Monika Held Der Schrecken verliert sich vor Ort

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Inhaltsangabe zu „Der Schrecken verliert sich vor Ort“ von Monika Held

Als Lena auf den Zeugen aus Wien trifft, weiß sie, dass sie diesen Mann festhalten muss. Auf den ersten Blick haben Lena und Heiner nicht viel gemeinsam. Sie träumt von Ferien in der Südsee. Heiner verbringt die Nächte mit den Schrecken von Auschwitz. Die beiden wagen diese Liebe. Lena fragt sich, ob sie die Welt, in der ihr Mann zuhause ist, je verstehen wird. Heiner fragt sich, wie er sein Trauma aus Bildern und Geräuschen möglichst vollständig in den Kopf seiner Frau übertragen kann und ob es eine Grenze gibt, bis zu der man Erfahrungen weitergeben kann. Sollte er sie finden, wird er sie einreißen. Klug, berührend und mitreißend erzählt die Autorin und Journalistin Monika Held in ihrem großen Roman die Geschichte einer Liebe in den Zeiten nach Auschwitz.

Vermittel durch die Erinnerungen von Heiner anschaulich den (immer bleibenden und präsenten) Schrecken von Auschwitz. Sprachlich toll!

— HeuleEule
HeuleEule

Ein kleines, trauriges Buch, das sich zu einer großen Geschichte des 20. Jahrhunderts ausweitet - es geht um die Herausforderung der Liebe!

— TochterAlice
TochterAlice

Dieser Roman ist angefüllt mit Geschichte und Geschichten. In einer eindrücklichen Sprache schildert die Autorin die Schrecken der Vergangen

— gst
gst

Eine tiefgründige Geschichte, die zum Nachdenken anregt.

— ChattysBuecherblog
ChattysBuecherblog

Unbedingt lesen!

— Gruenente
Gruenente

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  • Auschwitz ist immer dabei

    Der Schrecken verliert sich vor Ort
    Federfee

    Federfee

    31. August 2016 um 11:45

    Nach eigenen Angaben will Monika Held mit diesem Buch nur eine Geschichte erzählen, keine Botschaft vermitteln:Die Dolmetscherin Lena und Heiner aus Wien lernen sich beim Auschwitz-Prozess in Frankfurt kennen, wo er als Zeuge auftreten muss. Sie verlieben sich und wagen es, miteinander zu leben, obwohl sich Heiner durch die Erlebnisse in Auschwitz schwer belastet fühlt und das sein Leben lang nicht ablegen kann. Sein ganzes Leben wird davon bestimmt. Wird Lena das aushalten können? Heiner und Lena müssen akzeptieren, dass Wörter und Sätze, die sie hören, die sie sprechen, für sie nicht das Gleiche bedeuten. Mit ihrer Liebe meistern sie das."Zwei Menschen müssen lernen, dass Liebe der Versuch ist, den ganzen Kosmos, aus dem ein einzelner Mensch besteht, zu verstehen, mindestens zu akzeptieren."

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    • 2
  • Niemand wollte seine Geschichten hören

    Der Schrecken verliert sich vor Ort
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    08. June 2016 um 16:10

