Monika Maron

 3.9 Sterne bei 156 Bewertungen
Autorin von Ach Glück, Endmoränen und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Monika Maron

In der DDR aufgewachsene Islamkritikerin jüdischer Abstammung: 1941 im Brennpunkt Berlin geboren, engagierte sich die einstige Fräserin in der FDJ und der SED und veröffentlichte 1981 nach einem Theaterwissenschaft- und Kunstgeschichtsstudium ihren ersten Roman „Flugasche“, der sich mit der Umweltverschmutzung der DDR beschäftigte und deswegen nur im Westen gedruckt werden durfte. In den 70er Jahren war sie konspirativ für das Ministerium für Staatssicherheit tätig. Im Laufe ihrer schriftstellerischen Karriere erhielt sie diverse Auszeichungen wie beispielsweise den Irmgard-Heilmann-Literaturpreis, den Brüder-Grimm-Preis, den Kleist-Preis, den Friedrich-Hölderlin-Literaturpreis, den Lessing-Preis oder den Deutschen Nationalpreis. 2018 erscheint mit „Munin oder Chaos im Kopf“ ein Roman, der sich mit dem Dreißigjährigen Krieg auf der einen und dem alltäglichen Terror unserer Zeit auf der anderen Seite auseinandersetzt. Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit äußerte Monika Maron sich in Namensartikeln kritisch über die Regierung der Kanzlerin Angela Merkel, die politische Situation in Deutschland und den Islam.

Alle Bücher von Monika Maron

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Monika MaronAch Glück
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Ach Glück
Ach Glück
 (30)
Erschienen am 01.01.2010
Monika MaronEndmoränen
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Endmoränen
Endmoränen
 (24)
Erschienen am 01.01.2005
Monika MaronAnimal Triste
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Animal Triste
Animal Triste
 (22)
Erschienen am 01.11.1997
Monika MaronStille Zeile Sechs
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Stille Zeile Sechs
Stille Zeile Sechs
 (19)
Erschienen am 05.01.2008
Monika MaronZwischenspiel
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Zwischenspiel
Zwischenspiel
 (13)
Erschienen am 21.05.2015
Monika MaronFlugasche
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Flugasche
Flugasche
 (12)
Erschienen am 12.05.2011
Monika MaronMunin oder Chaos im Kopf
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Munin oder Chaos im Kopf
Munin oder Chaos im Kopf
 (6)
Erschienen am 22.02.2018
Monika MaronPawels Briefe
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Pawels Briefe
Pawels Briefe
 (7)
Erschienen am 01.03.2001

Neue Rezensionen zu Monika Maron

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StefanieFreigerichts avatar

Rezension zu "Munin oder Chaos im Kopf" von Monika Maron

Gott und die Welt und das Wesen von Auseinandersetzungen und Volkes Maul
StefanieFreigerichtvor 3 Monaten

„Aber es hatte sich etwas verändert seit dem letzten Sommer. Die Menschen waren gereizter …geworden, was nicht nur die Bewohner unserer Straße betraf, sondern auch alle anderen, und das nicht, weil die Welt sich in den letzten zwölf Monaten so verändert hätte, sondern gerade weil sie sich nicht verändert hatte, weil das, was schon vor Jahren begonnen und sich im vergangenen Jahr in Krieg, Krisen und weltweitem Terror entladen hatte, alltäglich geworden war.“ S. 10 Journalistin Mina Wolf will in ihrer Wohnung für eine Kleinstadt eine Festschrift über den Dreißigjährigen Krieg verfassen, doch die unmelodisch lauthals vom Balkon singende Nachbarin bringt Unfriede unter die Anwohner und macht Mina die Arbeit außerhalb der Nachtstunden unmöglich.

Bald sieht Mina damals wie heute die Gefahr von Kriegen durch die armen überzähligen Söhne bevölkerungsreicher Länder, sie zieht Parallelen zwischen dem Dreißigjährigen Krieg und anderen: „Klimawandel, Wassermangel, Hunger, Verdopplung der Bevölkerung…diesmal nicht in Europa, sondern in Afrika.“ S. 30, sowie zwischen dem Prager Fenstersturz und der Situation mit der Sängerin: „Wir können die Frau schließlich nicht vom Balkon werfen“. Sie schafft es, auf mich weder dumm noch ignorant noch als Gutmensch zu wirken, dennoch lässt der Text über Ursachen nachdenken wie auch über Konsequenzen, somit für mich ein Treffer, auch wenn ich mich noch frage, wie ihr das gelingt:

