Muriel Spark Die Blütezeit der Miss Jean Brodie

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Inhaltsangabe zu „Die Blütezeit der Miss Jean Brodie“ von Muriel Spark

Miss Brodie, eine Lehrerin in den besten Jahren, benutzt fünf junge Mädchen dazu, sich ihre politischen, ästhetischen und auch erotischen Wünsche zu erfüllen. Nur Sandy, das Mädchen mit den kleinen Augen, durchschaut Miss Brodie. Sie versteht, daß Miss Brodie wie die Vorsehung die Geschicke der Menschen lenkt und glaubt, ›sie sei Gott und sehe das Ende‹.

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    Die Blütezeit der Miss Jean Brodie

    MikkaG

    05. August 2016 um 17:36

    Als erstes möchte ich der Madison Public Library (der öffentlichen Bibliothek von Madison) zustimmen, die das Buch auf ihre Liste der 100 gut lesbaren Klassiker gesetzt hat. Die Bibliothek definiert die beiden Kriterien wie folgt (von mir ins Deutsche übersetzt):»Ein Klassiker ist ein Werk von anhaltendem Interesse und anhaltender Anziehungskraft, in dem folgende Generationen zeitlose Wahrheiten finden können.Gut lesbar sind diejenigen Klassiker, deren Anziehungskraft sich direkt offenbart und durchweg bestehen bleibt.«Beides trifft in meinen Augen auf dieses Buch zu. Ich war schon nach wenigen Sätzen gefangen von der Geschichte rund um Miss Jean Brodie, diese so charismatische wie manipulative, so weltoffene wie engstirnige Lehrerin, und ihre Lieblingsschülerinnen. Muriel Spark spricht in diesem dünnen Bändchen eine erstaunliche Vielzahl an Themen an: Erziehung und die Rolle von Autoritätspersonen im Leben ihrer Schützlinge, Gruppendynamik und Individualität, Vorbestimmung und freier Wille, Instinkt und rationale Einsicht, Sexualität, Religion, Faschismus...Das liest sich erstaunlich unterhaltsam, mit einem großartigen Humor, und dennoch ertappt man sich Stunden, nachdem man das Buch zugeklappt hat, noch dabei, wie man darüber nachgrübelt.Ich will euch nicht mit einer ellenlangen Analyse langweilen, deswegen hier nur ein paar meiner Eindrücke:Miss Jean Brodie ist eine unkonventionelle Lehrerin, die sich mit selbstverständlicher Missachtung über die vorgeschriebenen Lehrpläne hinwegsetzt. Wenn eigentlich Geschichte oder Grammatik an der Reihe wären, erzählt sie stattdessen von ihrem glamourösem Leben - ihren Reisen, ihrer tragischen großen Liebe und immer wieder von der Bedeutung ihrer persönlichen "Blütezeit", die sie für ihre Schülerinnen opfert. Ich habe schon erwähnt, dass sie eine charismatische Frau ist, die das aber auch einsetzt, um Menschen zu manipulieren: Sie wählt sich ganz bewusst Schülerinnen heraus, die ihr würdig erscheinen, und beginnt damit, sie nach ihrem Vorbild zu formen. Einerseits erweitert sie mit ihren außergewöhnlichen, manchmal sogar radikalen Ideen sicher den Horizont ihrer Mädchen, anderseits erwartet sie von ihnen, diesen dann direkt wieder einzuschränken - denn Miss Brodies grundlegendste Eigenschaft ist vielleicht ihre Ich-Bezogenheit. Ob bewusst oder unbewusst, in ihrer kleinen Welt ist sie selbst das Maß und Zentrum aller Dinge, und sie erwartet ständige Bewunderung und Bestätigung, sowie bedingungslose Loyalität. Der Verdacht drängt sich auf, dass Miss Brodies angeblich so schillerndes Leben in Wirklichkeit doch nur ein ganz gewöhnliches, vielleicht