    Der Wiener Heiner Rosseck ist ein Überlebender. Er hat das KZ Auschwitz überlebt. Anfang der 1960er Jahre findet in Frankfurt der Auschwitz-Prozess statt, an dem Heiner als Zeuge teilnimmt.     Seine erste Reise nach Frankfurt lag ein Jahr zurück. Damals waren seine Füße aus Blei und der Weg zum Untersuchungsgefängnis wie eine zweite Deportation. Bei einer Gegenüberstellung sollte er zwei Männer identifizieren, die ihn hätten täglich töten können. Nun sollte er all das vor Gericht wiederholen. Aber man wollte es ganz genau wissen: Wann, wo, wie. Das machte ihn fertig:     ... die Wahrheitssuche im Sinne des Strafgesetzbuches. Er wusste, dass es im Prozess um Daten und Fakten ging, nicht um Gefühle, aber er hatte sich überschätzt. Vor ihm saß der Richter, dessen Ton so tadelnd war, als hätte er den untauglichsten Zeugen eines Verkehrsunfalls vor sich. Während dieses Prozesses lernt Heiner Lena kennen. Sie half ihm, als er zusammenbrach.  Sie verlieben sich. Doch Heiner warnt Lena. Der Tod ist sein ständiger Begleiter. Er selbst ist ein Wrack. Fleckfieber, Typhus, Tuberkulose, Erschöpfungszustände, chronische Bronchitis, Durchblutungsstörungen, Herzinfarkt.     Bevor wir Pläne schmieden, schrieb er, muss ich Dir zeigen, was zu mir gehört wie mein Kopf und mein Herz. Kann sein, dass Du es in einer Wohnung, in der wir zusammen leben, nicht ertragen willst.     Seine Briefe waren zärtlich und scheu. Er warnte vor sich. Er war versessen nach Glück und hatte Angst vor dem Glück. Er lebte mit seinen Erinnerungen. Nachts musste im Schlafzimmer ein schwaches Licht brennen. Er konnte nicht im dunklen Zimmer wach werden. Er schrie im Schlaf. Und in Lena nagte ein vager Zweifel. Wie lange reichte ihre Liebe für den Teil des Mannes, der im Lager geblieben war. Am 5. August 1965 reiste Heiner wieder nach Frankfurt. Die Schlussworte der Angeklagten sollten gesprochen werden. Sie waren natürlich alle unschuldig. Niemand hat mitbekommen, was in Auschwitz vor sich ging. Die Attacken, die Heiner erlebte, kamen von einer Minute zur anderen. Zum Beispiel in einem Wiener Café. Dann saß er plötzlich wieder in der Schreibstube und tippte im Akkord Todeslisten. Für ihn war es ungeheuerlich, dass die Menschen um ihn rum von seiner Welt nichts wussten. Lena möchte die Ehefrauen dieser Täter verstehen. Ob deren Kinder wissen wollen, was die Väter verbrochen haben. Heiner begehrt auf. Ihn bringt das Einfühlungsvermögen in die Lagerteufel um. Und ist es nicht tatsächlich so? Wir wollen die Täter verstehen. Wie konnten sie so werden? Aber wer fragt nach den Opfern? Auch heute hat der Täter jede Menge Aufmerksamkeit und Rechte, die sich das Opfer erkämpfen muss. Eine Frau und Kind hat Heiner schon verloren wegen seiner Erinnerungen. Martha hielt es nicht aus. Nach fünf Jahren verlor sie die Geduld:     Dein Bett steht in Wien, sagte sie, verdammt noch mal, nicht in Block 21. Ich ertrage keinen Mann, der nachts seine Häftlingsnummer in die Dunkelheit schreit: 63.387. Niemand wollte seine Geschichten hören. Niemand glaubte sie ihm. Nicht mal die Mutter, nicht die Freunde. Ich möchte noch so viele Stellen zitieren. Die Erinnerungen, die den Überlebenden quälen. Ich denke immer, ich habe schon viel erfahren, was in den KZs geschehen ist. Und dann kommen immer noch neue Greuel dazu. Und vor Fassungslosigkeit merke ich beim Lesen nicht, wie ich die Luft anhalte. Im Anhang gibt es ein Nachwort von Margarete Mitscherlich.     Sie war eine deutsche Psychoanalytikerin, Ärztin und Autorin zahlreicher Bücher.     Mitscherlich schrieb gemeinsam mit ihrem Mann, dem Arzt und Psychoanalytiker Alexander Mitscherlich (1908–1982), das Buch Die Unfähigkeit zu trauern, das 1967 Diskussionen auslöste. Darin untersuchten sie am Beispiel der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands und der unzulänglichen Auseinandersetzung und Bewältigung in der Adenauer-Ära die Abwehrhaltung des Einzelnen und der Masse gegenüber Schuld und Mitschuld an politischen Verbrechen. - Wikipedia

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  • Starker, grossartiger aber furchtbarer Roman

    Der Schrecken verliert sich vor Ort
    awogfli

    awogfli

    Glaubt Ihr es sind alle Geschichten über die Nazizeit längst erzählt? Spätestens seit die Einfallslosigkeit der deutschen Fernsehdokumentationen in Themen wie quasi "Hitlers Schneuzfetzen" oder "Göhrings Hauspersonal" gipfelt, wäre man geneigt, dies zu vermuten, aber dann kommt dieses Buch daher, und ich plädiere eindeutig dafür, dass noch viel Raum für gute Geschichten aus der Nazizeit bleibt. Anders als alle Werke die ich kenne, wird in diesem Roman nicht nach dem Lager ausgeblendet (Ende Gut alles Gut Ausschwitz überlebt bzw. alle gestorben), sondern es wird über die Traumatisierung danach gesprochen, über die fast keines der Opfer bisher gerne geredet hat. Überall schleicht sich das Lager in das Alltagsleben von Heiner: in die Ehe, die zerbricht, in die neue Liebe, in die Gesundheit... Keiner kann seine Überlebensstrategien verstehen, die sich in der Friedenswelt als Marotten und beziehungsfeindliche passiv agressive Attacken darstellen. Keiner kann auch nur im entferntesten nachvollziehen, was die Insassen des KZ erlitten haben. Wir alle sind nur Zaungäste der Erzählungen auch wenn Heiner seine neue große Liebe verzweifelt dazu zwingen will, in seine Haut zu schlüpfen. Auch die Postition von Lena und die Interaktion des Paares untereinander wird sehr einfühlsam thematisiert. "...dennoch war das was sie erlebt hatten, nicht dasselbe wie das was man später lesen oder hören konnte. Man müsste aus ihren Erinnerungen Impfstoff machen. Wie die Welt wohl aussähe, wenn man Erfahrungen als Infusionen übertragen könnte?" Natürlich lebt auch in Erinnerungen und Rückblenden das Lager auf, aber es geht in diesem Roman um die Gegenwart bzw. um die Überwindung der Vergangenheit. Als in Polen durch Jaruzelski das Kriegsrecht ausgerufen wird, fährt Heiner mit seiner neuen Liebe und einem Hilfsgüterlastwagen in Form eines Road Trip alle alten überlebenden Kameraden ab, die sehr unterschiedlich mit ihrer Vergangenheit umgehen. Wie Ihr aus meiner Statistik seht, habe ich sehr lange mit dem Buch gebraucht, das liegt daran, dass es sehr heftig war. Fazit: ein auszgezeichtneter Roman, ein wichtiger Roman aber er ist sehr starker Tobak