Autorin Monika Maron lässt in diesem leicht zu lesenden Roman ihre Protagonistin philophieren über den Krieg: „Bevor ein großer Krieg endgültig ausbricht, hat er als Wissen, wenigstens als Ahnung um seine Unvermeidlichkeit von dem Volk schon Besitz ergriffen. Anders ließe es sich nicht erklären, dass in Sarajewo ein einziger Schuss fiel und alle Welt wusste, dass nun in Europa Krieg herrschte.“ S. 53. Sie traut sich aber auch, dem „Volk aufs Maul“ zu schauen, so angesichts des Protests des Taxifahrers, als der Kakophonie vom Balkon nicht beizukommen ist: „In diesem Land muss man inzwischen verrückt sein, zu doof oder zu faul zum Arbeiten, nicht Deutsch können, drogenabhängig oder kriminell sein, damit sich jemand mit dir beschäftigt. So sieht’s doch aus. Die Frau kann eine janze Straße terrorisieren, und die is aber die Einzje, um die man sich kümmert.“ S. 95

Dass dann auch noch eine Krähe in Minas Leben hüpft, mit ihr zu sprechen beginnt und weitere philosophische Diskussionen anregt, gefiel mir – wird für einige aber sicher zu schräg sein und neigt mit der Erweiterung der Betrachtungen auf Gott und Genderdiskussionen ein wenig hin zur Überfrachtung der wenigen Seiten. Bei mir „passte“ das Gesamtpaket und mein einziger echter Kritikpunkt ist der Preis von € 20,00 für nur knapp über 200 Seiten gebundener Text (lieber Fischer-Verlag: packt ein Lesebändchen dran, damit akzeptiere ich fast alles 😉

https://www.youtube.com/watch?v=NK5L4gF086s

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Lannas avatar

Rezension zu "Munin oder Chaos im Kopf" von Monika Maron

Wer bist du in deinen eigenen Gedanken?
Lannavor 6 Monaten

Dieses Buch führte zu einer Spaltung im Literarischen Quartett. Thea Dorn hat sich sogar der Stimme enthalten, während die anderen drei Mitglieder des Quartettes diesen Buch ihre Stimmen, für ein gelungenes Werk gaben. Dies macht einfach neugierig.

Monika Maron erzählt die Geschichte aus einer Ich-Perspektive, in der eine Kolumnistin beauftragt wurde, einen Beitrag für eine Zeitung zum Dreißigjährigen Krieg zu schreiben. Doch das Problem ist, dass unsere Protagonistin sich in diesem Thema von Anfang an reinlesen muss. Dies ist jedoch Tagsüber nicht möglich, da ihre Nachbarin, lauthals auf ihrem Balkon singt.

"Aber nun war es, als könnte ich durch das lautlose Dunkel, das alles umher seiner Gegenwärtigkeit entkleidete, einen Pfad durch die Zeit finden, der mir an den Tagen zuvor verborgen geblieben war."

Zitat Seite 27
Dies stößt nicht nur bei ihr auf Widerstand, sondern bei allen anderen Bewohnern auch. Ein kleiner Krieg entbrennt nicht nur in der Nacht, in der sie nun über den Dreisigjähren Krieg lesen und schreiben muss, sondern auch tagsüber in ihrer Nachbarschaft. Diese Lage bringt sie in eine Gedanken Desorientierung. Als sie dann auch noch ein Rabe den sie "Munin" ( Einer von Gottes Odin Raben ) nennt besucht, und mit ihr über die Gott und die Welt disputiert, scheint sie völlig den Verstand verloren zu haben, denn sie weiß das der Rabe wirklich mit ihr spricht.

Meine Meinung: 

Wem kann ich mich nun anschießen? Ich gebe zu, ich musste häufig den Kopf schütteln, aufgrund der Gedankengänge und Meinungen, die uns Monika Maron präsentiert, lange  konnte mich Frau Dorn anschließen. Bis ich im Laufe des Buches begreifen musste, dass es natürlich nicht die Meinung der Autorin ist, sondern es sich um einen Roman handelt und die Autorin den Gedankenwahnsinn unserer Zeit aufzeigt. Sie behandelt unglaublich viele Themen, die uns die letzte Zeit und die Zeitungen beschäftigen. Von Fremdenhass bis zur Genderthematik wird so einiges aufgegriffen. Munin hat da auch so seine eigene Meinung über die Menschen. Monika Maron hat einen sehr angenehmen und gut verständlichen Schreibstil, dass mich dazu veranlasst, weitere ihrer Bücher lesen zu wollen.

MEIN FAZIT: 

Ein lesenswertes Buch. Ein Spiegel für die eigenen Gedankengänge und Gesellschaft sowie ein ansporn zur Selbstreflexion. Alles in einem Werk vereint. Großartig!

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W

Rezension zu "Munin oder Chaos im Kopf" von Monika Maron

Mit einer wunderbaren Sprache erzählt, voller kluger Beobachtungen
WinfriedStanzickvor 7 Monaten




In ihrem neuen, politisch wenig korrekten Roman, lässt die mittlerweile 76-jährige Schriftstellerin Monika Maron ihre Ich-Erzählerin eine ganze Menge wohl eigener Beobachtungen und Einschätzungen formulieren und aussprechen.

