Monica Isakstuen

 3.7 Sterne bei 6 Bewertungen
Autor von Elternteile.

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Elternteile

Elternteile

 (6)
Erschienen am 23.02.2018

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Rezension zu "Elternteile" von Monica Isakstuen

Scheidungskind
leseleavor 5 Monaten

Vater, Mutter, Kind.
Verliebt, verlobt, verheiratet, geschieden.

Was nun? Diese Frage muss sich auch Karen stellen, als ihre Ehe zerbricht und ihre Familie zerreißt. Vernünftig und gleichberechtig wollen sie und ihr Ex-Mann die Scheidung angehen: Eine Beratungsstelle soll sie durch die Trennung begleiten, die gemeinsame dreijährige Tochter Anna soll eine Woche beim Vater, eine Woche bei der Mutter verbringen. Doch was sich nicht planen lässt, sind die Emotionen, die mit der Scheidung und der Aufteilung der Kindererziehung eingehen: Trauer, Selbstmitleid, Verlustängste, Einsamkeit, Versagensängste, Vorwürfe. Karen stellt sich mit der altbekannten Frage aus einer neuen Perspektive konfrontiert: Was für eine Mutter bin ich, wenn mein Kind ein Scheidungskind ist?

Ist man in der einen Woche Mutter, was ist man dann in der anderen, und wie findet man wieder zu sich? (S. 175)

Der Klappentext von Monica Isakstuens Roman Elternteile hat mich beim ersten Lesen direkt angesprochen: Er versprach eine hochinteressante, aktuelle und realitätsnahe Story, die Auseinandersetzung mit einem relevanten, literarisch jedoch nur selten ausgearbeiteten Thema und eine mutige, offene, bisweilen auch schonungslose Beschreibung einer gescheiterten Ehe und eines alternativen Lebenskonzept – kurzum: er versprach allerbeste Gegenwartsliteratur! Nach der Lektüre möchte ich auch gar nicht abstreiten, dass es sich bei Elternteile um gute, moderne Literatur handelt – schließlich wurde das Buch auch mit den Brage-Preis, dem wichtigsten Literaturpreis Norwegens, ausgezeichnet; jedoch ist es für mich ein Buch, das mir thematisch sehr gefällt, in der Umsetzung mich jedoch nicht überzeugt hat.

Monica Isakstuen hat einen sehr fragmentarischen Roman geschrieben. Das fängt schon bei der Typographie an: Einige Seiten sind komplett mit Text ausgefüllt, andere nur zu Hälfte, in den krassesten Fällen beinhaltet eine Seite nur ein Wort und wartet ansonsten nur mit Weißfläche auf. Ähnliches lässt sich über die Erzählweise sagen: Ohne wirkliche Chronologie, episodenhaft, auf die Gedankengänge, also das Innenleben der Protagonistin und Erzählerin reduziert wirkt Elternteile manchmal wie das Tagebuch von Karen: Jede Seite ein Tag, jeder Tag ein neuer Gedanken. Leider führt das nicht, wie von mir erhofft, zu einer besonderen Nähe zwischen Geschichte und Leser – im Gegenteil! Während des Großteils der Lektüre kam mir das Erzählte unheimlich weit weg und nicht greifbar vor. Wie Fische im Goldfischglas schien ich Karen und ihre Familie zu beobachten, wurde jedoch nicht Teil der geschilderten Welt; die nicht zu leugnenden klugen Gedanken – die sprachlich jedoch nicht immer überzeugend verpackt wurden, packten mich nicht, ich blieb (auch bei emotional angelegten Szenen) unbeteiligt und distanziert.

Insgesamt lässt mich Elternteile daher etwas enttäuscht zurück. Ich hätte mir gewünscht, dass mich dieses Buch mitgerissen hätte, mich in seiner thematischen Wucht beeindruckt und mich zu einer Position gezwungen hätte. Doch mit dieser stilistischen Realisierung hallt der Roman und seine Botschaft leider nicht nach, sondern wird wohl leider schnell dem Vergessen anheimfallen. Daher nur 3 Sterne.

Kommentare: 1
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jenvo82s avatar

Rezension zu "Elternteile" von Monica Isakstuen

Annas Kindheit 2.0
jenvo82vor 6 Monaten

„Spiel das Kind, spiel die Mutter. Füll die Charaktere mit Leben. Gib ihnen eine Aufgabe. Führe sie in einen Konflikt, bring sie enger zusammen oder lass eine Spaltung zu, durch den gemeinsamen Feind.“


Inhalt


Für Karen ist es eine schwere Zeit, denn als ihre Tochter Anna 3 Jahre alt ist, zerbricht die Beziehung zum Vater des Kindes. Ganz bewusst zieht die junge Frau einen Schlussstrich unter die Partnerschaft, in der es nur noch Konflikte und Streit gab. Das Sorgerecht werden sich die Eltern teilen, zunächst übernimmt Karen den Löwenanteil, in den Jahren darauf, wird sich die Betreuungszeit beim Vater zu gleichen Teilen entwickeln. Doch für Karen ist es eine Zerreißprobe, kann sie sich doch nicht an der „kinderfreien“ Zeit erfreuen, weil sie ihre Tochter vermisst – andererseits ist sie auch nicht immer geistig präsent, wenn Anna bei ihr ist. Ein wahrer Drahtseilakt, bei dem sie sich zunehmend fragt, was eine Mutter zur „guten Mutter“ macht und ob sie ihrer Tochter nicht doch lieber ein Leben in der Einheit einer Kleinfamilie geschenkt hätte. Was für den Vater und die Tochter nicht dramatisch erscheint, wächst sich zu einem Dilemma aus, dem Karen nur Herr werden kann, wenn sie sich fragt, welche Rolle sie selbst als Tochter, Frau und Mutter spielt …


Meinung


Die norwegische Autorin gewann mit dem vorliegenden Roman den Brage-Preis, den wichtigsten Literaturpreis ihres Landes und setzt sich in diesem kurzen aber intensiven Roman mit einem sehr alltäglichen und doch tabuisiertem Thema auseinander. Es geht um nichts anderes als um die Gefühle einer Mutter, die ihr Kind in die Obhut des Vaters gibt, für den sie selbst nichts mehr empfindet.

