Die Eleganz des Igels

von Muriel Barbery 
3,9 Sterne bei796 Bewertungen
Die Eleganz des Igels
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (549):
S

Tiefsinnig, klug und besonders! Mit einem einschneidenden Ende.

Kritisch (85):
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Botschaft verfehlt

Alle 796 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Die Eleganz des Igels"

Der Weltbestseller jetzt in dtv großdruck
Renée ist 54 Jahre alt und lebt seit 27 Jahren als Concierge in der Rue de Grenelle in Paris. Sie ist klein, hässlich, hat Hühneraugen an den Füßen und ist seit längerem Witwe. Paloma ist 12, hat reiche Eltern und wohnt in demselben Stadtpalais. Hinreißend komisch und zuweilen bitterböse erzählen die beiden sehr sympathischen Figuren von ihrem Leben, ihren Nachbarn, von Musik und Mangas, Kunst und Philosophie. Die höchst unterhaltsame und anrührende Geschichte zweier Außenseiter, ein wunderbarer Roman über die Suche nach der Schönheit in der Welt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783423253130
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:528 Seiten
Verlag:dtv Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum:01.10.2011
Das aktuelle Hörbuch ist am 08.05.2015 bei Hörbuch Hamburg erschienen.

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Rezensionen und Bewertungen

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    pumuckel73vor einem Monat
    Recht Widersprüchlich ...

    Das Buch ist speziell, recht widersprüchlich und wechselhaft, einerseits in der Erzählung über die ältere Dame unglaublich einfühlsam und sprachgewandt, dann aber im Gegenzug wieder recht salopp und fast schon fade erzählt, wenn es um die Geschichte des Mädchens geht. Ich war einerseits sehr berührt und begeistert von diesem Buch, andererseits aber auch fast ein wenig enttäusch, von einer gewissen Langeweile und Oberflächlichkeit. Trotz allem ist das Buch auf jeden Fall lesenswert.

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    M
    mehevor einem Monat
    Kurzmeinung: Dieser Roman braucht Geduld und Zeit, doch dann geschehen Wunder!
    Um das Leben und dieses Buch zu "ertragen" braucht man vor allem eines: Geduld!

    Paris, Rue de Grenell Nummer 7:
    In diesem hochherrschftlichen Haus der Neuzeit, der Luxuswohnstätte für Großindustrielle, Abgeordnete und Altadlige mit genügen "Kleingeld" dient die 54-jährige Reneé Michel als Concierge.
    Doch sie ist so viel mehr als "nur eine niedrige Bedienstete". In Wahrheit ist sie ein kluger Kopf mit einem Hang zu allen schönen Künsten und zur Philosophie.
    Die meisten Bewohner des Hauses nehmen die unscheinbare Reneé dank ihrer Hochnäsigkeit gar nicht als Person wahr, geschweige denn sehen Sie, was hinter ihrer wenig schönen Fassade verborgen liegt.

    Auch Paloma ist mit ihrern 12 Jahren bereits so genervt vom eintönigen und oberflächlichen Leben der Reichen, dass sie bereits ihren Selbstmord plant. In Ihren Tagebüchern führt sie den Leser durch ihre Überlegungen.

    Der Tod eines Hausbewohners stellt dann so manche Gewissheut auf den Kopf und eine der beiden Protagonisten muss sterben, damit die andere endlich lebt! Doch wer das ist müsst ihr selbst geduldig erlesen!

