Monica Hesse

 4,6 Sterne bei 64 Bewertungen

Lebenslauf von Monica Hesse

Die vielfach ausgezeichnete Bestsellerautorin Monica Hesse stammt aus Illinois und ist außerdem Journalistin bei der Washington Post. Sie lebt mit ihrem Mann und einem verrückten Hund in Washington. »Das Mädchen im blauen Mantel«, ihr erster Roman, der auf Deutsch erschien, stand auf der New-York-Times-Bestsellerliste und erhielt zahlreiche Preise, darunter den renommierten Edgar Award in der Kategorie »Junge Erwachsene«, und wurde von der Jugendjury für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2019 nominiert.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Monica Hesse

Cover des Buches Das Mädchen im blauen Mantel (ISBN: 9783570165324)

Das Mädchen im blauen Mantel

 (52)
Erschienen am 22.01.2018
Cover des Buches Sie mussten nach links gehen (ISBN: 9783570166024)

Sie mussten nach links gehen

 (11)
Erschienen am 12.10.2020
Cover des Buches Zeit der Lügen (ISBN: 9783570314302)

Zeit der Lügen

 (0)
Erscheint am 08.02.2022
Cover des Buches Une fille au manteau bleu (ISBN: 9782070668458)

Une fille au manteau bleu

 (1)
Erschienen am 27.10.2016

Neue Rezensionen zu Monica Hesse

Cover des Buches Sie mussten nach links gehen (ISBN: 9783570166024)DaisiesDaffodilsAndOtherLetterss avatar

Rezension zu "Sie mussten nach links gehen" von Monica Hesse

Sie mussten nach links gehen
DaisiesDaffodilsAndOtherLettersvor 3 Monaten

Liebe Daffy,


heute erreicht dich ein Brief über ein ganz besonderes Buch. Hierbei handelt es sich um Monica Hesses „Sie mussten nach links gehen“ (Original: „They Went Left“, 2020), das 2020 bei cbj erschienen ist. Die deutsche Übersetzung stammt von Cornelia Stoll.


Nachdem ich „Das Mädchen im blauen Mantel“ von der Autorin gelesen hatte, habe ich händeringend auf ein neues Buch gewartet. Monica Hesse versteht es, ganz besondere Geschichten in der Zeit des zweiten Weltkriegs anzusiedeln. Ihre Recherchen scheinen ausgesprochen umfangreich zu sein, was ihre Erzählung sehr dicht und emotional packend macht. Auf Grundlage wahrer Begebenheiten schafft sie fiktive Geschichten, die mir sehr nahe gehen und im Gedächtnis bleiben.


Inhalt

Das KZ Groß-Rosen wurde von den Alliierten befreit und der Krieg scheint zu Ende zu sein. Doch ein schreckliches Ereignis ist nicht beendet, nur weil es die Behauptung gibt, der Krieg sei vorbei. Zofia steht nach der Entlassung aus dem Krankenhaus vor dem Nichts. Ihre Familie hat sie bei der Ankunft im KZ verloren, da sie nach links – zu den Gaskammern – gehen mussten. Einzig ihren Bruder Abek kann sie nun suchen und so begibt sie sich auf die verzweifelte Suche nach ihm und einem Leben nach dem Krieg.


Handlung

Aufgrund meiner schulischen und akademischen Ausbildung habe ich mich schon vielfältig mit der Zeit des zweiten Weltkriegs beschäftigt. Dennoch habe ich noch nicht viele Bücher in Händen gehalten, die sich mit der Zeit unmittelbar nach Kriegsende befassen. Dieses Buch hat mir gezeigt, welche Wichtigkeit die Aufarbeitung dieser Zeit hat und wie wenig wir darüber beispielsweise in der Schule lernen. 

