Monika Geier Alles so hell da vorn

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Inhaltsangabe zu „Alles so hell da vorn“ von Monika Geier

In einem Frankfurter Vorstadtbordell empfängt eine junge Hure einen Freier, einen ihrer Stammkunden. Nichts weist darauf hin, dass sich dieses Zusammentreffen irgendwie von den bisherigen unterscheiden wird. Man geht aufs Zimmer. Kommt zur Sache. Dann schnappt sie sich seine Kanone, schießt ihn ­nieder und ergreift die Flucht. Knallt gleich noch einen der Zuhälter ab, kassiert sein Smartphone, nimmt seinen Wagen und fährt los. Sie weiß genau, wo sie hinwill. Kriminalkommissarin Bettina Boll wird in aller Herrgottsfrühe aus dem Bett geklingelt: Ein Kollege ist tot, heißt es. Erschossen. In einem Frankfurter Puff. Und es handelt sich ausgerechnet um ihren Ex-Partner und Ex-Beinahe-Freund Kriminal­hauptkommissar ­Michael Ackermann. Ackermann, so stellt sich heraus, war seit ­Monaten Stammkunde in dem Puff, den er stets in Uniform aufsuchte. ­Erschossen hat ihn eine sehr junge Prostituierte, die sich Manga nennt. Und zwar mit seiner Dienstwaffe. Mit der ist sie jetzt auf der Flucht. Dann kommt aus dem abgeschiedenen Dorf Höhweiler in Rheinland-Pfalz die Meldung, dass ein aufreizend gekleidetes junges Mädchen vor großem Publikum den Schuldirektor erschossen hat. Ist das der nächste Tote auf dem Konto der geheimnisvollen Manga? Monika Geier, Meisterin der exzentrischen Charak­tere, knöpft sich mit der ihr eigenen sardonischen Heiterkeit einen grimmigen Stoff vor – mitreißend, rockig, direkt aus dem echten Leben.

Ein aktuelles Sittengemälde, besser als jede Sozialstudie.

— HansDurrer

Ganz starker deutscher Krimi. Komplex, etwas widerspenstig, aber mit tollen Figuren und Gespür für Authentizität.

— Gulan

Ein tiefschwarzer Krimi, der einem listig verpackt die Realität vor Augen hält, und nebenbei ganz wunderbar spannend unterhält. Empfehlung!

— DunklesSchaf

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  • Den Leuten aufs Maul geschaut

