Muriel Spark

 3.4 Sterne bei 95 Bewertungen

Lebenslauf von Muriel Spark

Gegen alle Konventionen: Muriel Spark ist Verfasserin gefeierter Romane, Kinderbücher, Theaterstücke und Gedichte. 1918 in Edinburgh geboren und 2006 in Florenz verstorben, gilt sie als eine der wichtigsten britischen Autorinnen des 20. Jahrhunderts. Davon zeugen zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen. So wurde Spark zum „Commandeur de l‘Ordre des Arts et des Lettres“ und zur „Dame Commander of the British Empire“ ernannt. 1999 erhielt sie den Ehrendoktortitel der Oxford University – obwohl sie nicht einmal studiert hatte. Schon als Kind hatte Spark die englischen Klassiker verschlungen und mit ihren Gedichten auf sich aufmerksam gemacht. Doch bevor sie endgültig Schriftstellerin wurde, folgte sie zunächst mit 19 Jahren ihrem Ehemann in die britische Kolonie Rhodesien. Sie arbeitete als Stenotypistin für den britischen Geheimdienst MI6 und gab die einflussreiche Zeitschrift „Poetry Review“ heraus. 1954 trat Muriel Spark zum Katholizismus über. Weltweit bekannt wurde sie mit Romanen wie „Memento Mori“ (1959) oder „Der letzte Schliff“ (2004). Ihrem Meisterwerk „Die Blütezeit der Miss Jean Brodie“ (1961) widmete der New Yorker eine ganze Ausgabe. Die unkonventionelle Geschichte um Glaube, Verrat und den Fall einer Lehrerin wurde mit Maggie Smith verfilmt. Seit ihrem Tod werden die Werke Muriel Sparks in der ganzen Welt wiederentdeckt.

Neue Bücher

Die Blütezeit der Miss Jean Brodie

 (3)
Neu erschienen am 29.08.2018 als Hardcover bei Diogenes.

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Die Blütezeit der Miss Jean Brodie