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    • 3
    awogfli

    awogfli

    14. December 2014 um 09:10
  • Der Schrecken verliert sich nie

    Der Schrecken verliert sich vor Ort
    Gruenente

    Gruenente

    KZ-Überlebende haben zwei Strategien weiterzuleben: entweder sie verdrängen alles oder sie erinnern sich intensiv. Heiner hat sich für die Erinnerung entschieden. Schon im KZ hat er sich alle Gräuel genau angesehen um Zeuge zu sein. Als Zeuge trat er auch später, in den 60iger Jahren bei Prozessen gegen KZ-Aufseher auf. Dabei trifft er auf Lena, die dort als Dolmetscherin arbeitet. Es ist eigentlich Liebe auf den ersten Blick, aber hält er das Glück und sie sein Leid aus? Sein höchstes Gut ist ein Glas mit Sand, der aus kleine Knochenfragmenten aus Ausschwitz besteht. Kann Lena dieses Glas und wofür es steht im Alltag ertragen? Seine Alpträume? Seine Fotosammlungen, seine dauernden Erzählungen? Sein Gefühl unsterblich zu sein, weil er unmenschliches überlebte? Es ist sehr wichtig, das dieses Erinnerungen weitergegeben werden, aber kann man das ständig ertragen? Als in den 80iger Jahren in Polen die Revolten los gehen fahren sie mit einem LKW voller Hilfsgüter dorthin, Buchenau, Ausschwitz und seine Genossen. Noch mehr Männer, die von Ihren Erinnerungen nicht lassen können und sie weitergeben wollen. Alle schworen sich nie mehr in die Lager zurück zu gehen, viele hielten sich nicht daran. Das Lager ist auch jetzt noch so etwas wie Heimat für sie, so makaber das auch klingt. Was diese Vergangenheit für einen Überlebenden in jeder Konsequenz bedeuten kann habe ich so noch nicht gelesen. Jeder Deutsche ab einem gewissen Alter ist Heiner suspekt, macht ihm Angst. Lena zuliebe schafft er es trotzdem in Deutschland zu leben. Ein Stück deutsche Geschichte, mal auf andere Art erzählt. Es wird mich noch lange gedanklich beschäftigen. Bald sind alle Überlebenden, Opfer wie auch Täter, nicht mehr da. Vergessen sollten wir sie nie.

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    • 2
    alasca

    alasca

    01. September 2013 um 18:25
  • Es gibt bessere Bücher zum Thema

    Der Schrecken verliert sich vor Ort
    Gospelsinger

    Gospelsinger

    03. August 2013 um 23:06

    „Ein Mann, der keine Frau hat, lebt ohne Freude, ohne Segen und ohne Güte“. Heiner hat eine Frau; er ist mit der wesentlich jüngeren Lena verheiratet. Er lebt jedoch trotzdem ohne Freude, denn er hat Auschwitz überlebt und das bestimmt seither jede Minute seines Lebens. Jeden eigentlich harmlosen Alltagsbegriff assoziiert er mit Ausschwitz. „Die Post hat eine Rampe, die Bahn hat eine Rampe, jedes Warenhaus hat eine Rampe und Heiner denkt nur an die eine. (…) Nichts ist ohne doppelten Boden und an jeder Ecke warten Erinnerungen. Die Ehe mit seiner Jugendliebe Martha ist daran zerbrochen. Heiner hat jede Nacht Alpträume und das Paar hatte keine Freunde, weil Heiners einziges Gesprächsthema seine Erlebnisse in Ausschwitz sind. Niemand kann das aushalten. Und Lena? Sie lässt es sich gefallen, dass er fast jeden Satz mit „schau, Lena“ beginnt, dass alles nur nach ihm geht, dass seine Leiden alles andere übertreffen. Wie schlecht auch immer es Lena geht, ihm ging es damals schlechter. Egal, wie Heiner und seine Freunde sich auch verhalten, Lena darf nichts kritisieren. Heiner versteht nicht, dass Lena seine Erlebnisse nicht genauso intensiv nachfühlt wie er. Aber es ist eben nicht möglich, Erinnerungen weiterzugeben wie ein Buch. Bei einem gemeinsamen Besuch in Oswiecim und in Gesprächen mit Heiners ehemaligen Mithäftlingen wird deutlich, dass das Lager für die ehemaligen Häftlinge ein Stück Heimat ist, so unglaublich das auch klingt. „Er war hier zuhause. (…) An keinen Ort der Welt wäre er je wieder so gefesselt wie an diesen“. (Das scheint häufig vorzukommen; auch Nelson Mandela hat nach seiner Entlassung aus der Haft in einem Nachbau seiner Gefängniszelle gelebt.) Das Wichtigste im Lager war das Durchhalten, das Überleben. „Reiß die Augen auf, kapier die Struktur“. Aber danach wird es zum Fluch, überlebt zu haben, denn die Schuldgefühle sind überwältigend. „Meine Schuld ist, dass ich lebe.“ Das ist es, was Heiner daran hindert, ein halbwegs normales Leben zu führen. Die Täter dagegen, so Margarete Mitscherlich in ihrem Nachwort, „waren offenbar in der Lage, ihr Einfühlungsvermögen abzustellen wie einen lecken Wasserhahn“. Obwohl mich die Thematik sehr interessiert, hat mich dieses Buch nicht richtig berührt. Zunächst hat mich wie immer gestört, dass es neuerdings Mode ist, auf Anführungszeichen zu verzichten. Abgesehen davon fand ich dieses Buch sprachlich sehr schön. Aber insgesamt lässt mich dieses Buch etwas ratlos zurück. Es hat mich teilweise berührt, aber nicht mehr als andere Bücher zum gleichen Thema, eher weniger. Vor allem aber bin ich mit den Protagonisten überhaupt nicht warm geworden. So schön es auch geschrieben ist, es gibt wesentlich bessere Bücher zu diesem Thema.

