Nadine Gordimer

 3,6 Sterne bei 112 Bewertungen
Autor von Niemand der mit mir geht, Keine Zeit wie diese und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Nadine Gordimer

Nadine Gordimer, geboren 1923 in dem Minenstädtchen Springs, Transvaal, gehört zu den bedeutendsten Erzählerinnen unserer Zeit. Jahrzehntelang schrieb sie gegen das Apartheidregime an und setzt sich bis heute mit dessen zerstörerischen Folgen für die schwarze und weiße Bevölkerung auseinander. 1991 wurde ihr der Nobelpreis für Literatur verliehen. Sie starb am 13. Juli 2014 in Johannesburg, Südafrika.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Nadine Gordimer

Cover des Buches Keine Zeit wie diese (ISBN: 9783833309243)

Keine Zeit wie diese

 (12)
Erschienen am 12.11.2013
Cover des Buches Niemand der mit mir geht (ISBN: 9783492550147)

Niemand der mit mir geht

 (12)
Erschienen am 01.03.2018
Cover des Buches Die Hauswaffe (ISBN: 9783492550130)

Die Hauswaffe

 (9)
Erschienen am 01.03.2018
Cover des Buches Burgers Tochter (ISBN: 9783833305986)

Burgers Tochter

 (7)
Erschienen am 25.10.2008
Cover des Buches Ein Mann von der Straße (ISBN: 9783492550345)

Ein Mann von der Straße

 (5)
Erschienen am 04.12.2018
Cover des Buches Fremdling unter Fremden (ISBN: 9783596257232)

Fremdling unter Fremden

 (4)
Erschienen am 01.05.2004
Cover des Buches Die Geschichte meines Sohnes (ISBN: 9783596124343)

Die Geschichte meines Sohnes

 (4)
Erschienen am 01.01.2004
Cover des Buches Anlaß zu lieben (ISBN: 9783833306747)

Anlaß zu lieben

 (4)
Erschienen am 24.07.2010

Neue Rezensionen zu Nadine Gordimer

Cover des Buches Die Hauswaffe (ISBN: 9783492550130)otegamis avatar

Rezension zu "Die Hauswaffe" von Nadine Gordimer

Die Eltern des Mörders
otegamivor 2 Monaten

Wie ergeht es Mutter und Vater, wenn ihr Sohn einen Menschen erschossen hat? Dieser Frage geht die südafrikanische Schriftstellerin und Literatur-Nobelpreis-Trägerin Nadine Gordimer im Buch ‚Die Hauswaffe‘ nach, das 1998 entstand. 

Es ist der Abend des 19. Januar 1996, als Duncan Lindgard (27J.) in seiner WG einen seiner Mitbewohner und ehemaligen Geliebten erschießt. Warum? Was war vorangegangen? War es die Rache für den Verrat, den Carl in der Nacht davor durch den Geschlechtsverkehr mit Natalie/Nastasja, Duncans Lebensgefährtin, verübt hatte? 

Das weiße Ehepaar Harald (50 J. und Direktor einer Versicherungsgesellschaft) und Claudia (47 J. und selbständige Ärztin) werden total aus ihrem gewohnten Lebensrhythmus gerissen: sie grübeln, ob ihr Verhalten in der Vergangenheit dem Sohn gegenüber zur Gewaltbereitschaft beigetragen hatte, ihre Bekannten / Freunde ziehen sich zurück, Kollegen begrüßen Harald ‚mit einem wortlos vereinbarten Schweigen‘, beide lassen ihre eigene Ehe-Historie Revue passieren.

Auch dem Strafverteidiger Hamilton Motsamai, einem Schwarzen, stehen sie skeptisch gegenüber. Nein, rassistisch sind sie nicht, aber hat der Anwalt überhaupt die Befähigung und die Erfahrung, nachdem er erst wieder vier Jahre im Land ist - bedingt durch die politischen Gründe für seinen jahrelangen Aufenthalt im Ausland. 

