Die Goldene Legende

von Nadeem Aslam 
4,5 Sterne bei11 Bewertungen
Die Goldene Legende
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Eliza1991s avatar

Auch wenn es keine einfache Lektüre ist, ist die Geschichte stets präsent und wichtig. Für jeden von uns.

KristinSchoellkopfs avatar

Fesselnd und aktuell!

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Inhaltsangabe zu "Die Goldene Legende"

Wenn ein Leben nur in der Lüge möglich ist

In dem Moment, als auf der Grand Trunk Road Schüsse zu hören sind, beginnt Nargis' Leben zu zerbrechen. Ihr Ehemann gelangt versehentlich ins Kreuzfeuer und stirbt, bevor sie ihm die Wahrheit über ihre Vergangenheit beichten kann. Schon seit Längerem fürchtet sie, dass diese bald ans Licht kommen wird: Ein Unbekannter verkündet regelmäßig Geheimnisse der Anwohner vom Minarett der örtlichen Moscheen und versetzt damit Muslime und Christen gleichermaßen in Angst. Als die Lautsprecher die verbotene Liaison ihres Nachbarn mit der Tochter des muslimischen Geistlichen aufdecken, sind die Einschläge so nah, dass Nargis handeln muss ...
In der für ihn typischen leuchtenden Prosa erzählt Nadeem Aslam eine Geschichte über Fanatismus, Widerstandsvermögen und die Lügen, die manchmal nötig sind, um zu überleben. Ein mutiger, zeitgemäßer und schmerzlich schöner Roman, in dem sich Pakistans Vergangenheit und Gegenwart spiegeln.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783421047557
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:416 Seiten
Verlag:DVA
Erscheinungsdatum:04.09.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    monerls avatar
    monerlvor 3 Monaten
    Weniger ist manchmal mehr

    (3,5 Sterne)

    Meine Meinung
    Der Autor ist neu für mich und ebenso Lektüre aus seinem Geburtsland Pakistan. Das einzige Buch, das ich über Pakistan gelesen habe, ist die Autobiografie von Malala Yousafzai. Danach wollte ich mehr über Pakistan erfahren und landete deshalb bei “Die goldene Legende”.

    Sehr auffällig und für mich spannend ist, dass der Autor, der schon als Jugendlicher Pakistan verlassen musste und deshalb seit vielen Jahren in London lebt, einen europäischen Schreibstil (angenommen) hat. Erwartet hatte ich eine etwas blumigere Sprache, wie ich es von arabischen und orientalischen Autoren gewohnt bin.

    Nadeem Aslam hat ein sehr trauriges Buch geschrieben, in dem es kaum Hoffnung für eine bessere Zukunft gibt. Dies ist mein Gefühl, nachdem ich das Buch zugeklappt hatte. All seine unterschiedlichen Charaktere, seien sie Christen, Muslime, Akademiker, Rikschafahrer, Frauen, Männer, Geistliche oder normale Bürger, alle sie leben ein schweres Leben, oftmals in großer Angst und Unterdrückung. Somit stellte sich mir die Frage, ob es wirklich so ist, dass Pakistan auf eine Art und Weise ein verlorenes Land ist?

    Ein Schwerpunkt der Buches ist die Unterdrückung von Christen durch fanatische Muslime. Natürlich leiden nicht nur sie unter den Fanatikern. Auch normale muslimische Bürger, wie der Imam der Moschee in Nargis´ Nachbarschaft als auch seine Tochter haben es schwer. Die Fankatiker haben sich bei ihnen eingenistet und bestimmen ihr Leben. Mir fehlte jedoch dabei insgesamt der etwas ausgleichende Pol des normalen Lebens. Gibt es denn keines? Haben die Fanatiker in Pakistan dermaßen die Oberhand? Falls es so ist, erschreckt es mich, so wenig über dieses Land zu wissen und zu hören.