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  • Der Schrecken verliert sich nicht!

    Der Schrecken verliert sich vor Ort
    antjemue

    antjemue

    31. July 2013 um 18:01

    „…Unsere gottverdammte Pflicht nach Auschwitz ist, das niemals zu vergessen. Es bleibt ein ewiges Thema. Ich glaube nicht, dass wir aufhören sollten, uns damit zu beschäftigen.“ Dieses Zitat ist der Schluss des Nachwortes von Margarete Mitscherlich zum im März 2013 erschienenen Roman „Der Schrecken verliert sich vor Ort“ von Monika Held. Vielleicht könnte ich das jetzt noch anders formulieren, aber warum sollte ich, wenn es doch haargenau so auch meine Meinung wiederspiegelt. Auch dieses Buch entdeckte ich bei Amazon Vine. Ich bin sehr froh, dass ich mir eines der letzten Rezensionsexemplare ordern konnte. Der Schrecken verliert sich vor Ort Der Wiener Sozialdemokrat Heiner wurde 1942 von der Gestapo verhaftet und nach Auschwitz gebracht. Mit ihm zusammen wurden 1860 Menschen in dieses Konzentrationslager gebracht. Nur Vier von ihnen haben überlebt! Als Heiner 1964 in Frankfurt als Zeuge bei einem Kriegsverbrecherprozess ist, lernt Lena ihn kennen und lieben. Aber ist diese Liebe auch stark genug für das Trauma, das Heiner seit Auschwitz mit sich herum trägt? Wird Lena seine Erinnerungen und seinen Umgang damit je verstehen? Was kommt nach der Hölle? Von Anfang an hat mich die in der Erzählperspektive verfasste Geschichte von Monika Held gefesselt. Flüssig, bildhaft und dazu noch mit einer sehr angenehmen Sprache befinde ich mich mit den Hauptfiguren zu verschiedenen Zeiten in Deutschland, Österreich und Polen. Obwohl das Verhalten von Heiner manchmal eigenartig anmutet und ich sehr gut verstehen kann, dass seine erste Frau das nicht durchgehalten hat – immerhin war diese auch noch für die kleine Tochter verantwortlich – konnte ich auch sein Verhalten meistens nachvollziehen. Menschen, die schwere Unfälle oder Naturkatastrophen überlebt haben - Ereignisse, die geschahen, ohne dass es jemand beabsichtigte – erleiden Traumas, unter denen sie ihr gesamtes weiteres Leben zu leiden haben. Die Dinge, die Heiner in Auschwitz erlebte, haben ihm und seinen Kameraden andere Menschen in vollem Bewusstsein angetan! Bis zu dem Zeitpunkt, zu dem er Lena kennenlernte, war Heiners einziges noch verbliebenes Lebensziel, als Zeuge gegen die verbrecherischen Nazis aufzutreten. Mit Lena begann für ihn noch einmal ein neuer Lebensabschnitt, in dem man sein ehrliches Bemühen spüren konnte, der Liebe wegen über den einen oder anderen Schatten zu springen. Allerdings fand ich es sehr realistisch, dass auch die Liebe nicht alles kitten konnte. Lena ist eine sehr starke Frau, mit sehr starken Gefühlen. Ihren Kampf um ihre Liebe und ihr eigenes Ich fand ich bewundernswert. Auch den weiteren Verlauf der Geschichte fand ich persönlich sehr interessant. Die Ereignisse in Polen habe ich als Kind eher am Rande und dort wo ich lebte auch ziemlich verfälscht mitbekommen. In der DDR wurden die Ereignisse so propagiert, dass böse imperialistische Kräfte am Wirken sind. Wie es sich tatsächlich verhielt, wurde mir erst als junge Erwachsene klar, als sich auch in der DDR immer mehr Menschen erhoben. Alles in allem hat mich dieses Buch tief bewegt und mich einmal mehr zu der Erkenntnis geführt, dass ich jegliche Verletzung an Menschenrechten verurteile. Natürlich wünsche ich mir dabei besonders, dass von meinem Heimatland Deutschland nie wieder solche Schrecken ausgehen sollen. In jedem Fall gibt es von mir eine hundertprozentige Leseempfehlung.

