Mooses Mentula

 3,9 Sterne bei 7 Bewertungen
Autor*in von Nordlicht – Südlicht, Die Fabrik und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Mooses Mentula, geboren 1976 im ländlichen Osten Finnlands, hat mehrere Jahre in Lappland gelebt. Heute lebt er in Tuusula, im Süden des Landes. Nach mehreren Jahren als Nachrichtenredakteur arbeitet er heute als Rektor einer Schule sowie als Schriftsteller. Sein Werk umfasst einen Band mit Erzählungen und vier Romane. Bei Weidle in deutscher Übersetzung erschienen sind die Romane »Nordlicht – Südlicht« (2014) sowie »Der Schildkrötenpanzer« (2022).

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Mooses Mentula

Cover des Buches Nordlicht – Südlicht (ISBN: 9783835377226)

Nordlicht – Südlicht

(3)
Erschienen am 10.12.2025
Cover des Buches Die Fabrik (ISBN: 9783835376014)

Die Fabrik

(2)
Erschienen am 18.02.2026
Cover des Buches Der Schildkrötenpanzer (ISBN: 9783835377233)

Der Schildkrötenpanzer

(2)
Erschienen am 10.12.2025

Neue Rezensionen zu Mooses Mentula

Cover des Buches Die Fabrik (ISBN: 9783835376014)
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Rezension zu "Die Fabrik" von Mooses Mentula

_leserin_
Zwischen Kriegstrauma und Neuanfang

Finnland in der Nachkriegszeit.


Vilho und seine Frau Elsa versuchen nach dem Krieg in Toiviokoski ein gemeinsames Leben aufzubauen, fern ihrer Heimat. Toiviokoski ist jene Stadt, in der eine Papierfabrik vielen Menschen Arbeit gibt und somit eine Chance auf ein Leben ohne große Entbehrungen.


Vilho ist Kriegsveteran, er hat seinen linken Arm verloren und weiß, wie schwer es sein wird, die körperlich schwere Arbeit in der Fabrik zu schaffen.


Elsa unterstützt ihn, wie es nur möglich ist, und stellt keine Ansprüche ans Leben. Sie ist das Mädchen aus der Nachbarschaft, deren Vater eigentlich einen anderen, besseren Mann für sie vorgesehen hatte.


In Rückblenden und Träumen wird Vilho immer wieder vom Krieg eingeholt, nur Tabletten helfen ihm das alles zu überstehen – mental und körperlich. Es stellt diese Abhängigkeit jedoch ein weiteres Problem dar. Mit einem Vorrat an Pillen kommt er anfangs noch gut in Toiviokoski aus, später muss er bei Dealern seine Ersparnisse dafür umsetzen.


Für mich ist das jener Bereich, der besonders stark im Roman erzählt wird: das sich Anstrengen und alle anderen Arbeitern gleichwertig sein wollen, und andererseits das Kompensieren des fehlenden Arms und das Verstecken der Medikamentensucht, denn ohne Medikamente würde er die Schmerzen bei der Arbeit nicht ertragen. Auch die Albträume und Bilder im Kopf nicht aushalten, die der Krieg verursachte, er seinen sterbeneden Freund zurückließ und zum Verlust des linken Armes führten.


Es ist eine glaubwürdige Geschichte, die genauso gewesen sein könnte nach dem Krieg und dem Wiederaufbau. Ein beeindruckender Roman, der während des Lesens unter die Haut geht und lange im Gedächtnis bleibt. Ich konnte mich so gut in die Erzählung hineinversetzen, sah alles plastisch vor mir – großartiger Roman.


Absolute Empfehlung

Cover des Buches Die Fabrik (ISBN: 9783835376014)
Alriks avatar

Rezension zu "Die Fabrik" von Mooses Mentula

Alrik
Wenn Hoffnung nach Papierstaub riecht

Der Rauch der Papierfabrik hängt gefühlt noch in der Luft, während zwei Menschen versuchen, aus Schutt so etwas wie Zukunft zu basteln. Kein großes Pathos, keine Heldengeschichte. Stattdessen Schwielen, Müdigkeit und dieses leise Hoffen, das sich trotz allem nicht vertreiben lässt. Vilho kommt aus dem Krieg zurück, ohne linke Hand und ohne Plan. Schon beim Lesen zieht sich innerlich alles zusammen. Da steht einer, der einfach nur ein normales Leben will und merkt, dass selbst das verdammt kompliziert geworden ist.


