Sparks Roman "In den Augen der Öffentlichkeit" nimmt anhand eines englischen Schauspielerin-Drehbuchautor-Paares in der italienischen Filmwelt bitterböse das fragile Image von Berühmtheiten auseinander. Das Setting, Rom in den 60er Jahren, ist prächtig und skandalträchtig, das Buch ist mit 128 Seiten kurzweilig, dabei schnell zu lesen. Muriel Sparks schreibt sarkastisch klug, wer sie kennenlernen will, fängt am besten mit diesem Roman an!
Muriel Spark
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Die Blütezeit der Miss Jean Brodie
Die Blütezeit der Miss Jean Brodie
In sturmzerzauster Welt
Der letzte Schliff
Das Mandelbaumtor
Vorsätzlich Herumlungern
Bitte nicht stören
Memento Mori
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Edinburgh, Anfang der 1930-er Jahre: In einer privaten Mädchenschule unterrichtet Miss Jean Brodie die oberste Klasse der Primarstufe. Sie wählt sechs Schülerinnen aus, denen sie ihre besondere Aufmerksamkeit und Zuwendung widmet. Das "Brodie Set" ist nach ihrer Aussage auserlesen, die "Crème de la Crème" zu bilden. Miss Brodies Unterricht ist speziell: Sie interessiert sich vor allem für Kunst, Ästhetik und Theater, die übrigen Fächer behandelt sie eher kursorisch - und sie ist begeistert von Mussolini und seinen Schwarzhemden; später findet sie, Hitlers Braunhemden seien noch weitaus zuverlässiger. Ihr Verlobter, erzählt sie, sei im Weltkrieg gefallen, und die tragische Liebesgeschichte erfährt mit jeder Wiederholung neue Wendungen und Komplikationen. Die Schulleiterin versucht, Miss Brodie loszuwerden, und löchert die Mädchen immer wieder vergeblich, um an Belege für deren Fehlverhalten zu kommen.
Die Bindung zu den Schülerinnen, die sie nach ihren Prinzipien zu formen gedenkt, bleibt bestehen, auch als die Mädchen in die Sekundarstufe wechseln und von anderen Lehrern unterrichtet werden. Man trifft sich nachmittags zum Tee oder bummelt gemeinsam durch die Stadt. Es entwickelt sich eine merkwürdige Dreiecksbeziehung zwischen Jean Brodie und dem verheirateten Kunstlehrer Elliott (der zudem katholisch ist und sechs Kinder hat), den sie anhimmelt und dem seinerseits mehr oder weniger jedes Mädchenportrait als Abbild von Miss Brodie gerät. Aus Trotz oder Taktik widmet sie sich stattdessen dem unscheinbaren Gesangslehrer Lowther, der dann aber eine Kollegin (ausgerechnet die Lehrerin für Naturwissenschaft!) heiratet.
Keines der Mädchen erfüllt die hochgejubelten Erwartungen der Lehrerin, aber alle finden ihren Weg. Sandy, die klügste aus der Gruppe, widmet sich der Psychologie und tritt am Ende in ein Kloster ein. Sie ist es auch, die der Schulleiterin am Ende den Hinweis gibt, man könne Miss Brodie aufgrund ihrer faschistischen Sympathien belangen. Die Lehrerin wird entlassen und stirbt wenig später.
Ich habe mich bei der Lektüre dieses Buches glänzend unterhalten. Muriel Sparks Prosa ist punktgenau und witzig. Sie belegt all ihre Figuren mit einem sanft-ironischen Spott, sehr tongue-in-cheek, sehr britisch und, ja, sehr sympathisch. Die schrullige Lehrerin, die zu Beginn der Geschichte schon über vierzig ist und immer betont, in ihrer Blütezeit zu stehen, ihre sehr vehementen Überzeugungen (in allen Dingen), ihr offenkundig erfundenes (oder jedenfalls dramatisch aufgebauschtes) Liebesdrama, wird ebenso Zielscheibe des Spottes wie die Mädchen mit ihrer frühpubertären Obsession mit Sex - gepaart mit völliger Ahnungslosigkeit in diesen Belangen.
Es ist sehr verständlich, warum dieses Buch im englischsprachigen Raum so überaus beliebt ist.
Was mich erstaunt hat, ist die Nonchalance, mit der die Autorin über Dinge hinweggeht, die in unserer Zeit als ganz entsetzlich und zutiefst verurteilenswert gelten würden. Jean Brodie ist eine narzisstische Persönlichkeit; sie schart einen Kreis von Favoritinnen um sich, bei denen sie Bestätigung und Bewunderung sucht, sie ist unbestritten manipulativ ("Give me girls of an impressionable age and they will be mine for life!"), sie bevorzugt einzelne Mädchen in unverhohlen elitistischer Manier und sie sympathisiert mit dem Faschismus. In unserer modernen Welt müsste sich jede Geschichte um das immense Leid drehen, das sie damit bei ihren Schülerinnen auslöst und um die tiefen Traumata, die das hervorrufen muss. Die toxische Persönlichkeit der Titelfigur dürfte heutzutage bestenfalls als verstörendes und abschreckendes Beispiel dienen. Aber nichts davon finden wir bei Muriel Spark: Die Methoden der Lehrerin und ihre Motivation werden zwar sanft verspottet, aber nicht irgendwie bloßgestellt oder angeklagt. Selbst Miss Brodies unbedarfte Sympathie mit dem Faschismus geht als exzentrische Eigenart durch. Bestraft wird die Lehrerin immerhin. Jedoch: Warum Sandy am Schluss zu dem Schluss gelangt, Jean Brodie müsse "gestoppt" werden, bleibt offen.
Etwas in mir ist dankbar für die unaufgeregte Gelassenheit, mit der das Buch das Thema und seine verqueren Figuren behandelt. Aber andererseits lässt sich nicht übersehen, wie die Zeiten sich seither gewandelt haben. "The Prime of Miss Jean Brodie" ist 1960 erschienen. Heute wäre es in dieser Form schlicht undenkbar.
Muriel Sparks Roman spielt in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts in Edinburgh. Eine Lehrerin, Jean Brodie, erwählt sich sechs Schülerinnen, denen sie ihre besondere Aufmerksamkeit schenkt und von denen sie sich bewundern lässt. Sie sieht sich auf dem Höhepunkt ihres Lebens, ist dabei aber hin und her gerissen zwischen zwei Männern und das Feindbild der Schulleiterin, die danach trachtet, Miss Brodie loszuwerden. Letzteres klappt am Ende auch, weil eine von ihren sechs Auserwählten Brodie verrät.
Eine unterhaltsame Lektüre - witzig und geistreich und zu ihrer Zeit (60er und 70er Jahre) ein Riesenerfolg.
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Muriel Spark wurde am 01. Februar 1918 in Edinburgh (Schottland) (Großbritannien) geboren.
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