Cover des Buches Frettnapf (ISBN: 9783453410176)Cappuccino-Mamas avatar
Rezension zu Frettnapf von Murmel Clausen

Neues von Jens, Sven und Hondo - die Chaostruppe schlägt wieder zu

von Cappuccino-Mama vor 8 Jahren

Review

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Cappuccino-Mamavor 8 Jahren

Nach dem Buch FRETTSACK aus dem Jahr 2012, folgte nun die Fortsetzung rund um die beiden chaotischen WG-Genossen Jens und Sven. FRETTNAPF, so der Titel, gleicht schon rein äußerlich seinem Vorgänger, ob er es aber auch inhaltlich geschafft hat, mich zu überzeugen?


Das Cover:

Quietschgelbhochglänzend leuchtet das Buch dem Leser entgegen. Und auch hier, wie bereits beim Vorgänger, ziert wieder ein Frettchen das Cover. Doch diesmal ist es die „Mini-Ausführung“, also ein niedliches Frettchenbaby, das dem Leser aus seinem hellblauen Babybadewännchen entgegenblickt – als Kontrast zum Hintergrund ist das Bild diesmal matt gestaltet. Der Autorenname und der Buchtitel ist wieder auf einem weißen, abgerissenen Stück Wellpappe aufgedruckt. Im Wort FRETTNAPF ist zwischen all den schwarzen Buchstaben das R in roter Farbe hervorgehoben, denn Fettnäpfe gibt es im Buch so einige...

Aber – so steht es auf der Rückseite des Buches: Totstellen ist auch (k)eine Lösung.


Die Handlung:

Jens Fischer, der im ersten Buch von Idi Amin (dem Frettchen seines damaligen Mitbewohners Sven) durch einen herzhaften Biss in die „Kronjuwelen“ entmannt wurde, führt inzwischen ein relativ glückliches Leben mit der „mittelhochschwangeren“ Jessi an seiner Seite. Die beiden freuen sich auf das Baby, welches Jessi von Sven, dem Ex-Mitbewohner von Jens, erwartet. Dass sich etwas ändern muss, realisiert Jens jedoch erst dann, als Jessi mit gepackten Koffern vor ihm steht und ihm verkündet, dass sie für einige Zeit zu ihrer Trauzeugin zieht. Jens ist entsetzt und befürchtet das Schlimmste – will seine geliebte Jessi sich etwa von ihm trennen? Und so beschließt er, sich und seiner kleinen Familie eine gesicherte Existenz aufzubauen. Doch das erweist sich als gar nicht so einfach.

Der ehemalige „Bademeistermeister“ (Anmerkung: das ist kein Schreibfehler) und Balkanhüne Hondo indessen ist frisch verliebt in seine vermögende Freundin Aylin, wohnt mit ihr zusammen in einer Traumwohnung und möchte ihr zuliebe zum Judentum konvertieren.

Sven hingegen hat die Abenteuerlust gepackt und so möchte er die Welt umradeln, doch zuvor gilt es noch einiges zu erledigen und so verschiebt sich sein Aufbruch immer wieder nach hinten.


Meine Meinung:

Raus aus dem Fettnapf, rein in den Fettnapf! - Fast scheint es so, als wäre dies das Lebensmotto des Jens Fischer. Ereilt ihn erst ein Unglück, so folgt das nächste, das sich wiederum lawinenartig vermehrt.

Sehr amüsiert habe ich mich dafür über den Vater von Jens, der gerade ebenfalls eine schwere Zeit durchmachte. Er, der stets das brave und vorbildliche Familienoberhaupt war, hat die Singlebörsen im Internet für sich entdeckt und genießt seinen zweiten Frühling. Wie praktisch dass man über das Internet kommuniziert – so kann man es auch mal mit der Wahrheit nicht ganz so genau nehmen. Doch zu seinem Pech, geht dies nicht lange gut. Ja, man gönnt ihm das, was ihn schließlich erwartet. Nach einem Rauswurf daheim hat er die Wahl zwischen der Obdachlosigkeit oder dem Asyl bei Hondo – gemeinsam mit seinem Sohn Jens. Zu zweit in einem aufgeblasenen Schlauchboot zu übernachten – kann es etwas schöneres für Vater und Sohn geben, als dieses gemeinsame Erlebnis? Wohl kaum!

Aber es trifft Jens ja wahrhaftig hart. Erst die Trennung von Jessi, seiner zukünftigen Frau und dann auch noch das. Jens würde nun, als Enddreißiger, nur zu gerne nicht mehr der große Junge sein, der er ja eigentlich noch immer ist, sondern endlich in angemessener Form Verantwortung übernehmen. Aber Jens wäre ja nicht Jens, liefe alles glatt – NATÜRLICH warten die Fettnäpfchen nur darauf, dass Jens in sie hineintritt (oder sich gar in ihnen wälzt)!

Jessi gibt sich zwar locker, aber wohl auch schwangerschaftsbedingt (wir erinnern uns - Jessi ist „mittelhochschwanger“), spielen ihre Hormone verrückt und sie legt jedes Wort auf die Goldwaage. Da kann Jens doch eigentlich nur verlieren.

Aber auch die Begegnung mit Aylin, Hondos Traumfrau bietet für Jens eine Überraschung, denn so hatte er sich die Dame, die Hondo so sehr in den Himmel lobte, gewiss nicht vorgestellt. Aber sich mit dem prolligen Hondo anzulegen, das traut sich Jens, seiner Gesundheit zuliebe, doch nicht und so schweigt er lieber.