Die Ich-Erzählerin heißt Mina Wolf. Sie arbeitet als journalistische Freelancerin und Gelegenheitstexterin und hat, auf welchem Wege auch immer, von der kommunalen Spitze einer westfälischen Kleinstadt den Auftrag erhalten, für eine städtische Festschrift einen Beitrag über der Dreißigjährigen Krieg zu verfassen.
Zunächst eher widerwillig (sie hat ja den ganzen Sommer Zeit) beginnt sie zu recherchieren, und zu lesen, denkt nach über deutsche Befindlichkeiten und die Verwerfungen der Welt und über Religionskriege damals und heute. Ihre Beobachtungen und Vergleiche bewegen sich gegen den medialen Mainstream der letzten Jahre, politisch sehr unkorrekt, aber durchaus im Rahmen dessen, was eine Mehrheit einer zunehmend schweigenden Bevölkerung schon lange denkt über die Schwierigkeiten der Integration von Millionen junger muslimischer Männer (Maron spricht tatsächlich von „Millionen“) und über die Gefahr von Parallelgesellschaften.
Mina Wolf ist zunächst zögernd, dann aber immer zutraulicher werdend, eine einbeinige Krähe zugeflogen. Sie kommt nicht täglich, aber wenn sie da ist und das ausgelegte Futter verspeist hat, ist sie der Journalistin eine skeptisch-pessimistische, aber sehr meinungsfreudige Gesprächspartnerin. Diese Dialoge mit der klugen Krähe, die so was symbolisiert wie eine zweite innere Stimme der Erzählerin, bilden das literarische Zentrum des Romans und sind für den Leser eine wahre intellektuelle Freude.

Schon bald hat Mina Wolf den Eindruck, in einer sogenannten Vorkriegszeit zu leben, so wie es Michael Stürmer in der Ausgabe der WELT vom 19.12.2016 formulierte. Gestützt und befeuert wird dieser für sie bestürzende Eindruck durch das, was die Rahmenhandlung des Romans bildet und eine literarisch gelungene Parabel darstellt für das Wutpotential in unserer Gesellschaft, das sich an den unterschiedlichsten Stellen Bahn bricht, das aber niemand wirklich richtig verstanden hat. In der direkten Nachbarschaft der ansonsten recht stillen und unauffälligen Wohnstraße in Berlin-Schöneberg, in der Mina Wolf lebt, lebt auch eine psychisch kranke Frau, die jeden Tag von morgens bis abends lauthals auf ihrem Balkon singt. Ihr Singen ist eher eine disharmonisches Schreien, das schon bald die anderen Anwohner nervt und in einer Einwohnerversammlung zusammenbringt. Doch diese Versammlung bringt keine Einigung, sondern bringt die Unterschiede in der politischen Haltung der Anwohner erst zu Tage (linke, liberale und stramm rechte) mit schlimmen Folgen für das weitere Zusammenleben.

Dieser immer weiter zunehmende Aufruhr und die damit verbundene Aggression in der kleinen, engen Straße, der auch vor Anschlägen und persönlichen Beleidigungen und Angriffen nicht Halt macht und der tägliche Terror und Krieg in den Medien vermischen sich in Minas Kopf mit dem, was sie über den Dreißigjährigen Krieg herausfindet.

Sie schläft mittlerweile tagsüber, um nachts vor dem Geschrei der irren Nachbarin geschützt zu sein. In vielen Nächten ist die Krähe, der sie den Namen Munin gegeben hat, ihr kluger und widerborstiger Gesprächspartner, der sie immer mehr von seiner skeptischen Haltung was die Lernfähigkeit des Menschen betrifft, überzeugt.

Immer mehr hat sie den Eindruck, dass sie tatsächlich in einer neuen Vorkriegszeit lebt und dass sich der kleine Krieg der Nachbarn im „großen Krieg in Deutschland“ spiegelt.

Mit einer wunderbaren Sprache erzählt, voller kluger Beobachtungen und mit viel literarischem Witz, entwirft Monika Maron in diesem Alterswerk nicht nur ein provozierendes Stimmungsbild unserer Zeit, sondern zieht auch ein eher skeptisches Resümee ihrer eigenen politischen Haltung.

Ein sehr aktueller Roman, der eine Nominierung für den Deutschen Buchpreis verdient hätte.








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Gespräche aus der Community

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L
Noch zu dem Buch " Ach Glück" - was könnte uns dieses Titelbild des Buches sagen wollen ? Mir hat das Buch auch sehr gut gefallen, aber ich finde keinen richtigen Zusammenhag mit dem Titelbild ! Danke im voraus für die Antwort.
Zum Thema

Zusätzliche Informationen

Monika Maron wurde am 03. Juni 1941 in Berlin (Deutschland) geboren.

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