Moritz Rinke

 3.8 Sterne bei 105 Bewertungen

Lebenslauf von Moritz Rinke

Moritz Rinke, 1967 in Worpswede geboren, Studium »Drama, Theater, Medien« in Gießen. Seine Reportagen, Geschichten und Essays (als Buch erschienen unter dem Titel »Der Blauwal im Kirschgarten« und »Das große Stolpern«) wurden mehrfach ausgezeichnet. Sein Stück »Republik Vineta« wurde 2001 zum besten deutschsprachigen Theaterstück gewählt und 2008 für das Kino verfilmt. Im Sommer 2002 fand in Worms die Uraufführung von »Die Nibelungen« statt, die in den Folgejahren ein großes Publikum begeisterten. »Café Umberto« wurde 2005 von neun Theatern zur Aufführung gebracht. Einige seiner Stücke sind in der »Trilogie der Verlorenen« erschienen. ZDF und ARTE drehten einen Film über den Autor (»Mein Leben – Moritz Rinke«, Erstausstrahlung 13.1.2008). Moritz Rinke lebt in Berlin und ist Gastprofessor für Szenisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig.

Alle Bücher von Moritz Rinke

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Moritz RinkeDer Mann, der durch das Jahrhundert fiel
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Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel
Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel
 (80)
Erschienen am 18.08.2011
Moritz RinkeWir lieben und wissen nichts
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Wir lieben und wissen nichts
Wir lieben und wissen nichts
 (5)
Erschienen am 02.05.2013
Moritz RinkeTrilogie der Verlorenen
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Trilogie der Verlorenen
Trilogie der Verlorenen
 (3)
Erschienen am 02.12.2002
Moritz RinkeCafé Umberto
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Café Umberto
Café Umberto
 (3)
Erschienen am 01.10.2005
Moritz RinkeDas große Stolpern
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Das große Stolpern
Das große Stolpern
 (2)
Erschienen am 19.08.2005
Moritz RinkeAlso sprach Metzelder zu Mertesacker ...
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Also sprach Metzelder zu Mertesacker ...
Also sprach Metzelder zu Mertesacker ...
 (2)
Erschienen am 19.04.2012
Moritz RinkeDie Nibelungen
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Die Nibelungen
Die Nibelungen
 (2)
Erschienen am 01.08.2007
Moritz RinkeDer graue Engel. Monolog zu einem Mythos
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Der graue Engel. Monolog zu einem Mythos
Der graue Engel. Monolog zu einem Mythos
 (1)
Erschienen am 01.01.1995

Neue Rezensionen zu Moritz Rinke

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awogflis avatar

Rezension zu "Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel" von Moritz Rinke

Sprichwörtliche Familienleichen im Moor
awogflivor 2 Jahren

Zu Beginn der Geschichte stolperte ich noch komplett orientierungslos durch dieses mir völlig fremde, mit sprunghaftem Erzählstil beschriebene, plattdeutsche Universum. Die sehr humoristische Art des Romans konnte ich anfangs auch nicht verstehen und genießen, denn ich kapierte einfach diesen nordischen Witz überhaupt nicht, wie auch diese fremde Sprache und die ortsansässige Bevölkerung sich für mich wie ein arabisch geschriebenes Buch mit sieben Siegeln darstellten.

Und dann passierte ein Lesewunder, wie bei einer gut geschriebenen Science Fiction oder Fantasy Story hat mich der Autor in diese fremde Welt hineingezogen und mich zu einem Teil der Worpsweder Dorfgemeinschaft gemacht. Die Figuren sind derart liebevoll entwickelt, dass es eine Freude ist, die Landschaft wird wundervoll gezeichnet, so als stünde der Leser selbst in den unendlichen Weiten des Moors, historische Tatsachen und erfundene Anekdoten aus der Künstlerkolonie wurden auch derart perfekt miteinander verwoben, dass die Trennlinie zwischen Fakten und Fiktion nahtlos verschwimmen.

Das folgende Zitat persifliert eigentlich den ganzen Roman und auch den etwas sprunghaften Erzählstil des Autors:

   "Wie sich die Menschen im Nachhinein in die Geschichte und irgendwelche Weltenzusammenhänge hineinerzählten! Wie sie erzählten und erzählten, um den Glanz einer Zeit in ihr Leben hineinleuchten zu lassen. Eine Generation, die älter geworden dasaß und mit Tausenden von Geschichten an die Geschichte anbaute, sodass sich aus dem Dorf eine Stadt und aus der Stadt ein ganzer Moloch aus Legenden und Wahrheiten erhob."