Die Blütezeit der Miss Jean Brodie

 (10)
Erschienen am 28.03.2003
In sturmzerzauster Welt

In sturmzerzauster Welt

 (6)
Erschienen am 17.06.2006
Das Mandelbaumtor

Das Mandelbaumtor

 (5)
Erschienen am 27.02.2004
Der letzte Schliff

Der letzte Schliff

 (6)
Erschienen am 23.01.2007
Vorsätzlich Herumlungern

Vorsätzlich Herumlungern

 (4)
Erschienen am 28.01.1998
Die Blütezeit der Miss Jean Brodie

Die Blütezeit der Miss Jean Brodie

 (3)
Erschienen am 29.08.2018
Bitte nicht stören

Bitte nicht stören

 (3)
Erschienen am 17.05.1994
Robinson

Robinson

 (2)
Erschienen am 09.03.1993

Neue Rezensionen zu Muriel Spark

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Giselle74s avatar

Rezension zu "Die Blütezeit der Miss Jean Brodie" von Muriel Spark

Die Brodie-Clique
Giselle74vor 2 Monaten

Dieses 1961 erstmals erschienene Buch ist schlichtweg alterslos. Es ist spritzig, charmant, witzig und auf elegante Weise böse und das alles auf nur 261 Seiten. Selten habe ich ein so perfekt komponiertes Schmuckstück gelesen, mit so vielen Facetten auf so wenig Seiten.
Die Lehrerin Jean Brodie pflegt einen eher unkonventionellen Unterrichtsstil. Sie bevorzugt offen eine Reihe Schülerinnen, die sogenannte Brodie-Clique, die sie durchaus auch privat zum Tee einlädt, sie erzählt lieber Ankedoten aus ihrem Leben als den Unterrichtsstoff durchzuarbeiten, sie beeinflusst und formt die Mädchen ungehemmt und manipuliert sie nach ihren Wünschen. Bisher allerdings konnte die Schulleitung ihr noch kein Fehlverhalten nachweisen. Auch Miss Brodies Privatleben entspricht wenig den Gepflogenheiten ihrer Zeit. Sie liebt den verheirateten Kunstlehrer und beginnt mit dem Musiklehrer ein Verhältnis. Doch ihre Blütezeit nähert sich dem Ende, eingeleitet durch einen Verrat aus ihrem engsten Umkreis.
Man mag sie, die charismatische Miss Brodie mit dem römischen Profil. Und trotz ihrer übergriffigen Manipulationen bedauert man ihren Niedergang. Denn eine gewisse Freiheit des Denkens und Handelns hat sie ihren Schülerinnen durchaus vermittelt. Sie ist eine Art dunkler Mary Poppins, eine Miss Poppins, die ihre Macht hemmungslos ausnutzt und das weniger zum Guten ihrer Zöglinge, denn zum eigenen Vorteil. Fasziniert vom Faschismus und von der eigenen Unfehlbarkeit überzeugt, kommt sie wie ein Wirbelsturm in die Leben ihrer bevorzugten Schülerinnen und formt sie nach ihrem Willen. Die Brodie-Clique wird ein Leben lang, diese Unterrichtsstunden als prägend empfinden.
Muriel Spark wechselt die Zeitebenen so oft wie andere ihre Unterröcke. Sie springt vor und zurück, berichtet den Werdegang der Mädchen, erzählt von ihrer Herkunft und Zukunft - und das völlig unaufgeregt und vor allem ohne Hektik. Jedes Wort ist dort, wo es hingehört, jeder Sprung bringt auch den Leser weiter, ein Juwel der Formulierungskunst. Selbst Sex wird unverklemmt und trotzdem damenhaft abgehandelt, und genau genommen gibt es tatsächlich recht viel davon, erstaunlich viel für einen Roman von 1961. Mich aber hat am meisten beeindruckt, mit welcher Leichtigkeit die Autorin Autoritätsmissbrauch darstellt,ohne erhobenen Warnfinger aber mit Nachdruck. Denn man mag sie, die Miss Jean Brodie in der Blützeit ihrer Jahre, und das ist das Gefährliche.

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The iron butterflys avatar

Rezension zu "The Prime of Miss Jean Brodie. Die Blütezeit der Miss Jean Brodie, englische Ausgabe" von Muriel Spark

"She was an Edinburgh Festival all on her own."
The iron butterflyvor 6 Monaten

The girls, known as the Brodie set, are special ones but their teacher is top of the list. Jean Brodie, an unconventional and free thinking single in the prime of her life. The lessons, like secret, conspirating meetings teaching the girls the Brodie laws, her special view about men, about women but also about war and politics. Jean Brodies influence is strong and she accepts nothing else than total loyalty. But strong women like to fight against each other, even if they are teacher and scholar. Searching for the one who betrayed Jean Brodie is learning her own lesson.

I love the Muriel Spark ones, they are always free minded, very emanzipated literature full of strong women fighting for their way, free to fall down, but even strong enough to stand up again. Like a spring breeze going through your mind and soul.

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HansDurrers avatar

Rezension zu "Memento Mori" von Muriel Spark

Vom Leben und Tod betagter Personen
HansDurrervor 6 Monaten

Es gibt viele Schriftsteller, deren Namen einem zwar geläufig sind, deren Werke man jedoch nie gelesen hat – aus was für Gründen auch immer. Und wenn man dann einen oder eine von ihnen doch noch liest – aus was für Gründen auch immer – , wundert man sich manchmal, wie man daran all die Jahre hat vorbei gehen können und freut sich, dass man sie doch noch entdeckt hat. Mir ist es mit Muriel Sparks Memento Mori (Diogenes Verlag, Zürich 2018) so ergangen.

Es war in Brasilien gewesen, Anfang des Jahres, als Muriel Spark entweder im 'New Yorker' oder in der 'New York Review of Books' lobend erwähnt worden war, vielleicht aber auch anderswo, jedenfalls blieb mir ihr Name dieses Mal haften und ich war sofort fest entschlossen, etwas von ihr zu lesen – und war dann schon nach wenigen Seiten von 'Momento Mori' hell begeistert, dauernd musste ich schmunzeln und immer mal wieder laut heraus lachen, so scharf war ihre Beobachtungsgabe, so treffend ihr Witz, so britisch ihre Ironie.

„Die Ampel ist rot“, sagte Lettie. „Und sprich nicht mit mir, als wäre ich Charmain.“
„Lettie, bitte, ich brauche keinen Fahrunterricht. Ich habe die Ampel gesehen.“ Er musste scharf bremsen, und Dame Lettie rutschte ein Stück nach vorn.