sogar armseliges ist... Ihr Verhalten ist oft extrem übergriffig und für das Alter ihrer Schülerinnen vollkommen unangemessen.Es würde den Rahmen dieser Rezension sprengen, würde ich auf jedes Brodie-Mädchen einzeln eingehen, deswegen möchte ich nur Sandy und Mary erwähnen.Es wird immer wieder erwähnt, dass Sandy außergewöhnlich kleine Augen hat, und dennoch ist sie wahrscheinlich diejenige mit der klarsten Einsicht in die Gruppendynamik der Auserwählten von Miss Brodie - was allerdings nicht heißt, dass es ihr leichtfällt, sich dem zu widersetzen! Sie versteht instinktiv, dass Miss Brodie die einfältige, ungeschickte Mary ganz bewusst zum Sündenbock macht, um der Gruppe sozusagen ein Ventil für ihre Frustrationen und Zweifel zu geben, das sie beliebig steuern kann. An einer Stelle setzt sie Miss Brodies' Instrumentalisierung von Gruppenzwang und Feindbildern gleich mit der Art von Dynamik, mit der charismatische Despoten wie Mussolini ihre Anhänger an sich binden - was umso bestürzender ist, da Miss Brodie tatsächlich glühende Anhängerin von Mussolini und Hitler ist.Sandy scheint im gleichen Maße angezogen und abgestoßen von ihrer Lehrerin, und ich habe mich ein paarmal gefragt, ob sie nicht auch unterdrückte romantische Gefühle für sie hat.Traurigerweise kann sich sogar die immer wieder erniedrigte und gescholtene Mary nicht von Miss Brodies Einfluss lösen sondern denkt Jahre später noch darüber nach, dass die Zeit mit Miss Brodie die schönste ihres Lebens war. Überhaupt hatte ich das Gefühl, dass die Mädchen alle auf irgendeine Art in ihrer emotionalen Entwicklung verkrüppelt wurden durch Miss Brodies' Einfluss.Es ist immer mal wieder die Rede von den beiden Männern in Miss Brodies' Leben, aber auch diese werden von ihr manipuliert und als Mittel zu dem Zweck eingesetzt, ihr schnödes Dasein dramatischer und glamouröser zu gestalten. Verstörenderweise strebt sie sogar in diesem Aspekt ihres Lebens danach, quasi eine zweite Jugend durch ihre Schülerinnen zu erleben...Den Schreibstil fand ich ganz wunderbar, mit zarten Formulierungen und genau der richtigen Mischung aus Ernsthaftigkeit und Humor. Jedem, dem es möglich ist, würde ich unbedingt das englische Original empfehlen, denn in der deutschen Übersetzung geht ein klein wenig des sprachlichen Zaubers verloren. Womit ich nicht sagen will, dass es eine schlechte Übersetzung ist! Peter Naujack ist sicher ein großartiger Übersetzer klassischer Werke, aber ich stimme dem Autor Miguel de Cervantes zu: »Das Lesen einer Übersetzung entspricht der Untersuchung der Rückseite eines Gobelins«.Fazit:Eine so charismatische wie eigensüchtige Lehrerin steuert in den 30er Jahren das Leben einer kleinen Gruppe auserwählter Schülerinnen, scheitert aber letztendlich daran. So könnte man es zusammenfassen, denn es passiert an sich nicht viel in diesem kleinen Büchlein - es lebt weniger von der Handlung als von den Einsichten in das oft verquere Seelenleben der Charaktere und die merkwürdige Dynamik innerhalb ihrer sozialen Gruppe."Die Blütezeit der Miss Jean Brodie" ist in meinen Augen ein sehr guter Einstieg für Leser, die sich gerne mehr mit den Klassikern der Literatur beschäftigen möchten: es ist kurz, leicht verständlich und unterhaltsam, bietet dabei aber viel Stoff zum Nachdenken.