Die Handlung dieses Werks hat mich fast am meisten begeistert. Paul Wendland-Kück, ein Berliner Business-Versager mit dem Kopf in den Wolken und massiven Mutter-Abnabelungsproblemen muss zurück in seinen Geburtsort, die Künstlerkolonie Worpswede, da sein Elternhaus droht, im Moor zu versinken. Im Zuge der Bauarbeiten und Grabungen, um dem Familienwohnsitz endlich ein solides Fundament zu verschaffen, tauchen nicht nur sprichwörtlich sondern auch real aus dem Moorgarten mehrere bestgehütete stinkende grausliche Familiengeheimnisse auf. Meine Güte! Was für eine innovative Doppeldeutigkeit, die das Haus und die Beziehungen in der Familie überaus grandios gleichsetzt – quasi Familienaufstellung und Baustelle. Paul und sein möglicherweise Nicht-Verwandter Nullkück, der seinen Spitznamen daher bekam, da seine Kück’sche Abstammung irgendwie fraglich ist und er außerdem an einer Behinderung leidet – was für eine hundsgemeine aber irgendwie auch schräge Interpretation – kämpfen wie Don Quixote an der Vertuschung nach außen und Aufklärung nach innen, der im Stakkato aus dem Moor aufpoppenden bösen Familiengeheimnisse. Dieser Plot hat etwas von einer sehr witzig satirischen aber auch unendlich traurigen Slapstick-Komödie.

Vor Rinkes Sprachfabulierkunst kann ich nur den Hut ziehen, sehr knackige Metaphern wunderschön beschrieben bringen uns Land, Leute und auch die Geschichte näher. In Worpswede trennt sich die Bevölkerung in zwei Gruppen von Bewohnern, „Leute mit Kühen bzw. inneren Kühen“, die das Moor und das Dorf nicht für einen Tag verlassen können, also die traditionelle Dorfbevölkerung und „Leute ohne Kühe“, denen die ortsansässigen Künstler zuzuordnen sind. Analog dazu fungieren auch die Vorhänge an den Fenstern.

Diese mir anfangs so fremden Menschen werden folgendermaßen sehr treffend beschrieben:

   "Ja, hier in diesem flachen Land schnäuzte man grundsätzlich alles weg, was unangenehm zu beantworten war. Die Zeit, in der man hätte antworten oder Dinge ansprechen können, wurde weggeschnäuzt und zwar solange, bis das Leben längst weitergegangen war.“

Fazit: Eine absolute Leseempfehlung von mir. Wenn man den etwas zähen Beginn und das Fremdeln überwunden hat, das quasi jeder Tourist zu Beginn seiner Reise erlebt, und es vermag, in den Roman und in Land & Leute einzutauchen, dann kommt restlose Begeisterung auf.

Kommentare: 4
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AnjaFriedas avatar

Rezension zu "Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel" von Moritz Rinke

Blut ist dicker als Wasser...
AnjaFriedavor 3 Jahren

Paul wird aus Berlin nach Worpswede, sein Heimatdorf, beordert, weil sein Erbe den Bach runter geht - oder besser: im Moor versinkt. Dort trifft er auf auf Widrigkeiten, die er aus dem Weg schaffen muss, auf mehrere Geheimnisse, die es zu lüften gilt, seine Vergangenheit, die er zu bewältigen versucht...


Dieses Buch hat mich wirklich gefesselt. Die Geschichte ist so detailreich und spannend, dass ich sie nicht aus der Hand legen wollte.
Es gibt mehrere Protagonisten. Nicht alles dreht sich nur um Paul! Wer ist eigentlich Paul?! Die Familiengeschichte der Kücks wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Da wäre zum einen Peter, der seit 35 Jahren Rachegelüste hegt, weil ihn Pauls Mutter damals wegen eines anderen verlassen hatte und er selbst seit dem nichts mehr auf die Reihe gekriegt hat. Dann gibt es noch den neugieren Nachbarn, der seinem Bildhauer-Rivalen nur zu gern eins Auswischen wollte. Es gibt Marie und Hilde und Grete und den Großvater. Es gibt Nullkück, der liebenswürdigste von allen, dessen Herkunft ein Rätsel darstellt. Eigentlich stellt in Familie Kück alles ein Rätsel dar: Der Butterkuchen, von dem angeblich Willy Brandt abgebissen haben soll, wird eingeschweißt in der Tiefkühltruhe verwahrt und bei jeder Gesellschaft vorgezeigt - genauso, wie ein Kochtopf, der von dem Dichter Rilke stammen soll. Die gesamte Familie ist verschroben und undurchsichtig. Wo ist Marie geblieben? Ist sie wirklich von der Gestapo abgeholt worden oder stimmen etwa die Gerüchte, die man sich im Dorf erzählt? Warum hat Paul eine Moor-Allergie? Gibt es so etwas überhaupt? Wie weit geht Familienehre? Wahrheit oder Pflicht? Warum scheint die Mutter vor allem die Augen zu verschließen? Warum hasst die Großmutter Marie so sehr? Und was zum Henker ist da im Moor versunken? "Nee, so geiht dat nicht!"
Das Buch ist sehr interessant geschrieben, die einzelnen Charaktere mit all ihren Eigenheiten und Kanten oder auch Dialekten (Kann man Plattdeutsch als Dialekt bezeichnen?) sehr gut herausgearbeitet. Manchmal werden die einzelnen Passagen etwas lang, besonders wenn sich Peter wieder seinem Selbstmitleid oder Rachegedanken ergibt. Aber aus irgendeinem Grund schafft es der Autor, genau dann ein neues Kapitel anzubrechen, wenn es langweilig wird. Und deshalb wird es nicht langweilig. Es bleibt spannend bis zum Schluss mit Paul auf "Entdeckungsreise" zu gehen.
Was mir besonders gut gefallen hat, sind die Beschreibungen der Kunstgegenstände um die es in diesem Buch geht. Worpswede als Künstlerkolonie hat einige bekannte Maler und Bildhauer herausgebracht, deren Werke sehr lebendig und liebevoll dargestellt sind. Für jeden Kunstliebhaber eine Wonne!
Das Ende ist ... erschreckend... bei aller Verkorkstheit der Familie: DAS hätte ich nicht erwartet!