    Sprachlich war dieses Buch mit seiner erlesenen und gehobenen Wortwahl eine wahre Herausforderung! Zunächst sogar ziemlich erniedrigend. Man hatte das Gefühl die Concierge möchte ihr Wisses mit aller Gewalt dem Leser offenbaren, wenn schon nicht ihrem Umfeld! Auch die Handung war zunächst eher dürftig und alles sehr von philosophischen Theorien rund um das triste, leere Leben und dessen (Un)Sinn geprägt.
    Alles steht und fällt mit dem neuen Hausbewohner! Mit dessen Einzug wird nicht nur die Sprache scheinbar leichter auch die Handlung nimmt endlich Fahrt auf! Ein wahrer Heiksbringer der nach fast 300 Seiten Gedukd endlich die Erlösung bringt! Fast genial ist es schon, wie sich Sprache und Handlung mit Reneés innerer Anspannung auflösen! Respekt, wenn das die Intention war! Wunderbar gemacht und deshalb allein einen extra Stern wert!
    Aber wie gesagt, bis es so weit war musste ich mich ziemlich durch die Seiten quälen.

    Zwischen sehr viel hochtoupierter Schwafelei finden sich doch auch ein paar wahre Worte und die Botschaft kommt zuletzt doch an! Die letzte Betrachtung Palomas bringt es ziemkich auf den Punkt - für diesen Roman und auch für das Leben, welches "eine Menge Verzweiflung, aber auch ein paar Momente der Schönheit" bereit hält, für die sich die Ausdauer und Qual dann schlussendlich doch lohnt!

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    YukBookvor 2 Monaten
    Die Suche nach der Schönheit

    Dies ist garantiert kein Buch, das man in einem Zug verschlingt. Immer wieder gab es Passagen, die ich mehrmals lesen musste, um sie zu verstehen. Zum einen ist Barberys Sprache hochgestochen und komplex, zum anderen sind die philosophischen Gedanken und der Weltschmerz der zwei Ich-Erzählerinnen keine leichte Kost.

    Beide Figuren leben in einem Pariser Stadtpalais in der Rue de Grenelle 7. Die eine heißt Renée, ist 54, arbeitet als Concierge und frönt heimlich ihrer Leidenschaft für Kunst, Literatur und Film. Die andere, Paloma, ist hochbegabt, Tochter reicher Eltern und plant, an ihrem 13. Geburtstag Selbstmord zu begehen. Sie haben also nicht vieles gemeinsam – außer, dass sie beide auf der Suche nach der Schönheit in der Welt sind.

    Nach vielen Enttäuschungen hatten beide eigentlich diese Suche aufgegeben. Doch als der japanische Geschäftsmann Kakuro Ozu in die Residenz einzieht, scheint sich die Balance und Stimmung im Haus ein wenig zu verschieben. Das war auch für mich der Zeitpunkt, an dem mein Interesse für den Fortgang der Geschichte geweckt wurde. Bis dahin war ich oft in der Versuchung, die Lektüre abzubrechen, weil mir die Ansprache auf rein intellektueller Ebene zu anstrengend wurde.

    Der Japaner bringt auf elegante und subtile Weise frischen Wind in den tristen Alltag der Hausbewohner und hilft Renée und Paloma, hinter der hässlichen und profanen Oberfläche das Schöne zu entdecken – ganz im Sinne des japanischen ästhetischen Konzepts Wabi-Sabi. Das beschert auch dem Leser kurze, genussvolle Momente voller Emotionen und Intensität, zum Beispiel als Paloma den außergewöhnlichen Augenblick eines Chorauftritts erlebt oder Renée einen Moment der Wonne und glücklichen Entspanntheit in Gesellschaft von Monsieur Ozu genießt.

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    FrauPfeffertopfs avatar
    FrauPfeffertopfvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Botschaft verfehlt
    Ganz schlimme Hauptfiguren

