Die Zeugen Jehovas. Auch ich habe ihnen geglaubt

von Monika Deppe 
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Die Zeugen Jehovas. Auch ich habe ihnen geglaubt
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Inhaltsangabe zu "Die Zeugen Jehovas. Auch ich habe ihnen geglaubt"

Wie gerät man in die Fänge einer Sekte? Eigentlich ist es kaum zu glauben. Aber immer wieder passiert es: Jemand schließt sich mitten aus dem Leben heraus dieser oder jener Sekte an. Auch der Kauffrau Monika Deppe und ihrem Gatten ist das passiert. „Ich habe ihnen einfach geglaubt“, sagt die 50jährige Windelsbacherin heute. Die ersten Kontakte zu den Zeugen Jehovas, jener Gruppierung, der sich das Ehepaar Deppe schließlich anschließen sollte, waren so einfach wie banal. Nachdem sich das Ehepaar als Familie eingerichtet hatte, das Berufsleben seine gute Bahn lief und der Sohn aus den zeitintensiven Kleinkindjahren heraus war, kamen Monika Deppe und ihr Mann ins Nachdenken. Monika Deppe: „Sollte das der ganze Sinn des Lebens sein, jahraus, jahrein hinter dem Geld herlaufen und dabei alt werden?“ Den Deppes reichte es nicht: „Es musste doch noch etwas anderes geben.“ Das Ehepaar machte sich auf die Suche, auch wenn solche Grundsatzdiskussionen im Freundeskreis überhaupt nicht aktuell waren: „Immer wenn wie die Frage nach dem Sinn des Lebens im Verwandten- und Freundeskreis diskutieren oder auch nur ansprechen wollten, stießen wir auf Unverständnis.“ Werner Deppe meinte schließlich sogar: „Vielleicht sind wir tatsächlich ein bisschen verrückt.“ In dieser Zeit kam der Kaufmann manchmal mit einem „Wachtturm“ nach Hause, einer Zeitschrift, die er irgendeinem Zeugen Jehovas an der Straßenecke abgekauft hatte. „Wir fanden es bewundernswert, dass Menschen mitten auf der Straße ihren Glauben so bezeugten“, erklären sie heute dieses erste Interesse. Und dann saßen an einem Sonntagvormittag zwei dieser Zeugen Jehovas im Familienwohnzimmer. Aus purer Neugier waren sie von Deppes hereingebeten worden, als sie wieder einmal an der Haustür klingelten. Einer der Zeugen Jehovas holte die „Bibel“ der Wachtturmgesellschaft aus seiner Tasche und meinte: „Dieses ist Gottes Wort, es ist die absolute Wahrheit und der Leitfaden für unser persönliches Leben. Ich gehe als Zeuge Jehovas von Tür zu Tür und suche jemanden, der mir meinen Glauben mit der Bibel widerlegen kann, aber ich habe bis heute niemand gefunden.“ Deppes waren beeindruckt. Und weil das vor ihnen sitzende Ehepaar nicht nur gleichen Alters war, sondern auch sehr sympathisch, kam man in ein intensives Gespräch über Gott und die Welt. Man einigte sich sogar, diese Gespräche fortzusetzen. Aber leichtgläubig und naiv waren Deppes nicht. Sie schafften sich selbst ein bisschen Fachliteratur an, nahmen sogar Kontakt zum Pfarrer ihrer Kirchengemeinde auf, um sich Ratschläge und Hinweise zu holen. Der erbat sich etwas Zeit, ließ aber letztlich trotz mehrfachem Nachhaken nichts von sich hören außer dem Hinweis: „Sie stehen auf meinem Schreibtisch.“ Die Informationen kämen bald ... Dem war aber nicht so. Dafür boten die Zeugen Jehovas auf alle wichtigen Fragen nicht nur einsichtige Antworten an, sondern zeigten durch ihren Lebensstil beeindruckend, wie ernst ihnen ihr Glaube war. Deppes informierten sich weiter, nahmen aber bereits regelmäßig an den Veranstaltungen der Zeugen Jehovas teil. Langsam und unmerklich richteten sie ihr ganzes Leben nach dem Veranstaltungsplan. Monika Deppe: „Außer mit Arbeitskollegen trafen wir fast nur noch mit Zeugen Jehovas zusammen. Unsere Familie sahen wir nur noch selten.“ Und es ging noch weiter: „Da wir kaum noch andere Gedanken aufnahmen als die der Wachtturm-Gesellschaft – zum Lesen anderer Bücher fehlte uns meist die Zeit –, veränderte sich nach und nach auch unser eigenes Denken, ohne dass es uns bewusst wurde. Auch wir dachten und handelten fast nur noch im Schema der Sekte.“ Deppes treten den Zeugen Jehovas bei – und werden plötzlich aufgefordert, noch intensiver am Gemeindeleben und am „Zeugendienst“ teilzunehmen. Monika Deppe: „Wir rafften uns jedesmal auf, weil wir als vollwertige Mitglieder von der Versammlung anerkannt sein wollten.