    Ein weiterer Punkt ist die Korruption hochrangiger Offiziere und Geheimdienste, das der Autor in seiner Geschichte verarbeitet. Nargis hat das Pech durch den Unfall, der ihren Mann das Leben gekostet hat, mit so einem Offizier in Berührung zu kommen. Fortan muss sie auch Angst um ihr Leben haben, ist auf der Flucht vor ihm und es scheint keinen positiven Ausweg für sie zu geben.

    Als das Geheimnis der Protagonistin Nargis für mich als Leser gelüftet wurde, war ich überrascht. Damit hatte ich nicht gerechnet. Der Autor bindet dieses Geheimnis und die Auswirkungen dessen sehr gut in seine Geschichte über die Gesellschaft Pakistans ein. Neben Nargis gibt es noch weitere interessante Charaktere, die die Handlung vervollständigen. Einer davon ist Imran (Moskau genannt), ein junger Mann, der aus Kaschmir nach Pakistan geflohen ist und sich nun verstecken muss, da er aus der Organisation, die ihn paramilitärisch ausgebildet, unerlaubt verlassen hat. Sein Schicksal führt ihn zu Nargis und Helen, mit denen er fortan auf der Flucht ist. Leider blieben aber alle Charaktere etwas kalt. Ich interessierte mich für ihr Schicksal, ihr weiteres Leben, doch konnte ich ihnen nicht nah genug kommen. Ich fand keine richtige Sympathie ihnen gegenüber.

    Je mehr man im Buch vorankommt, umso größer werden die Punkte, die der Autor in seinem Buch anschneidet und verarbeitet. Neben dem schweren Leben der Christen, den fanatischen Muslimen, den Selbstmordattentaten kommen der Kaschmir-Konflikt hinzu, Drohnenkriege der USA, Korruption der Geheimdienste als auch die Anwendung der Scharia in Pakistan. Dadurch fühlte sich für mich die Geschichte etwas überladen an. Manchmal ist weniger mehr.


    Fazit
    Der Autor konnte durch sein Buch mein allgemeines Interesse für Pakistan, wie auch für Kaschmir, wecken. Ich habe es sehr gerne gelesen, hatte aber gem. dem Klappentext eine etwas andere Geschichte erwartet. Eine, die sich intensiver mit dem Geheimnis von Nargis befasst und auch den “Verkünder der Geheimnisse” entlarft. Diese sind lediglich Mittel zum Zweck, nämlich, Pakistans Geschichte und Gesellschaft dem Leser näherzubringen. Nichtsdestotrotz werde mich nun intensiver mit der Geschichte Pakistans uns Kaschmirs befassen und nach weiterer Lektüre suchen. Ein gutes Buch, für das ich 3,5 Sterne vergebe, es mir aber etwas anders gewünscht hätte.

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    serendipity3012s avatar
    serendipity3012vor 10 Monaten
    Gegen Fanatismus

    Gegen Fanatismus 

    Nadeem Aslams neuester Roman „Die goldene Legende“ ist vor allem eins: ein trauriger Roman. Ich las vor einigen Jahren Aslams „Der Garten des Blinden“, ein Buch, dass in einer recht blumigen Sprache und sehr metaphernreich die Geschichte einiger Menschen in Pakistan und Afghanistan nach den Anschlägen vom 11. September beschreibt, Menschen zwischen Fanatismus und Aufgeklärtheit, in einer aufgeheizten Stimmung, in der zwangsläufig einige zwischen die Fronten geraten. Seinem Thema bleibt Aslam in seinem neuem Roman treu: Wieder stehen sich radikale und gemäßigte Religiöse gegenüber, wobei diesmal auch die christliche Minderheit eine große Rolle spielt. „Die goldene Legende“ ist nicht ganz so harte Kost wie der Vorgängerroman, dessen Lektüre ich als schmerzhaft in Erinnerung habe. Aber es ist eine traurige Geschichte, traurig und doch schön.

