Murathan Mungan

 4.5 Sterne bei 11 Bewertungen
Autor von Tschador, Städte aus Frauen und weiteren Büchern.

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Murathan MunganTschador
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Tschador
Tschador
 (8)
Erschienen am 13.08.2008
Murathan MunganStädte aus Frauen
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Städte aus Frauen
Städte aus Frauen
 (2)
Erschienen am 09.03.2010
Murathan MunganPalast des Ostens
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Palast des Ostens
Palast des Ostens
 (1)
Erschienen am 21.08.2008
Murathan MunganYüksek Topuklar
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Yüksek Topuklar
Murathan MunganErkeklerin Hikayeleri
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Murathan MunganElli Parca
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Murathan MunganOyunlar, Intiharlar, Sarkilar
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Murathan MunganKadindan Kentler. Städte aus Frauen, türkische Ausgabe
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Neue Rezensionen zu Murathan Mungan

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dzaushangs avatar

Rezension zu "Tschador" von Murathan Mungan

Rezension zu "Tschador" von Murathan Mungan
dzaushangvor 8 Jahren

Stellen sie sich einmal vor: Sie lebten in einer Welt voller Tod und Trauer, einer Welt, in der es auf den Friedhöfen lebendiger zugeht als in den Städten.
Stellen sie sich vor, sie lebten in einer Welt, beherrscht von einem religiös totalitärem Regime. Sie lebten in ständiger Furcht und Angst, denn schon ein kleines Missverständnis könnte ihren Tod bedeuten.
Und stellen sie sich vor, ihr Tod könnte so etwas wie eine Erlösung sein, denn, obwohl sie noch „Leben“ sind sie doch schon vor langer Zeit gestorben: zuerst gab es keine Worte mehr für das, was sie erlebten; dann spürten sie noch, wie auch ihre Mitmenschen verstummten. Nach den Worten verschwanden ihre Phantasie, ihre Träume, ihre Hoffnung auf ein neues Leben.
Und die Frauen, auch sie sind verschwunden. Schon zu Lebzeiten haben sie vergessen, wie das Lächeln einer Frau aussieht. Verschwunden sind sie, die Frauen, die Burka verhüllt sie, macht sie nicht mehr existent. Mit der Auslöschung der Frauen verschwindet so auch eine Hälfte des Lebens.
Machen sie diese Zeilen beklommen, denken sie, das ist unvorstellbar?
Mit seinem Roman „Tschador“ führt uns Murathan Mungan genau in solch eine Welt.
Sein Protagonist Akhbar kehrt nach dem Krieg aus seinem Exil zurück in die Heimat, auf der Suche nach seiner Familie. Schnell muss er aber feststellen, dass für ihn nur ein paar Jahre vergangen sind, für die Menschen in seiner Heimat aber mindestens einhundert Jahre. Und das nichts mehr so ist, wie es einmal war.
Wie die Glut der Sonne alles versengt, wie der Wüstenwind mit seinen sandigen Schleiern alles bedeckt und verhüllt, so trifft er auf Menschen ohne Worte, voller Angst und Furcht. Seine Familie lässt sich nicht mehr dort finden wo er sie vermutete. Eine lange, mühselige Reise beginnt.
Aber auf der Suche nach den Spuren seiner Familie beginnt auch Akhbar sich ganz langsam zu verändern.
Mich hat dieser Roman mit seiner unheimlich dichten und authentischen Struktur sehr beklommen gemacht. Kein Land dieser Erde wird ausdrücklich benannt, mindestens ein halbes Dutzend Staaten kommt mir beim Lesen aber in den Sinn.
„Tschador“ ist kein alltäglicher Roman, der Wucht und der Kraft seiner Worte ist der Leser letztlich völlig schutzlos ausgeliefert. Immer wieder wird er in die Irre geführt – spürt er zu spät, das er einmal mehr nur einer Fata Morgana gefolgt ist. Es gibt keine Hoffnung auf baldige, bessere Zeiten, nicht einmal andeutungsweise.
Unbedingt lesenswert.

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yokos avatar

Rezension zu "Städte aus Frauen" von Murathan Mungan

Rezension zu "Städte aus Frauen" von Murathan Mungan
yokovor 9 Jahren

Eine Minute. Vielleicht auch eineinhalb. So lange spüren sie einen elektrischen Schlag, etwas Dunkles im Herzen flattern, etwas Vergangenes, von dem sie dachten, es vergessen zu haben, aber es lebt noch ein bisschen, nur einen Seufzer lang. Eigentlich hatten sie es vergraben, ein Ereignis vielleicht oder eine Begegnung, die das alte Ich dazu bewogen, sich schlafen zu legen, für immer. Doch auch die Vergangengeit gehört zu ihnen, macht sie zu dem, was sie heute sind.

Ich spreche von Nurhayat, Emine, Sengül, Esme und den anderen in Städte aus Frauen. Der türkische Schriftsteller Murathan Mungan hat ein kleines, großartiges Sammelsurium zusammengestellt und den mutigen, eigenständigen Frauen eine Stimme geschenkt. Es sind viel mehr einzelne Erzählungen, die zum Schluss am Istanbuler Busbahnhof münden. Dazwischen lesen wir über Sehnsüchte, die ehemalige Revolution in dem Land und existenzielle Themen, die die Türkinnen neu geformt oder zu dem gemacht haben, was sie eigentlich schon immer gewesen sind. Die Frauen sind gefallen und wieder aufgestanden. Einige von ihnen haben sich von einem traditionellen Gesellschaftsbild gelöst und beispielsweise eines Tages eingesehen, dass ihre Ehe sie nicht mehr glücklich macht oder dass sie nur ihre wahre Erfüllung im Beruf finden.

Mungan hat Esme und den anderen in einen Raum gelassen, in dem sie ganz sie selbst sein können, in dem sie stark sind mit ihren Schwächen, die sie sich zwar eingestehen, aber die sie geheimnisvoll in sich tragen, abgeschlossen in einer Schatulle, irgendwo neben dem Herzen. Zufälle und Ereignisse holen dieses Vergessene jetzt ans Tageslicht und plötzlich fühlen sie sich ertappt. Sie atmen, schnappen nach Luft wie kleine Fische, die für eine Sekunde, nur einen Seufzer lang, vergessen haben, ihre Kiemen zu bewegen.

Dieses Buch macht Mut und erfrischt den Geist. Es wirft einem etwas in den Bauch, das fast die ganze Zeit angenehm kribbelt und den Wunsch auslöst, zu laufen, dem Horizont entgegen. Alles Böse vergessen und nur an das Gute denken. An dich und das was du kannst. Man liest das Buch langsam, weil die Sätze und Worte so kraftvoll sind, dass man sich noch lange nach dem Lesen darin aufhält.
Obwohl ich überhaupt keine Verbindung zur Türkei habe, konnte ich mich dennoch in dem Buch einfinden und ein Stück von mir wiedererkennen. Mut kennt eben keine Grenzen – weder zwischen dem Gestern und dem Heute, noch zwischen Deutschland und der Türkei.

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djclaps avatar

Rezension zu "Tschador" von Murathan Mungan

Rezension zu "Tschador" von Murathan Mungan
djclapvor 10 Jahren

Sehr hart, sehr gut!

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