Elsa hält dagegen. Ruhig, warm, hartnäckig. Zwischen den beiden knistert keine große Romanze, sondern etwas viel Ehrlicheres. Alltag, Streit, Sorge, Zusammenhalten. Genau das macht den Roman so stark. Die Fabrik wird zum Symbol für Aufbruch, aber auch für Druck. Schichten, Lärm, Erwartungen. Und mittendrin ein Mann, der sich selbst im Weg steht. Stolz, Schmerz und diese leise Abwärtsspirale. Man möchte ihm manchmal zurufen, reiß dich zusammen. Und merkt gleichzeitig, wie unfair das wäre.


Besonders hängen bleibt diese raue Ehrlichkeit. Kein schöner Wiederaufbau, sondern ein zähes Vorwärtskriechen. Kleine Siege fühlen sich riesig an. Ein neuer Job. Ein Moment Hoffnung. Ein Blick der zeigt, wir schaffen das vielleicht doch. Das Buch erzählt ruhig, aber es trifft tief. Kein lautes Drama, sondern ein stiller Schlag in die Magengrube. Und genau deshalb bleibt es lange im Kopf.

Cover des Buches Der Schildkrötenpanzer (ISBN: 9783949441035)
alascas avatar

Rezension zu "Der Schildkrötenpanzer" von Mooses Mentula

alasca
Ohne Substanz

Tino, 37, lebt von Sozialhilfe, denn er leidet an einer bipolaren Störung mit psychotischen Schüben und hat Probleme, die Wohnung zu verlassen und mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Auf der Flucht vor der 4jährigen Tuuli, die ihn auf dem Weg zum Supermarkt angesprochen hat, rettet er sich in einen Trödelladen, wo ihm der Verkäufer einen Schildkrötenpanzer und eine Tasche mit Büchern aufschwatzt. Er verbarrikadiert sich damit erneut in seiner Wohnung und beginnt, die Bücher zu lesen. 

 Es beginnt ein Spiel mit den Ebenen von Halluzination, Fiktion und Realität, die ineinander übergehen. Der Schildkrötenpanzer dient fortan als wenig subtiles Symbol von Tinos Problematik, während die Autoren der Bücher Tino erscheinen und ihn beim Verfassen (und Verändern) seiner Lebensgeschichte beraten. Zunächst hat das durchaus Witz, zumindest so lange es darum geht, mit welchen Kniffen man eine Geschichte voran bringt. Seltsam fand ich jedoch die Wahl der Autoren, sämtlich Vertreter wenn nicht toxischer, so doch völlig antiquierter Männlichkeit: Bukowski, Genet, London und Kerouac. Inwiefern diese Männer dem phobischen, psychotischen Tino eine Hilfe hätten sein können, hat sich mir nicht erschlossen. Folgerichtig stammt auch das Frauenbild aus dem letzten Jahrhundert, seltsam bei einem Autor des Jahrgangs 1976.

 Sprachlich reicht Mentula nicht an seine Autoren heran. Das fällt besonders auf, weil er seinen Protagonisten Kurzgeschichten in deren Stil verfassen lässt. Aber auch der Kerntext machte mir keinen Spaß: Metaphern werden mit der Brechstange hingebogen, es gibt viel Ungeschicktes und Phrasenhaftes. Es ging schon los im dritten Satz, in dem der Protagonist sich in "Boxershorts gehüllt hatte". Ich versuchte mir vorzustellen, welche Dimensionen eine Boxershorts haben muss, damit das möglich wird… Gelungen, weil sachkundig, fand ich die Darstellung von Tinos Krankheitsbild. Auch manche Ideen gefielen mir, etwa der Live Stream eines Aquariums, den sich Tino zur Beruhigung stundenlang anschaut. Oder Witziges, wie Tinos eigener Blick auf seine Verfassung: „Allgemeinmenschlicher existenzieller Beklemmungszustand.“ Davon hätte es mehr gebraucht. 

 In meinem Literaturkreis haben wir ehrlich versucht, in den Text größere Tiefe hinein zu interpretieren. Warum Bukowski? Warum Genet? Es gelang uns nicht. „Der Schildkrötenpanzer“ liest sich leicht und unterhaltsam, aber es mangelt ihm an Substanz. 

 Fazit: Eine durchaus originelle Variante vom Topos des sich ins Leben schreibenden und lesenden Menschen – trivialisiert durch mangelnde Tiefe und unbeholfene Sprache. Auch die lieblose Aufmachung der Broschur trägt nicht zur Attraktivität des Buches bei. 

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