Moriz Scheyer Selbst das Heimweh war heimatlos

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Inhaltsangabe zu „Selbst das Heimweh war heimatlos“ von Moriz Scheyer

Ein bewegendes Zeugnis einer Flucht vor den Nationalsozialisten.
Als Frankreich im Sommer 1945 befreit wird, befindet sich der jüdische Schriftsteller und ehemalige Feuilleton-Chef des 'Neuen Wiener Tagblatts' Moriz Scheyer in einem Franziskanerinnenkloster in der Dordogne. Seit dem Herbst 1942 wird er dort mit seiner Frau versteckt. Hinter ihm liegen aufreibende Jahre der Flucht und Gefangenschaft, der ständigen Ungewissheit und der Angst ums Überleben. Endlich in Sicherheit, bringt er nun zu Papier, was ihm seit seiner Emigration aus Wien 1938 widerfahren ist. Eindringlich schildert er Österreich kurz vor dem 'Anschluß', seine Ankunft in Paris und seine Flucht durch das besetzte, zwischen Kollaboration und Widerstand zerrissene Frankreich.
'Dieses Buch hat schon den Umständen nach, unter denen es zustandegekommen ist, nichts mit dem zu schaffen, was man gemeinhin unter ‹Literatur› versteht', schreibt Scheyer in seinem Vorwort. Und doch wächst sein Bericht über das dokumentarische Zeugnis hinaus, wird zum Werk eines feinfühligen Literaten, aus dem die große Sehnsucht nach der für immer versunkenen 'Welt von gestern' fließt, die ihn mit so vielen anderen Intellektuellen, darunter Freunden und Bekannten wie Stefan Zweig und Joseph Roth, verbindet.
Das Manuskript Scheyers, der 1949 starb, geriet nach dem Krieg in Vergessenheit. Erst sein Londoner Stiefenkel entdeckte es im Familiennachlass. Nun erreicht es endlich die Nachwelt und bereichert die deutschsprachige Exilliteratur um ein bislang unbekanntes, bewegendes Zeugnis des Flüchtlingsdaseins, der Enttäuschungen und Hoffnungen in den Zeiten von Krieg und Vertreibung.

Das Buch sollte man gelesen haben!

— Wedma

Ein wichtiges Zeugnis für die Nachwelt.

— NeriFee

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  • Ein sehr beeindruckender Bericht!

    Selbst das Heimweh war heimatlos

    Wedma

    10. January 2018 um 15:12

    Moritz Scheyers Bericht über seine Flucht aus Wien und sein Leben und Leiden in Frankreich während des zweiten Weltkrieges und weiter bis 1949 ist ein sehr beeindruckendes Werk, das man gelesen haben sollte. Es ist ein Leseerlebnis der besonderen Art, das noch lange nachklingt, nachdem die letzte Seite umgeblättert worden ist. „Moritz Scheyer (1886-1949) war ein rumänischstämmiger jüdischer Schriftsteller und Journalist, der in Wien aufwuchs. Seit 1914 arbeitete er als Theater-, Literatur- und Musikkritiker für das „Neue Wiener Tagblatt“. Scheyer vröffentlichte zahlreiche Bücher. Im August 1938 flüchtete er nach Frankreich, wo er 1949 in Belvés (Dordogne) starb.“ So Klappentext. Der Bericht fängt mit der Beschreibung von Wien kurz vor dem „Anschluss“ Österreichs in 1938 an Hitler Deutschland an, fährt mit den Zuständen während dieser Zeit fort, dann folgt Paris, da Scheyer Wien verlassen musste und letztlich Südfrankreich. Diese bedrohliche Atmosphäre in Wien und die der befremdlichen Frivolität und Nonchalance der Pariser Gesellschaft, die breitwillige Geschäftemache mit der neuen Macht während des „Sitzkrieges“, die Versuche, den Unfug schön zu reden, die chaotischen Zustände während der Flucht aus Paris in Richtung Süden uvm. All die Geschehnisse sind so unmittelbar und zum Greifen nah geschildert worden, dass man voll darin versinkt und den Eindruck hat, man wäre selbst dort zusammen mit dem Autor dabei: Man sieht all den Wahnsinn der Nazis, man geht mit Scheyer zusammen in KZ in Südfrankreich und erlebt all das mit, was er in seinen Aufzeichnungen so bildhaft und eindringlich schildert. Scheyer beschreibt auch den sozialen Abstieg, diese rasche Entwicklung der Abwärtsspirale entlang: Da war man ein angesehener Literat und Journalist in Wien, schon muss man fliehen, wird wie ein Unmensch behandelt, als ob man Schlimmes getan hätte, dabei der einzige Grund, dass er Jude war. Die Kapitel sind kurz, was stets dazu verleitet, immer weiter zu lesen und noch ein nächstes und übernächstes Kapitel aufzuschlagen. Da braucht man keine frei erfundenen Thriller. Hier ist alles dabei: Spannung, Horror, Morde uvm, aber auch Familienleben, Familienzusammenhalt, die Güte einiger Menschen trotz allem, etc. Es ist toll geschrieben: gekonnt wie talentiert mit guter Prise schwarzen Humors, denn ohne könnte man all dies nicht ertragen. Blankes Überleben war die erste Priorität. Auch Scheyers scharfsinnige Analysen der Situation, des menschlichen Verhaltens ggü der neuen Macht, sein Blick auf die Politiker in oberen Machtetagen, er hat sie prima aufs Korn genommen, beeindrucken genauso wie seine unter die Haut gehenden Schilderungen der Zustände dieser Jahre.  Das Manuskript war lange Zeit verschollen. Erst in 2015 wurde die Kopie im Nachlass von Stiefenkel Scheyers Peter N. Singer entdeckt. „… doch wächst sein Bericht über das dokumentarische Zeugnis hinaus, wird zum Werk eines feinfühligen Literaten…“, sagt der Klappentext. So sehe ich es auch. Es ist ein ganz besonderes Leseerlebnis. Das Nachwort von Peter N. Singer auf etwa 50 Seiten ist auch sehr lesenswert. Singer erzählt die Geschichte Scheyers aus seiner Perspektive. So erfährt man u.a., was nach dem Tod Scheyers passierte und warum sein Werk so lange auf die Veröffentlichung warten musste. Das Buch ist sehr schön gestaltet, perfekt als Geschenk: Festeinband in Dunkelrot, Lesebändchen in Hellgrau, passend zur Grundfarbe des Umschlagblattes. Vorn und hinten gibt es farbige geographische Karte, die Frankreich 1942 mit all den Besatzungs- und anderen Zonen abbildet und die Fluchtroute und den Aufenthaltsort Scheyers gut nachvollziehen lässt. Es gibt auch viele schwarz-weiß Fotos, die Scheyer, seine Frau, andere Personen, die im Manuskript auftauchen, abbilden und so das Ganze noch nähr erleben lassen. Fazit: Ein tolles, sehr lesenswertes Werk! 5 Sterne!  