    Die Geschichte wird durch zwei Personen erzählt: Renee Michel, 54 Jahre alt und Concierge in einem erstklassigen Pariser Apartmenthaus sowie Paloma, ein zwölfjähriges Mädchen, das in einer der Apartments wohnt. Beide teilen etwas: Sie sind hochintelligent und interessieren sich für Literatur, Kunst, Philosophie und viele andere Dinge auf der Welt, wodurch sie sich aber stark von anderen Menschen absondern und sich gleichzeitig zu sehr negativen Charakteren machen. Renée widmet sich in ihren Erzählungen der Sinnlosigkeit, Bedeutungslosigkeit und Banalität des Lebens wohlhabender Menschen in ihrem Gebäude, die Dinge in zahlreichen Ausführungen kaufen, zum Psychiater gehen oder Philosophie studieren. Obwohl Renée sich selbst dem Philosophiestudium widmet, was aber bedeutungsvoll ist, findet sie es bei den reichen Mädchen sinnlos und albern. Ebenso seien sie nicht in der Lage, durch die Oberfläche zu dringen und ihr reiches Innenleben zu erkennen. Das möchte sie aber eigentlich auch gar nicht. Renée kennt die Reichen ebenso wenig, weiß aber, dass ihnen kein solch reiches Innenleben zuteil wurde. Selbst ärmere Menschen machen vor Renées Bemerkungen nicht halt, die ihre Kinder nicht lieben und durch Grunzen und Gesten kommunizieren würden. Paloma verachtet die Menschen um sie herum gleichermaßen: ihre Eltern, ihre Schwester, den Freund ihrer Schwester und ihre Klassenkameraden. Zweck ihrer Tagebucheinträge ist es, zu versuchen, einen Grund für das Leben vor ihrem geplanten Geburtstags-Selbstmord (!) zu finden, aber alles und jeder ist schlicht langweilig und korrupt: das Bildungssystem, die Regierung und ihre Eltern, die sie zu einer Therapie überreden wollen. Sie plant, ihre Wohnung anzuzünden.

     

    Ich fand beide Figuren einfach nur nervig. Beide nutzen ihre Intelligenz als Knüppel, um andere zu verspotten und ihre Abneigungen weiter zu schüren. In keinster Weise fand ich ihre Ausführungen lustig. Dabei ist Renée noch schlimmer, als die pubertierende Paloma. So schaltet Renée ihren Fernseher ein, nur um den Anschein zu erwecken, sie sei eine "Bürgerliche", während sie aber eigentlich Weltliteratur liest, denn die anderen Bewohner des Hauses könnten das Fehlen von Fernsehgeräuschen bemerken. Aufgrund der Erwartungen der höheren sozialen Klasse, muss sie verstecken, "wer" sie ist. Verstehe ich nicht.. wohl narzisstisch angehaucht. Dagegen kann man noch einiges von Palomas Verhalten auf ihr Alter schieben. Der Schreibstil ist anstrengend, da sich die philosophischen Gedanken über Zeilen erstrecken. Dabei fand ich keine der Gedanken Renées oder Palomas tiefgründig oder gar interessant, die voll mit Stereotypen gespickt sind.

    Die Handlung, wenn es denn eine gibt, beginnt nach 2/3 des Buches, als der pensionierte japanische Geschäftsmann Monsieur Ozu in das Gebäude zieht. Er ist sehr kultiviert, freundlich und sieht sofort durch das Gerüst der Schäbigkeit und Ignoranz, das Renée und Paloma aufgebaut haben und bringt diese zusammen. In Renée erkennt er eine Seelenverwandte, die alles schätzt, was er liebt und die Kunst, Musik und Literatur mit ihm teilen kann. Gegen Ende sollen die Charaktere wohl ein wenig gewachsen und zu besseren Menschen geworden sein, eine Wandlung und vielleicht auch intendierte Botschaft, die ich nicht abkaufe oder bei mir ankommt.

     

    Kommentare: 2
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    Hortensia13vor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Sehr viel philosophisches Gedankengut mit vielen Fremdwörter. Gut zum Weiterbilden, anstrengend zu lesen.
    Philosophische Prosa

    Die Witwe Renée ist 54 Jahre alt und ist seit 27 Jahren Concierge in dem noblen Stadthaus in der Rue de Grenelle 7 in Paris. Obwohl sie intelligent ist und am liebsten in der Weltliteratur versinkt, achtet sie peinlich darauf dem nichtssagenden Stereotyp einer Concierge zu entsprechen. Ihre Überlegungen zur Philosophie der Welt behält sie für sich und ihren Kater Leo.
    Im gleichen Haus wohnt Paloma, mit ihren zwölf Jahren scheint sie der Welt schon überdrüssig zu sein, macht sich ihre Gedanken darüber und schreibt diese in ihr Tagebuch.