Mich begeisterte diese Figur! Ich fand es einfach äußerst professionell (und es berührte mich auch sehr), wie Motsamai es schaffte, langsam ihr Vertrauen zu erringen. Wunderschön auch die Beschreibung der Einladung in seine große Familie.

Nebenbei erfährt die Leserschaft von den Gepflogenheiten, eine Hauswaffe bereit liegen zu haben, damit Einbrüche und Überfälle abgewehrt werden können, von Grausamkeiten während der Apartheit, die im Namen des Staates begangen wurden und was Rassismus bedeutet. 

Ich fieberte mit, welches Strafmaß Duncan das Gericht verhängt – mit 7 Jahren (im besten Fall) und 12 Jahren (im ungünstigsten) ist zu rechnen  -  die Abschaffung der Todesstrafe wird zu dieser Zeit gerade vor dem Verfassungsgericht verhandelt. 

Mir gefiel die ruhige, sachliche und doch auch (mich) bewegende Art, mit der die Autorin diese Geschichte erzählte. 5 Sterne vergebe ich an diesen mich sehr beeindruckenden Roman mit seinen vielen psychologischen und auch philosophischen Momenten und wünsche ihm (auch nach über 20 Jahren) noch eine große Leserschar! 

Kommentare: 3
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Cover des Buches Der Besitzer (Jahrhundert Edition) (ISBN: B002XN4R5Q)Aischas avatar

Rezension zu "Der Besitzer (Jahrhundert Edition)" von Nadine Gordimer

Weiße Identitätssuche auf dem schwarzen Kontinent
Aischavor 6 Monaten

Noch im Erscheinungsjahr 1974 wurde dieser Roman der späteren Nobelpreisträgerin und Lieblingsautorin Nelson Mandelas, Nadine Gordimer, mit dem Booker Prize ausgezeichnet. Ohne Frage behandelt sie mit der durch Rassismus tief gespaltenen Gesellschaft Namibias ein Thema, das - leider - nach wie vor nichts an Aktualität eingebüßt hat.

Im Zentrum des Romans steht Protagonist Mehring, ein knapp 50jähriger erfolgreicher weißer Geschäftsmann aus Johannesburg, der sich vor den Toren der Stadt eine große Farm gekauft hat, auf der er an den Wochenenden auftaucht und den schwarzen Hilfsarbeitern Anweisungen erteilt. Die Story spielt vor der Unabhängigkeit Namibias, als das Land unter dem Namen "Deutsch-Südwestafrika" unter der Verwaltung Südafrikas stand, inklusive der Apartheids-Politik. Gordimer schildert - mit wenigen Worten und doch sehr eindringlich - wie unentrinnbar die Zugehörigkeit zur weißen Herrschaftsschicht und zur ausgebeuteten schwarzen Arbeiterklasse war. Dabei kam ich oft an die Grenze des für mich Erträglichen. Ich kann nicht sagen, was ich schrecklicher fand - die menschenverachtende ignorante und überhebliche Einstellung des Wochenendfarmers, oder die - erzwungenermaßen - unterwürfige, duckmäuserische Haltung der Schwarzen. Interessant, wenn auch sehr klischeehaft, ist auch die Darstellung der indischen Einwanderer, die gewissermaßen eine Hybridstellung innerhalb der Gesellschaft einnehmen. Zwar gelten sie als "Farbige" und dürfen daher offiziell kein Gewerbe betreiben, sind aber doch hell (in doppeldeutigem Sinn) genug, um die Regeln geschickt zu umgehen. 

Doch ich möchte den Roman nicht auf die Rassismusproblematik reduzieren. Mehring, obwohl wirtschaftlich abgesichert und gesellschaftlich äußerst privilegiert, ist zutiefst unglücklich, er irrlichtert durch sein Leben, stets auf der Suche nach ... ja, wonach eigentlich? Er ist geschieden, ein Womanizer, an Angeboten für Affären mangelt es ihm nicht. Aber er kann keine glückliche Beziehung aufbauen, weder zu einer Partnerin, noch zu seinem jugendlichen Sohn. Und auch an seinen "boys", wie die Farmarbeiter genannt werden, verzweifelt er immer wieder, nicht zuletzt, weil es ihm nicht gelingt, ihnen die Bedeutung des Naturschutzes zu vermitteln, der ihm so am Herzen liegt. 