Das beste daran ist der einfühlsame, offene Ton, den die Ich-Erzählerin anschlägt. Denn einerseits ist es ihr durchaus bewusst, dass die Regelung eine berechtigte ist, dass auch der Vater gemeinsame Zeit mit der Tochter verbringen möchte und doch steckt der Stachel des Neides ziemlich tief in ihrem Herzen. Jede Stunde, jedes Weihnachten, welches Anna getrennt von ihr verbringt, wirft sie in eine Waagschale, die um keinen Preis zu Gunsten des Vaters kippen darf. Und so plagt sie sich mit dem Gedanken, dass Annas Kindheit 2.0 zwar kein Wettbewerb ist, sie ihn aber dennoch gewinnen möchte.

Die intensive, emotionale Sicht auf die Dinge, bringt dem Leser die Gefühlswelt der verletzten Mutter sehr nah und man kann sich bestens in ihren Kopf hineinversetzen, selbst wenn man mit der Sachlage nicht vertraut ist, wenn man kein Scheidungskind besitzt.

Es sind sehr ehrliche Worte, einfache Konflikte und doch weltbewegende Themen für die Betroffenen. Und obgleich der Bekanntenkreis anscheinend patente Ratschläge und Tipps auf Lager hat, wird man sich schnell bewusst, dass jede Mutter in dieser Situation ein eigenes Konzept finden muss, einen Gedankengang, mit dem sie sich abfinden kann. Sehr positiv beurteile ich die klare, eindeutige Orientierung auf die Kernaussage des Buches, denn Karen flüchtet sich nicht sofort wieder in eine neue Beziehung, sie durchlebt intensiv die Phasen der Trennung und kämpft immer wieder mit den eigenen Ängsten.

Ein kleines stilistisches Manko habe ich trotzdem anzumerken, vor allem weil sich mir die Bedeutung davon irgendwie nicht erschließt. Manche Seiten sind komplett bedruckt, manche nur zur Hälfte, andere gar nur mit einem Satz. Ich empfinde das als Verschwendung, sollen die leeren Seiten vielleicht die innere Leere reflektieren? Eine Kapitelunterteilung wäre mir lieber gewesen, so habe ich mich einfach nur gewundert.


Fazit


Ich vergebe gute 4 Lesesterne für diesen diskussionswürdigen, nachvollziehbaren Roman über die verletzte Mutterschaft und den Schmerz einer verlorenen Idylle. Das Buch selbst ist ein stilles, möglicherweise nur der Versuch der eigenen Stimme Gehör zu verschaffen, doch es besticht durch seine Aussagekraft und lässt die vielen Grauschattierungen des Lebens deutlich werden, die Machtkämpfe, die Niederlagen aber auch die Gewinne, die Kindererziehung mit sich bringt. Letztlich hat man als Leser das Gefühl, dass es nicht die zerbrochene Partnerschaft ist, die Karen so beschäftigt, sondern, dass es ein eigenes Erwachsenwerden darstellt, dem sie sich nicht entziehen kann und es vielleicht auch nicht sollte. Empfehlenswert für alle Mütter, die sich fragen, wie wichtig ihre Rolle im Leben des Kindes ist und welchen Stellenwert die eigene Gemütsverfassung hat.

Kommentare: 1
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uli123s avatar

Rezension zu "Elternteile" von Monica Isakstuen

Trennung und Trennungskind
uli123vor 7 Monaten

Dieses Buch sollten unbedingt jene lesen, deren Familie gerade am Zerbrechen ist.

 

Die Protagonistin Karen stellt schonungslos dar, was es für sie im Verhältnis zu ihrer kleinen Tochter Anna bedeutet, sich vom Ehemann und Vater zu trennen. Vor allem die Scheidungsfolgenvereinbarung ist es, die sie mit sich selbst hart ins Gericht gehen lässt. Nach ihr wohnt das Kind nämlich abwechselnd eine Woche bei der Mutter und eine Woche beim Vater und teilen sich die Eltern Feiertage u.ä. auf. Karen lässt der Gedanke nicht los, vielleicht keine gute Mutter zu sein, weil sie sich auf solch eine Vereinbarung eingelassen hat, wie es ihr eigenes Umfeld sie spüren lässt. Andererseits preisen Familienpädagogen sie immerhin als im Sinne des Kindeswohls an. Der Roman ist nicht als durchgängige Erzählung gestaltet, sondern ein Gefüge von Karens Gedanken. Manchmal steht auf einer Seite sogar nur ein einziger Satz. Genau das ist es, was sie dem Leser so nahe sein und ihn mit ihr fühlen lässt. Es wird zum Nachdenken über die Frage angeregt, wie man in ähnlicher Lage die Sorgerechtsfrage für die eigenen Kinder regeln würde.

Sehr lesenswert.

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