    Hauptfiguren sind Nargis, die ganz zu Beginn der Geschichte ihren geliebten Ehemann Massud verliert und ihre junge Nachbarin Helen, Tochter eines christlichen Ehepaars. Helen ist Halbwaise, ihre Mutter Grace starb durch die Hand eines Muslims, doch da Grace Christin war, zählt diese Tat weniger als wenn sie eine Muslima gewesen wäre – wenn auch nicht offiziell. Helens Vater Lily ist ein Rikschafahrer. Er, Helen und Grace wurden ihr Leben lang schlecht behandelt: Als Angehörige der christlichen Minderheit in Pakistan galten sie als unrein und sowieso als Ungläubige. Nargis und Massud aber waren ihnen stets freundschaftlich verbunden.

    Aslam erzählt in seinem Roman die ineinander verschlungenen Geschichten seiner Figuren: So trägt Nargis ein Geheimnis mit sich herum, das sie seit vielen Jahren mit Massud teilen wollte, bis es nun zu spät dafür ist. Seit einiger Zeit verrät ein Unbekannter vom Dach der nahe gelegenen Moschee aus Geheimnisse der Menschen aus dem Viertel, was oft weitreichende und gefährliche Konsequenzen für sie hat. Nargis befürchtet, dass auch ihr so gut gehütetes Geheimnis bald öffentlich verkündet werden könnte. Gleichzeitig sieht sie sich mit verschiedenen Interessen konfrontiert, nachdem Massud zu Beginn des Romans in einer Schießerei von einem amerikanischen Diplomat getötet wird: Sie soll ihm verzeihen, so versucht man sie zu zwingen, auf diese Weise könne er in die USA zurückgehen, im Gegenzug verspricht man sich gewisse Zugeständnisse von amerikanischer Seite. Auf höherer Ebene, versteht sich. Das Gesetz Allahs, die Scharia, stehe über dem Gesetz der Menschen: Wenn also Nargis und die Hinterbliebenen der anderen Opfer des Amerikaners ihm verzeihen, wird dieser sich keinem Prozess unterziehen müssen und sich auf andere Weise erkenntlich zeigen.

    Gleichzeitig spitzt sich die Situation zu, als der Unbekannte etwas über Helens Vater Lily preisgibt und beide nicht mehr sicher sind. Hier kommt dann der junge Imran ins Spiel, der einst in Kaschmir gekämpft hat, sich dann aber von seinen Mitstreitern losgesagt hat und nach Pakistan floh.

    Nadeem Aslam gelingt es ganz wunderbar, seine verschachtelte Geschichte behutsam vor dem Leser auszubreiten, er nimmt sich Zeit dafür, sie Gestalt werden zu lassen, so dass man als Leser langsam eintaucht in diese raue, gefährliche Welt, in der sich seine Figuren bewegen. Dabei sind diese Figuren eindeutig so angelegt, dass man sich als Leser mit ihnen identifizieren soll, sie verkörpern allesamt die Vernunft und ein bisschen auch eine Gelassenheit gegenüber all dem Schlimmen, dem sie ausgesetzt sind. Ein Glaube an das Gute? Fatalismus? Wer weiß. Vielleicht sind sie so teilweise ein wenig einseitig geraten, vielleicht kann man sie in ihrem Mut und ihrer Furchtlosigkeit aber auch als das Ideal verstehen, das gegenüber all dem Fanatismus und der Gewalt vonnöten wäre, wollte man versuchen, beidem die Stirn zu bieten. Nargis, Helen und Imran verkörpern ein Stück Hoffnung, ohne die „Die goldene Legende“ nicht nur traurig, sondern niederschmetternd wäre.

    Aslam zeigt ein differenziertes Bild des Islam. „Die goldene Legende“ ist zu keiner Zeit ein Buch, das sich gegen Religionen positioniert, es ist jedoch stets ein Roman, der sich gegen jede Form von Fanatismus, von Ausgrenzung und Intoleranz stellt. Dabei fehlt ihm jeder dozierende Anstrich, vielmehr zeigt Aslam schlicht und einfach, wie es ist oder sein könnte und was passieren könnte, wenn die Entwicklung auf diesem Weg weitergeht. Die Sprache des Autors ist weniger blumig, als es in „Der Garten des Blinden“ der Fall war, aber auch hier finden sich wohldosiert Metaphern und Bilder, die der Geschichte in all ihrer Trauer Schönheit verleihen, vielleicht sogar ein bisschen Hoffnung. So lässt sich „Die goldene Legende“ auch als Plädoyer für Toleranz und Offenheit lesen.