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  • "Wie viel Vergangenheit erträgt ein Mensch?"

    Der Schrecken verliert sich vor Ort
    anushka

    anushka

    22. July 2013 um 21:32

    Heiner Kosseck ist Auschwitz-Überlebender. 1965 treffen er und Lena sich zum ersten Mal auf dem Flur des Gerichtsgebäudes, in dem Heiner gegen die ehemaligen KZ-Aufseher aussagen soll. Die beiden kommen zusammen und teilen fortan ein gemeinsames Leben. Doch das ist nicht so einfach mit jemandem, der etwas so traumatisches wie ein KZ überstanden hat und den die Vergangenheit nicht loslässt.   Ich weiß bei diesem Buch gar nicht, wo ich anfangen soll. Dieses Buch hat einen tiefen Eindruck hinterlassen. Bereits die Beschreibung des Coverbilds auf der Innenklappe "Auschwitz-Birkenau. In den Tümpeln und Seen liegt die Asche der Toten" lässt einen schwer schlucken. Und so ergeht es einem immer wieder. Heiner erzählt schonungslos die grausamsten Geschichten zu den für andere unangemessensten Zeitpunkten. Doch ihm ist es gar nicht bewusst bzw. will er andere bewusst damit konfrontieren. Natürlich macht ihn das unsympathisch. Und Lena muss sehr viel Geduld aufbringen, wenn es beispielsweise für ihn selbstverständlich ist, das Hochzeitsalbum neben die Auschwitz-Chronik zu stellen. Es geht in diesem Buch natürlich auch um die Nazi-Verbrechen. Das kann gar nicht anders sein, wenn man es mit einem KZ-Überlebenden zu tun hat. Es geht aber in erster Linie darum, wie ehemalige Häftlinge das Leben nach dem Überleben überleben. Für Heiner ist die beste Bewältigungsstrategie das Reden. Besonders, wenn er anderen ehemaligen Häftlingen, er nennt sie immer noch Kameraden, begegnet. Und dann wird es besonders schwer für die Zuhörer, sowohl für Lena als auch den Leser. Das wirklich Belastende ist, dass es für Heiner nach der Befreiung und sein restliches Leben lang nichts anderes gibt und dass er und seine Kameraden sich eine eigene Erinnerungswelt schaffen, in der sie einen schrecklichen Zynismus entwickelt haben und in der Geschichten von Grausamkeiten zu Kaffee und Kuchen völlig selbstverständlich dazugehören.   Monika Held ist es sehr gut und eingänglich gelungen, dem Leser zu vermitteln, das das Leid mit der Befreiung nicht aufgehört hat und dass die Überlebenden ein Leben lang unter dem Erlebten und Gesehenem leiden bzw. gelitten haben. Denn so langsam verschwinden die Zeitzeugen. Auch deshalb finde ich dieses Buch so wertvoll. Die Szenen des Grauens wurden so intensiv beschrieben, dass es mir selbst in der U-Bahn (beim Lesen) die Tränen in die Augen getrieben hat. Ebenso erschreckt haben mich die geschilderten Reaktionen der Angehörigen, die ihren eigenen Familienmitgliedern nicht glauben wollten, was sie erlebt haben. Und letztlich entwickelt man Verständnis für Heiner und sein Verhalten, auch wenn man ihm niemals begegnen wollte.   Auch der Schreibstil ist wertvoll, philosophisch und tiefgründig. Die Autorin arbeitet viel mit sprachlichen Bildern ("Hohes Gericht. [...] Zwischen Ihren Vorstellungen und unseren Erfahrungen verkehrt kein Zug.", S.34) und auch die eigentlichen Bilder sind sehr lebensnah und dadurch ist die Grausamkeit kaum zu ertragen. Mir hat dieses Buch dennoch sehr gut gefallen, denn zum einen finde ich es wertvoll, zum anderen beleuchtet es die Thematik noch einmal von einer anderen Seite. Zusätzliche Glaubwürdigkeit erhält die Geschichte durch das Nachwort von (der inzwischen verstorbenen) Margarete Mitscherlich, die u.a. KZ-Überlebende therapierte und Heiners Verhalten in ihre Erfahrungen einordnet. Ich kann dieses Buch nur wärmstens weiterempfehlen, muss aber die Warnung dazu aussprechen, dass es sich um ziemlich harte Kost handelt, die einen emotional sehr mitnehmen kann. Auch der Leser muss sich die Frage stellen: "Wie viel Vergangenheit erträgt ein Mensch?" und danach entscheiden, ob er oder sie dieses Buch verkraftet.