    Alles so hell da vorn

    HansDurrer

    01. September 2017 um 22:34

    Dies ist mein erster Monika Geier-Krimi und bereits nach ein paar Seiten bin ich wild entschlossen, ihn definitiv zu mögen, ja mehr, ihn gut zu finden. Das hat mit der Seite 9 zu tun, auf der geschildert wird, wie die Protagonistin mit dem Rauchen aufgehört hat. Wie? „Ganz einfach so. Sie, Kriminalkommissarin Bettina Boll, hatte gedankenlos eine Kippe nach der anderen geplotzt, seit sie zwölf war, denn da waren ihre Eltern gestorben. Jetzt rauchte sie nicht mehr. Das war alles. Einen Entschluss dazu hatte sie nicht gefasst. Es war nur einfach nicht mehr notwendig.“ Wer so schreibt, hat nicht nur viel Witz von der Sorte, die mir gefällt, sondern versteht auch etwas von Sucht (und vom Leben), denn besser als mit „Es war nur einfach nicht mehr notwendig“ kann man das Ende einer Sucht (und den Anfang eines neuen Lebens) nicht beschreiben. In der „Sexy Bar“, einem Bordell im Vorort eines Frankfurter Vororts, wird ein Kunde erschossen – Bettina Bolls Kollege Ackermann. Die Täterin ist schnell ausgemacht – eine junge Zwangsprostituierte, die sich Manga nennt, flüchtig ist und kurz darauf in einer Dorfsturnhalle, wo Lehrer, Kinder und Eltern gerade einer Vorführung der Polizeipuppenbühne des Polizeipräsidiums Westpfalz zuschauen, den Schuldirektor Gutvatter erschiesst. Den Plot fand ich eher so so, das Buch hingegen super. Das liegt daran, dass Monika Geier wunderbar erzählen kann, und spannend darüber hinaus, Krimigefühle kamen zunächst jedoch nicht auf. Weil Krimi für mich Page-Turner bedeutet und zu einem solchen wird „Alles so hell da vorn“ erst in der zweiten Hälfte, wo die Geschichte gehörig Fahrt aufnimmt. Doch ich will nicht meckern, denn das ist ein sehr gelungenes Buch. Ein aktuelles Sittengemälde ist es, das besser als jede Sozialstudie vermittelt, wie Leute miteinander umgehen, wie sie reden, denken, was sie umtreibt, was auf der Welt los ist. Der Verlag sieht das offenbar anders, ganz anders, sonst hätte er kaum diesen Satz aus einer Besprechung auf der vierten Umschlagsseite platziert: „Leicht streift Geier den Zwang zur Wirklichkeitsstreue ab, ohne das Geisterbahngetröte aufgeregter Metzelthriller: Bettina Boll leistet an halben Tragen ganze Arbeit.“ Am Rande: Was um Himmels Willen sind bloss Geisterbahngetröte und Metzelthriller?  Monika Geier schaut den Leuten aufs Maul und lässt sie immer mal wieder ganz wunderbar exotisch-reale Dialekte reden. Überhaupt kennt sich diese Autorin im wirklichen Leben aus, mit den Tücken des Alltags, mit den Anstrengungen und Freuden alleinerziehender Mütter, mit dem Leben in Pirmasens. „In Primasens war es dann so, wie es eben ist, wenn Drama auf Bürokratie stösst: irgendwie unbefriedigend.“ Darüber hinaus ist sie eine eigenständige Denkerin. „Vielleicht war das, was posttraumatische Belastungsstörung genannt wurde, ja nur ein ganz natürliches Innehalten nach einer Krise. Eine plötzliche Weitsicht, gesunde Unzufriedenheit mit einem fehlerhaften System. Die dazu führte, dass man wirklich krank wurde, wenn man nichts änderte.“ „Alles so hell da vorn“ ist ein echt tolles Buch!

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  • Widerspenstig.