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    KristinSchoellkopfs avatar
    KristinSchoellkopfvor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Fesselnd und aktuell!
    Brillant!

    Dass Religionen, besonders in ihrer Diversität und Vielzahl, schon immer zu grauenvollen Kriegen geführt haben, ist wahrscheinlich jedem bekannt. Doch wie fühlt es sich an, in einem Land zu leben, das gegen die eigene Religion vorgeht? Kann man sich je sicher fühlen?

    Die goldene Legende ist ein Buch, das sich genau mit dieser Frage auseinander setzt. Wie geht es Christen in Pakistan? Obwohl diese Frage recht abstrakt klingen mag, schafft es Nadeem Aslam dem Leser genau davon einen Eindruck zu verschaffen und das so authentisch, dass ich mehr als einmal schwer Luft holen musste. Was diesen Roman so kraftvoll macht, ist der persönliche Bezug, den der Autor zu dieser Problematik hat und ihn auch in jedem Satz mitschwingen lässt. Umso beeindruckender wirkt es auf den Leser, dass er keine Religion verurteilt, sondern besonders die Menschen herausfordert, die aus ihr eine Waffe kreieren.

    Der Grund, warum ich nicht völlig überzeugt von diesem Werk bin, ist Nadeem Aslams Schreibstil. Er versucht einigen Aspekten möglichst viel Überzeugungskraft einzuflößen und beschreibt diese zermarternd genau und exzessiv. Dies hat, mit persönlich, etwas den Lesefluss, wie auch die Emotionen, genommen.

    Dennoch ist es nicht zu leugnen, dass der Autor mit Die goldene Legende ein Werk schafft, das zum Denken anregt und uns so viele Fragen stellt: Ist es die Religion Wert, dass wir zu Unmenschen werden?

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    JayLaFleurs avatar
    JayLaFleurvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Brutaler Roman über religiöse Konflikte in Pakistan. Wunderbare Figuren, die sich nicht unterkriegen lassen. Wunderschöne Sprachgewalt!
    "Die goldene Legende" von Nadeem Aslam

    Klappentext
    Vor dem Hintergrund der religiösen Konflikte in Pakistan erzählt Nadeem Aslam die Geschichte der jungen Christin Helen und ihrer Ziehmutter Nargis, die gerade ihren geliebten Mann verloren hat. Als die Auseinandersetzungen bürgerkriegsähnliche Zustände annehmen, müssen sie ihr Leben Imran anvertrauen, einem Fremden, der selbst auf der Flucht ist.


    Meinung
    Nadeem Aslam entführt uns ins Pakistan der heutigen Zeit und zeigt uns ungeschont zu was Menschen in der Lage sind. „Die goldene Legende“ ist ein schockierendes Buch über religiöse Konflikte, denn Pakistan ist gespalten zwischen dem Islam und dem Christentum.

    Für mich war dieser Blick in eine mir unbekannte Welt sehr befremdlich, was aber nichts mit Religion oder Glauben zu tun hatte. Nein, es war die brutale Art und Weise, wie Menschen miteinander umgehen, weil sie andere Denkweisen haben. Das schockierendste daran war und ist noch immer, dass dies harte Realität ist. Daher habe ich mir für dieses Buch auch viel Zeit genommen.

    Die Brutalität und Grausamkeit der Geschichte war allgegenwärtig. Durch die fantastische Sprachgewalt und den wunderschönen Erzählstil von Nadeem Aslam wurden die grausamen Details ein wenig erträglicher. Der Autor beschreibt die Protagonisten aus der Ferne, aber mit so unglaublich viel Feingefühl, dass ich allen Personen sehr nahe kommen konnte. Mit jedem einzelnen habe ich mitgefühlt, geträumt, war mit ihnen auf der Flucht und habe mich gefürchtet und ja, ich habe mich auch mit ihnen gefreut.