    Mit dieser Geschichte versinkt man das Leben der reichen einzelnen Anwohner des Stadthauses. Die feine Handlung fand ich schön, aber sie wurde in meinen Augen zu sehr durch hochtrabendes philosophisches Gedankenabschweifen gestört. Die vielen Fremdwörter im Text, wie z.B. harangieren oder diaphan, erweitern auf gewisse Art den Horizont, machen aber auch das Lesen aber etwas anstrengender. Vielleicht war ich aber auch nicht in der passenden Stimmung, um mich auf diese Lektüre bewusst einlassen zu können.

    Wer auf jeden Fall gerne in literarischer Prosa schwelgt, seinen Wortschatz mit neuen Fremdwörter bestücken will und sich mit philosophischen Fragen beschäftigt, ist mit diesem Buch gut bedient. Für mich leider nur 3 Sterne.

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    wortkulisses avatar
    wortkulissevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein sprachlich großartiger Roman voller Humor und liebenswert verschrobener Charaktere mit einem absolut unwürdigen Ende.
    Die Eleganz des Igels - Muriel Barbery

    „Die Eleganz des Igels“ von Muriel Barbery erzählt aus dem Leben und den Tagebüchern der Concierge Renée und dem Mädchen Paloma, das in demselben Stadthaus in der Rue de Grenelle 7 in Paris lebt.

    „Um Marx zu verstehen und zu verstehen, warum er unrecht hat, muß man ‚Die deutsche Ideologie‘ lesen.“ ist einer der ersten Sätze, den die Leser*innen lesen und mit dem sich Renée doch beinahe an einen der Mieter in dem Pariser Stadthaus, in dem sie als Concierge arbeitet, verrät. Denn so sehr sie versucht, das stereotypische Bild einer Concierge zu verkörpern, so wenig entspricht sie ihm in ihrem Inneren. Aber davon sollen die Mieter in dem Haus nichts erfahren. Und deshalb ist dieser Ratschlag so gefährlich – oder auch nicht, denn Menschen glauben ja eh nur das, was in ihre geistigen Gewohnheiten passt. Und diese befriedigt Renée ganz ordentlich, verwitwet, plump und griesgrämig wie sie ist. Von den Puschen, mit denen sie schlurfend zur Loge läuft, den zotteligen Haaren, die schon jahrelang keinen Friseur mehr gesehen haben, den einsilbigen Antworten, die ihre Debilität vortäuschen, bis hin zum Essensgeruch in ihrer Loge, hat sie ihre perfekte Tarnung hinter dem Klischee der ungebildeten, wenig gepflegten und mies gelaunten Concierge gefunden. Insgeheim jedoch liest sie die großen und kleinen Werke der Philosophie und Literatur, schaut jeden Film des japanischen Regisseurs Yasujiro Ozu und zitiert fleißig ihren Lieblingsautor Leo Tolstoi. Sodass ihr lächerliches Tagebuch einer alten Concierge, wie sie es selbst nennt, vor Intelligenz, scharfer Beobachtungsgabe und einer ordentliche Prise Humor nur so sprüht.

