Der Schreibstil hat mir von Anfang an gut gefallen. Durch die vielen Absätze ließ sich das Buch angenehm und flüssig lesen und ich war schnell in der Geschichte. Auch der ruhige Aufbau hat mich überhaupt nicht gestört. Im Gegenteil, ich mochte es, dass sich die Geschichte Zeit nimmt, den Alltag und die Figuren kennenzulernen.
Besonders gelungen fand ich den Einblick in das Leben eines Dienstmädchens um 1900. Der Arbeitsalltag, die Hierarchien im Haus und die damalige Stellung der Frau wurden für mich authentisch dargestellt. Gerade solche historischen Details machen für mich den Reiz solcher Romane aus.
Emma war mir als Protagonistin sehr sympathisch. Ihr Traum hebt sie ein wenig von anderen Figuren ab und ich habe sie gerne durch ihren Alltag begleitet. Auch die übrigen Bediensteten haben mir gefallen. Sie waren zwar anfangs etwas streng zu Emma, weil sie neu war, wirkten dabei aber nie ungerecht. Dadurch entstanden glaubwürdige Figuren und ein stimmiges Miteinander. Besonders die kleinen Gesten, wie der Butler, der Emma die Zeitung vom Vortag überlässt, haben mir gefallen.
Etwas anderes hatte ich allerdings durch den Klappentext erwartet. Der dort angedeutete Kriminalfall bleibt über weite Strecken eher eine Hintergrundgeschichte. Wer einen historischen Krimi erwartet, könnte deshalb enttäuscht werden. Tatsächlich steht Emmas Alltag als Dienstmädchen klar im Mittelpunkt.
Dadurch blieb der Spannungsbogen für mich etwas auf der Strecke. Das Ende wirkte eher ruhig und unspektakulär, und mir fehlte ein richtiger Höhepunkt oder eine stärkere Entwicklung der Geschichte.
Insgesamt hat mir das Buch dennoch gut gefallen. Wer eine ruhige historische Geschichte mit authentischen Einblicken in das Leben eines Dienstmädchens sucht, wird hier fündig. Wer dagegen vor allem wegen des Kriminalfalls zugreift, sollte seine Erwartungen etwas anpassen.