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  • '[...] gegen seine Vergangenheit ist meine eine Kette von Banalitäten'

    Der Schrecken verliert sich vor Ort
    sabatayn76

    sabatayn76

    21. July 2013 um 22:22

    Inhalt: Heiner ist ein Überlebender, der nicht vergessen kann und nicht vergessen will. Er wird von Erinnerungen an seine Zeit im KZ Auschwitz verfolgt; auch Jahrzehnte später plagen ihn Intrusionen und die Schuld, überlebt zu haben. In Lena findet er seine Gefährtin, die er liebt und mit der er sein Leben nach dem Überleben verbringt; doch die Vergangenheit holt ihn immer wieder ein, und Lena kann sein Trauma nie ganz verstehen, nie ganz nachempfinden. Mein Eindruck: Ich habe schon sehr viele Romane und Sachbücher über das Dritte Reich und über Konzentrationslager gelesen, doch seit 'Roman eines Schicksallosen' von Imre Kertész, was ich vor 15 Jahren zum ersten Mal und dann immer wieder gelesen habe, hat mich zu diesem Thema kein Roman so sehr beeindruckt wie 'Der Schrecken verliert sich vor Ort'. Man kann eigentlich nicht glauben, dass die Autorin nicht selbst eine Überlebende ist, nicht selbst die im Buch beschriebenen Erfahrungen gemacht hat. Nicht nur inhaltlich hat mir der Roman außerordentlich gefallen, auch sprachlich und formal ist er meiner Meinung nach hervorragend gelungen. So haben mir die Rückblenden, die Intrusionen, die Wiederholungen bestimmter Phrasen sehr gut gefallen. Am Ende bleibt man ganz leer zurück, dennoch hatte ich das Gefühl, ich möchte den Roman gleich noch einmal lesen, denn die Gedanken Heiners und die klugen, beeindruckenden Textstellen waren sehr authentisch, fesselnd und oft sehr weise. Mein Resümee: 'Der Schrecken verliert sich vor Ort' ist ein Buch, dem ich sehr viele Leser wünsche! 'Jeder weiß, dass er sterben muss und vergisst es wieder und vertrödelt seine Zeit auf der Erde. Der Tod ist mein Schatten, er begleitet mich wie ein leichter Kopfschmerz. Er ist da, um zu sagen: Vergiss nicht die Kostbarkeit des Augenblicks.' 'Was geschehen ist, ist geschehen, ausgeübt von einem Kulturvolk. Und dass es geschehen ist, bedeutet, dass es wieder geschehen kann. Menschen, und zwar kultivierte, kluge Menschen, sind zu Taten fähig, die wir ihnen nicht zugetraut haben. Und wo es irgendein Anzeichen, einen Hauch davon wieder geben könnte, müssen wir eingreifen.' (Margarete Mitscherlich im Nachwort)

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  • Das geraubte Leben des Häftlings Heiner Rosseck

    Der Schrecken verliert sich vor Ort
    TochterAlice

    TochterAlice

    08. July 2013 um 09:37

    Für die Lektüre von "Der Schrecken verliert sich vor Ort" muss man viel Kraft aufbringen, denn dieses Buch ist ein Angriff - ein Angriff auf die Psyche, die Nerven, den Verstand des Lesers. Ein Angriff durch ein erbarmungsloses, schonungsloses Buch - jedoch einer, der stärkt, der wachsen lässt und viel, viel mitgibt für den weiteren Lebensweg - und seien es nur Zitate zuhauf. Ich zumindest habe mehrere Riesenzettel vollgeschrieben während des Lesens - Zettel mit wichtigen Bemerkungen - teilweise wichtig für das Gesamtverständnis des Buches, teilweise jedoch auch für mein weiteres Leben - Anmerkungen, die ich in Zukunft in gewissen Lebenssituation parat haben will, ja muss! In diesem Buch geht es um den ehemaligen Auschwitzhäftling, den Wiener Kommunisten Heiner Rosseck, der am 5. Juni 1964 - er soll als Zeuge bei einem der NS-Prozesse aussagen - die Dolmetscherin Lena kennenlernt und nach langem hin und her bei ihm bleibt. Bzw. bleibt sie bei ihm, denn es ist eine immer neue Herausforderung, Heiner zu lieben, von Anfang an: "Sie wusste nicht, wie lange ihre Liebe für den Teil des Mannes reichte, der im Lager geblieben war." (S.63) Dies sieht sie von Beginn an und bleibt doch bei ihm, bei Heiner, bei dem Auschwitz allgegenwärtig ist, der IMMER davon spricht, der die Wertigkeit anderer ehemaliger Häftlinge nach deren Nummer bemisst, dessen erste Ehe an Auschwitz zerbrach, ja: der tatsächlich zu einem großen Teil für immer dageblieben ist. Ein kleines, trauriges Buch, das sich zu einer großen Geschichte des 20. Jahrhunderts ausweitet - manchmal fand ich sie fast zu groß für mich. Sie quillt aus allen Seiten hervor, dann auch aus mir - bevorzugt in Form von Tränen. Doch erspart man sich diese Geschichte, verliert man etwas Großes und Ganzes. Ich empfehle sie quasi als Pflichtlektüre für jeden historisch Interessierten, für den Oberstufenunterricht, für Hochschulen - quasi für alle, die bereit sind, sich mit hochwertiger politischer Literatur auseinanderzusetzen - es bringt einen Gewinn fürs Leben!