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  • Besser den Film mit Maggie Smith ansehen

    Die Blütezeit der Miss Jean Brodie

    R-E-R

    15. September 2013 um 21:40

    In einem Zeitungsartikel fiel mir kürzlich ein Foto der jungen Maggie Smith auf. Für diejenigen die mit dem Namen nichts anfangen können: Sie spielt Professor Minverva McGonagall in den Harry Potter Verfilmungen. Auf dem Bild war Sie als Miss Jean Brodie zu sehen, in der Verfilmung des gleichnamigen Romans für den sie 1970 auch ihren ersten Oscar erhielt. “Die Blütezeit der Miss Jean Brodie” gilt (unter Kritikern) als das Werk das den “Weltruf” der Schriftstellerin Muriel Spark begründet hat. Meine Neugier war also geweckt, denn ich kannte Muriel Spark bislang nur von ihrer Biographie der Bronte Schwestern (die ich bei Interesse für die Werke von Charlotte und Emily Bronte sehr empfehlen kann) und von ihrem Buch “Dr. Wolfs Methode” (dessen Inhalt sich mir nicht nachhaltig eingeprägt hat). Auf dem Buchrücken hieß es: “Miss Brodie, eine Lehrerin in den besten Jahren, benutzt fünf junge Mädchen dazu, sich ihre politischen, ästhetischen und auch erotischen Wünsche zu erfüllen. Nur Sandy, das Mädchen mit den kleinen Augen, durchschaut Miss Brodie. Sie versteht, dass Miss Brodie wie die Vorsehung die Geschicke der Menschen lenkt”. Das klang vielversprechend, entpuppte sich aber, wie leider häufig bei Klappentexten, als ebenso vollmundige wie leere Versprechung. Sparks Roman spielt in Edinburgh in der Zeit von 1931 bis kurz vor Ausbruch des Krieges 1939. Jean Brodie lehrt an einer Mädchenschule wo sie die Kinder der Unterstufe, das heißt bis etwa zum Alter von 12 Jahren unterrichtet. “Dies war der erste Winter der zwei Jahre, in denen die Klasse von Miss Brodie unterrichtet wurde. Das Jahr 1931 hatte inzwischen begonnen. Miss Brodie hatte ihre Lieblingsschülerinnen ausgewählt, bzw. diejenigen, denen sie vertrauen konnte; oder besser gesagt diejenigen, deren Eltern sie vertrauen konnte, keine Beschwerden über die fortgeschrittenen und umstürzlerischen Ansichten ihrer Erziehungsmethode zu führen.” Die “Clique” von Miss Brodie umfasst 6 Schülerinnen, die ihr auch nach dem Wechsel von der Unter- zur Oberstufe ergeben bleiben. Monica Douglas, das jähzornige Zahlengenie. Rose Stanley, die Sexappeal mit Instinkt vereinbart. Eunice Gardener, die Turnkünstlerin und gläubige Katholikin. Jenny Gray, die Schauspielerin werden will. Mary McGregor, “ein Niemand der man alles in die Schuhe schieben kann“. Und Sandy Stranger, das Mädchen mit dem psychologischen Gespür und den “Schweinsäuglein“, denen nichts entgeht. Es stimmt, dass die Lehrerin die Mädchen benutzt und instrumentalisiert, aber es gelingt ihr nicht sich mit ihnen ihre Wünsche zu erfüllen. Sie versucht beispielsweise eine Liaison zwischen der Schülerin Rose und dem Kunstlehrer zu arrangieren, in den sie selbst verliebt ist, dem sie aber “entsagt” weil er verheiratet ist. Während Miss Brodie sich stattdessen mit dem ledigen Musiklehrer abgibt, ist es nicht etwa Rose die eine sexuelle Beziehung zu dem Objekt der Begierde von Miss Brodie beginnt. Sondern das Mädchen, dass Miss Brodie am Ende verrät. Ein Verrat der sich als roter Faden durch das Buch zieht, denn Spark setzt das Stilmittel der Vorwegnahme ein. So erfährt der Leser gleich zu Beginn, dass Miss Brodie am Ende “verraten“ wird und auch von wem. Spannend ist also einzig die Frage um welche Art von Verrat es sich handelt und ob Miss Brodie herausfindet, welches ihrer Mädchen den Vertrauensbruch begangen hat und warum. Leider vermochten mich diese Fragen nicht zu fesseln. So gut mir die Biographie “In sturmzersauster Welt” von Spark gefallen hatte, so sehr verzweifelte ich an diesem Roman, der doch von der Kritik so hochgelebt wurde. Im Internet kann man sich auf Youtube die Verfilmung des Romanstoffs mit Maggie Smith ansehen. Was ich bisher davon gesehen habe, erscheint mir wesentlich verständlicher als das was ich gelesen habe. In diesem Fall ist vielleicht einmal der Film besser als das Buch.

