Muriel Asseburg

 4 Sterne bei 15 Bewertungen
Autor*in von Der Nahostkonflikt, Palästina und die Palästinenser und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Muriel Asseburg, Dr. rer. pol., ist Nahostexpertin an der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Muriel Asseburg

Cover des Buches Der Nahostkonflikt (ISBN: 9783406841392)

Der Nahostkonflikt

(12)
Erschienen am 17.09.2025
Cover des Buches Palästina und die Palästinenser (ISBN: 9783406831645)

Palästina und die Palästinenser

(2)
Erschienen am 08.10.2024
Cover des Buches Der 7. Oktober und der Krieg in Gaza (ISBN: 9783406828928)

Der 7. Oktober und der Krieg in Gaza

(1)
Erschienen am 20.03.2025

Neue Rezensionen zu Muriel Asseburg

Cover des Buches Der 7. Oktober und der Krieg in Gaza (ISBN: 9783406828928)
E

Rezension zu "Der 7. Oktober und der Krieg in Gaza" von Muriel Asseburg

evaczyk
Sachlicher und analytischer Blick auf den Nahostkonflikt

Wenn über den Gaza-Krieg diskutiert wird, verlaufen die Gesprächslinien zunehmend emotional, verhärtet und konfrontativ. Da tut es immer gut, wenn ein sachlicher Ton die Hitze aus der Debatte nimmt und zum Nachdenken anregt. "Der 7. Oktober und der Krieg in Gaza" von Muriel Asseburg ist so ein Beitrag zur Debatte - einordnend, erklärend, den historischen und politischen Hintergrund aufzeigend wie auch die jeweilige internationale Vernetzung der Konfliktparteien und die interessierten Seiten, die den Krieg als proxy für eigene Ziele nutzen.

Die Autorin ist Politikwissenschaftlerin, arbeitet und forscht bei der Stiftung Wissenschaft und Politik, zu ihren Arbeitsschwerpunkten gehört der Nahe Osten. Da liegt es nahe, nicht einfach die Parolen der einen oder anderen Seite nachzubeten, sondern einen kühlen und sachlichen Blick auf den Konflikt und die Region. Asseburg erklärt Hintergründe, ordnet ein, zeigt bei aller Analyse auch Empathie für die Menschen auf beiden Seiten des Konflikts.

Schon im Vorwort wünscht sie sich, dass ihre Einschätzung der Lage falsch ist und es einen optimistischen Ausblick geben kann. Doch zugleich ist sie realistisch genug, dass so wohl die Brutalität beim Terrorangriff am 7. Oktober wie auch das anhaltende Leid der Zivilbevölkerung in Gaza tiefe Wunden gerissen hat und die Menschen mehrheitlich den Blick auf das eigene Leid werfen und das der anderen Seite übersehen oder ignorieren. "Der Weg aus der Gewalt wird zusätzlich dadurch erschwert, dass sowohl die israelische als auch die palästinensische Gesellschaft schwer traumatisiert sind", schreibt sie etwa. "Die kollektiven Traumata der Shoa und der Nakba verstärken die aktuellen Leiderfahrungen und lassen kaum Raum für Empathie mit der anderen Seite.  ... In dieser Situation steht nicht die Suche nach Friedensregelungen im Vordergrund, sondern es dominieren die Sprache der Gewalt und der Entmenschlichung sowie der Ruf nach Vergeltung... Es ist zu befürchten, dass die Leiderfahrungen über Generationen nachwirken und zu einer weiteren Verstärkung des Nullsummendenkens statt zu Kompromissbereitschaft führen."

Für alle, die jenseits des aktuellen Konflikts an Hintergründen interessiert sind, skizziert die Autorin sowohl die Geschichte der Hamas und ihrer wichtigsten Protagonisten wie auch den Konflikt mit der palästinensischen Autonomiebehörde. Auch die übrigen staatlichen wie nichtstaatlichen Player - Iran, Syrien, Libanon einerseits, Hisbollah und Huthi-Milizen andererseits werden in den allgemeinen Kontext einbezogen. Ein Buch zur Zeit, für alle, die an einer sachlichen Debatte interessiert sind und mehr über die nahöstliche Thematik erfahren wollen.


Cover des Buches Der Nahostkonflikt (ISBN: 9783406822490)
pardens avatar

Rezension zu "Der Nahostkonflikt" von Muriel Asseburg

parden
Israel vs. Palästina...

ISRAEL VS. PALÄSTINA...

Der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern sowie seinen arabischen Nachbarn hält seit Jahrzehnten die Welt in Atem. Seit Oktober 2023 ist er mit dem Überfall der Hamas auf Israel und dem Krieg Israels gegen die Hamas im Gazastreifen in zuvor unvorstellbarer Weise eskaliert. Die Autoren zeichnen die Geschichte des Konflikts nach, beschreiben die wichtigsten Streitpunkte – von Jerusalem über den Zugang zu Wasser bis zum Grenzverlauf – und erklären, warum Frieden und Sicherheit für alle Seiten in so weite Ferne gerückt sind. (Verlagsbeschreibung)

Dieses Buch aus der Reihe C.H.Beck-Wissen setzt sich zum Ziel, den komplexen Nahostkonflikt in seinen Grundzügen möglichst neutral verständlich zu machen. Die Analyse der Gegebenheiten stützt sich allerdings auf Informationen und Entwicklungen vor dem Terrorangriff der Hamas am 07. Oktober 2023 und dem darauffolgenden Gazakrieg. Die aktuellen Ereignisse sind sozusagen die traurige Folge der hier dargelegten Streitpunkte.