    Alles so hell da vorn

    Gulan

    26. July 2017 um 17:43

    „Frau Boll, ich verstehe Ihre Bedenken, das hier ist kein guter Ort“, begann Guhl.„Das ist ein Kinderpuff!“, rief Bettina.Guhl blinzelte.„Ja“, sprach Bettina streitlustig, bevor Härtling ihre Anwesenheit, ihr Benehmen, ihre ganze Existenz herunterspielen konnte, das wollte er nämlich, stand ihm auf die Stirn geschrieben. „Gucken Sie sich die Mädchen doch an![...]“„Diese Kinder sind alle erwachsen“, sagte Thot in einem überaus beschwichtigendem Tonfall, der eigentlich nur ironisch gemeint sein konnte. […]Wenn Sie möchten, Frau Boll“, sprach Guhl im selben Ton weiter, „können Sie gerne mit den Mädchen sprechen. Versuchen Sie es einfach mal, wir wären Ihnen dankbar für alles, was Sie herausfinden.“ Damit wandte er sich abrupt von ihr ab und Härting zu, so dass sie nur noch seinen Rücken sah.Sie war abserviert. Also drehte sie sich um und ging raus, hier drin war es sowieso zum Ersticken.„...Frauen gehören einfach nicht mit in den Puff“, hörte sie Härtling von weitem. (S.34-35) Mitten in der Nacht wird Kommissarin Bettina Boll aus dem Bett geholt und fährt mit ihrem Chef an einen Tatort in einem Frankfurter Bordell. Dort wurde ihr Kollege Ackermann vor einer Prostituierten mit seiner Dienstwaffe erschossen. Allerdings war er wohl offensichtlich nicht im Dienst. Die junge Hure namens Manga hat anschließend noch einen Typen der Security erschossen, aber offenbar selbst die Polizei gerufen. Doch ihre Mission ist noch nicht zu Ende. Manga lässt sich von einem Lastwagenfahrer bis in die Nähe des kleinen Pfälzer Ortes Höhbrücken mitnehmen. Dort fragt sie nach einem „Gutvatter“ und wird direkt an den örtlichen Grundschuldirektor verwiesen. Ohne zu zögern betritt Manga eine Theateraufführung in der Aula und erschießt Gutvatter. Anschließend lässt sie sich festnehmen und behauptet, Meggie zu sein, ein Mädchen, das vor zehn Jahren in diesem Ort spurlos verschwand. Drei Morde, davon einer an einem Polizisten außerhalb eines Einsatzes in einem zwielichtigen Bordell, eine scheinbar wiederaufgetauchte Verschwundene und auch noch zwei vermutlich minderjährige Prostituierte, die nach den Vorfällen in ihrem Puff ohne Schutz unterwegs sind. Ganz schön viel zu tun für Kriminalkommissarin Bettina Boll, zumal sie eigentlich nur halbtags arbeitet und nicht die Einsatzleitung inne hat. Allerdings ist ihr Chef schwer erkrankt, so dass sie aus ihrer Dienststelle in Ludwigshafen als einzige Mordermittlerin die Verbindung zu den komplexen bundesländerübergreifenden Ermittlungen hält. Boll wird in der Soko wenig zugetraut und teilweise angefeindet. Besonders bei ihren Kollegen der Dienststelle Pirmasens (mit urpfälzischem Dialekt) ist sie besonders schlecht gelitten. Ihre unkonventionelle Art erweist sich jedoch als erfolgreich. Boll muss zudem zeitgleich als Alleinerziehende auf ihre pubertierenden Stiefkinder aufpassen und außerdem den Verkauf des etwas unheimlichen Hauses ihrer verstorbenen Tante in die Wege leiten, um endlich zu dringend benötigtem Geld zu kommen. Das klingt alles ein wenig viel und doch hält Autorin Monika Geier die Fäden zusammen, obwohl manches durchaus nebulös bleibt. Sie begleitet ihre Hauptfigur eng die Geschichte, ab und zu unterbrochen durch Schilderungen der jungen Prostituierten Manga. Der Fall oder besser die Fälle sind komplex und bringen Bettina Boll an die Leistungsgrenze. Es geht um Kindesmissbrauch und Zwangsprostitution, und in irgendeinerweise sind auch Personen aus staatlichen Behörden involviert. Durch den Mord an ihrem vertrauten Kollegen birgt der Fall auch eine persönliche Komponente. Die Autorin erzählt dies alles in einer direkten Art, mit viel Einfühlungsvermögen für die einzelnen Figuren, sehr starken Dialogen, aber stellenweise auch mit bissigem Witz. „Alles so hell da vorn“ ist bereits der siebte Band mit Kommissarin Bettina Boll und ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich noch keinen vorherigen gelesen habe. Leider. Denn dieser Krimi ist wirklich richtig stark. Vor allem, wenn man sich so ein paar Zutaten zu diesem Buch vergegenwärtigt (Halbtags arbeitende Kommissarin, durchaus einiges privates Gedöns, Pfälzer Provinz) – da hätten manch andere Autoren möglicherweise ein ziemlich laues Krimistück draus gestrickt. Doch weit gefehlt, dieses Buch ist genauso wie die Hauptfigur: Rau, widerborstig, etwas chaotisch, aber auch empathisch, unermüdlich, anständig, integer. Kurzum: Ein verdammt guter deutscher Krimi.

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    • 7
  • So geht Realität. So geht Krimi.