„Wenn er über sein eigenes Verhalten nachsann, dann dachte er nie 'ich', sondern immer 'man'.“

Memento Mori handelt vom Leben betagter Personen, die sich gegenseitig verdächtigen, senil zu sein, von Beerdigungen („Godfrey erkannte nicht sofort alle, denn da sie sich prüfend über die den Blumenspenden angehefteten Karten beugten, erblickte er nur eine Reihe von Hinterteilen.“) und Todesfällen („... obwohl ihm der allgemeingültige Grundsatz, dass der Tod jedem Menschen bevorsteht, durchaus bekannt war, vermochte er sich das im jeweiligen Einzelfall nicht vorzustellen.“), ständigen Testamentsänderungen und ausgesprochen skurrilem Verhalten. Reich an Situationskomik, ist dieses Buch ein ganz aussergewöhnlicher Lesegenuss, selten fühlte ich mich besser und intelligenter unterhalten – und bin ganz beglückt, dass viele der Szenen nachhallen.

Vergesslichkeiten und Zusammenstösse mit dem Pflegepersonal sind an der Tagesordnung, Pläne, die dauernd wieder über den Haufen geworden werden, ebenso. Und auch die Gesundheit der zehn Greise ist nicht stabil und unterliegt mannigfachen Schwankungen.

In diese Schilderungen, die wesentlich ums Alter kreisen, sind auch Krimi-Elemente eingebettet, denn Dame Lettie, eine der Protagonistinnen, erhält dauernd Telefonanrufe, bei denen sich eine Stimmer mit dem Satz meldet: 'Bedenke, dass du sterben musst.' und dann einhängt. In der Folge erhalten auch ihr Bruder, Godfrey Colston und seine Frau, die erfolgreiche Schriftstellerin, Charmian Piper, wie auch der Amateurgerontologe Alec Warner (eine wunderbare Figur!) solche Anrufe. Und auch der Detektiv ... Gestorben wird natürlich auch, rasch und ohne grosse Umstände.

Memento Mori macht mich jubeln. Wegen Sätzen wie diesen. „Mrs. Anthony erkannte instinktiv, dass Mrs. Pettigrew eine nette Frau war. Ihr Instinkt irrte sich.“ Für solche Erkenntnisse braucht ein Psychologe mindestens ein Buchkapitel. Und auch so wirklich hilfreiche, praktisch-philosophische Ratschläge findet man in einschlägigen Ratgebern kaum. „Wenn ich noch einmal leben dürfte, würde ich mir angewöhnen, jeden Abend über den Tod nachzudenken. Ich würde mir den Tod sozusagen in Erinnerung rufen. Keine andere Übung lässt einen das Leben intensiver spüren. Wenn der Tod naht, sollte er einen nicht mehr überraschen. Er sollte Teil dessen sein, was man vom Leben erwartet. Ohne das ständige Bewusstsein vom Tod ist das Leben fade. Es ist wie ein Ei ohne Eigelb.“

Scharfsinnig, nüchtern, psychologisch versiert, wunderbar witzig und wesentlich, so nehme ich Muriel Sparks Memento Mori wahr. Auf mich wirkt das befreiend. Als das Buch 1959 auf Englisch erschien (die hervorragend ins Deutsch übertragene Neuveröffentlichung zeigt wieder einmal, dass wirklich gute Literatur zeitlos ist), war die Autorin 41 Jahre alt – es ist verblüffend, wie realistisch und akkurat sie die Greise (Frauen wie Männer) porträtierte.

Momento Mori ist ein höchst unterhaltsames und wunderbar lebenskluges Buch.

PS: A.L. Kennedy hebt in ihrem Nachwort einen Aspekt hervor, der hier erwähnt gehört. "Memento Mori wiederholt unablässig, dass wir alle zum Untergang bestimmt sind, aber es deutet auch an, dass wir deshalb Mitgefühl verdienen, eine liebevolle Freundlichkeit, die Spark in kurzen ergreifenden Augenblicken aufscheinen lässt. An der Seite der Autorin blickt der Leser auf eine Welt, aus der das Mitgefühl weitgehend verschwunden ist, und er sieht, wie schrecklich das ist, was der Tod im Leben anrichten kann. Memento Mori zeigt das vielleicht schwerste Verbrechen auf Erden, das vermeidbare Übel, die menschliche Schuld: den Tod des Erbarmens."

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Zusätzliche Informationen

Muriel Spark wurde am 01. Februar 1918 in Edinburgh (Schottland) (Großbritannien) geboren.

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