“ Da mittlerweile fast alle ihre Sozialkontakte über die „Zeugen Jehovas“ liefen, war an ein Loslösen aus der Sekte mit leichtem Schritt nicht mehr zu denken. Obwohl sich immer mehr Zweifel regten, je intensiver Monika und Werner Deppe hinter die Kulissen der Organisation und ihren Glaubensvorstellungen blickten. Werner Deppe schreibt nach Selters an der Lahn, die deutsche Zentrale der Zeugen Jehovas, und stellt einige kritische Fragen. Und zum ersten Mal erfolgen keine konkreten Antworten. Werner Deppe hat Widersprüche in der Lehre der Zeugen Jehovas aufgedeckt. Doch noch lässt sich das Ehepaar beruhigen. Noch immer sind sie überzeugt davon, mit ihrem Einsatz bei den Zeugen Jehovas etwas Gutes für den Gott der Bibel zu tun. Dann entdecken sie aber immer mehr Aussagen der Zeugen Jehovas, die in sich widersprüchlich sind, ja mit der Bibel, an die sie fest glauben, nicht im Einklang stehen. Doch vehement wird ihnen deutlich gemacht, dass die Versammlungsleiter der Zeugen Jehovas die richtige Lehre vertreten. Monika Deppe: „Jede gravierende Abweichung des einzelnen wird der Versammlungsleitung von anderen Zeugen Jehovas gemeldet, und man wird vor das Ältesten-Komitee zitiert.“ Und nach diesen Erfahrungen sagt sie heute: „Zu einem Vertrauensverhältnis kommt es unter diesem Tugendterror kaum, deshalb gibt es nur sehr selten echte Freundschaften unter den Mitgliedern.“ Monika und Werner Deppe entscheiden sich vorerst, nicht mehr aktiv für die Zeugen Jehovas zu werben. Werner Deppe erklärt einem regelmäßigen Bezieher des Wachtturms, dem er sein Abonnementexemplar immer persönlich vorbeibrachte, um ihn für die Sekte zu werben, dass und warum er jetzt nicht mehr den Wachtturm bringen könne und auch nicht mehr die Lehre der Zeugen Jehovas erläutern würde. Der Mann nickt verständnisvoll, akzeptiert die Einstellung Werner Deppes – und informiert sofort telefonisch die örtliche Sektenführung. Inwieweit er als Informant auf die Deppes angesetzt war, lässt sich nicht klären, aber die Vermutung ist naheliegend. Parallel erklären Deppes nach sechsjähriger Mitgliedschaft den Austritt aus der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas und werden gleichzeitig von der Sektenleitung ausgeschlossen. Mitgeteilt wird ihnen dabei, daß sie damit der ewigen Verdammnis anheimgefallen seien – eine Drohung, die sie psychisch schwer trifft. Monika Deppe: „Die psychische Zwangsjacke der Sekte hatten wir abgeschüttelt, aber uns fehlte eine Grundlage fürs Leben.“ Doch trotz ihrer Sektenerfahrung ist ihnen klar, dass es den Gott der Bibel geben muss – nur nicht in der verzerrten Form, wie er ihnen von den Zeugen Jehovas dargestellt worden ist. Als sie Kontakt mit einem christlichen Hauskreis bekommen, üben sie große Zurückhaltung. Ein zweites Mal will man nicht in die Fänge einer obskuren Organisation geraten. Als Werner und Monika Deppe ganz vorsichtig einen ersten Besuch wagen, sind sie überrascht: „Wir spürten sofort, dass hier eine ganz andere Atmosphäre herrscht als bei den Zeugen Jehovas.“ Und: „Wir erlebten, daß jeder ungezwungen sagen konnte, was er gerade dachte. Selbst über Fragen und Zweifel der Teilnehmer wurde offen geredet.“ Monika und Werner Deppe fällt auf, dass die Teilnehmer dieses Kreises ein freies und ungezwungenes Christsein leben, dass Lebensfreude vermittelt und keinen Zwang ausübt. Ihre Erfahrungen mit den Zeugen Jehovas haben das Ehepaar Deppe Kontakt mit dem Nürnberger Verein „SOS – Sektenopfer-Selbsthilfe“ aufnehmen lassen. Seit einiger Zeit beraten und helfen sie nun selbst Menschen und Angehörige, die sich nicht aus den Fängen von Sekten lösen können. Die eigenen Erfahrungen, verbunden mit zahlreichen Tips aus ihrer Beratungspraxis hat Monika Deppe jetzt in einem autobiographischen Bericht zusammengefaßt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783765539671
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:94 Seiten
Verlag:Brunnen
Erscheinungsdatum:01.03.2010

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