Museum und Park Kalkriese 2000 Jahre Varusschlacht - Konflikt

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Inhaltsangabe zu „2000 Jahre Varusschlacht - Konflikt“ von Museum und Park Kalkriese

Warum Krieg? Die Ausstellung KONFLIKT führt an den Ort der Varusschlacht und präsentiert hier den aktuellen Forschungsstand. Wie konnte es geschehen, dass die beste Armee der Welt von Barbaren geschlagen wurde? Wie wurde gekämpft? Warum kehrte nach der Schlacht kein Frieden in der germanischen Welt ein? Was trieb die »wilden, ungezügelten« Germanen in eine endlose Folge militärischer Konflikte mit dem an sich überlegenen Kontrahenten? Jenseits vertrauter Klischees zeichnet die Darstellung den Weg der Germanen an die Spitze der Macht im alten Europa nach und zeigt die Gründe für ihren Erfolg. Mit eindrucksvollen Funden – darunter Beutestücke aus germanischen Raubüberfällen sowie Kostbarkeiten aus den Gräbern der »Barbarenfürsten« – führt sie bis ins 5. Jahrhundert, als erste germanische Königreiche entstanden und Rom als politische Kraft ablösten.

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  • Rezension zu "2000 Jahre Varusschlacht - Konflikt" von Museum und Park Kalkriese

    2000 Jahre Varusschlacht - Konflikt

    wolfschwerdt

    17. May 2010 um 17:52

    Mit der Varusschlacht selbst befasst sich nur ein kleiner Teil der Ausstellung KONFLIKT und des dazugehörigen Begleitbandes. Natürlich, die Ausstellung KONFLIKT findet im Museum und Park Kalkriese, dem Schlachtfeld des „gefeierten“ Ereignisses vor 2000 Jahren statt, und allein deshalb gehört die Beschreibung der Schlacht und des Schlachtfeldes unter historischen und archäologischen Aspekten einfach dazu. Thema aber sind die Germanen. Und es geht tatsächlich um die Germanen, nicht um Arminius. Schritt für Schritt nähern sich die Autoren unter verschiedensten Blickwinkel der Frage, womit hatten es die Römer eigentlich zu tun, in den Jahrhunderte währenden Konflikten mit den Germanen. Das Wort womit ist dabei ganz bewusst gewählt, denn es stellt sich nicht in erster Linie die Frage nach Personen, sondern nach kulturellen Besonderheiten, nach Mentalitäten, sozialen Strukturen, nach Motiven und Werten, die die Germanen antrieben, die sie am Ende das römische Reich überwinden ließen. Letztendlich ist der Kalkriese-Teil des Ausstellungsprojektes IMPERIUM KONFLIKT MYTHOS ganz auf Konfliktforschung ausgelegt. Und während die Motivation, Struktur und Logistik römischer Kriegsführung ausführlich in Ausstellung und Buch IMPERIUM behandelt wird, sind hier in Kalkriese nun die Germanen dran. Wie sahen die Römer die Germanen, was hielten die antiken Autoren von den germanischen Kriegern, was sagen uns die zeitgenössischen Quellen, was erfahren wir aus der Literatur, beispielsweise aus dem Nibelungenepos über die germanische Denkweise. Noch wichtiger aber die Frage: wie sind diese Quellen zu bewerten? Fragen der Interpretation ergeben sich auch bei den archäologischen Quellen und Funden. Scheinbar eindeutig die Massengräber in den Brunnen, die auf brutalste Massaker der Germanen hinweisen. Die Germanen also doch nur ein Volk von Barbaren? Schnell wird dem Leser von KONFLIKT klar, dass man vor dem Hintergrund unserer heutigen Moralvorstellungen der Welt der Germanen überhaupt nicht beikommen kann. Das Leben der germanischen Elite war der Krieg, der auch dann zur Grundlage des germanischen Sozialsystems gehörte, wenn keine Römer als Gegner zur Verfügung standen. Die im Rahmen der Ausstellung präsentierten Untersuchungen und Funde der vorrömischen Eisenzeit, als sich die germanischen Gefolgschaften gegenseitig bekämpften und auch die Entwicklung zu kriegerischen Großstämmen in den nachchristlichen Jahrhunderten, sprechen eine deutliche Sprache. Treue und Ehre waren die Triebkräfte der mit dem Sammelbegriff Germanen bezeichneten Ethnien an der Nordwestgrenze des römischen Imperiums, Plünderzüge eine Wirtschaftsform. Treue und Ehre waren die Bindekräfte innerhalb der germanischen Gemeinschaften aber auch die Triebkräfte von Konflikten. Das ganze Spektrum germanischer Präsenz wird in Ausstellung und Buch vorgestellt. Da geht es um die Germanen in römischen Diensten, die Germanen als Bürger Roms, die Germanen im Ostseeraum oder als Gründer von Fürsten- und Königstümern. Neueste Forschungen gehen in die Untersuchungen mit ein, sei es in Form der Funde und Interpretationen von skandinavischen Kriegsbeuteopfern, von offensichtlich sakral motivierten Massakern an einer vermutlich römischen Familie oder an den neuesten Erkenntnissen vom Schlachtfeld am Harzhorn. Struktur und Entwicklung germanischer Eliten werden untersucht, dabei kommt auch die historisch – methodische Diskussion nicht zu kurz, die sich beispielsweise in dem Kapitel „Bauern – Häuptlinge – Fürsten, Kulturanthropologische Modelle archaischer Herrschaftssysteme und die Archäologie der frühen Germanen“ ausdrückt. Aber im Zentrum der Präsentation stehen natürlich die materiellen Relikte, wie die Fürstengräber der älteren römischen Kaiserzeit bei Hagenow, die Fürstengräber von Lübsow, das germanische Fürstengrab von Gommern oder das Grab des Frankenkönigs Childerich allesamt mit prächtigen Kunstgegenständen ausgestattet. Der Begleitband KONFLIKT folgt in seinem Aufbau der Gliederung der Sonderausstellung, die –wie in der Einführung vorgestellt- recht avantgardistisch gestaltet ist. Sogenannte Konfliktkeile ragen in den Ausstellungsraum hinein und bilden einen Ausstellungsparcours, der die Informationen anschaulich, konzentriert und multimedial präsentiert. Die Ausstellung beginnt mit den Hintergründen und dem Verlauf der Varusschlacht, um sich dann dem Germanischen Krieger und den Markomannenkriegen zuwenden. Der Abschnitt „der westliche Ostseeraum“ ist sicherlich eines der inhaltlichen Highlights der Ausstellung, befasst sie sich doch mit jenen Regionen, in denen die Germanen ab dem späten 2. bis in das 5. Jahrhundert mehr oder weniger unter sich waren,. Historische Quellen fehlen, hier spricht die Archäologie. Natürlich wird dann der Limesfall thematisiert und über die germanischen Söldner im römischen Heer informiert. Die oben bereits angesprochenen Gewalttaten nach dem Kampf, Struktur und Entwicklung des Gefolgschaftswesens und die interdisziplinäre Untersuchung germanischer Elitenbildung bilden das thematische Ende der Ausstellung. Und während das Begleitbuch mit Überlegungen zu den Grenzen germanischer Machtentfaltung bis zum 6. Jahrhundert und der Interaktion von germanischem Kriegswesen und römischer Militärpolitik schließt, kann der Ausstellungsbesucher vom Turm des Ausstellungsgebäudes aus einen Blick über das historische Schlachtfeld bei Kalkriese werfen.

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