Moira Frank

 3,1 Sterne bei 66 Bewertungen

Lebenslauf

Die Jugendbuch-Autorin: Moira Frank, geboren 1993, ist eine deutsche Schriftstellerin. Sie studierte Kulturjournalismus und Kreatives Schreiben. Nach ihrem Abschluss fing sie dann an, erste Bücher und Kurzgeschichten zu veröffentlichen. 

Ihr Debüt als Autorin gab sie mit ihrem Roman „Sturmflimmern“. Seitdem ist sie die Autorin zahlreicher Bestseller. Für ihre Werke wurde sie mit dem Walter-Serner-Preis ausgezeichnet. Heute lebt sie zusammen mit ihrer Familie in Hamburg.

Alle Bücher von Moira Frank

Cover des Buches Nachtschwärmer (ISBN: 9783570165058)

Nachtschwärmer

(46)
Erschienen am 22.07.2019
Cover des Buches Sturmflimmern (ISBN: 9783570164570)

Sturmflimmern

(20)
Erschienen am 29.08.2016

Neue Rezensionen zu Moira Frank

Cover des Buches Sturmflimmern (ISBN: 9783570164570)
janek_liests avatar

Rezension zu "Sturmflimmern" von Moira Frank

janek_liest
Aufwühlend, packend und sprachlich wie gewohnt hochwertig

Moiras Geschichten fühlen sich real an, sie gehen mir unter die Haut und hallen auch noch nach, wenn ich das Buch schon seit Tagen beendet habe. Das ist etwas, das ich bei wenigen Autor*innen erlebe, aber hier schon zum zweiten Mal in Perfektion. Diese Art, Charaktere schonungslos ehrlich darzustellen, mit all ihrem Leid und ihrem Glück, hat etwas poetisches. Derbe Poesie, vielleicht. Aber eben doch Poesie.


Selbst das Setting der Geschichte um Sofia und diesen einen Sommer in ihrem Leben, der alles verändert, wurde perfekt gewählt: 

Ein drückend heißer Sommer in Amerika, manchmal abgekühlt durch Regen und Gewitter, dann wieder geprägt von Dürre, Stille und Rasensprengern. Mal laut, dann wieder behutsam und leise flicht Moira Konflikte der Jugend und Probleme der älteren Generation der Familien zu einer dichten Geschichte, die mit allen Geheimnissen und Leidenswegen der Charaktere extrem ist, aber dabei nicht an Glaubwürdigkeit verliert.


Es ist keine leichte Kost. Kein Buch, das dir durch unglaubwürdige Katharsis der Charaktere vorbetet, was falsch ist und was nicht, sondern dominiert von grauen Charakteren. Jede*r davon mit eigenen Ecken und Kanten. Rassismus, Homophobie, Alkoholmissbrauch, Misogynie, (häusliche) Gewalt - alles Themen, die 1986 noch deutlich anders behandelt wurden als heutzutage. Hier verwoben in einer Spirale aus Gewalt und überzeugender Dynamik. Ihr wisst, ich liebe es, wenn mit Klischees & Konventionen gebrochen wird - und da bewegt sich „Sturmflimmern“ auf einem ganz besonderen Niveau.


Besonders ins Herz geschlossen habe ich Schill. Es ist leider schon wieder länger her, dass ich einen Charakter wirklich gefühlt habe.

Danke für dieses Highlight.

Eine große Leseempfehlung von mir.

Cover des Buches Sturmflimmern (ISBN: 9783570164570)
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Rezension zu "Sturmflimmern" von Moira Frank

spookytree
Flirrende Sommerhitze

Die Handlung dreht sich hauptsächlich um die 15-jährige Sophia und ihren engeren Freundeskreis. Unabsichtlich hat sie einen schwelenden Konflikt zwischen ihrer kleinen Clique und dem älteren Bruders ihres besten Freundes, sowie dessen Freunden, verstärkt. Und zwischen den jungen Menschen, die aus oft komplizierten Elternhäusern stammen, und mit Konflikten nicht umzugehen wissen, entsteht so nach und nach eine Spirale der Gewalt.

Doch die Handlung an sich ist für mich nicht der Grund, das Buch zu empfehlen - ich bin keine besonders handlungs-fixierte Leseperson, aber was mir wirklich im Gedächtnis bleibt sind so Dinge wie Charaktere und Atmosphäre, und damit konnte das Buch bei mir richtig punkten!
In ihrem zwischen Poesie und knallharter Wahrheit schwebenden Schreibstil bringt Moira Frank die (be)drückende, aufgeladene Atmosphäre dieses heißen Sommers wirklich ganz wundervoll rüber. Ich hätte noch viel länger in ihren Beschreibungen schwelgen können!