    ICH LAS WIE EINE BESESSENE, HEIMLICH ZUNÄCHST, UND DANN, ALS MIR DIE NORMALE ZEIT DES LERNENS ABGELAUFEN ZU SEIN SCHIEN, VOR ALLER AUGEN, WOBEI ICH JEDOCH SORGFÄLTIG VERBARG, WELCHES VERGNÜGEN UND WELCHES INTERESSE ICH DABEI EMPFAND. – S. 43
    Das Stadthaus, in dem Renée wohnt und arbeitet, ist jedoch nicht irgendein unbedeutendes Haus inmitten Paris‘, sondern ein Palais mit 400 Quadratmeter großen Wohnungen, deren reiche Bewohner sie für ungebildet, verlogen und bösartig bis über beide Ohren findet.
    Fünf Etagen über ihr, wohnt die Familie Josse: der Vater ist sozialistischer Abgeordneter, die Mutter ist mit der Fürsorge um ihre Grünpflanzen und der Psychoanalyse beschäftigt und die beiden Töchter Colombe und Paloma können sich absolut nicht ausstehen. Denn während Colombe eifrig ihren Eltern nacheifert, missachtet die zwölfjährige Paloma die Oberflächlichkeit und Stumpfsinnigkeit der Welt, von der sie umgeben ist. Paloma ist unheimlich altklug und intelligent, ohne großen Aufwand Klassenbeste und hat einen Faible dafür, die Heuchelei ihrer Mitmenschen zu erkennen und zu analysieren. Hinter der Hässlichkeit und Unaufrichtigkeit der Menschen erkennt sie nicht den Sinn des Lebens und beschließt, sich an ihrem dreizehnten Geburtstag umzubringen. Doch so ganz aufgeben möchte sie nicht und schreibt deshalb zwei eigene Tagebücher, in denen sie zum einen tiefgründige Gedanken und zum anderen Bewegungen der Welt festhält. Sollte sie nur eine Bewegung in vollkommener Harmonie vor ihrem dreizehnten Geburtstag beobachten können, so werde sie ihren geplanten Suizid noch einmal überdenken.

    Renée und Paloma haben weite Teile des Romans nichts miteinander zu tun und sind dennoch durch ihre Gedanken und ihre pessimistische Art, die Welt zu sehen, miteinander verbunden. Außerdem teilen sie ihre Leidenschaft für die japanische Kultur miteinander. Nachdem ein Hausbewohner mehr oder minder überraschend verstirbt, taucht ein neuer Mann in dem Pariser Stadthaus auf. Er ist Japaner, charmant, gebildet und beginnt mit einer Liebenswürdigkeit, die für Menschen seiner Gehaltsklasse untypisch ist, hinter die Tarnung der Concierge zu blicken und der kleinen Paloma das Gute auf der Welt zu zeigen.

    MADAME MICHEL BESITZT DIE ELEGANZ DES IGELS: AUSSEN IST SIE MIT STACHELN GEPANZERT, EINE ECHTE FESTUNG, ABER ICH AHNE VAGE, DASS SIE INNEN AUF GENAUSO EINFACHE ART RAFFINIERT IST WIE DIE IGEL, DIESE KLEINEN TIERE, DIE NUR SCHEINBAR TRÄGE, ENTSCHIEDEN UNGESELLIG UND SCHRECKLICH ELEGANT SIND. – S. 157
    Der Roman basiert auf den Ausführungen der Gedanken Renées und Palomas in ihren Tagebüchern. Dadurch grenzt Muriel Barbery den Beobachtungsradius ihrer Leser*innen ein, schafft aber gleichzeitig einen tiefen Einblick in die Gedankenwelt dieser beiden Charaktere – und die ist keineswegs langweilig. Insbesondere Renées Tagebucheintrage sind sprachlich eine wahre Fundgrube, wenn sie ihre Tage in Trübsinn verbringt, schöne Sätze ihr Freudentränen entlocken und sie von Zeit zu Zeit die Sphäre ihres literarischen Gedächtnisses besucht. Paloma hingegen hat einen scharfen Beobachtungssinn und nimmt die kleinsten Bewegungen in ihrer Umgebung wahr. Beide vereint zudem die, zugegeben nicht unbedingt nachahmenswerte Angewohnheit, zynisch auf ihre Mitmenschen zu blicken und sich innerlich über sie lustig zu machen. Leider bleiben Renées und Palomas Leben lange Zeit voneinander getrennt und es dauert, bis die beiden aufeinander treffen und beginnen, hinter die Fassade des jeweils anderen zu blicken. Das liegt nicht zuletzt daran, dass auch der neue Nachbar erst sehr spät im Buch seinen Auftritt hat. Ich hätte mir gewünscht, mehr über diese ungewöhnliche Dreiecksbeziehung zwischen ihnen zu erfahren und mitzuerleben, wie sie ihre sicheren Fassaden, die ihr Inneres von ihrer Außenwelt trennen, Stück für Stück abbauen. Das Ende, nun ja, ich möchte nichts vorwegnehmen, es aber auch nicht unerwähnt lassen, kommt viel zu plötzlich und ist der Geschichte und den Figuren in meinen Augen absolut unwürdig.