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  • Rezension zu "Die Blütezeit der Miss Jean Brodie" von Muriel Spark

    Die Blütezeit der Miss Jean Brodie

    Kathchen

    25. January 2009 um 04:25

    Im Jahr 1930 ist die Lehrerin Miss Jean Brodie der Meinung, sich in der Blütezeit ihres Lebens zu befinden. Sie sucht sich sechs verschiedene Mädchen aus, die in der Schule von nun an nur noch unter der "Brodie-Clique" bekannt sind. Diesen sechs Mädchen, Mary, Eunice, Rose, Sandy, Jenny und Monica, lässt sie einen besonderen Unterricht erfahren und sie will sie zu der "crème de la crème" machen. Anfangs sind die Mädchen erst 10 Jahre alt und wissen nicht so recht, wie ihnen geschieht und welche Macht Miss Brodie über sie hat. Miss Brodie und ihre Lernmethoden sind bei den restlichen Lehrern nicht sonderlich beliebt und vorallem die Direktorin ist auf der Suche nach einem Grund, sie loswerden zu können. Die Inhaltsangabe dieses Buches klang sehr interessant und ich war schon ziemlich gespannt auf die Geschichte. Doch leider wurde ich enttäuscht. Ich mag es nicht, wenn einem nach der Hälfte bereits der Ausgang des Buches erzählt wird. Ebenso gab es viele unnötige Wiederholungen, z.B. was aus den Mädchen nach der Schule geworden ist. In einem 800 Seiten Wälzer kann man wichtige Details sicherlich mal wiederholen, aber nicht in einem etwa 200 Seitigen Büchlein. Miss Brodie war für mich ein merkwürdiger Charakter und ich kann nicht sagen, ob ich sie mag oder nicht. Die Charaktere der sechs Mädchen sind für mich farblos geblieben. Eigentlich konnte ich mir die Namen, Eigenschaften, etc. nicht so richtig merken, vorallem da es mir ziemlich unwichtig erschien. Bis auf drei Charakteren, Sandy, die eine besondere Stellung bei Miss Brodie einnahm, Rose, die später sehr anziehend auf Jungs wirkte und Mary. Mary tat mir durchgehend Leid, von Miss Brodie "ausgesucht" als schwaches Glied der Gruppe wurde sie von allen regelrecht fertig gemacht. Und besonders in der ersten Hälfte des Buches hätte ich mir hin und wieder einen Absatz gewünscht, der z.B. Zukunft von Gegenwart trennt, Träumereien von Wirklichkeit, etc. Alles war an einem Stück geschrieben, auch wenn man sich an einem anderen Ort befindet, als zwei Sätze vorher. Und das hat mich auch teilweise ziemlich verwirrt und gestört. Allerdings muss ich sagen, dass es nicht nur negative Aspekte gab. Die Story finde ich nach wie vor interessant, auch wenn mich die Umsetzung nicht ganz überzeugt hatte. Das Buch ließ sich sehr flüssig lesen und ich wollte in keinem Moment das Buch abbrechen.

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