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annepeis avatar

Rezension zu "Die Nibelungen" von Moritz Rinke

"Menschen, die sich lieben, müssen ein Werk erschaffen oder jeder drei Leute retten!"
annepeivor 3 Jahren


"Menschen, die sich lieben, müssen ein Werk erschaffen oder jeder drei Leute retten!"

Kurze Eckdaten:

Das Theaterstück "Die Nibelungen" wurde 2002 anlässlich der Wormser Festspiele (Nibelungen Festspiele, da Worms = Schauplatz des Nibelungenliedes) von Moritz Rinke geschrieben mit dem Auftrag, den Nibelungen neues Leben einzuhauchen. Für den geneigten Leser erschien das Buch dazu im rowohlt Verlag.

Handlung in 3 Sätzen mit Nennung des Titels:

Im Königreich Burgund reitet der großklappige Siegfried ein, um die schöne Kriemhild zu erobern, dafür muss er jedoch erst Kriemhilds Bruder König Gunther durch eine List zu seiner biestigen Traumfrau Brünhild verhelfen. Kriemhild strebt nach Macht, um ihre Idee eines neuen Staates umzusetzen, von dem sie keine Ahnung hat, wie er überhaupt aussehen soll. Weil Kriemhild mehrmals die Klappe weder halten kann, noch will, muss erst Siegfried sterben und dann hetzt sie ihren neuen Ehemann Etzel gegen die Nibelungen (die Nibelungen sind immer die, die gerade den Nibelungenschatz haben, also da gerade die Burgunder), die eigentlich ihre Brüder sind und daraus folgt ein fröhliches Abschlachten.

Meine bescheidene Meinung

Da es sich hier um ein Theaterstück handelt, welches das Nibelungenlied nicht nacherzählt, sondern nur seine Schlüsselstellen zitiert und karikiert, empfehle ich für den vollständigen Genuss, zuerst das Original zu lesen.
Beim Nibelungen Lied handelte es sich um einen Heldenepos, in Moritz Rinkes Nibelungen kann man hingegen 5mal lesen und wird trotzdem keine Helden finden. Jede Figur ist mit einer speziellen Macke ausgestattet und den Nibelungen aus dem mittelhochdeutschen Lied wäre es sicher mächtig peinlich, in den Spiegel zu schauen, den Rinke ihnen hier aufhängt. Einerseits will er die Nibelungen damit wohl entstauben und auch jüngeren Generationen zugänglich machen, andererseits will er sich von gewissen Vereinnahmungen distanzieren *hust aus Richtung rechts *hust. 
Rinkes humoristische Herangehensweise an die Nibelungen, die normalerweise so überhaupt nicht witzig und selbstironisch sind, besticht durch Originalität, auch wenn die Pointen teilweise ins Zotige abdriften und albern werden. Das Ende ist jedoch gewohnt düster, denn was lässt sich an gnadenlosem Gemetzel noch Lustiges finden? Allerdings wagt Rinke ganz zum Schluss nochmal einen bemerkenswerten Ausbruch aus dem "Alle tot"-Ende des Originals.

Empfehlung:
Lesen/sich im Theater ansehen sollte dieses Stück jeder, der einen neuen Blickwinkel auf eins der wichtigsten Literaturerzeugnisse Deutschlands sucht.
Nicht lesen/sich im Theater ansehen sollte dieses Stück jeder, der sich, seine Nationalität und natürlich das Nibelungenlied zu ernst nimmt.

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