Auch die Charaktere blieben mir länger im Gedächtnis. Sie sind vielschichtig und komplex, nicht immer leicht zu durchschauen oder gar zu mögen, aber umso interessanter. Hier werden einem nicht einfach die altbekannten Klischee-Jugendbuchcharaktere vor die Nase geknallt, sondern wirklich einzigartige und lebendige Menschen!

Auch sonst hebt sich das Buch für mich dadurch von der Masse der Jugendbücher ab (ich probiere das Genre so oft und werde so oft enttäuscht :D), dass hier die Lesenden als Menschen ernst genommen werden. Man wird nicht mit den schon tausendmal gelesenen Standard-Plots abgefertigt. Stand den in Jugendbüchern schon obligatorischen Erste-große-Liebe-Dramen stehen hier Freundschaft und familiäre Beziehungen im Vordergrund. Es ist eine Geschichte darüber, wie kleine Konflikte außer Kontrolle geraten können, gerade, wenn im Hintergrund der Figuren noch einiges vor sich geht. Eine Geschichte von Jugendlichen, die von einer beengenden Kleinstadt, komplizierten und teils gewalttätigen Familien oder ungeklärter Vergangenheit so festgehalten werden, dass es irgendwann explodieren muss. Das ist nicht immer schön. Aber echt.

Cover des Buches Nachtschwärmer (ISBN: 9783570165058)
spookytrees avatar

Rezension zu "Nachtschwärmer" von Moira Frank

spookytree
Atmosphärisch, ungeschönt, wichtig.

Nachtschwärmer ist das perfekte Sommerbuch. Man fühlt die Hitze der Tage und die lauwarmen Nächte von den Seiten steigen und kann sich einbilden, man säße selbst nach einem körperlich angenehm auslaugenden Tag an einem See, die Beine im kühlen Wasser baumelnd, dieses Buch in der Hand. Moria Franks atmosphärische Beschreibungen haben mich schon in ihrem ersten Roman Sturmflimmern in den Bann gezogen, und es ist deutlich zu merken, dass sich ihr Schreibstil in den letzten Jahren noch weiter entwickelt hat dabei aber die für mich herausstechenden Kennzeichen, sogleich knapp wie poetisch zu sein, behalten hat. Doch nicht nur die Umgebung, auch die Darstellung der Charaktere ist so stimmungsvoll wie überzeugend. Der Roman ist eine Meisterklasse im altbekannten Mantra „show don’t tell“, und so charakterisieren sich die Figuren durch ihre Worte und Taten (oder unterlassene Taten) und Entwicklungen werden spürbar gemacht, statt wortreich umschrieben.

Auf diese Weise ist vor allem der Wandel den Helena durchmacht glaubwürdig und ermutigend. Zu Beginn ein ängstlicher, passiver und nervöser Mensch entwickelt sie sich langsam und stetig zu einem Mädchen das ein wenig mehr mit sich selbst und der Welt im Reinen ist, die eigene Belastbarkeit neu erfährt und Freunde und eine feste Freundin findet, bei denen sie einfach sie selbst sein kann. Ihre Entwicklung, sowie der Umgang mit Trauer insgesamt in diesem Buch, gehen auf eine Weise von statten, die ich ungemein tröstlich finde. Viel zu häufig agieren (Jugend-)Bücher nach dem „Ende gut, alles gut!“-Motto, das heißt, die Protagonist*innen müssen auf der letzten Seite absolut glücklich und die besten Versionen ihrer selbst sein. Doch so funktioniert das Leben nicht, so funktioniert Trauerbewältigung nicht, und das dürfen ruhig auch jugendliche Lesende wissen. Nachtschwärmer schenkt seinen Charakteren und Leser*innen einen Sommer, der die Welt nicht schlagartig perfekt macht, aber der aufzeigt, dass alles Schritt für Schritt besser werden kann.