Hier erkenne ich übrigens eine zentrale Metapher, die die deutsche Übersetzung leider unkenntlich gemacht hat: Der englische Originaltitel lautet "The Conservationist", auf Deutsch Natur- oder Umweltschützer, vom lateinischen Wortstamm her also jemand, der etwas bewahrt, nicht ein Besitzer. Und das trifft auf Mehring zu, er möchte das Land bewahren, seine Farm ebenso wie die Gesellschaft in der er lebt, Veränderungen machen ihm Angst, und je weiter der Roman voranschreitet, desto mehr verwischen Realität und Wachträume, Erlebtes und Wahnvorstellungen. Und genau hier ist Gordimer etwas über das Ziel hinausgeschossen: Die Erzählperspektiven wechseln oft und abrupt, nur schwer erkennbar, es ist sehr anstrengend, zu erkennen, wer was sagt, tut oder nur denkt oder träumt. Außerdem fehlen mir Hinweise, wieso Mehring so unzufrieden mit seinem Leben ist, wieso er zunehmend die Kontrolle verliert. Ist es die Angst davor, die Macht zu verlieren? Ich bleibe leider aufgewühlt, aber auch verwirrt und unzufrieden zurück.

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Cover des Buches Niemand der mit mir geht (ISBN: 9783492550147)Bibliokates avatar

Rezension zu "Niemand der mit mir geht" von Nadine Gordimer

"Wir dürfen nie fürchten, zu weit zu gehen, denn die Wahrheit liegt jenseits dessen." Marcel Proust
Bibliokatevor einem Jahr

[CW: Gewalt, Rassismus, Tod, Folter, Misogynie, Homophobie]

In diesem Buch steckt so viel das es eigentlich fast unmöglich ist das alles in einem Post zu sammeln. 


Nadine Gordimer schreibt in ihrem erstmals 1994 unter dem Titel "None to accompany me" erschienenen Roman von ehemaligen Gefangenen die in den Lagern in Südafrika verschwunden waren weil sie sich dem Widerstand gegen die Apartheid anschlossen.


Die Protagonistin, Vera Stark arbeitet in einer Stiftung, die die willkürliche Umsiedlung schwarzer Gemeinden verhindern will.


Besonders auffällig ist einerseits ihr Scharfsinn, andererseits aber auch die zwiespältigkeit mit der Vera beschrieben wird.

Es kommen einige Themen zur Sprache wie Rassismus, Gefangenenlager in denen die Widerstandskämpfer gefangen gehalten wurden, die Suche nach der eigenen Identität nach dem Ende der Apartheid und dem teilweise überfordernden Freiheitstaumel der ehemals unterdrückten und durch die Apartheid benachteiligten Schichten der südafrikanischen Bevölkerung.


Von Vera's Liebhaber, einem jüdisch - deutschen Berichterstatter dessen Familie im Holocaust umgekommen ist wird auch nocheinmal eine neue Ebene in den Roman eingebracht der Anfangs in Südafrika irgendwie Fehl am Platz wirkt aber durch die Zusammenhänge wie die Unterdrückung von Minderheiten, den Rassismus und die willkürliche Gewalt gegen Menschen einer bestimmten Rasse/Herkunft/ Hautfarbe werden interessante parallelen sichtbar.


Ich will dieses Buch und diese Autorin einfach jedem ans Herz legen weil ich ihr Werk so unglaublich toll und wichtig finde.


Noch ein paar Infos zur Autorin: Nadine Gordimer wurde 1923 in Transvaal/ Südafrika geboren.

Sie veröffentlichte 15 Romane und einige Erzählungen, hauptsächlich zu den Themen Rassismus und Apartheid.

1974 erhielt sie den Man Booker Prize for fiction und 1991 wurde sie mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet.


Sie starb am 13.Juli 2014 in Johannesburg

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