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    • 3
  • Sehr beklemmend und aufwühlend

    Selbst das Heimweh war heimatlos

    NeriFee

    22. October 2017 um 14:00

    Bericht eines jüdischen Emigranten. Nicht nur wegen seiner äußerst wichtigen Message ist Selbst das Heimweh war heimatlos ein wertvolles Buch und sollte gelesen werden. Die Flucht vor den Nationalsozialisten und die Gefangenschaft unter selbigen, ist Hauptbestandteil des Buches. Das Besondere ist wohl, dass es sich um das Manuskript des Autors Moriz Scheyer handelt. Dieser starb 1949. Das Erzählte wird somit aus erster Hand wiedergegeben und so wirkt es äußerst emotional und authentisch. An dieser Stelle möchte ich nicht unerwähnt lassen, wie sehr mich diese Erzählungen aufgewühlt und beeinflusst haben.KlappentextWien 1938. Moriz Scheyer (1186 – 1949) ist ein bekannter Feuilletonist und beliebter Schriftsteller, fest eingebunden, in das engmaschige Netz der Wiener Kulturszene, befreundet mit Stefan Zweig und Joseph Roth. Nun zwingt ihn der „Anschluss“ in die Emigration, über die Schweiz flieht er vor den Nationalsozialisten nach Frankreich, nicht ahnend, dass er dort nicht überall mit offenen Armen empfangen wird. Vor ihm liegen Jahre der ständigen Unsicherheit und akuten Bedrohung, bis er schließlich im November 1942 Zuflucht in einem Kloster in Südfrankreich findet und seine Erfahrungen zu Papier bringt.Geschrieben hat Scheyer das Manuskript zum Buch in einem Franziskanerinnen-Kloster in der Dordogne. Zu dieser Zeit hat er sich mit seiner Frau dort vor den Nationalsozialisten versteckt. Das Manuskript geriet lange Zeit in Vergessenheit, bis es 2015 von seinem Stiefenkel in London im Familiennachlass entdeckt wurde.Obwohl ich bereits vieles über die NS-Zeit gelesen habe, erfährt man immer wieder neue, erschreckende Erkenntnisse. Scheyer schreibt sensibel und aufklärend und schildert erschreckende Geschehnisse. Kaum eine Seite ließ mich kalt und vieles wühlte mich schon beim Lesen so sehr auf, sodass ich mir für das Buch viel Zeit nehmen musste.Ein bewegendes Zeugnis dieser grauenvollen Zeit im Nationalsozialismus. Sehr authentisch, ehrlich und beklemmend, erzählt der Zeitzeuge Scheyer, was er erlebt hat. Einzig wirkten mir manche Textpassagen etwas engstirnig, was mich beim Lesen aber nur zu einem kleinen Teil beeinflusste und sicherlich auch meiner Unwissenheit zuzuschreiben ist. Schließlich muss man verstehen, dass Frankreich, insbesondere Paris, aufgrund der fürchterlichen Erfahrungen, dem Autor nicht in bester Erinnerung blieben. Nach dem Lesen blieb ich etwas sprachlos, wütend und traurig zurück. Ich bin sehr froh, dass dieses Manuskript die Menschen heute mit Wissen und der Wahrheit bereichert.Ein Dank geht an den Rowohlt-Verlag für das Rezensionsexemplar!

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