Besonders wichtig war für mich auch Clara, das Mädchen, in das Helena sich verliebt. Ich glaube, ich habe noch nie ein Jugendbuch gelesen in dem ich mein jugendliches Ich auf diese Weise in einem der Charaktere wieder fand. Die ungekämmte, wilde dunkle Haarmähne, die schmerzhaft schlechte Haltung, die weite, unmodische Kleidung, der konstante Unterton von Wut und Verletzlichkeit. Es war als blickte ich in ein Spiegelbild meiner Jugend. Nicht, dass ich nicht schon häufiger Bücher gelesen habe, in denen Mädchen wie die junge Rosa vorkamen – „hässlich“, ungepflegt, unmodisch. Doch waren Charaktere, mit denen ich mich identifizieren konnte, immer nur das „Vorher“-Bild gewesen, vor einem Make-Over, bevor sie begannen sich zu rasieren, schminken, feminine Kleidung zur tragen. Denn nur dann konnten Charaktere wie ich Love Interests sein. Helena jedoch verliebt sich in Clara ganz so, wie sie ist, und das war so schmerzhaft schön für mich, dass ich es kaum beschreiben kann. Ich hätte dieses Buch gebraucht, damals. Zu sehen, dass auch ich verliebenswert und anfreundenswert bin, wenn ich einfach bin wie ich bin, ohne mich den Anforderungen von Schönheitsidealen zu beugen, hätte unglaublich viel an meiner Selbstwahrnehmung verändern können. Ich bin unglaublich froh und dankbar dass Jugendliche, denen es genauso geht, wie mir damals, jetzt dieses Buch haben.

Bevor ich Rezensionen schreibe, lese ich meist auch ein paar Rezensionen von anderen, zum einen damit ich nicht mein Hauptaugenmerk auf etwas lege, was vielleicht schon unzählige Male gesagt wurde, zum anderen weil es mich interessiert, wo meine Meinung vielleicht von anderen Meinungen abweicht. Was mich an den Rezensionen zu Nachtschwärmer so verwunderte wie enttäuschte war hauptsächlich, dass erstaunlich viele Lesende nicht nur die Gedanken und Aussagen von Charakteren mit der „Botschaft“ eines gesamten Buches gleichsetzen, sondern dass die sachten und authentischen Veränderungen für die ich dem Roman so dankbar bin, anscheinend für viele weniger wert sind als das Entwerfen einer Szenerie in der jugendliche Charaktere als fehlerlos aufgeklärte und sozialpolitisch gebildete Menschen das Licht ihrer Seiten erblicken.

Wenn ich Jugendbücher lese und auch rezensiere bin ich mir immer bewusst, dass ich nicht die eigentliche Zielgruppe bin, und versuche daher auch immer mit einzubeziehen, ob die Leser*innen als Jugendliche dort abgeholt werden, wo sie sind, oder ob ein idealisiertes Bild einer Jugend entworfen wird, das eher die Erwachsenen erfreut. Nachtschwärmer gehört eindeutig zur ersten Kategorie. Die Jugendlichen sprechen, denken und verhalten sich wie ich es mich aus meiner Jugend erinnere: Hitlerwitze waren bei den Jungs in meiner Stufe an der Tagesordnung, ich habe gedankenlos andere Mädchen als „Schlampe“ bezeichnet oder „schwul“ als abwertenden Begriff für alles, was ich als kitschig oder verweichlicht empfand, verwendet. War das in Ordnung? Natürlich keineswegs. Ich und meine Mitschüler*innen mussten noch so viel lernen, über die Welt, über Diskriminierung, über uns selbst. Und um diese Phase im Leben eines Menschen zu verdeutlichen, bedeutet mir ein Buch, das in den ersten Kapiteln die Protagonistin froh darüber sein lässt, dass die Halskette ihres Freundes nicht schwul aussieht, um sich später in ein Mädchen zu verlieben, so viel mehr, als ein Buch das fraglos davon ausgeht, dass Sechzehnjährige die Bildung, Bedachtsamkeit und Wortwahl von idealisierten Erwachsenen haben. Nachtschwärmer erinnerte mich wieder und wieder schmerzhaft an mich selbst, daran, wie es war (und ist) in einer Welt aufzuwachsen, in der man noch immer lernt, gewisse Empfindungen zu unterdrücken und alles, was von der Norm abweicht, mit Skepsis zu betrachten. Und dass gerade Helena, die am Anfang ängstlich darauf bedacht ist, ja nicht aufzufallen, so endet wie sie endet, mit einer Zufriedenheit in sich selbst, ist eine Entwicklung die realistisch ist und oberflächlich betrachtet sehr undramatisch, doch, wie ich finde, für jugendliche Lesende lebensrettend sein kann

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