    DOCH WENN MAN DAS MORGEN FÜRCHTET, DANN DARUM, WEIL MAN NICHT FÄHIG IST, DIE GEGENWART AUFZUBAUEN, UND WENN MAN NICHT FÄHIG IST, DIE GEGENWART AUFZUBAUEN, REDET MAN SICH EIN, DASS MAN ES MORGEN TUN KÖNNE, UND DAS GEHT NICHT AUF, WEIL MORGEN SCHLIESSLICH IMMER HEUTE WIRD, VERSTEHEN SIE, WAS ICH MEINE? – S. 141

    Muriel Barberys Roman „Die Eleganz des Igels“ gibt einen tiefen Einblick in das Seelenleben zweier Frauen, die unterschiedlicher und einander ähnlicher nicht sein könnten. Er lebt von den intelligenten Gedanken, dem mitunter bissigen Humor und den detaillierten Beobachtungen der Protagonistinnen. Der Roman hat mich sprachlich sehr angesprochen und auch Renée und Paloma sind mir in ihrer liebenswürdigen Verschrobenheit ans Herz gewachsen. Ich hätte mir jedoch mehr Begegnungen zwischen ihnen und ein anderes Ende gewünscht. Dank der zahlreichen Anspielungen auf Leo Tolstoi habe ich gleich nach „Die Eleganz des Igels“ zu „Anna Karenina“ von Leo Tolstoi gegriffen, das schon seit einer Ewigkeit in meinem Regal auf mich wartet.


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    buecher_ueber_buechers avatar
    buecher_ueber_buechervor 2 Jahren
    Mein Lieblingsbuch ...

    Paloma erfasst tiefgründige Gedanken und schöne Bewegungen. Aber sie ist keine normale zwölfjährige, die in ihr Tagebuch schreibt. An ihrem 13. Geburtstag möchte sie Selbstmord begehen.

    Die zweite Protagonistin ist die 54 jährige Renée. Sie passt nicht so recht in das, von der Gesellschaft geschaffene Bild einer Concierge. Sie ist belesen, klug und gar nicht so griesgrämig, wie sie tut.

    Das Buch erzählt die Geschichte der zwei und das auf bewegende, komische aber auch ernsthafte Weise. Man muss sich ganz auf das Buch einlassen ! Auf die langen Schachtelsätze und die vielen komplizierten Wörter. Aber wenn man einmal drin ist, dann ist es die reinste Freude dieses Buch zu lesen. Auf gewisse weiße wird die Schönheit und Besonderheit der Sprache gezeigt.

    Beide Protagonisten sind auf der Suche nach Schönheit, Sinn, Unendlichkeit und ihrem Frieden. Dabei durchlaufen Paloma und auch Renée eine Charakterentwicklung, die so natürlich verläuft, dass sie nicht wie ein großes rotes Ausrufezeichen vor den Augen des Lesers schwebt.

    Schlicht gesagt: Wenn man die Brillianz des Buches beschreiben will, klingt es immer ein bisschen banal.