Monica Hesse entwickelt hier eine hoch emotionale Geschichte, wie sie so oder so ähnlich ganz sicher stattgefunden haben kann. Zofia steht stellvertretend für unendlich viele Menschen, die ihre Familien, Freund*innen und ihr Zuhause verloren haben. Es gab kein Zurück zu einer bisher bekannten Normalität. Obwohl der Krieg als Beendet erklärt wurde, erlebt Zofia ein ständiges Gefühl der Unsicherheit, der Bedrohung und hat unendliche Zukunftsängste. Monica Hesse gelingt es, ihre Figuren vielschichtig zu gestalten, die Zeit greifbar zu zeichnen und jede Seite mit Emotionen zu füllen.


Figuren

Monica Hesse beschreibt in ihrem Nachwort einen kleinen Teil ihrer Recherche. Wie oben bereits erwähnt, schuf sie eine fiktive Geschichte, die jedoch auf wahren Begebenheiten beruht. Die ihr zugänglichen Biografien von Opfern des Holocaust haben in die Entwicklung der Figuren Einzug erhalten, weshalb ich dem Buch eine hohe Glaubwürdigkeit zuschreiben möchte. Ich empfinde ihre Arbeit als respektvollen Umgang mit dem Thema und als einen wichtigen Beitrag, damit wir lernen und besser verstehen können.

Zofia ist zum Zeitpunkt der Erzählung achtzehn Jahre alt. Sie gehört zu denen, die bei der Befreiung des KZ Groß-Rosen am Leben waren und nach dem Krankenhausaufenthalt zurück ins freie Leben finden musste. Wie schwer es für sie und die anderen Opfer gewesen sein muss, kann ich aufgrund des Buches nur erahnen. Die Gräueltaten, die die Menschen durchleben mussten sind unvorstellbar. Doch Monica Hesses dichte Erzählung lässt uns nachempfinden wie es gewesen sein könnte, indem sie uns Zofia vorstellt. Die junge Frau besitzt eine bewundernswerte Stärke und den Willen, für ihre Zukunft zu kämpfen. Immer wieder erleben wir Rückblicke, wenn sich Zofia an einen Moment im KZ erinnert und erschüttert uns beim Lesen dieser schrecklichen Erlebnisse. Doch die Hoffnung ist genauso zu spüren und wir sind nur allzu bereit, Zofia auf ihrer Suche nach ihrem Bruder bei jedem Schritt zu begleiten. 

Auf diesem Weg lernt sie viele andere Überlebende und deren Geschichten kennen. Die Vielfalt der Figuren schafft einen Einblick in unterschiedliche Erlebnisse, Ansichten, Zukunftspläne und Wünsche. Obwohl alle eine unsagbar schreckliche Zeit erlebt haben, sprühen viele der Figuren nur so vor Lebensfreude und Ideen. Die Hilfsbereitschaft, aber auch das Misstrauen kann ganz toll dargestellt werden.


Schreibstil

Monica Hesse hat einen packenden Schreibstil, der mich wieder einmal nicht losgelassen hat. Ich wollte nur einmal in das Buch hineinlesen und hatte es dann innerhalb eines Tages verschlungen. Ich war zu keinem Zeitpunkt nicht emotional involviert. Die Geschichte hat mich zugleich beeindruckt, aber auch stark mitgenommen.

Eine besonders schöne Idee ist die Bezeichnung der Kapitel, da die Überschriften die Geschichte auf vielfältige Art und Weise widerspiegeln.

Ein Kritikpunkt sind sie unfassbar vielen Rechtschreib- und Druckfehler, die die deutsche Fassung hat. Hier sollte der Verlag bei einer Neuauflage dringend nachbessern.


Fazit

Mir bleibt an dieser Stelle nur zu sagen, dass ich dieses Buch allen wärmstens ans Herz legen möchte. Monica Hesse überzeugt mich mit dieser Erzählung wieder einmal vollkommen, sodass ich es kaum erwarten kann, wenn 2022 ihr nächstes Werk auf Deutsch erscheinen wird.