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  • Der Schrecken verliert sich nie

    Der Schrecken verliert sich vor Ort
    misswinniepooh

    misswinniepooh

    06. July 2013 um 15:25

      Der österreichische Ausschwitzüberlebende Heiner Rosseck wird 1964 in den Frankfurter Auschwitzprozessen als Zeuge gehört. Dort lernt ihn die junge Polnisch-Übersetzerin Lena kennen und lieben. Eine schwierige Liebe vor der Heiner sie auch warnt, den seine Erinnerungen an das KZ Ausschwitz begleiten ihn wie dunkle liebgewordene Schatten. Trotzdem wagen die Beiden den Schritt ins Eheleben. Dieser Roman erzählt diese Geschichte von Lena und Heiner und ihrem gemeinsamen Leben mit den schrecklichen Erinnerungen an Ausschwitz, und dem Versuch das Leben nach Ausschwitz zu meistern. Dies gelingt der Autorin in eindringlicher aber auch stiller Sprache, die eine große erzählerische Kraft, Sensibilität und beredende Stille entfaltet, und doch sind Heiners Bilder der Erinnerung nüchtern und schnörkellos auf den Punkt gebracht, dass man als Leser das Buch oft kurz zur Seite legen, muss um durchzuatmen auf Grund der grausamen und beklemmenden Bilder, die Heiner damit heraufbeschwört. Der Leser wird nicht geschont, und trotzdem bleibt eine gewisse Distanz, zwischen Menschen wie Lena, dem Leser die diese Schrecken nie erleben mussten und den Überlebenden von Ausschwitz. Denn die Frage bleibt: Kann man diese Welt verstehen in den die Überlebenden zuhause sind? Meine persönliche Antwort darauf ist: Man kann es versuchen, mir gelang es bisher aber nicht, denn wir Nachgeborenen können evtl. beim Besuch der Orte des Schreckens versuchen zu begreifen, was Menschen in ihrem Wahn anderen Menschen anzutun bereit sind. Oder um mit dem römischen Philosophen Seneca zu sprechen: „Ein Unwetter droht, ehe es heranzieht; die Häuser krachen, ehe sie zusammenstürzen; der Rauch verkündet einen Brand voraus; aber plötzlich kommt das vom Menschen ausgehende Verderben und verbirgt sich umso sorgfältiger, je näher es herantritt. Du irrst, wenn du den Gesichtern derer traust, die dir begegnen. Sie haben die Gestalt von Menschen, aber die Seele von wilden Tieren.“ Gerade auch deshalb haben wir Nachgeborenen die Pflicht zu verhindern das so etwas nie wieder passiert. Das ist unser Erbe, ob es uns Deutschen gefällt oder nicht. Deshalb möchte ich dieses Buch auch jedem Geschichtslehrer und seinen Schülern als Schullektüre sehr ans Herz legen, den dieses kleine Buch verdient 5 Sterne.  

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  • jaja, kenn ich alles schon...

    Der Schrecken verliert sich vor Ort
    Jetztkochtsie

    Jetztkochtsie

    05. July 2013 um 17:27

    ...war mein erster Gedanke, als ich den Klappentext las. Bücher über die Zeit, die Deutschland nun wahrlich nicht zu Ruhm gereichte, gibt es wie Sand am Meer. Darunter sind viele gute und bewegende Geschichten, aber auch viele, derer es nicht bedurft hätte. Dieses Buch hier gehört allerdings zu den Erstgenannten. Denn, obwohl mein erster Impuls nun mal eben, der oben genannte war, gelingt es der Autorin mich mit ihrem Text auf eine Art und Weise zu berühren, die mir bislang fremd war. Ich bin Schnellleser 100 Seiten in einer Stunde sind ein gutes Tempo für mich, bei diesem Buch funktionierte das nicht. Immer wieder glitten die Gedanken davon, die Vorstellung dieser Grausamkeiten, die Phantasie lässt einen das Ungesagte durchleben, die Worte verletzen einen, weil man nicht dabei war, weil man es nicht versteht, weil man es nicht verändern kann, weil einem die Erfahrung fehlt. Immer wieder mußte ich das Buch zur Seite legen, mußte tief durchatmen und war überhaupt nicht in der Lage mein übliches Lesetempo bei zu behalten. Das Buch ist schwere Kost, es ist keine leichte Erzählung, von einem der Schlimmes erlebt hat und es überlebt hat. Dieses Buch ist der Bericht, der Schrecken, die nach dem Überleben auf den Menschen zu kommen. Es ist auch keine Liebesgeschichte, denn zwischen Heiner und Lena passiert so viel mehr als nur Liebe. Das Buch sorgt für einen Kloss im Hals, es schnürt einem den Atem zu und es lässt einen schlecht Träumen. Dennoch möchte ich die Lektüre dieses Buches nicht missen. Sie hat mich weiter gebracht. Und nein, der Schrecken verliert sich nie... PS: Das Nachwort von Margarete Mitscherlich kurz vor ihrem Tod verfasst hat mir nicht gefallen.

