Nadeem Aslam

 4.2 Sterne bei 31 Bewertungen
Autor von Die Goldene Legende, Der Garten des Blinden und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Nadeem Aslam

Nadeem Aslam wurde 1966 in Gujranwala, Pakistan geboren, musste das Land wegen des Widerstands seines Vaters gegen das Zia-Regime als Jugendlicher verlassen, studierte in England Biochemie und Literatur und lebt heute in London. Für seinen Romanerstling „Season of the Rainbird“ (1993) wurde er mit dem Betty Trask Award ausgezeichnet, für „Atlas für verschollene Liebende“ u.a. mit dem Kiriyama Pacific Rim Prize 2005.

Alle Bücher von Nadeem Aslam

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Die Goldene Legende

Die Goldene Legende

 (12)
Erschienen am 04.09.2017
Der Garten des Blinden

Der Garten des Blinden

 (7)
Erschienen am 03.03.2014
Atlas für verschollene Liebende

Atlas für verschollene Liebende

 (3)
Erschienen am 01.02.2007
Das Haus der fünf Sinne

Das Haus der fünf Sinne

 (6)
Erschienen am 01.09.2011
Maps For Lost Lovers

Maps For Lost Lovers

 (2)
Erschienen am 03.05.2005
Wasted Vigil

Wasted Vigil

 (1)
Erschienen am 08.09.2009
The Blind Man's Garden

The Blind Man's Garden

 (0)
Erschienen am 02.04.2013

Neue Rezensionen zu Nadeem Aslam

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Rezension zu "Die Goldene Legende" von Nadeem Aslam

Weniger ist manchmal mehr
monerlvor 3 Monaten

(3,5 Sterne)

Meine Meinung
Der Autor ist neu für mich und ebenso Lektüre aus seinem Geburtsland Pakistan. Das einzige Buch, das ich über Pakistan gelesen habe, ist die Autobiografie von Malala Yousafzai. Danach wollte ich mehr über Pakistan erfahren und landete deshalb bei “Die goldene Legende”.

Sehr auffällig und für mich spannend ist, dass der Autor, der schon als Jugendlicher Pakistan verlassen musste und deshalb seit vielen Jahren in London lebt, einen europäischen Schreibstil (angenommen) hat. Erwartet hatte ich eine etwas blumigere Sprache, wie ich es von arabischen und orientalischen Autoren gewohnt bin.

Nadeem Aslam hat ein sehr trauriges Buch geschrieben, in dem es kaum Hoffnung für eine bessere Zukunft gibt. Dies ist mein Gefühl, nachdem ich das Buch zugeklappt hatte. All seine unterschiedlichen Charaktere, seien sie Christen, Muslime, Akademiker, Rikschafahrer, Frauen, Männer, Geistliche oder normale Bürger, alle sie leben ein schweres Leben, oftmals in großer Angst und Unterdrückung. Somit stellte sich mir die Frage, ob es wirklich so ist, dass Pakistan auf eine Art und Weise ein verlorenes Land ist?

Ein Schwerpunkt der Buches ist die Unterdrückung von Christen durch fanatische Muslime. Natürlich leiden nicht nur sie unter den Fanatikern. Auch normale muslimische Bürger, wie der Imam der Moschee in Nargis´ Nachbarschaft als auch seine Tochter haben es schwer. Die Fankatiker haben sich bei ihnen eingenistet und bestimmen ihr Leben. Mir fehlte jedoch dabei insgesamt der etwas ausgleichende Pol des normalen Lebens. Gibt es denn keines? Haben die Fanatiker in Pakistan dermaßen die Oberhand? Falls es so ist, erschreckt es mich, so wenig über dieses Land zu wissen und zu hören.

Ein weiterer Punkt ist die Korruption hochrangiger Offiziere und Geheimdienste, das der Autor in seiner Geschichte verarbeitet. Nargis hat das Pech durch den Unfall, der ihren Mann das Leben gekostet hat, mit so einem Offizier in Berührung zu kommen. Fortan muss sie auch Angst um ihr Leben haben, ist auf der Flucht vor ihm und es scheint keinen positiven Ausweg für sie zu geben.

Als das Geheimnis der Protagonistin Nargis für mich als Leser gelüftet wurde, war ich überrascht. Damit hatte ich nicht gerechnet. Der Autor bindet dieses Geheimnis und die Auswirkungen dessen sehr gut in seine Geschichte über die Gesellschaft Pakistans ein. Neben Nargis gibt es noch weitere interessante Charaktere, die die Handlung vervollständigen. Einer davon ist Imran (Moskau genannt), ein junger Mann, der aus Kaschmir nach Pakistan geflohen ist und sich nun verstecken muss, da er aus der Organisation, die ihn paramilitärisch ausgebildet, unerlaubt verlassen hat. Sein Schicksal führt ihn zu Nargis und Helen, mit denen er fortan auf der Flucht ist. Leider blieben aber alle Charaktere etwas kalt. Ich interessierte mich für ihr Schicksal, ihr weiteres Leben, doch konnte ich ihnen nicht nah genug kommen. Ich fand keine richtige Sympathie ihnen gegenüber.