Deine Daisy

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Cover des Buches Sie mussten nach links gehen (ISBN: 9783570166024)buchmagie88s avatar

Rezension zu "Sie mussten nach links gehen" von Monica Hesse

Wichtige Geschichte über die jüngste Nachkriegszeit
buchmagie88vor 8 Monaten

Das KZ Groß-Rosenau ist befreit und die achtzehnjährige Zofia Lederman findet sich plötzlich in der Nachkriegszeit des zweiten Weltkriegs wieder. Vollkommen traumatisiert von ihren schrecklichen Erlebnissen wird sie zunächst in einem Krankenhaus körperlich so weit wie möglich wieder hergestellt, bevor sie in ihr Heimatland Polen zurückkehrt.

Doch Zofia bleibt dort nicht lange, denn als ihre komplette Familie von den Nazis gefangen genommen wurde, wurden alle Mitglieder von ihrer Familie nach links geschickt, nach Auschwitz in die Gaskammern und in den Tod, außer ihr kleiner Bruder und sie selbst. Und Zofia hat ihren Bruder bei ihrer Trennung ein Versprechen gegeben: dass sie ihn finden würde, egal wo er ist und von jetzt an hat Zofia nur noch das Ziel dieses Versprechen einzulösen. 


Nachdem mich Monica Hesses Debütroman "Das Mädchen im blauen Mantel" vor einiger Zeit umgehauen und unglaublich berührt hat, war ich natürlich sehr gespannt auf ihr zweites Buch "Sie mussten nach links gehen". 

Wieder einmal gelingt es ihr eine vielschichtige, eindringliche und interessante Geschichte zu erzählen. Wieder einmal sind ihre Protagonist*innen und Held*innen junge Menschen, die sich entweder mitten oder in diesem Fall unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg befinden und sich mit ihren persönlichen Schicksalen und Situationen auseinander setzen und zurecht finden müssen. Primär richtet sich Monica Hesse auch mit dieser Geschichte an Jugendliche, an die Generation, die die Schrecken und abscheulichen Verbrechen des zweiten Weltkriegs im besten Fall noch in weit entfernten Geschichten von ihren Großeltern oder sogar Urgroßeltern erzählt bekommen haben und im schlechtesten Fall ein angestaubtes Kapitel darüber in ihrem Schulgeschichtsbuch finden. Sie richtet sich an die Generation, die immer wieder an diese gleichsam traurige als auch bedeutende geschichtliche Epoche erinnert werden sollte, so dass kein Vergessen eintritt und man alte Fehler nicht wiederholt. Und auch wenn sich "Sie mussten nach links gehen" zuerst an junge Menschen richtet, erzählt das Buch auch Leser*innen anderer Altersgruppen eine intensive und eindringliche Geschichte mit einigen Elementen, an die zumindest ich selbst beim Nachdenken über die Zeit des zweiten Weltkriegs nicht gedacht habe. Das liegt vor allem an dem bestimmten Zeitabschnitt, in dem Monica Hesses zweiter Roman spielt: das unmittelbare Eintreten der Nachkriegszeit. Damit assoziiert man zunächst feiernde Soldaten in den Straßen, Orte, die zwar in Trümmern liegen, aber an denen zumindest in kleinen Dosierungen die Hoffnung zurückgekehrt ist. Eine Welt, die unter den Lasten des Kriegs beinahe zusammengebrochen ist und zumindest für den Moment wieder aufatmen kann. Zahlreiche Leben, die mit den Befreiungen der Konzentrationslagern gerettet wurden. Womit diese Zeit allerdings meistens nicht verbunden wird, sind der weiterhin bestehende Antisemitismus, mit denen die zurückgekehrten Opfer der Konzentrationslager unmittelbar bei und nach ihrer Rückkehr konfrontiert werden, unzählige Menschen, die zwar befreit wurden aber ihr gesamtes Leben und ihre Familien verloren haben und nicht wissen, wo sie hin sollen. Auffanglager entstehen für diese Menschen und für diejenigen, die suchen: Verwandte, Bekannte, Freunde, jeden Menschen, mit dem man etwas verbindet und der vielleicht überlebt haben könnte. Und damit wären wir in der Handlung und bei der Protagonistin Zofia und ihrer verzweifelten Suche nach ihrem kleinen Bruder, die sie von Polen zurück nach Deutschland führt, wo sie zu den bereits erwähnten Auffanglagern reist, um ihren Bruder ausfindig zu machen. Monica Hesse hat einige interessante und vielschichtige Charaktere geschaffen, die oft undurchsichtig bleiben und versuchen ihre persönlichen Schicksale mit sich selbst auszumachen. Gerade bei ihrer Hauptfigur gelingt es der Autorin ihre furchtbaren Erlebnisse auf besonders eindringliche Art und Weise zu erzählen, was gerade zum Ende hin dazu führt, das den Leser*innen auch mal die Luft wegbleiben kann. Die Geschichte erzählt von Freundschaft, Hoffnung, das aneinander Festhalten und den Versuch aus einem Trümmerhaufen, in den sich das eigene Leben verwandelt hat, auszubrechen und einen völlig anderen aber neuen Weg einzuschlagen. Dass der sprichwörtliche Funke bei mir persönlich nicht überspringen wollte, ist sicherlich eine rein individuelle Empfindung. Durch den großartigen Debütroman hatte ich möglicherweise zu hohe Erwartungen, die ein zweiter Roman nicht erfüllen konnte. 

