Memento Mori

von Muriel Spark 
4,0 Sterne bei2 Bewertungen
Memento Mori
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Scharfsinnig, nüchtern, psychologisch versiert, wunderbar witzig und wesentlich.

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Sehr skurrile, aber unterhaltsame Geschichte.

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Inhaltsangabe zu "Memento Mori"

Vier uralte Freunde, die sich eigentlich einen geruhsamen Lebensabend gönnen könnten. Doch als bei ihnen reihum das Telefon klingelt und eine mysteriöse Stimme sagt: »Bedenke, dass du sterben musst!«, da heuern sie nicht nur einen ebenso uralten Detektiv an, um einige merkwürdige Todesfälle in ihrem Bekanntenkreis aufzuklären. Sie sind auch endlich alt genug, um das Leben hemmungslos auszukosten.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783257070040
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:304 Seiten
Verlag:Diogenes
Erscheinungsdatum:24.01.2018
Das aktuelle Hörbuch ist am 01.07.1994 bei Thorndike Pr erschienen.

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    HansDurrers avatar
    HansDurrervor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Scharfsinnig, nüchtern, psychologisch versiert, wunderbar witzig und wesentlich.
    Vom Leben und Tod betagter Personen

    Es gibt viele Schriftsteller, deren Namen einem zwar geläufig sind, deren Werke man jedoch nie gelesen hat – aus was für Gründen auch immer. Und wenn man dann einen oder eine von ihnen doch noch liest – aus was für Gründen auch immer – , wundert man sich manchmal, wie man daran all die Jahre hat vorbei gehen können und freut sich, dass man sie doch noch entdeckt hat. Mir ist es mit Muriel Sparks Memento Mori (Diogenes Verlag, Zürich 2018) so ergangen.

    Es war in Brasilien gewesen, Anfang des Jahres, als Muriel Spark entweder im 'New Yorker' oder in der 'New York Review of Books' lobend erwähnt worden war, vielleicht aber auch anderswo, jedenfalls blieb mir ihr Name dieses Mal haften und ich war sofort fest entschlossen, etwas von ihr zu lesen – und war dann schon nach wenigen Seiten von 'Momento Mori' hell begeistert, dauernd musste ich schmunzeln und immer mal wieder laut heraus lachen, so scharf war ihre Beobachtungsgabe, so treffend ihr Witz, so britisch ihre Ironie.

    „Die Ampel ist rot“, sagte Lettie. „Und sprich nicht mit mir, als wäre ich Charmain.“
    „Lettie, bitte, ich brauche keinen Fahrunterricht. Ich habe die Ampel gesehen.“ Er musste scharf bremsen, und Dame Lettie rutschte ein Stück nach vorn.

    „Wenn er über sein eigenes Verhalten nachsann, dann dachte er nie 'ich', sondern immer 'man'.“

    Memento Mori handelt vom Leben betagter Personen, die sich gegenseitig verdächtigen, senil zu sein, von Beerdigungen („Godfrey erkannte nicht sofort alle, denn da sie sich prüfend über die den Blumenspenden angehefteten Karten beugten, erblickte er nur eine Reihe von Hinterteilen.“) und Todesfällen („... obwohl ihm der allgemeingültige Grundsatz, dass der Tod jedem Menschen bevorsteht, durchaus bekannt war, vermochte er sich das im jeweiligen Einzelfall nicht vorzustellen.“), ständigen Testamentsänderungen und ausgesprochen skurrilem Verhalten. Reich an Situationskomik, ist dieses Buch ein ganz aussergewöhnlicher Lesegenuss, selten fühlte ich mich besser und intelligenter unterhalten – und bin ganz beglückt, dass viele der Szenen nachhallen.

    Vergesslichkeiten und Zusammenstösse mit dem Pflegepersonal sind an der Tagesordnung, Pläne, die dauernd wieder über den Haufen geworden werden, ebenso. Und auch die Gesundheit der zehn Greise ist nicht stabil und unterliegt mannigfachen Schwankungen.

    In diese Schilderungen, die wesentlich ums Alter kreisen, sind auch Krimi-Elemente eingebettet, denn Dame Lettie, eine der Protagonistinnen, erhält dauernd Telefonanrufe, bei denen sich eine Stimmer mit dem Satz meldet: 'Bedenke, dass du sterben musst.' und dann einhängt. In der Folge erhalten auch ihr Bruder, Godfrey Colston und seine Frau, die erfolgreiche Schriftstellerin, Charmian Piper, wie auch der Amateurgerontologe Alec Warner (eine wunderbare Figur!) solche Anrufe. Und auch der Detektiv ... Gestorben wird natürlich auch, rasch und ohne grosse Umstände.

    Memento Mori macht mich jubeln. Wegen Sätzen wie diesen. „Mrs. Anthony erkannte instinktiv, dass Mrs. Pettigrew eine nette Frau war. Ihr Instinkt irrte sich.“ Für solche Erkenntnisse braucht ein Psychologe mindestens ein Buchkapitel. Und auch so wirklich hilfreiche, praktisch-philosophische Ratschläge findet man in einschlägigen Ratgebern kaum. „Wenn ich noch einmal leben dürfte, würde ich mir angewöhnen, jeden Abend über den Tod nachzudenken. Ich würde mir den Tod sozusagen in Erinnerung rufen. Keine andere Übung lässt einen das Leben intensiver spüren. Wenn der Tod naht, sollte er einen nicht mehr überraschen. Er sollte Teil dessen sein, was man vom Leben erwartet. Ohne das ständige Bewusstsein vom Tod ist das Leben fade. Es ist wie ein Ei ohne Eigelb.“

    Scharfsinnig, nüchtern, psychologisch versiert, wunderbar witzig und wesentlich, so nehme ich Muriel Sparks Memento Mori wahr. Auf mich wirkt das befreiend. Als das Buch 1959 auf Englisch erschien (die hervorragend ins Deutsch übertragene Neuveröffentlichung zeigt wieder einmal, dass wirklich gute Literatur zeitlos ist), war die Autorin 41 Jahre alt – es ist verblüffend, wie realistisch und akkurat sie die Greise (Frauen wie Männer) porträtierte.

    Momento Mori ist ein höchst unterhaltsames und wunderbar lebenskluges Buch.

    PS: A.L. Kennedy hebt in ihrem Nachwort einen Aspekt hervor, der hier erwähnt gehört. "Memento Mori wiederholt unablässig, dass wir alle zum Untergang bestimmt sind, aber es deutet auch an, dass wir deshalb Mitgefühl verdienen, eine liebevolle Freundlichkeit, die Spark in kurzen ergreifenden Augenblicken aufscheinen lässt. An der Seite der Autorin blickt der Leser auf eine Welt, aus der das Mitgefühl weitgehend verschwunden ist, und er sieht, wie schrecklich das ist, was der Tod im Leben anrichten kann. Memento Mori zeigt das vielleicht schwerste Verbrechen auf Erden, das vermeidbare Übel, die menschliche Schuld: den Tod des Erbarmens."

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    19angelika63s avatar
    19angelika63vor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Sehr skurrile, aber unterhaltsame Geschichte.
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