Moritz von Uslar Deutschboden

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Inhaltsangabe zu „Deutschboden“ von Moritz von Uslar

Deutschboden leuchtet – es ist das Licht der Tankstelle an der Ausfallstraße nachts um halb eins.Moritz von Uslar sucht nach einer Kleinstadt mit Boxclub und Kneipe und findet sie im Landkreis Oberhavel, gut eine Autostunde nördlich von Berlin. Pension Heimat, Franky's Place, Gaststätte Schröder: Der Reporter hört zu, guckt zu, trinkt mit. Er bleibt drei Monate und kehrt mit einer großen literarischen Reportage zurück – eine Geschichte der Gegenwart, die zugleich ein Abenteuerroman ist. Präzise Beobachtungen, O-Töne und die Fülle absurder, rührender und furchterregender Alltäglichkeiten ziehen den Leser ins Leben. Klassisches Reportertum, hochmodern.

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  • Molle Royal

    Deutschboden
    Eiseisbaby

    Eiseisbaby

    Letztes Jahr fuhr ich mit einem guten Freund seit Urzeiten mal wieder raus, aufs platte Land vor Berlin. Wir wollten uns ein ehemaliges Kasernengelände der Sowjetarmee anschauen, verirrten uns zwischen Ameisenhügeln, aßen unsere mitgebrachte Stullen zwischen bröckelndem Mauerwerk und verwilderter Natur und hatten am Nachmittag vor lauter großartiger Herummarschiererei in der riesigen, öden, von rostigen Baggern, Fäulnis und Termiten bedrohten Vergangenheit trotzdem so viel Hunger, dass wir beschlossen, ein echtes Abenteuer zu wagen: nämlich irgendwo da, im Brandenburgischen einzukehren, ohne Plan, mit der Naivität typischer Westjungs. Wir folgten spontan einem Straßenschild mit der Aufschrift „Landgasthof“, das uns irgendwie immer weiter in den Wald führte. Die Straßen waren bald so schlecht, dass wir nur noch Tempo 10 fahren konnten. Eine halbe Stunde lang Tempo 10.  Mit knurrenden Mägen und der (wie sich später herausstellte) vollkommen unberechtigten Hoffnung auf ein deftiges Ostgericht. Dort, auf dieser wüsten Kopfsteinpflasterstraße stand auf einmal ein Schild mit der Aufschrift „Deutschboden 1KM“.  Mein Kumpel freute sich wie Bolle über dieses Schild, denn er war immer der Meinung gewesen, das dieser Ort eine geile Erfindung von Moritz von Uslar sei. Toll, sagt er zu mir immer wieder: dieses Deutschboden gibt es wirklich, Wahnsinn. Wir bogen aber nicht dorthin ab. Wir fanden auch keinen Landgasthof. Wir verschlangen stattdessen eine Rostbratwurst mit Bier im ElDorado, einer Westernstadt mit angeschlossener Mini-Quad-Bahn und einem angeblich echten Plattfuß Indianer, der uns ein paar Worte in seiner Muttersprache beibrachte. Zurück, vollkommen erschöpft und verwirrt, beschloss ich dieses Buch von Uslar zu lesen, auch wenn ich seine Art Interviews mit Prominenten zu führen und immer irgendwie SAUCOOL  drauf sein zu müssen vollkommen UEBER hatte. Nun, über ein Jahr danach, habe ich es endlich getan. Was soll ich sagen. Es ist eine der besten Entscheidungen gewesen, die ich seit langem getroffen habe. Dieses Buch, das Moritz kluger Weise im Beisatz eine „teilnehmende Beobachtung“ nennt, ist eine so gut gemachte, lustige, traurige, verdammt schöne und vielleicht auch irgendwie manchmal erfundene Reportage, ein geniales Stück OST-GONZO. Es sollte Pflichtlektüre an allen Schulen Deutschlands werden, soviel Lehrreiches (aber nicht Lehrhaftes) und so viel Wahrhaftiges und Zartheit ist darin, dass man von Uslar am Ende drücken und ihm den Hut geraderücken und mit nach Schröders rübergehen möchte. Ein Molle trinken. Mit Blocki, Raoul, Rampa und den anderen, die Deutschboden so lieben, ohne es jemals besucht zu haben. Scheinwerferaus. Faustballen. LESEN.                 

