurig
    ELSHAs avatar
    ELSHAvor einem Jahr
    Metalherz1s avatar
    Metalherz1vor 3 Jahren
    Ein LovelyBooks-Nutzervor 4 Jahren

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