Moritz Riesewieck Digitale Drecksarbeit

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Inhaltsangabe zu „Digitale Drecksarbeit“ von Moritz Riesewieck

Wer entscheidet, was wir sehen?

Hunderttausende Fotos und Videos werden täglich im Internet hochgeladen. Darunter massenhaft verstörende Inhalte, voller Gewalt und Pornografie. Wie ist es möglich, dass wir als normale User kaum etwas davon sehen? Algorithmen können zwar bestimme Bildinhalte identifizieren, aber nicht einordnen. Deshalb durchforsten auf den Philippinen zahllose Billiglöhner im Auftrag der Mega-Konzerne Facebook, Twitter & Co. nach geheimen Regeln das Internet. Über ihre Arbeit dürfen sie nicht sprechen.
Moritz Riesewieck gelang es, Menschen zu treffen, die uns vor Gräuelbildern bewahren und dafür ihr Seelenheil opfern. Sie können die Bilder im Kopf nicht so einfach löschen. Politische Inhalte, Kunst und Satire bleiben auf der Strecke. Wie manipuliert das unsere Sicht der Welt? Riesewieck verbindet eine packende Reportage mit verblüffenden Gedanken zur Macht der Bilder.

Wer das Buch gelesen hat, wird sich um die Löschung seiner Social media Konten kümmern...

— wsch

Ein Buch, das mehr als nur den Horizont erweitert.

— Fuchsiah

Digitale Drecksarbeit.

— kvel

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  • Endlich wird Facebook & Co. nicht nur be-. sondern ausgeleuchtet!

    Digitale Drecksarbeit

    wsch

    06. January 2018 um 09:25

    Eines gleich vorweg: Das Buch ist keine leichte Kost. Nicht, weil es die unsäglichen und zum teil unsäglichen Bilder von Kinderpornographie, Vergewaltigungen, Misshandlungen, IS-Terror mitsamt den Enthauptungen, Menschenverbrennungen und anderen für den geistig gesunden Menschen beschreibt oder gar zeigt. Sondern weil der Autor stellenweise recht tief und manchmal auch recht langatmig in philosophische Betrachtungsweisen abdrifted. Nowendigerweise.Wer sich jedoch die Mühe macht, die knapp 300 Seiten zu lesen, wird den ganzen so genannten Social Media Kram, sei es Facebook, sei es Twitter, Instagram, Pinterest, WhatsApp  und wie die eher asoziale Software heißt, mit anderen Augen betrachten. Bewerten. Und vermutlich seine diversen Konten löschen. Denn eines ist auch ohne Blick auf den jeweiligen aktuellen Börsenkurs klar: der eigentliche Sinn und Zweck ist das Geldverdienen. Das Vermögen der Anbieter in exorbitante Höhen zu treiben!Der Untertitel "... von dem Bösen erlösen" ist meines Erachtens falsch gewählt. Denn Facebook & Co. geht es nicht darum, den normalen Anwender davon zu erlösen, sondern zu vermeiden, dass er das absolut Böse sieht. Um damit möglichst nur schöne Bilder zu Gesicht bekommen. Was wiederum die Attraktivität von Facebook & Co. erhöht und noch mehr User anlockt. Woraus folgt, dass der an die werbende Industrie zu verkaufende Datenschatz immer grösser, immer wertvoller wird.Dass durch diese Vorgehensweise hunderte, wahrscheinlich weltweit betrachtet tausende Menschen psychisch ruiniert werden und kein normales Leben mehr führen können, ist den Social media Anbietern völlig egal. Die vertraglich unter Androhung von hohen Geld-, auf den Philippinen sogar Gefängnisstrafen zu absoluter Verschwiegenheit hinsichtlich ihres indirekten Arbeitgebers verpflichteten "Content Moderators" müssen sich im Akkord acht oder zehn Stunden lang tausende der widerlichsten Fotos und/oder hochgeladenen Videos anschauen und entscheiden, ob ein Bild/Video gelöscht wird oder nicht. Dass die Social media-Betreiber im Sinne der Profit Maximierung diese 'Arbeit' dort ausführen lassen, wo möglichst geringe Löhne gezahlt werden, in Manila beispielsweise, liegt auf der Hand. Dass die dortigen im Akkord Vergewaltigungs-, Kinderschändungs- oder Enthauptungsvideos bewertenden jungen Erwachsenen dabei vor die Hunde gehen, ebenfalls...Ein Zitat von sehr vielen möglichen: "Die Suche nach der analogen Wahrheit hinter der digitalen (geschönten, Anmerkung WS) Öffentlichkeit führt in einen Sumpf von Zensur und Ausbeutung. Gleichzeitig führt sie zu einem Nachdenken darüber, was Bilder für uns Menschen bedeuten und wem wir die Kontrolle über unsere Sicht auf die Welt überlassen wollen."Wie wahr, wie wahr...