Je mehr man im Buch vorankommt, umso größer werden die Punkte, die der Autor in seinem Buch anschneidet und verarbeitet. Neben dem schweren Leben der Christen, den fanatischen Muslimen, den Selbstmordattentaten kommen der Kaschmir-Konflikt hinzu, Drohnenkriege der USA, Korruption der Geheimdienste als auch die Anwendung der Scharia in Pakistan. Dadurch fühlte sich für mich die Geschichte etwas überladen an. Manchmal ist weniger mehr.


Fazit
Der Autor konnte durch sein Buch mein allgemeines Interesse für Pakistan, wie auch für Kaschmir, wecken. Ich habe es sehr gerne gelesen, hatte aber gem. dem Klappentext eine etwas andere Geschichte erwartet. Eine, die sich intensiver mit dem Geheimnis von Nargis befasst und auch den “Verkünder der Geheimnisse” entlarft. Diese sind lediglich Mittel zum Zweck, nämlich, Pakistans Geschichte und Gesellschaft dem Leser näherzubringen. Nichtsdestotrotz werde mich nun intensiver mit der Geschichte Pakistans uns Kaschmirs befassen und nach weiterer Lektüre suchen. Ein gutes Buch, für das ich 3,5 Sterne vergebe, es mir aber etwas anders gewünscht hätte.

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Rezension zu "Die Goldene Legende" von Nadeem Aslam

Gegen Fanatismus
serendipity3012vor einem Jahr

Gegen Fanatismus 

Nadeem Aslams neuester Roman „Die goldene Legende“ ist vor allem eins: ein trauriger Roman. Ich las vor einigen Jahren Aslams „Der Garten des Blinden“, ein Buch, dass in einer recht blumigen Sprache und sehr metaphernreich die Geschichte einiger Menschen in Pakistan und Afghanistan nach den Anschlägen vom 11. September beschreibt, Menschen zwischen Fanatismus und Aufgeklärtheit, in einer aufgeheizten Stimmung, in der zwangsläufig einige zwischen die Fronten geraten. Seinem Thema bleibt Aslam in seinem neuem Roman treu: Wieder stehen sich radikale und gemäßigte Religiöse gegenüber, wobei diesmal auch die christliche Minderheit eine große Rolle spielt. „Die goldene Legende“ ist nicht ganz so harte Kost wie der Vorgängerroman, dessen Lektüre ich als schmerzhaft in Erinnerung habe. Aber es ist eine traurige Geschichte, traurig und doch schön.

Hauptfiguren sind Nargis, die ganz zu Beginn der Geschichte ihren geliebten Ehemann Massud verliert und ihre junge Nachbarin Helen, Tochter eines christlichen Ehepaars. Helen ist Halbwaise, ihre Mutter Grace starb durch die Hand eines Muslims, doch da Grace Christin war, zählt diese Tat weniger als wenn sie eine Muslima gewesen wäre – wenn auch nicht offiziell. Helens Vater Lily ist ein Rikschafahrer. Er, Helen und Grace wurden ihr Leben lang schlecht behandelt: Als Angehörige der christlichen Minderheit in Pakistan galten sie als unrein und sowieso als Ungläubige. Nargis und Massud aber waren ihnen stets freundschaftlich verbunden.

Aslam erzählt in seinem Roman die ineinander verschlungenen Geschichten seiner Figuren: So trägt Nargis ein Geheimnis mit sich herum, das sie seit vielen Jahren mit Massud teilen wollte, bis es nun zu spät dafür ist. Seit einiger Zeit verrät ein Unbekannter vom Dach der nahe gelegenen Moschee aus Geheimnisse der Menschen aus dem Viertel, was oft weitreichende und gefährliche Konsequenzen für sie hat. Nargis befürchtet, dass auch ihr so gut gehütetes Geheimnis bald öffentlich verkündet werden könnte. Gleichzeitig sieht sie sich mit verschiedenen Interessen konfrontiert, nachdem Massud zu Beginn des Romans in einer Schießerei von einem amerikanischen Diplomat getötet wird: Sie soll ihm verzeihen, so versucht man sie zu zwingen, auf diese Weise könne er in die USA zurückgehen, im Gegenzug verspricht man sich gewisse Zugeständnisse von amerikanischer Seite. Auf höherer Ebene, versteht sich. Das Gesetz Allahs, die Scharia, stehe über dem Gesetz der Menschen: Wenn also Nargis und die Hinterbliebenen der anderen Opfer des Amerikaners ihm verzeihen, wird dieser sich keinem Prozess unterziehen müssen und sich auf andere Weise erkenntlich zeigen.