Hondo, mein persönlicher „Anti-Held“, ist jetzt zwar in festen Händen, doch damit ist er leider (oder zum Glück für den Leser) kein anderer Mensch geworden, auch wenn er versucht, dies zu vermitteln und intellektuell gebildet zu wirken. Seine Angebetete Aylin ist schließlich ein guter Fang und so verfügt Hondo nun nicht nur über mehr Geld, sondern hat durch Aylin auch noch gleich ein Töchterchen bekommen und das gilt es zu beschützen – wenn nötig mit ganzem Körpereinsatz! Aber Hondos Sprüche in seinem mangelhaften deutsch sind auch in diesem Buch, so wie bereits im Vorgängerband, immer einen Lacher wert – selbst wenn es Drohungen sind. Das ist das, was Hondo ausmacht. So lernte ich ihm im ersten Band kennen und zum Glück hat er sich psychisch nicht wirklich weiterentwickelt.

Währenddessen will der Ex-Mitbewohner Sven zu einer „Weltumradelung“ aufbrechen. Klar, dass man bei einem so chaotischen Menschen befürchtet, dass da einiges schiefläuft. Und soviel sei verraten – das Projekt läuft natürlich keinesfalls wie geplant! Erwähnen möchte ich an dieser Stelle noch Svens außerkewöhnliche Englischkenntnisse – oder sollte ich besser sagen, seine Unkenntnisse? Äußerst amüsant und immer einen Lacher wert. Fraglich, wie weit man damit bei einer „Weltumradelung“ kommt.

Und dann ist da noch der äußerst gutmütige Ralf und seine Frau Maren, die ehemalige Traumfrau von Jens. Da Jens den beiden durch seine Samenspende zu einem Kind verholfen hat, kann es ja nicht schaden, sich dort Rat zu holen. Ob das gutgehen kann?

Ich bin ja ein Freund origineller Titelüberschriften. Im ersten Buch wurde jedes Kapitel einem Tier gewidmet und mit Infos über dasselbe versehen. Hier erhielt jedes Kapitel den Namen einer Verbrauchermesse zugeteilt, wiederum mit einigen Informationen dazu versehen. Wem auf Anhieb nur die herkömmlichen Messen einfallen – hier einige der Messen aus dem Buch (- Sachen gibt es, damit rechnet kaum einer): Hochzeitsmesse, Glücksspielmesse, Hebammenmesse, 50plus Messe, Spionagemesse, Auswanderermesse,... . Und weshalb wurden diese Messen gewählt? Ganz einfach deshalb, weil Jens als Promoter auf solchen Veranstaltungen sein Geld verdient – da ist diese Idee natürlich gekonnt umgesetzt.

Tja, ich hätte mir fast einen etwas größeren Hondo-Anteil gewünscht, denn dieser nicht gerade sonderlich intelligente, dafür aber umso kräftigere „Assi-Typ“ ist eines der Highlights im Buch - schon im ersten Buch hatte er einen Großteil zur humorvollen Unterhaltung beigetragen. Seine Freundin Aylin fand ich gut ausgewählt, denn erwartet hätte man wohl definitiv einen ganz anderen Typ Frau an Hondos Seite. Überhaupt: Typisch für den Autor Murmel Clausen, dass er die Jüdin nicht den „typischen“ Namen Sarah oder Rebekka,... verpasst hat, sondern einen eher „unpassenden“ Namen gewählt hat, den man vermutlich in einem anderen Kulturkreis vermuten würde. Aber auch an anderer Stelle trifft man auf Namen, die so gar nicht miteinander harmonieren wollen – sehr zur Freude der Leser.

Das Buch ist ja, wie bereits erwähnt, die Fortsetzung des Romans FRETTSACK, den ich vor einiger Zeit gelesen habe. Ich denke aber, dass man FRETTNAPF durchaus auch ohne die Vorkenntnisse des Vorgängerbandes versteht. Dennoch ist es natürlich immer besonders schön, wenn man die komplette Buchserie liest, denn auch an der Vorgeschichte wird der Leser seine helle Freude haben. Der Schluss dieses Bandes gefiel mir sehr gut. Eine überraschende Wendung und oft kommt alles anders, als man denkt – doch das wird hier natürlich nicht verraten.

Der Autor Murmel Clausen (wobei wir wieder einmal bei den Namen wären) ist zahlreichen Fernsehzuschauern indirekt bekannt – wenn auch nur im Hintergrund. So war er Headwriter bei Erkan & Stefans HEADNUT TV, schrieb unter anderem gemeinsam mit Michael „Bully“ Herbig, Rick Kavanian und Christian Tramitz Sketche für die BULLYPARADE und den Kinoerfolg DER SCHUH DES MANITU, für Christian Tramitz verfasste er Texte für dessen Serie TRAMITZ & FRIENDS (3 Staffeln) und für Anke Engelke steuerte erSketche für LADYKRACHER bei. Aber auch bei der COMEDY-FALLE wirkte er mit. Dies sind aber nur einige seiner zahlreichen Projekte, an denen er beteiligt war. Was wäre also naheliegender, als humorvolle Romane zu schreiben. Eine weise Entscheidung, wie ich finde.


Fazit:

Amüsant und humorvoll, eine gelungene Fortsetzung vom FRETTSACK, doch leider konnte mich das Buch nicht vollkommen überzeugen (aber fast!) – es fehlt das gewisse Etwas, das Tüpfelchen auf dem i, was vielleicht aber auch an der unterschiedlichen Vorstellung von Humor liegen könnte, die Männer und Frauen haben. Dennoch eine Buchempfehlung gibt es natürlich dennoch von mir, sowie 4 Sterne. - Und trotz kleinem Punkteabzug würde ich mich sehr über ein Wiederlesen mit der Chaostruppe rund um Jens, Sven und Hondo freuen.

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