Dennoch wurde mir in "Sie mussten nach links gehen" eine neue Perspektive der unmittelbaren Nachkriegszeit gezeigt und mir somit ein völlig neues Gesichtsfeld eröffnet. Aus diesem Grund sollten die Romane von Monica Hesse möglichst viele Menschen lesen, um sich zu erinnern und sich neue Sichtweisen aufzeigen zu lassen. 

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Cover des Buches Sie mussten nach links gehen (ISBN: 9783570166024)F

Rezension zu "Sie mussten nach links gehen" von Monica Hesse

Das Leben nach dem KZ
FrauWunderInPersonvor 9 Monaten

SIE MUSSTEN NACH LINKS GEHEN

 

Monica Hesse hat mit ihrem Jugendbuch „Sie mussten nach links gehen“ ein interessantes Werk über die Nachkriegszeit des zweiten Weltkrieges geschaffen. Im Zentrum der Geschichte steht die achtzehnjährige Zofia Ledermann, deren Leben durch die Nazi-Schreckensherrschaft komplett in sich zusammen gefallen ist. Zofia ist Jüdin und ihre Familie wurde voneinander getrennt. Die traumatischen Erlebnisse, der Kampf um das Überleben und die verbitterte Suche nach ihrem kleinen Bruder Abek lassen Zofia eine anstrengende Reise durch Deutschland unternehmen.

 

Das Thema Judenverfolgung finde ich sehr wichtig. Als Jugendliche habe ich gerne Bücher gelesen mit so einer schwierigen Thematik, um dieses grausame System und die erschreckenden Taten zu verstehen. Deswegen war ich sehr gespannt auf diesen Jugendroman, da es nicht einfach ist eine solche Thematik gut zu verpacken. Die Handlung hat mir sehr gut gefallen. In Rückblenden erzähl Zofia von ihren Erlebnissen vor der NS-Übernahme, dem Leben im KZ und dem Überleben. Das was sie am Leben hält ist das Versprechen, welches sie ihrem Bruder gegeben hat: sie wird ihn finden. Die vom Leben gezeichnete Zofia reist durch Deutschland und lernt so viele neue Personen kennen und muss wieder lernen zu vertrauen. Diese Gradwanderung fand ich sehr gelungen. Für mich war neu, wie eine solche Suche nach Vermissten wirklich ausgesehen hat und das es tatsächlich „Auffanglager“ gab. Trotz der harten Zeit werden auch hoffnungsvolle Momente angesprochen. An einigen Stellen war es mir persönlich zu viel Zufall, zu viel Glück. Für ein Jugendbuch war es dennoch gut.

 

Insgesamt finde ich es sehr wichtig, dass das Thema Zweiter Weltkrieg, Judenverfolgung etc. in Bücher gut durchdacht verpackt wird. Der Jugendroman „Sie mussten nach links gehen“ konnte mich überzeugen, zählt jedoch nicht zu meinen absoluten Favoriten aus diesem Genre. Habt ihr noch Buchtipps zu diesem Thema?

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