    Ich finde, dass Religion und Glaube ein schwieriges Thema ist. Nadeem Aslam hat in „Die goldene Legende“ eine perfekte Gratwanderung zwischen den verschiedenen Themengebieten gefunden - Grausamkeit, Religion, Glauben, Zusammenhalt, Freundschaft, Tod.

    Fazit
    Ein brutaler Roman über religiöse Konflikte im heutigen Pakistan. Liebevoll gestaltete Figuren, die sich nicht unterkriegen lassen. Wunderschöne Sprachgewalt. „Die goldene Legende“ verdient volle fünf Sterne!

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    Lovinbooks4evervor einem Jahr
    Schonungslos brutal und real

    Ich wollte dieses Buch unbedingt lesen. Und das nicht, weil ich mich selber viel mit Religionen auseinandersetze. Eher im Gegenteil. Und doch finde ich es immer wieder höchst dramatisch, wie man sich über ein Thema bekämpfen kann, das uns doch eigentlich eher zusammenbringen sollte. Sollte der Glaube an Gott, Allah oder wie er auch genannt werden möchte uns nicht eher zusammenbringen als uns zu entzweien?

    In „Die goldene Legende“ erfahren wir schonungslos und brutal, wie Christen in Pakistan behandelt werden. Nadeem Aslan erzählt die Geschichte von Helen, Nargis und Imran. Dabei sind die Charaktere schon eher etwas distanziert gezeichnet und dennoch geht die Geschichte einem unter die Haut. Denn so geschieht es tagtäglich und ich selber bin schockiert über soviel Brutalität. Ich könnte mich hier jetzt breit und lang darüber auslassen, warum ich persönlich die Religionen als „Kriegsgrund“ schwachsinnig finde, aber ich denke, das ist ein anderes Thema. Es schmerzt einfach zu lesen, wie andere Menschen aufgrund ihres Glaubens verfolgt und gequält werden.

    Natürlich ist das Buch jetzt wahnsinnig spannend. An manchen Stellen ist es durchaus auch etwas langatmig. Nadeem Aslan erzählt an manchen Stellen sehr detailreich und dann wieder etwas schneller und nicht so tiefgründig. Der Schreibstil ist bildhaft und man ist mittendrin im Land. Er nimmt uns mit auf eine Reise und ich bin so froh dieses Buch gelesen zu haben.

    Brutal und schonungslos erzählt Nadeem Aslan über die Verfolgung der Christen in Pakistan. Es ist dramatisch, weil es real ist. Dennoch waren mir manche Stellen zu detailreich und dadurch etwas langatmig.

    4 von 5 Punkten

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    ricysreadingcorners avatar
    ricysreadingcornervor einem Jahr
    Kurzmeinung: Es ist unglaublich, wie man eine so brutale Geschichte, so wunderschön und liebevoll erzählen kann. Nadeem Aslam hat es geschafft!
    Eine liebevoll erzählte, tragische Geschichte - sehr lesenswert!

    „Die goldene Legende“ zeigt meiner Meinung nach sehr emotional und und unglaublich liebevoll beschrieben, was religiöser Fanatismus aus einem eigentlich sehr schönen Land, in diesem Fall Pakistan, machen kann.

    Wir begleiten vor allem die Charaktere Nargis, Helen und Imran.
    Nargis hat gerade ihren Mann Massud verloren, der versehentlich in einen Schusswechsel auf offener Straße geriet. Helen ist die Tochter des christlichen Rikscha-Fahrers Lily, der früher im Haus von Nargis und Massud als Dienstbote tätig war und weiterhin im Nachbarhaus wohnt. Für sie war Helen immer fast wie eine eigene Tochter und so finanzierten sie sogar ihre Ausbildung, die sie sonst als Christin in Pakistan wahrscheinlich nicht erfahren hätte.
    Imran kommt ursprünglich aus Kaschmir, nachdem seine Mutter und die anderen Verwandten von indischen Soldaten zum „Verhör“ mitgenommen wurden und nicht mehr wiederkamen, beschließt er, sich in einem Islamisten-Lager ausbilden zu lassen, flieht dort jedoch als er merkt um was es wirklich geht und schlägt sich seitdem in Zamana als Obdachloser durch. Wie es der Zufall will, ist er derjenige, der Massud noch am Unglücksort, wenn auch vergebens, Blut spendet. Als er später Nargis aufsucht, freunden sie sich an und es wird schnell klar, dass sich zwischen ihm und Helen noch mehr entwickeln wird.
    Als eines Tages der Muezzin die geheime Liebschaft von Lily und Aysha, der verwitweten Tochter des Geistlichen, vom Minarett herausposaunt, ist plötzlich kein Christ, oder jemand der sich auf ihre Seite stellt, mehr sicher. Mit Imrans Hilfe gelingt Nargis und Helen die Flucht. Doch das war nicht das einzige Geheimnis, das ihnen zum Verhängnis werden kann.