Gleichzeitig spitzt sich die Situation zu, als der Unbekannte etwas über Helens Vater Lily preisgibt und beide nicht mehr sicher sind. Hier kommt dann der junge Imran ins Spiel, der einst in Kaschmir gekämpft hat, sich dann aber von seinen Mitstreitern losgesagt hat und nach Pakistan floh.

Nadeem Aslam gelingt es ganz wunderbar, seine verschachtelte Geschichte behutsam vor dem Leser auszubreiten, er nimmt sich Zeit dafür, sie Gestalt werden zu lassen, so dass man als Leser langsam eintaucht in diese raue, gefährliche Welt, in der sich seine Figuren bewegen. Dabei sind diese Figuren eindeutig so angelegt, dass man sich als Leser mit ihnen identifizieren soll, sie verkörpern allesamt die Vernunft und ein bisschen auch eine Gelassenheit gegenüber all dem Schlimmen, dem sie ausgesetzt sind. Ein Glaube an das Gute? Fatalismus? Wer weiß. Vielleicht sind sie so teilweise ein wenig einseitig geraten, vielleicht kann man sie in ihrem Mut und ihrer Furchtlosigkeit aber auch als das Ideal verstehen, das gegenüber all dem Fanatismus und der Gewalt vonnöten wäre, wollte man versuchen, beidem die Stirn zu bieten. Nargis, Helen und Imran verkörpern ein Stück Hoffnung, ohne die „Die goldene Legende“ nicht nur traurig, sondern niederschmetternd wäre.

Aslam zeigt ein differenziertes Bild des Islam. „Die goldene Legende“ ist zu keiner Zeit ein Buch, das sich gegen Religionen positioniert, es ist jedoch stets ein Roman, der sich gegen jede Form von Fanatismus, von Ausgrenzung und Intoleranz stellt. Dabei fehlt ihm jeder dozierende Anstrich, vielmehr zeigt Aslam schlicht und einfach, wie es ist oder sein könnte und was passieren könnte, wenn die Entwicklung auf diesem Weg weitergeht. Die Sprache des Autors ist weniger blumig, als es in „Der Garten des Blinden“ der Fall war, aber auch hier finden sich wohldosiert Metaphern und Bilder, die der Geschichte in all ihrer Trauer Schönheit verleihen, vielleicht sogar ein bisschen Hoffnung. So lässt sich „Die goldene Legende“ auch als Plädoyer für Toleranz und Offenheit lesen.


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KristinSchoellkopfs avatar

Rezension zu "Die Goldene Legende" von Nadeem Aslam

Brillant!
KristinSchoellkopfvor einem Jahr

Dass Religionen, besonders in ihrer Diversität und Vielzahl, schon immer zu grauenvollen Kriegen geführt haben, ist wahrscheinlich jedem bekannt. Doch wie fühlt es sich an, in einem Land zu leben, das gegen die eigene Religion vorgeht? Kann man sich je sicher fühlen?

Die goldene Legende ist ein Buch, das sich genau mit dieser Frage auseinander setzt. Wie geht es Christen in Pakistan? Obwohl diese Frage recht abstrakt klingen mag, schafft es Nadeem Aslam dem Leser genau davon einen Eindruck zu verschaffen und das so authentisch, dass ich mehr als einmal schwer Luft holen musste. Was diesen Roman so kraftvoll macht, ist der persönliche Bezug, den der Autor zu dieser Problematik hat und ihn auch in jedem Satz mitschwingen lässt. Umso beeindruckender wirkt es auf den Leser, dass er keine Religion verurteilt, sondern besonders die Menschen herausfordert, die aus ihr eine Waffe kreieren.

Der Grund, warum ich nicht völlig überzeugt von diesem Werk bin, ist Nadeem Aslams Schreibstil. Er versucht einigen Aspekten möglichst viel Überzeugungskraft einzuflößen und beschreibt diese zermarternd genau und exzessiv. Dies hat, mit persönlich, etwas den Lesefluss, wie auch die Emotionen, genommen.

Dennoch ist es nicht zu leugnen, dass der Autor mit Die goldene Legende ein Werk schafft, das zum Denken anregt und uns so viele Fragen stellt: Ist es die Religion Wert, dass wir zu Unmenschen werden?

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