Monika Maron Stille Zeile Sechs

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Inhaltsangabe zu „Stille Zeile Sechs“ von Monika Maron

»Vielleicht ist dies der größte Vorzug des Romans "Stille Zeile Sechs": Ein Jahrhundertproblem darstellend, wird er zum Gleichnis, das weit über sich hinausweist.« (Marcel Reich-Ranicki) Die DDR Mitte der achtziger Jahre: Rosalind Polowski, zweiundvierzigjährige Historikerin, beschließt, ihren Kopf von der Erwerbstätigkeit zu befreien und ihre intellektuellen Fähigkeiten nur noch für die eigenen Interessen zu nutzen. Herbert Beerenbaum, ein ehemals mächtiger Funktionär, bietet ihr eine Gelegenheitsarbeit: Rosalind soll ihm die gelähmte rechte Hand ersetzen und seine Memoiren aufschreiben. Trotz Rosalinds Vorsatz, nur ihre Hand, nicht aber ihren Kopf in den Dienst dieses Mannes zu stellen, kommt es zu einem Kampf um das Stück Geschichte, das beider Leben ausmacht. Die Auseinandersetzung mit Beerenbaum läßt Rosalind etwas ahnen von den eigenen Abgründen und den eigenen Fähigkeiten zur Täterschaft. (Quelle:'Flexibler Einband/01.10.1993')

Hätte nie gedacht, dass mich das interessieren könnte und dann hat es mich voll in den Bann gezogen

— Jenbertliest
Jenbertliest

ein roman über die ddr, kommunismus, tod und auch ein wenig über liebe. kann man mal gelesen haben!

— Nele
Nele

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  • Rezension zu "Stille Zeile Sechs" von Monika Maron