    Es ist eine unglaublich tragische, traurige und oftmals brutale Geschichte. Doch der Autor schafft es dennoch immer wieder in kleinen Rückblenden, Referenzen zu anderen Geschichten und Legenden oder einfach der liebevollen Beschreibung von Details, die Schönheit der Landschaft und des Lebens im Allgemeinen darzustellen.
    Obwohl alle Figuren Schreckliches erlebt haben unter der täglichen Unterdrückung oder dem religiösen Fanatismus im Land leiden, haben sie dennoch auch so viel erlebt, an das sie sich gerne erinnern oder sie erleben jetzt Dinge, die das Leben trotz allem lebenswert machen. Dem Leser ermöglicht dies ein sehr intimer Blick in die Zerrissenheit eines Landes und seiner Bewohner.

    Der Schreibstil, war für mich zuerst etwas gewöhnungsbedürftig, weshalb ich etwas brauchte, um in die Geschichte hineinzukommen. Doch als ich mich einmal daran gewöhnt hatte, fing ich an diesen zu lieben. Er ist unglaublich bildhaft, oft verliert sich der Autor in den Beschreibung von Details, doch diese haben immer irgendeine wichtige Aussage, tragen zur Aussage des Gesamten bei oder helfen, die Charaktere besser zu verstehen und authentischer zu machen.

    Der Wechsel der Erzählperspektive zwischen den verschiedenen Charakteren hat mir gut gefallen, da man das Geschehen so aus verschiedenen Positionen wahrnimmt, was meiner Meinung nach bei einer Geschichte, die die Zerrissenheit eines Landes zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen zum Thema hat, sehr wichtig ist, um kein einseitiges Bild zu erschaffen.
    Schwierig fand ich jedoch, dass innerhalb der Passagen, die aus der Sicht eines Charakters erzählt werden, wiederum häufig Zeitsprünge passieren, da sie sich an etwas Vergangenes erinnern oder über eine Geschichte nachdenken. Diese Wechsel fand ich nicht immer eindeutig und brauchte auch häufig etwas, um den Sinn dahinter zu verstehen. Dies machte das Lesen oftmals sehr anstrengend.
    Zudem werden häufig alte Legenden und Geschichten angesprochen. Eine besondere Rolle spielt dabei ein Buch, welches Massuds Vater geschrieben hat, mit dem Titel „Auf dass sie sich kennenlernen“, welches sich wie ein roter Faden durch die gesamte Geschichte zieht. Es behandelt Legenden und Erzählungen der verschiedensten Kulturen der Welt und wie diese zusammenhängen, sich kreuzen, einander beeinflussen.
    Zu Beginn wird dieses Buch, welches Massud erst kurz vor seinem Tod wiederfindet, von einem Soldaten zerstört, der versucht Nargis damit unter Druck zu setzen. Daraufhin versuchen Nargis, Helen und Imran, dieses Stück für Stück wieder zusammenzusetzen. Dies ist nur eins von vielen Beispielen für die ungeheure Symbolkraft dieses Buches.

