Morten Storm

 4.5 Sterne bei 2 Bewertungen
Autor von Agent Storm.

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Agent Storm
Agent Storm
 (2)
Erschienen am 03.07.2014

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Rezension zu "Agent Storm" von Morten Storm

"Der schlimmste Ungläubige überhaupt: ein Bekehrter, der den Glauben wieder aufgegeben hat"
R_Mantheyvor einem Jahr

So einer ist Morten Storm alias Murad Storm Ad-Denemarki, ein ehemaliger dänischer Kleinkrimineller, Angehöriger einer Rocker-Bande und Schläger, später Salafist mit Verbindungen zu Al Qaida und zur CIA. Damit droht ihm nach islamischem Recht die schlimmste aller Strafen, und irgendwie ist es ein Wunder, dass er noch lebt.  Auf sein Konto geht letztlich die Tötung von Anwar al-Awlaki, der ein hochrangiger Al Qaida-Führer war. Nachdem der CIA dessen Spur verloren hatte, deckte Storm über einen Kurier Awlakis Aufenthaltsort im Jemen auf. Eine US-Drohne sorgte dann für die gezielte Tötung Awlakis. 


Dieses Buch erzählt aus Storms Sicht dessen Lebensgeschichte von der Jugend bis zum Bruch mit den Geheimdiensten. Obwohl mir sowohl seine Hinwendung zum Islam als auch seine Abkehr vom Salafismus weder schlüssig noch nachvollziehbar erscheinen, muss man das wohl dennoch so hinnehmen. Storm gibt an, irgendwann in einem deprimierenden Gefühl der Sinnlosigkeit seines Daseins in seiner dänischen Dorfbibliothek ganz zufällig ein Buch über das Leben des Propheten gefunden zu haben, das ihn so beeindruckte, dass er gleich anschließend zum Islam konvertierte. In England bekam er bald danach Kontakt zu salafistischen Netzwerken und durch sie auch zu Al Qaida. 


Seine Abkehr vom Islam verlief ähnlich schnell. Er fragte sich (wenn man diesem Text glaubt) nach zehn Jahren als Salafist, warum seine dänische Familie in der Hölle schmoren soll, nur weil sie Ungläubige sind. Und sein Problem bildeten offenbar die zivilen Opfer der Terroranschläge.  Da ihn der dänische Geheimdienst bereits vorher kontaktiert hatte, beschloss er nach seiner Abkehr vom Islam richtig radikal die Seiten zu wechseln. Dass kann man allerdings aus dem Text heraus besser verstehen, weil es sehr profan ist. Storm musste schließlich von irgendwas leben. Und der dänische Geheimdienst PET zahlte nicht schlecht und pünktlich. Aber es sind nicht Storms labiler Charakter oder seine merkwürdige Lebensgeschichte, die den Reiz dieses Buches ausmachen, sondern der Insiderblick in die salafistische Welt und in das Biotop der westlichen Geheimdienste. Storm stand nicht nur auf der Gehaltsliste des PET, er wurde auch zum MI5, MI6 und zur CIA weitergereicht. 


Wie Storm und seine beiden Co-Autoren über die jeweiligen Perioden schreiben, fasziniert ungemein, weil man glauben könnte, hier erzählt eine bipolare Persönlichkeit. Wenn Storm über seine Al Qaida- Zeit berichtet, dann taucht er in diese Welt so ein, als ob er noch dazugehören würde. Den Geheimdiensten wiederum begegnet er wie ein erfahrener Kleinkrimineller. Auch das ist kein Wunder, denn wesentlich anders verhielten sich die Agenten der Dienste auch nicht. Als sich Storm vom PET im Stich gelassen fühlte, ging er zu einer dänischen Zeitung und erzählte auch von Sauf- und anderen Gelagen, die wohl nicht anders abliefen als im kriminellen Milieu, nur mit dem Unterschied, dass der dänische Steuerzahler die erheblichen Summen, die dabei draufgingen vorher erarbeiten musste. 


Während sich Storm bei den Salafisten auf eine verschworene Gemeinschaft verlassen konnte, fühlte er sich später bei den Geheimdiensten nur ausgenutzt und gelinkt, was letztlich zum Bruch und seinem Gang an die Öffentlichkeit führte. 


Wenn man das Buch also als Dokument auffasst, das detaillierte Einblicke in die Denk- und Handlungsstrukturen sowohl von salafistischen Gruppen als auch der westlichen Geheimdienste liefert, dann kann man aus ihm viel lernen und Zusammenhänge begreifen. Der Text ist ein wenig holprig geschrieben, aber dennoch gut lesbar. 


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