    Kommentare: 1
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    Isaoperas avatar
    Isaoperavor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Lange Einführungsphase, teilweise etwas schwerfällig zu lesen, schöne zweite Hälfte, etwas unerwartetes Ende.
    Sehr speziell


    Nach der Lektüre des Klappentextes war mein Interesse spontan geweckt, allerdings hatte ich auch eine andere Art von Geschichte erwartet.
    "Die Eleganz des Igels" ist eine sehr spezielle Geschichte, die mich nachdenklich gestimmt hat. Auf interessante Weise werden schon gewisse Gesellschaftsstrukturen beschrieben und Missstände in der (französischen) "guten Gesellschaft" aufgedeckt. Auch die wechselnde Erzählperspektive der 12jährigen Tochter aus gutem Hause und der Concierge in den mittleren Jahren fand ich reizvoll.

    Leider wurde der Erzählfluss immer wieder durch eine sehr geschwollene und komplizierte Ausdrucksweise getrübt. Es ist mir bis zum Schluss nicht ganz klar geworden, ob dieses Buch wirklich so intellektuell ist, oder vielleicht auch nur diesen Schein erwecken möchte, denn die eine oder andere Begrifflichkeit oder These war für mich einfach nicht passend oder korrekt. Dies kann jedoch auch der Übersetzung ins Deutsche liegen.
    Eventuell hätte das Buch im Französischen mehr Charme, denn der französische Stil ist auch so zu merken und tut viel für diesen Roman.

    Die Handlung plätschert zunächst so dahin. Die ersten hundert Seiten passiert noch gar nicht so viel, eigentlich werden hauptsächlich die Personen und Zustände vorgestellt. Man muss sagen, dass die Erzählweise hierbei nicht immer besonders geradlinig war.
    Das große Plus ist für mich eine neue Person, die nach gut einem Drittel des Buches auftaucht und wirklich viel Würze in die Story bringt. Dadurch wird auch das Aufeinandertreffen der Protagonistinnen erst möglich!
    Leider ist das Ende dann wieder sehr speziell. Gut durchdacht, irgendwie schlau, aber für mich nicht ideal.

    Ich denke, jeder muss seine Meinung zu diesem Buch selbst finden. Ich gebe eine mittlere Empfehlung.

    Kommentare: 1
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    dots avatar
    dotvor 2 Jahren
    "Die Eleganz des Igels" von Muriel Barbery

    "Die Eleganz des Igels" von Muriel Barbery ist ein Roman aus der Sicht zweier Einzelgänger, die in der Rue de Grenelle 7 in Paris leben. Die 54-jährige Renée, die seit 27 Jahren als Concierge arbeitet und die 12-jährige Paloma aus reichem Hause trennen Altersunterschied und gesellschaftliches Ansehen. Sie haben auf den ersten Blick nur sehr wenig gemeinsam doch schon bald erkennen sie, dass sie ihr scharfer Verstand verbindet. So beginnen sie über die Nachbarn und die Schönheit der Welt zu philosophieren und erkennen einander so, wie sie wirklich sind. Als der japanische Geschäftsmann, Monsieur Ozu in die Rue de Grenelle 7 einzieht, verändert sich ganz unerwartet das Treiben des Palais. [...]


    "Die Eleganz des Igels" ist eine schöne Geschichte über Freundschaft und das wahre Selbst allerdings mit einem ziemlich enttäuschendem Ende.

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    Mimi_Schreiberlings avatar
    Mimi_Schreiberlingvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe.
    Tiefgründig und philosophisch


    Die Geschichte besteht aus zwei Handlungssträngen, die jeweils aus der Sicht der Concierge Renée und der jungen Paloma erzählt werden. Sie leben im selben Haus, doch haben anfangs überhaupt nichts miteinander zu tun.

    Zugegeben, es hat mich ein paar Kapitel gekostet, bis ich mich an den sehr philosophischen Erzählstil der Autorin gewöhnt hatte. Die beiden Protagonisten Paloma und Renée sind beide hochintelligent und drücken sich sehr gewählt aus. Wer seichte Unterhaltung sucht, ist mit „Die Eleganz des Igels“ vermutlich überfordert.

    Weiterlesen? Hier gibt es die komplette Rezension: https://myna-kaltschnee.com/2015/12/01/rezension-die-eleganz-des-igels/#more-105


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