Monika Maron ist eine deutsche Schriftstellerin, die bis 1988 in der DDR lebte und arbeitete und danach in die BRD übersiedeln durfte. Ich bin ein Kind der DDR, war zu dieser Zeit gerade kurz vor meinem Schulabschluss und damals schon sehr literaturbegeistert und habe unglaublich viel gelesen. Zu meiner Schande und zu meinem Erstaunen ist mir die Autorin damals trotz ihrer Erfolge nicht bekannt gewesen, nach der Lektüre ihrer Erinnerungen wird mir allerdings auch klar warum, waren ihre Bücher doch offensichtlich nichts, was man im sozialistischen Teil Deutschlands an den Schulen gelehrt hätte.
In den letzten Monaten sind mir immer mal wieder Bücher der Autorin begegnet und mit diesen Tagebucheinträgen wollte ich erstmal ein Gefühl für sie und ihre Art zu schreiben bekommen, auch um zu entscheiden, ob ich ihre anderen Bücher lesen sollte.
Monika Maron hat hier Auszüge aus alten Tagebüchern zusammengetragen, die recht lose und zum Ende hin auch in eher immer unregelmäßigeren Abständen erfolgen. Die immer sporadischeren Einträge begründet sie im Übrigen mit der Tatsache, dass der Computer immer mehr ihre handschriftliche Arbeit verdrängt hat und sie ihre Gedanken und Gefühle so richtig eigentlich nur handschriftlich zu Papier bringen kann. Ein sehr sympatischer und mir auch nachvollziebarer Gedanke, merke ich selber ja auch, dass ich seit Handy und Laptop Einzug gehalten haben immer weniger mit der Hand schreibe, mein Deutschlehrer wäre fassungslos, hat er doch Stunden damit zugebracht mir noch in der zehnten Klasse Schönschrift beizubringen.
Die Einträge lesen sich sehr gut, selbst ihre persönlichen Gedanken sind gut zu Papier gebracht, natürlich kennt man manchmal die Hintergründe nicht und es fehlen konkretere Erklärungen, Personen tauchen auf, Namen, die oft nur aus einem Buchstaben, oder einer Abkürzung bestehen, ganz natürlich, war das Geschriebene doch nie zur Veröffentlichung bestimmt. Hier muss man sich ein bisschen einlassen, aber Vieles wird per Fußnote noch erklärt.
Was man liest lässt tief in das sozialistische System und dessen Strukturen blicken. Maron schreibt früh davon, dass ihr das Schreiben immer schwerer fällt, dass ihr Inspiration fehlt, ein Antrieb, gewissermaßen Luft zum Schreiben. Sie erhofft sich neue Impulse durch eine Reise, die sie natürlich beantragen und auch begründen muss, für die sie ewig auf Genehmigungen wartet und die letztlich nichts als Ernüchterung bring. Selbst die kurzen Passagen hierzu zeigen die Resignation, die die Autorin befällt, aber auch ihr Heimweh, ihre Frustration, Traurigkeit und man bekommt durch ihre Erlebnisse immer wieder zu sehen was man jenseits der grenzen über die DDR weiß, über sie denkt und über die, die dort leben. Das war wirklich sehr interessant.
Mir hat das Buch gut gefallen und als Annäherung an die Autorin und ihr Schaffen hat es seinen Zweck definitiv erfüllt, meine Neugier ist geweckt und es sind schon einige Bücher auf meine Leseliste gewandert.
