    Stille Zeile Sechs
    FabAusten

    FabAusten

    17. September 2012 um 13:15

    Stille Zeile Sechs Ost-Berlin, Mitte der 80er Jahre Die junge Historikerin Rosalind Polkowski kündigt ihre Stelle am Institut, da sie nicht mehr auf ideologisch vorgegebenen Bahnen forschen möchte. Ihre intellektuellen Fähigkeiten will sie nur noch in ihre eigenen Dienste stellen. Als sie eines Nachmittags im Café sitzt, nimmt ein älterer Herr an ihrem Tisch Platz und sucht das Gespräch. Obwohl sie es im Grunde nicht möchte, geht sie auf seine Fragen ein. Er ist ein ehemaliger hoher Funktionär der SED und möchte nun, da er sich zur Ruhe gesetzt hat, seine Memoiren zu Papier bringen. Weil seine rechte Hand nach einem Schlaganfall gelähmt ist, benötigt er dafür jedoch eine Schreibkraft. Als Herbert Beerenbaum ihr versichert, nur die handwerkliche Tätigkeit des Schreibens von ihr zu erwarten, akzeptiert sie das Angebot. Seine Adresse Stille Zeile Sechs befindet sich in einem Stadtteil für hohe Parteimitglieder, der wie ein Kokon von der übrigen Bevölkerung abgeschirmt ist. Im Laufe ihrer Besuche stellt sich heraus, dass Rosalind das Denken doch nicht lassen kann. Ihr Arbeitgeber hat nämlich eine ganz andere Sicht auf seinen Lebenslauf und die geschichtliche Entwicklung des Arbeiter- und Bauernstaats als sie. Er beschreibt sich als Arbeiterkind, das während der NS-Diktatur zum Opfer wurde und schließlich den besseren, weil sozialistischen Teil Deutschlands aufbauen half. Seine Erfahrungen mit dem gelebten Sozialismus sind positiv, denn dieser hat ihm zu Ansehen und Macht verholfen. Rosalind hat jedoch andere Erfahrungen gemacht. Sie litt unter ihrem lieblosen Vater, der nur Zeit für sie hatte, wenn er ihr den Sozialismus erklären wollte. Auch die geistige und geografische Begrenztheit der DDR macht ihr zu schaffen. So werden die beiden zu Kontrahenten, die um ihre persönliche Wahrheit kämpfen. Bei Stille Zeile Sechs handelt es sich nicht um eine stringent erzählte Geschichte. Berichtet wird sie aus der Perspektive der Protagonistin, deren Gedanken von einem Ereignis zum nächsten springen. Obwohl ihre Bekanntschaft mit Beerenbaum die Initialzündung und ein wichtiger Teil ist, steht Rosalinds Mikrokosmos im Vordergrund. Mal humorvoll, mal aggressiv reagiert sie auf ihren Alltag und erstellt Miniaturen der Personen, die diesen bevölkern. Monika Maron zeigt dabei, dass das Leben von der Politik beeinflusst wird und das Persönliche immer auch politisch ist. Beerenbaum ist alt und krank, seine besten Zeiten liegen hinter ihm. Damit personifiziert er das untergehende politische System während Rosalind nicht mehr in den vorgegebenen Strukturen handeln und denken will. Dennoch ist sie ebenfalls ein Produkt dieses Systems, in dem sie ihr Leben verbracht hat. Die Geschichte wirkt sehr intensiv, vor allem da sie sich auf nur wenigen Seiten entfaltet. Rosalind bietet eine gelungene Identifikationsfläche. Beerenbaum wird ein wenig bemitleidet, denn trotz seiner Vergangenheit ist er nur noch ein gebrechlicher Mann, der vom Leben nichts mehr zu erwarten hat. Obwohl die anderen Figuren nur am Rande agieren, schafft Monika Maron es, sie lebendig werden zu lassen. Die Sprache ist mitunter anspruchsvoll, der Sinn lässt sich nicht immer sofort erfassen. Sie regt zum Nachdenken an, ohne angestrengt allein diesem Zweck zu dienen. Der verwobene Humor führt dazu, dass sich neben dem Eindruck von Tiefe auch der des alltäglichen Wahnsinns vermittelt. Hin und wieder entsteht allerdings das Gefühl, dass man nicht alle Andeutungen vollständig versteht. Vielleicht muss man dafür Bürger der DDR gewesen sein. Mitunter scheint es als kämen Erklärungen und Entwicklungen etwas zu kurz. Hier wäre ein größerer Umfang vielleicht hilfreich gewesen. Insgesamt bietet Stille Zeile Sechs einen interessanten und intensiven Blick auf die ausgehende Zeit der DDR. Es ist ein Werk, das offen bleibt für Deutungen und Erkenntnisse. Es gibt keine einfachen, gefälligen Erklärungen ab. Der Leser muss seinen Teil dazu beitragen, um es für sich zu erschließen.

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  • Rezension zu "Stille Zeile Sechs" von Monika Maron

    Stille Zeile Sechs
    Nele

    Nele

    04. June 2010 um 19:24

    Im Roman "Stille Zeile Sechs" von Monika Maron geht es um die in Ost-Berling lebende Historikerin Rosalind. Diese hat sich eines Tages geschworen sie würde nie wieder für Geld Denken. Ihren Job hat sie gekündigt und lebt nun so in den Tag hinein. Als sie eines Tages in ihrem Lieblingscafe beim Leute-Beobachten von einem alten Herren angesprochen wird ist sie nicht besonders überrascht - er ist ihr schon öfter als sehr redselig aufgefallen. Dieser Herr bittet sie aber nun seine Memoiren für ihn zu schreiben - seine eine Hand täte es nicht mehr, so dass er eine Schreibkraft dafür benötigt. Warum seine Memoiren so wichtig sind, fragte sich Rosalind - doch der Herr ist ein früherer Funktionär der kommunistischen Partei. ... Ein flüssig zu lesendes Buch, welches immer wieder kluge und feinsinnige Gedanken beinhaltet, humorvoll um die Ecke kommt und doch ein wenig bedrückende Stimmung verbreitet. Der Erzählstil Marons hat mir zum Teil gefallen, zum Anderen war er mir doch etwas zu Abgehoben. Alles in Allem fand ich das Buch lesenswert und kann es guten Gewissens weiterempfehlen!

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