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  • "Wunderschöne" digitale Welt

    Digitale Drecksarbeit

    Fuchsiah

    06. October 2017 um 15:56

    350 Millionen Fotos werden täglich auf Facebook hochgeladen, 100 Millionen Stunden an Filmaterial (Riesewieck, 2017, Seite 7).Dinge, die für uns alltäglich erscheinen. Ein Instagrambild hier, Facebook Kommentare dort, das Katzenvideo, das die Mutti gestern abend noch geteilt hat.Alles Dinge, die uns im Alltag begleiten greift Riesewieck mit einer einzelnen Frage an: Wer sorgt dafür, was wir sehen und was nicht?Für mich ganz klar eines der Bücher, die anhand alltagsnaher Beispiele gut zeigen, welche Strukturen und Arbeitsweisen er genau meint.Gelungen fand ich darüber hinaus ebenfalls, dass er immer wieder eigene Erfahrungen mit einbringt, von seiner Reise, seinen Unterhaltungen, einfach Dinge, die der ganzen Ernsthaftigkeit die Realitätsnähe zurückgeben.Was man nicht erhält, ist ein trockenes Wissenschaftsbuch über ein Thema, das uns eigentlich alle interessieren sollte, nur bereits schon so verinnerlicht ist, dass wir es nicht hinterfragen.Riesewieck führt hier wunderbar vor Augen, mit welchen Mitteln wir genau das sehen, was wir sehen, welche Gedanken, Techniken und Menschen dahinter stecken, welche Gedanken damit verfolgt werden. Wer oder was dafür sorgt, ist letzten Endes die Ausgangsfrage, die in meinen Augen erfolgreich beantwortet wurde.Riesewieck thematisiert in einem interessanten und flüssigen Stil Dinge, die wir Außenstehende gar nicht mitbekommen. Gewährt Einblicke in die zum Teil ausbeuterischen Verhältnisse, in denen die outgesourcte Arbeit erledigt wird und greift dabei immer auf eigene Vergleiche und Gedanken zurück.Hätte ich anders gehandelt? Hätte ich weggeschaut? Sind dort Fragen, die nicht nur dem Autoren in diesem Moment durch den Kopf geistern.Eine Thematik, die jeden von uns beschäftigen sollte, die jeden von uns bewegen sollte und doch nicht tut, weil wir uns daran gewöhnt haben, dass sie so ist wie sie halt ist.Mir hat dieses Buch neben den ganzen Informationen vor allem eines gegeben: Stoff zum Nachdenken. Ich sehe Facebook, Instagram und Co. jetzt mit etwas anderen Augen, hinterfrage mehr und mache mir Gedanken.Es ist Wahnsinn, wie abhängig wir von einer einzelnen Ressource geworden sind, ohne wirklich zu wissen, wer das für uns so sauber hält. Wer uns von Infos befreit, die wir nicht "sehen sollten", von Dingen, die uns verstören könnten.Für mich eine ganz klare Empfehlung für all diejenigen, die sich mit einer solchen Thematik genauer beschäftigen wollen und das Interesse daran mitbringen, ansonsten, denke ich, hat man nicht viel Freude an diesem Buch.

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  • Schöne, neue, digitale Arbeitswelt