    Alles so hell da vorn

    DunklesSchaf

    15. May 2017 um 23:40

    Wenn man sehr viele Bücher – in meinem Fall Krimis – liest, dann möchte man meistens etwas, was sich von der Masse abhebt. Eine Krimihandlung, die nicht schon zum x-ten Mal geschrieben wurde, ein neues, unbekanntes Thema und/oder vielleicht eine sprachliche/literarische Besonderheit sollte der Krimi - im besten Fall – auch noch bieten. Und das natürlich neben der durchgehenden Spannung, die für mich einfach zum Krimi dazu gehört. Wenn man so außergewöhnliche Zutaten gewöhnt ist und sich quasi danach die Lefzen leckt, dann kann einem so ein ganz normaler Krimi doch gar nicht mehr gefallen – oder? Aber sowas wie von! Denn genau das gelingt Monika Geier in ihrem neuen Bettina Boll Krimi: etwas ganz Normales auf wunderbare Weise spannend zu verpacken. Und ganz nebenbei haut sie uns ganz ordentlich noch einige Themen um die Ohren. Bettina Boll hat einen neuen Fall. Na ja, oder auch nicht. Also eigentlich dürfte sie gar nicht ermitteln, denn ihr früherer Kollege Ackermann ist darin verwickelt. Eine Hure hat ihm seine Waffe abgenommen und ihn erschossen – warum Ackermann in vollständiger Polizeiuniform und mit Waffe auf Bordellbesuch war, kann man sich vermutlich vorstellen, doch nun ist die Hure flüchtig. Als sie kurz darauf in einem kleinen Dorf ankommt, sich als vor Jahren entführtes Mädchen entpuppt und dann den Rektor erschießt sorgt für einen riesigen Aufruhr. Verschiedene Polizeibezirke, Bildung einer Sonderkommission, sehr, sehr junge Huren, Ermittler von damals, traumatisierte Kinder und Eltern – und Bettina Boll mittendrin. Boll, eigentlich ja nur in Teilzeit, steckt nun mittendrin im Fall, hat aber gleichzeitig noch den Verkauf ihres Erbes, einer alten Villa, die sie von ihrer Tante geerbt hat, abzuwickeln. Das Haus ist düster und dunkel, bringt bei Bettina alte Erinnerungen hoch und lässt sie schwermütig werden – nix wie weg mit dem Ding. Doch da gibt es noch diese verschlossene Tür im Keller, die sie eben erst hinter einem Regal gefunden hat. Bevor der Verkauf über die Bühne gehen kann, muss noch geklärt werden, was hinter der Tür zu finden ist. Nichtsdestotrotz ist Bettina fest entschlossen, den Bau zu veräußern um der alten Wohnung sowie ihrem klapprigen Taunus alsbald Ade zu sagen. Immer ein wenig müde und erschöpft schleppt sich Bettina durch den Fall, hin und her gerissen zwischen der Ermittlung, der Kinderversorgung, dem Hausverkauf und den Befindlichkeiten aller möglichen Parteien. Ein Balanceakt, den unverständlicherweise Alleinerziehende zumeist ohne jegliche Anerkennung vollbringen müssen. So wie auch Bettina. Teilzeit gilt als Ausrede, Bettina entweder als persönlich betroffen – wegen Ackermann – oder als hochmütige Schnepfe – bei den Kollegen aus der Pfalz, mit denen sie zum Klinken putzen geschickt wird. Doch egal welche Steine ihr in den Weg gelegt werden, Bettina Boll schnüffelt sich den Weg daran vorbei und verfolgt den Fall so, wie sie denkt. So entpuppt sich ein Fehler, eine Unaufmerksamkeit von Bettina als Glückfall für die Ermittlungen, genauso wie ihr untrüglicher Instinkt für Details den Fall nicht nur voran bringt, sondern letztendlich löst. Bettina Boll ist natürlich das Zentrum, um welches dieser Krimi kreist, doch äußerst lobend muss ich auch erwähnen, dass die Nebencharaktere allesamt höchst charmant daher kommen. Seien es nun die jugendlichen Nutten – ob verhuscht leise oder polternd aggressiv – oder die Pfälzer Kollegen, mit denen Bettina sich reibt, da sie so gar nicht in die Tagesplanung passt und dazu noch das obligatorische, bodenständige und sehr fettige Mittagessen verschmäht. „Des is hausgemacht, des merkt mer, und wemm des net schmeckt, der weeß net, was gut ist.“ (S.216). Auch Manga, die Hure, welche Ackermann erschossen hat, kommt zu Wort und so offenbart sich auch von dieser Seite das Warum, zeigt eine tief verletzte, aber fürsorgende Seele. So zeigen selbst die kleinen Nebenrollen eine starke Charakterzeichnung und liebevolle Detailarbeit. Authentizität in ihrer reinsten Form: Bettina Boll als Halbtags-Ermittlerin, Teilzeit-Mutter, Immobilienverkäuferin, Kollegenschreck. Keiner kann nur arbeiten oder nur Mutter/Vater sein – es gibt doch immer tausend Dinge zu planen, zu organisieren, zu erledigen. Ermittler, die sich mit Haut und Haaren den Ermittlungen verschreiben sind doch eher die Ausnahme(und zudem meist Sonderlinge und Einzelgänger) – der Normalfall ist Bettina Boll. Und trotzdem kriegt sie ihren Fall geknackt.  So geht Realität. So geht Krimi. Fazit: Bettina Boll in Höchstform – wie immer zwischen allen Stühlen, aber mit dem richtigen Instinkt ausgestattet. Ein tiefschwarzer Krimi, der einem listig verpackt die Realität vor Augen hält, und nebenbei ganz wunderbar spannend unterhält.  Sehr zu empfehlen!

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