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  • Schwere Kost

    Der Schrecken verliert sich vor Ort
    gst

    gst

    11. April 2013 um 16:44

    Wer sich das Cover genau anschaut, kann den Inhalt schon ahnen. Zwar erscheint der Wald vor dem Teich sattgrün, doch der Hintergrund ist von Asche geschwärzt. Schmutz, der sich nicht abputzen lässt … Heiner, der Protagonist, ist Auschwitz zwar lebend entkommen, doch das dort erfahrene Leid hat ihn geprägt, lässt ihn nicht mehr los. Die Dolmetscherin Lena lernt den ehemaligen Häftling 63.378 im Juni 1964 in Frankfurt kennen, wo er als Zeuge geladen worden war. Sie ist zehn Jahre jünger und fasziniert von ihm. Er dagegen fürchtet sich vor den Deutschen, will nur noch zurück nach Wien. Trotzdem wird aus beiden ein Paar, das fest zueinander steht, obwohl das Leben mit Heiner alles andere als leicht ist. Seine Vergangenheit quält ihn Tag und Nacht. Schau Lena, sagt er und beginnt zu erzählen … Gemeinsam reisen sie noch vor der Wende nach Polen und erleben die Solidarnosc-Bewegung aus nächster Nähe mit. Dieser Roman ist angefüllt mit Geschichte und Geschichten. In einer eindrücklichen Sprache schildert die Autorin die Schrecken der Vergangenheit. Immer wieder stockte mir als Leserin der Atem, klopfte das Herz in einem unbekannten Takt. Nur die große Liebe zwischen Heiner und Lena machte mir den Inhalt des Buches erträglich. Es lässt mich innerlich aufgewühlt zurück.

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  • Ein Buch, ohne das die Welt ärmer wäre

    Der Schrecken verliert sich vor Ort
    annaweisser

    annaweisser

    21. March 2013 um 08:36

    Mit dem Buch „Der Schrecken verliert sich vor Ort“ von Monika Held, das soeben erschienen ist, hält man eine unfassbare, zutiefst  berührende Geschichte von zwei Menschen in Händen, die sich glücklicherweise auf jenem Gerichtsflur begegnen, in dem der Kommunist Heiner, der Auschwitz überlebt hat, seine Ohnmacht nicht aufhalten kann, hervorgerufen durch die Konfrontation mit den selbstgefälligen Peinigern des Konzentrationslagers. Lena und Heiner verlieben sich ineinander. Selten wurde Liebe so eindringlich und aufrichtig beschrieben, so zart gefeiert, auch an den Grenzen ihrer Möglichkeiten, an denen Erleben nicht teilbar ist und die Einsamkeit einem Weltmeer gleicht. Der Häftling mit der Nummer 63.387 hat überlebt. Wie Leben nach Auschwitz geht, diese Beschreibung scheint Heiner Rosseck in die Hände einer begnadeten Autorin gelegt zu haben, die ihm ein Andenken geschaffen hat und uns die Chance gibt, das Requiem auf einen Menschen und einen Ort zu lesen. In diesem Buch lernen wir Heiner kennen, der Auschwitz überlebt hat, überleben durfte, überleben musste und sowohl eine übermenschliche Last als auch die Aufgabe mitgenommen hat, Zeuge zu sein. Er lebt mit dem Andenken an seine verstorbenen Weggefährten und ist verbunden mit seinen Überlebenden, dass man fast neidisch wird. In den Zeiten der Solidarnosc setzt er sich mit Lena in den roten LKW, bringt dringend benötigte Lebensmittel zu seinen Freunden nach Polen, lässt Lena und uns an seinen Begegnungen teilhaben und zeigt uns "sein Auschwitz" so eindringlich, dass man hinfahren muss, um das Ungeheuerliche selbst berühren zu können, sacht auf den Spuren zu wandeln und an den Wänden zu lauschen. Dieses Buch möchte man sofort wieder lesen, wenn man die letzte Seite erreicht hat, man möchte es nicht mehr alleine lassen und sich selbst vergewissern, dass man auch bestimmt nichts Kostbares überlesen hat oder vergessen könnte.

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