    Die Protagonisten sind alle sehr klug und weltoffen und ihrem Land somit weit voraus. Sie haben eigentlich nichts verbrochen, außer zur falschen Zeit am falschen Ort geboren zu sein. Das Land und die Bewohner haben ihnen so viel Leid zugefügt und dennoch verlieren sie nicht die Hoffnung, dass es sich irgendwann ändern wird. Die vielen Rückblenden und die sehr tiefgründigen Gedanken der Charaktere bekommen dadurch eine zusätzliche Tiefe. Schade fand ich nur, dass die Auswahl der Protagonisten etwas einseitig war. Die konservativen, strengen Moslems, waren stets „die Anderen“, wodurch man als Leser wenig Einblick in diese Gedankenwelt bekam.
    Auch für die Protagonisten hätte ich mir in der Gegenwart noch mehr Handlung gewünscht, um sie noch mehr zu begleiten und besser in die Geschichte einzutauchen.

    Die Aussage des Romans kann für mich vor allem durch das Leitmotiv des Buches „Auf dass sie sich kennenlernen“ nicht eindeutiger sein: wenn wir Menschen es schaffen, uns auf unsere Gemeinsamkeiten zu konzentrieren und Unterschiede als etwas Gutes anzuerkennen, wenn wir endlich jahrhundertealte Fehden überwinden und Einzelfälle nicht auf ganze Bevölkerungsgruppen übertragen würden, dann wäre die Welt ein besserer Ort und wir könnten ihre Schönheit endlich wieder schätzen.

    Das Cover finde ich wunderschön und es passt für mich hervorragend zu der Atmosphäre, die aufgebaut wird, wenn die Schönheit der Natur, der Gärten und der Gebäude beschrieben wird, die so einen harten Kontrast zur Brutalität der Menschen dort darstellt.

    Fazit
    Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen. Sowohl die Charaktere als auch die Atmosphäre, die die Zerrissenheit zwischen Schönheit und Brutalität greifbar macht, hat mir sehr gut gefallen. Es regt definitiv zum Nachdenken über unsere Welt an und schaffte wenigstens für mich einen sehr lehrreichen Blick in ein so fremdes Land.

    Der facettenreiche Aufbau der Erzählung hat zwar einerseits sehr zur Tiefe des Buches beigetragen, schränkte aber auch oftmals den Lesefluss ein, weshalb es definitiv keine leichte Lektüre war. Hin und wieder hätte ich mir mehr Geschichte im Hier und Jetzt und weniger ausschweifende Erzählungen über Legenden oder vergangene Ereignisse gewünscht. Es war wie ein Mosaik, in dem jedes kleine Detail eine Bedeutung hat, das aber erst zusammengesetzt anfängt einen Sinn zu ergeben.

    Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung – gerade, wenn einem auch Romane wie der „Drachenläufer“ von Khaled Hosseini gefallen haben, wird man hier sicherlich auch auf seine Kosten kommen! Eine einfache Lektüre sollte man aber nicht erwarten.

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    Mylittlebookpalaces avatar
    Mylittlebookpalacevor einem Jahr
    Die goldene Legende

    Handlung:In dem Moment, als auf der Grand Trunk Road Schüsse zu hören sind, beginnt Nargis' Leben zu zerbrechen. Ihr Ehemann gelangt versehentlich ins Kreuzfeuer und stirbt, bevor sie ihm die Wahrheit über ihre Vergangenheit beichten kann. Schon seit Längerem fürchtet sie, dass diese bald ans Licht kommen wird: Ein Unbekannter verkündet regelmäßig Geheimnisse der Anwohner vom Minarett der örtlichen Moscheen und versetzt damit Muslime und Christen gleichermaßen in Angst. Als die Lautsprecher die verbotene Liaison ihres Nachbarn mit der Tochter des muslimischen Geistlichen aufdecken, sind die Einschläge so nah, dass Nargis handeln muss ...

    In der für ihn typischen leuchtenden Prosa erzählt Nadeem Aslam eine Geschichte über Fanatismus, Widerstandsvermögen und die Lügen, die manchmal nötig sind, um zu überleben. Ein mutiger, zeitgemäßer und schmerzlich schöner Roman, in dem sich Pakistans Vergangenheit und Gegenwart spiegeln.


    Orte:Ich mochte die Orte auch gerne und ich konnte mir alles recht gut vorstellen. Ich fand es toll diese Orte zu erkunden.