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  • Rezension zu "Deutschboden" von Moritz von Uslar

    Deutschboden
    schmoeker-rike

    schmoeker-rike

    22. September 2012 um 12:52

    Moritz von Uslar zieht für einige Monate aus Berlin in die Brandenburger Provinz um das Leben dort kennenzulernen. Über den Sportverein klappt das nicht, aber an den Theken lernt er die Männer der ostdeutschen Provinz kennen und beschreibt die Begegnungen und Gespräche mit seinen Protagonisten, deren Leben teilweise aus Abhängen und Sprücheklopfen besteht. Dabei geht er respektvoll und anerkennend mit seinen "Helden" um, er macht sie weder lächerlich noch verrät er sie. Er schreibt sehr anschaulich, man sieht seine Bekannten durch seine Augen und kann sich die Menschen gut vorstellen. Ich habe durch dieses Buch eine plastische Vorstellung bekommen, wie das Leben in der ostdeutschen Provinz für vielen aussehen könnte, und habe den Erkenntnisgewinn, daß Menschen, die zB in Gruppen an Tankstellen herumlungern, sehr wohl interessante und intelligente Menschen sein können, das meine ich jetzt ganz ernst und selbstkritisch. Ein wirklich gutes Buch, das ich jedem empfehlen kann, der wissen möchte, wie andere in unserem Land leben

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  • Rezension zu "Deutschboden" von Moritz von Uslar

    Deutschboden
    ChiefC

    ChiefC

    22. July 2012 um 00:31

    Selten war ein Klappentext so irreführend: "Eines der besten Bücher über Deutschland nach der Wiedervereinigung" - So, so. Ein damals immerhin schon 40-jähriger berufsjugendlicher Schriftsteller aus Berlin beschließt, längere Zeit im Osten zu verbringen und darüber zu schreiben. Er landet in Brandenburg, in Zehdenick, wie inzwischen jeder weiß, auch wenn der Ort im Buch leicht verfremdet wird. Dort mietet er sich in einer trostlosen Pension ein und verbringt viel Zeit in Kneipen, Schrebergärten und auf Konzerten, um das pralle Ossi-Leben so richtig voll krass mitzukriegen und anschließend die Abenteuer im Wilden Osten schreibend einfach so locker hintereinander zu reihen. Mich, Wessi, der auch längere Zeit im Osten gelebt hat, aber um dort richtig zu arbeiten, hat das Ganze einfach nur gelangweilt und ich konnte das Buch auch nicht ganz zu Ende lesen. "Eines der besten Bücher nach der Wiedervereinigung"? Welche Biografie hat wohl jemand, der so was schreibt? Spannende Frage, jedenfalls spannender als von Uslars Buch.

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  • Rezension zu "Deutschboden" von Moritz von Uslar

    Deutschboden
    tomjoad73

    tomjoad73

    18. January 2012 um 08:49

    Ein Freund schenkte mir dieses Buch und mein erster Gedanke war: Ein arroganter Schreiberling aus der Berliner Schickimicki-Szene besucht Nazi-Prolls in der ostdeutschen Pampa - alles in einen Sack und den Knüppel drauf. Was soll ich sagen - von Seite zu Seite sind mir Protagonisten und selbst der Autor ans Herz gewachsen. Moritz von Uslar schreibt großartig, findet das richtige Verhältnis von Distanz und persönlicher Nähe zum Objekt seiner Reportage - und hat echt journalistischen Mut bewiesen. "Deutschboden" gelesen zu haben, ist wirklich unverzichtbar, wenn man sich eine Meinung über die vielbeschriebene ostdeutsche Provinz bilden will. Zum Schluss möchte man sich am liebsten mit an die Theke setzen und ne schöne Molle bestellen.

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  • Rezension zu "Deutschboden" von Moritz von Uslar

    Deutschboden
    bogi

    bogi

    14. November 2010 um 09:42

    Fünf Sterne plus! Ein Meisterwerk im Bereich der Reisereportagen. Von Uslar kann sich ohne Einschränkung mit den ganz Grossen des Genres messen lassen. Deutschboden, der Weg ins Nichts. Der Titel steht damit für das ganze Werk. Der Autor begibt sich in ein recht ungewöhnliches Experiment. Er zieht für mehr oder weniger drei Monate in eine ostdeutsche Kleinstadt um die Befindlichkeiten der Ostdeutschen Bewohner speziell eben nicht einer Grossstadt und nicht eines Dorfes zu erkunden. Er erwartet nicht viel und findet nichts. Mit welchem Einfühlungsvermögen er sich den, teils recht skurilen Einwohnern nähert ist grandios. Wie er die einzelnen Menschen beobachtend beschreibt ist schlicht grandios. Man könnte meinen das Buch ist um ca. hundert Seiten zu lang geraten, aber um die Ereignislosigkeit der Gegend darzustellen ist dies genau richtig. Sein ganzes Können zeigt sich feuerwerksähnlich in den letzten drei, vier Kapiteln. Wie er hier beim Abschiednehmen, der auf spezielle Weise liebgewonnenen Leute, die drei Monate reflektiert ist einfühlend, berührend, einfach klasse, ja und mir hat sich genau hier tatsächlich ein leichter Kloss im Hals gebildet. Ein ganz tolles Buch und es gilt unbedingt lesen, lesen, lesen. Uneingeschränkt das Beste was ich im Bereich der Bücher zu west-/ostdeutschen Befindlichkeiten (der Autor ist "Wessi" mit Haut und Haaren) bislang gelesen habe (und das waren zuweilen viele). Ganz klar, ab jetzt zählt es zu meinen absoluten Lieblingsbüchern.

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