    Digitale Drecksarbeit

    michael_lehmann-pape

    05. October 2017 um 12:37

    Schöne, neue, digitale ArbeitsweltWeniger die „Industrie 4.0“ im „Großen“ ist es, die Wiesewieck in diesem Werk einer näheren Betrachtung unterzieht, sondern der Blick richtet sich auf das, was man vielleicht als „Vorläufer“ dieser neuen Arbeitswelt betrachten kann.Die bereits, was Billiglohn und „Outsourcing“ personalintensiver Tätigkeiten (vom Kleider herstellen bis zum Programmieren oder einfachen Callcenter) bereits jetzt erkennbar werden lassen und als „Flutwelle“ vielleicht auf die ganze Wirtschaft auch der „Ersten Welt“ und damit auf das Lebensgefüge der Menschen sich am Horizont bereits fassbar drohend aufbaut.Gut ist, dass Riesewietz bei diesen Betrachtungen sich an konkreten Tätigkeiten orientiert und mit der „Sauberkeit“ bei Facebook, Youtube oder Instagramm ein griffiges Beispiel für diese Arbeitsweise herausnimmt, an dem man ohne Weiteres Strukturen ablesen kann, die auf vielfache andere digitale Arbeitsbereiche hochgerechnet werden kann.250 Millionen Fotos täglich, 100.000 Videos und Streams. Mit nicht wenigen abschreckenden, nicht erwünschten, ethisch fragwürdigen bis hin zu schlicht illegalen Inhalten.Wer aber hält Facebook sauber? Wer sortiert aus, beobachtet, löscht?„Im Netz ist alles miteinander verbunden. Wenn die sozialen Netzwerke trotzdem von fast allem unbehelligt bleiben, was an Gewalt und Pornographie durch das Netz geistert, dann muss es etwas oder jemanden geben, das oder der sie davor bewahrt“.Wer oder was das ist, dass ist die Ausgangsfrage des Buches, die Riesewieck erschöpfend und solide recherchiert im Buch konkret beantwortet.Denn es ist nicht eine „Bilderkennungssoftware“ oder ein anderer Algorithmus, der für diese Sauberkeit sorgt, sondern weitgehend „analoge“, händische Arbeit mies bezahlter „Mühlhandwerker“ des Internet.„Content Moderators“, die mit vielfachen Verschwiegenheitsklauseln durch die Internet-Konzerne versehen, ihre „Arbeit“ zu verrichten haben. Unter durchaus „ausbeuterisch!“ zu nennenden Bedingungen. Was am Ende durchaus geahnt, wenn nicht sogar gewusst werden kann, was aber, wie bei vielen anderen solcher Arbeitsbedingungen auf anderen Gebieten, kaum Resonanz in der Öffentlichkeit findet. Aber kann wirklich ein „Achselzucken“ die Antwort der „Ersten Welt“ auf die Bedingungen der Voraussetzungen für ein „bequemes digitales Leben“ immer noch sein? Scheinbar ja.So ist es eine der wesentlichen Erkenntnisse der Recherche des Autors, dass in der Gegenwart der „digitale, menschliche Giftmüll“ (der westlichen Welt) an den gleichen Orten entsorgt werden soll und wird, an denen jahrhundertelang der „analoge Giftmüll des Westens“ entsorgt wurde.Und damit einher geht eine zweite, grundsätzliche Frage. Denn ein Filtern der Inhalte beinhaltet ja auch ein dann nach außen gerichtetes „Bild von der Welt“. Sollte es wirklich so sein, dass ein interner Kreis von „Konzern-Lenkern“ dem Rest der Welt die Welt nach eigenem Gutdünken „zeigen“?„Nie zuvor war es so einfach, das Böse aus der Welt zu schaffen. Ein Mausklick genügt…….Aber sollten wir das wollen?“. Denn das Bild vom Menschen und des Zustands der Gesellschaften wird damit stark gelenkt, von „anderer Seite aus“ regiert.Eine wichtige Frage und ein interessantes Thema, dem sich Riesewieck hier aufklärend und teils erschreckend zuwendet.Eine empfehlenswerte, interessante Lektüre über das, „wie“ gearbeitet wird in der digitalen Welt und über die „Motive“ hinter dieser Form des Arbeitens. Wirtschaftlich wie ideell gezielt.

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  • Digitale Drecksarbeit.

    Digitale Drecksarbeit

    kvel

    18. September 2017 um 22:26

    Inhalt (gemäß Umschlaginnenseite): „Ein Mann quält und ermordet ein kleines Mädchen und stellt ein Video von diesem Verbrechen ins Netz. Jeder normale Mensch, der so etwas zu Gesicht bekommt, wird von tiefstem Entsetzten erfüllt sein, er wird es nie wieder sehen wollen. Außer denjenigen, die sich an so etwas erfreuen und nicht genug bekommen können.Bestialität und Grausamkeit sind nichts Neues in der Geschichte der Menschheit. Doch erst das Internet macht es möglich, Bilder und Filme von solchen abstoßenden Taten in Lichtgeschwindigkeit über den ganzen Globus zu verbreiten. Das ist nicht im Interesse der großen Silicon-Valley-Konzerne. Sie wollen die Menschen nicht schockieren und abstoßen, sondern anziehen, damit so viele Daten wie möglich von so vielen Menschen wie möglich sammeln und verwerten können. Sie wollen entscheiden, was die User zu sehen bekommen. Sie wollen ihre Netze schützen wie einen Garten, in dem das Unkraut vernichtet wird. Für diese Unkrautvernichtung brauchen sie ebenfalls Menschen, die sich in ihrem Auftrag tagaus, tagein mit diesem Grauen auseinandersetzten müssen. Wie das möglich ist und was es bedeutet, fragt sich Moritz Riesewieck in diesem packenden und aufrüttelnden Essay.“ Meine Meinung:Der Autor geht in diesem Buch der Frage nach, was es bedeutet, wenn die Beseitigung des Bösen outgesourct wird:Bilder und Filme mit „verdächtigen“ Inhalten müssen sich Niedriglöhner auf den Philippinen ohne Unterlass und quasi im Akkord ansehen und aussortieren; diese „Content-Moderatoren“ müssen quasi im Sekundentakt entscheiden, ob ein Bild, einem (geheimen) Regularienkatalog entspricht oder ob es gegen ein Kriterium verstößt und somit ob dieses Bild entfernt werden muss oder nicht. Und eine sehr wichtige Fragestellung wird vom Autor aufgegriffen: Ist es gut oder schlecht oder wohin führt es, wenn (politische) Zensur als Beurteilungskriterien (landesspezifisch) aufgenommen werden. Für mich war es sehr aufschlussreich, dieses Buch zu lesen.

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