Was ich zuvor nicht wusste: Der Nahostkonflikt begann bereits vor der Gründung Israels im Jahr 1948. Die Anfänge liegen im späten 19. Jahrhundert, als jüdische Einwanderer aufgrund von zunehmendem Antisemitismus und Pogromen in Europa begannen, sich im damaligen Palästina niederzulassen - mit der Idee der Errichtung einer modernen jüdischen Gesellschaft, die Geburtsstunde des Zionismus. Die Spannungen zwischen der arabischen und der jüdischen Bevölkerung verschärften sich im Laufe der Zeit zunehmend, auch als nach dem Ersten Weltkrieg Großbritannien mit der Verwaltung Palästinas betraut wurde. Während des Zweiten Weltkrieges flohen rund 80.000 Juden vor der nationalsozialistischen Verfolgung nach Palästina., was zu einem weiteren Anstieg der Konflikte führte. 

Ein UN-Ausschuss sprach sich 1947 schließlich für die Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat aus. Der jüdische Staat sollte 56 Prozent und der arabische Staat 43 Prozent des Gebiets umfassen. Die arabischen Nachbarn lehnten diesen Teilungsplan jedoch ab und griffen den neuen Staat Israel nach der Ausrufung seiner Unabhängigkeit am 14. Mai 1948 gemeinsam an. Für Israel war dies der "Unabhängigkeitskrieg", der bewirkte, dass die Vereinbarungen hinsichtlich der ursprünglich vorgesehenen Grenzen hinfällig wurden und Israel weitere Gebiete eroberte, woraufhin 700.000 Palästinenser flohen. Für diese war dies kein Unabhängigkeitskrieg, sondern "Nakba" – Katastrophe.

Die Gründung der PLO (Palästinensische Befreiungsorganisation ) im Jahr 1964 führte mit Ägyptens Blockade des Zugangs Isreals zum Roten Meer zum "Sechs-Tage-Krieg" (ein Überraschungsangriff der Israelis mit schnellem Sieg) - oder "Naksa" - Rückschlag aus Sicht der Palästinenser. In der Folge begann Israel mit der Besetzung des Westjordanlandes, des Gazastreifens, der Golanhöhen und Ost-Jerusalems. Syrien und Ägypten versuchten im Jom-Kippur-Krieg 1973, die eroberten Gebiete zurück zu gewinnen - vergeblich. 

1987 kam es zu einem Aufstand der Palästinenser gegen die israelische Besatzung. Dies führte letztlich zur Gründung der Hamas, die den bewaffneten Kampf gegen Israel sucht. Es gab in der Folge verschiedene Friedensbemühungen und Abkommen, die letztlich jedoch alle erfolglos verliefen. Im Gegenteil: die Gewaltspirale drehte sich immer schneller. Unter dem US Präsidenten Donald Trump verschärfte sich die Lage noch einmal gravierend. Jerusalem wurde von den USA als Hauptstadt Israels anerkannt, Israel ermutigt, die Annexion von Teilen des Westjordanlands voranzutreiben. Eine eindeutige Unterstützung für Israels Position. Israel intensivierte daraufhin seine Besatzungs- und Siedlungspolitik, was wiederum zu heftigen Protesten führte. 

In dem Nahostkonflikt geht es um mehrere Streitpunkte und Kernprobleme. Dazu zählen der Grenzverlauf, der Status jüdischer Siedlungen, die Kontrolle über Jerusalem, die palästinensische Flüchtlingsproblematik sowie die Aufteilung von Ressourcen wie Wasser. Besonders umstritten ist dabei die israelische Siedlungspolitik - über 130 Siedlungen gibt es inzwischen, die nach dem Völkerrecht als illegal gelten. Diese Siedlungspolitik verhindert letztlich auch Lösungsansätze wie die Idee einer Zweistaatenregelung - die Kosten und politischen Hürden für eine Räumung der besetzten Gebiete wären immens. Außerdem wendet sich die seit 2022 amtierende rechts-religiöse Regierung unter Netanjahu explizit von der Zweistaatenregelung ab und strebt die dauerhafte Kontrolle über das Westjordanland an. Damit wird eine Zweistaatenregelung immer unwahrscheinlicher. Auch andere Lösungsansätze sind derzeit nicht konsensfähig, die Situation ist mehr als verfahren.

Ein sehr informativer Einblick in die historische Entwicklung des Nahostkonflikts bis heute. Wichtiges Hintergrundwissen zu einer bedrückenden Lage...


© Parden

Cover des Buches Der Nahostkonflikt (ISBN: 9783406822490)
S

Rezension zu "Der Nahostkonflikt" von Muriel Asseburg

sunny-girl
kurzer Überblick

Aufgrund der aktuellen Ereignisse wollte ich mehr über den Nahostkonflikt erfahren. Die Autoren haben hier die Fakten von der Staatsgründung Israels bis 2022 zusammengetragen und in einer verständlichen Form präsentiert. Das Buch bietet nur einen Überblick. Für weitergehende Recherche gibt es im Anhang Literatur- und Filmhinweise.  Teilweise wurde der Stoff etwas trocken serviert, da sich die Autoren auf Fakten beschränkt haben. Meiner Meinung nach erfolgte keine Wertung der Fakten.  Mir hat es geholfen, die aktuellen Ereignisse einzuordnen. 

Das Buch empfehle ich allen, die diese Thematik interessiert.

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