    Personen: Ich fand viele Personen sehr interessant und mir hat es gefallen ihre Tiefen zu entdecken und den Charakter der Personen zu erkunden. Ich hatte natürlich meine Lieblingspersonen und habe mich richtig gefreut, wenn ein paar einzelne Personen vorgekommen sind.


    Gestaltung: Das Cover zieht mich persönlich nicht wirklich an, aber trotzdem passt es gut zu der Geschichte und dem Inhalt. Dafür gefällt mir die Kapitelgestaltung sehr gut.


    Schreibstil: Mit dem Schreibstil hatte ich so meine Probleme und es war sehr schwierig für mich. Ich habe auch wirklich meine Zeit gebraucht mit dem Schreibstil in die Geschichte zu kommen und der beste Schreibstil war es für mich nicht.


    Geschichte: Ich fand den Inhalt und das Thema wirklich gut und es wurde auch relativ gut umgesetzt. Zwar fand ich es manchmal etwas langweilend, allerdings kamen dann auch wieder spannendere und interessantere Parts.


    Fazit: Ich fand das Buch relativ gut und mir haben Orte, Personen und auch die Handlung wirklich gut gefallen, aber ich hatte Probleme mit dem Schreibstil und es war von Zeit zu Zeit auch etwas langweilig, trotzdem wurde das Thema gut umgesetzt, weshalb ich 3,5 von 5 Sternen gebe und hier nochmal ein großes Danke an den Verlag für das Rezensionsexemplar.

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    PagesofPaddyvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein ganz wunderbares Buch. Lesen!
    Ein wunderschöner Alptraum

    Mit „Die goldene Legende“ ist Nadeem Aslam ein wirklich tolles Werk gelungen. Sprachgewaltig und beeindruckend erzählt Aslam eine spannende, schockierende und immer wieder emotionale Geschichte. Ich musste während des Lesens immer wieder daran denken was für ein „wunderschöner Alptraum“ diese Geschichte, dieses Buch doch ist. Zum einen ist es einfach klasse geschrieben. Ich brauchte 2-3 Seiten um mich an die Art und Weise zu gewöhnen aber recht schnell zieht einen dieser Stil in seinen Bann. Im Gegensatz dazu erleben die Figuren in der Geschichte viel Leid. Es ist ein unglaublich spannender, intimer Blick in ein Land (Pakistan) in dem das Leben so anders ist als bei uns. Aslam malt nicht Schwarz oder Weiß. Seine Figuren und seine Geschichte beinhalten viele Grautöne die immer mal wieder durchscheinen und für Spannung sorgen. Es ist ein unverblümter Blick auf Religion, auf Hass, auf Liebe, auf Furcht, und auf die Frage nach der eigenen Identität. Geschildert werden viele verschieden Fassetten des menschlichen Lebens. Es ist eins dieser Bücher die ich zwischendurch weggelegt habe um intensiv über das nachzudenken was ich zuvor gelesen habe. Und so fremd und entfernt diese Welt auch erscheinen mag, sie gehört in unsere aller Welt dazu.

    Der Autor versteht es geschickt die Geschichten zu erzählen, zu verbinden und immer wenn es nötig ist das Erzähltempo zu steigern. So kommt es nie zu wirklichen Durchhängern. Die Charaktere sind lebendig und wunderbar ausgearbeitet. Die Figuren erhalten nach und nach immer mehr Konturen und Formen. Dadurch wird die Geschichte vorangetrieben und gibt ihr die nötige emotionale Kraft und Tiefe. Es ist einfach ein wirklich lesenswertes Buch, welches ich euch ans Herz legen möchte. Unbequem, spannend, emotional und beeindruckend zugleich. Eine ganz klare Empfehlung!

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    Eliza1991s avatar
    Eliza1991vor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Auch wenn es keine einfache Lektüre ist, ist die Geschichte stets präsent und wichtig. Für jeden von uns.
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    SATZZEICHENs avatar
    SATZZEICHENvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein wunderschönes Buch, das mir sämtliche Illusionen nahm.
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