Nadja Spiegelman

 3.7 Sterne bei 34 Bewertungen

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Nadja SpiegelmanWas nie geschehen ist
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Was nie geschehen ist
Was nie geschehen ist
 (33)
Erschienen am 09.03.2018
Nadja SpiegelmanI'm Supposed to Protect You from All This: A Memoir
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I'm Supposed to Protect You from All This: A Memoir

Neue Rezensionen zu Nadja Spiegelman

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Rezension zu "Was nie geschehen ist" von Nadja Spiegelman

Versionen einer Geschichte
leseleavor 3 Monaten

Kinder berühmter Eltern neigen häufig dazu, ihre Geschichte im Schatten der übergroßen Eltern erzählen zu wollen, ihr Aufwachsen und Großwerden mit lebenden Helden skizzieren, erklären und deuten zu wollen. Auch Nadja Spiegelmans Debütroman Was nie geschehen ist steht in dieser Tradition – wenn auch anders, als man beim Erblicken des Autorennamens nennt. Denn Nadja Spiegelman ist zwar die Tochter des Pulitzer-Preisträger Art Spiegelman, doch ihr Buch kreist um ihre weniger bekannte, wenn auch nicht weniger talentierte Mutter Françoise Mouly. Denn das Leben an ihrer Seite, mit ihrer Wut, ihrer Zurückweisung und ihrer Verschlossenheit, ist es, was Nadja Spiegelman dem eigenen Empfinden nach am meisten geprägt hat. Indem sie den Gefühlen und Charaktereigenschaften ihrer Mutter nachforscht, die sich auf ähnliche Weise auch bei anderen Mitgliedern der mütterlichen Familie finden lassen – bei den Tanten, der Großmutter, der Urgroßmutter –, begibt sich Nadja Spiegelmann auch auf die Suche nach dem eigenen Ich und versucht zu verstehen, warum passierte, was passierte und warum sie ist, wie sie ist.

Nadja Spiegelmann schreibt in Was nie geschehen ist im Allgemeinen und im sehr konkreten Fall der Familie Mouly über Liebe und Liebesentzug, uneheliche und nicht-gewollte Kinder, Gewalt und sexuellen Missbrauch, Rivalitäten, Geltungssucht und die Unfähigkeit von Familienmitgliedern, offen und ehrlich miteinander zu sprechen. Gerade der letzte Punkt führt sie jedoch zum eigentlichen Kern ihres knapp 400-Seiten langen Werkes: Was nie geschehen ist setzt sich intensiv mit den Geschichten auseinander, die Familien über sich selber erzählen, ja beinahe kultivieren, bis sie zu Familienmythen werden, die scheinbar alles sagen, was man über eine Familie wissen muss. Die Krux ist nur: Jedes Familienmitglied erzählt diese Geschichten anders, bewertet sie anders, deutet sie anders. Folgt man diesen verschiedenen Versionen, unter denen – und das ist das literarisch Interessante an Spiegelmans Roman – die Autorin mit ihrem Buch quasi das vorläufige Glied einer langen Kette einnimmt, so gelangt man schließlich an ein Ende mit vielen Fragen, auf das es keine befriedigenden Antworten gibt: Wie gut kennen wir unsere engsten Verwandten? Wie nah kann sich eine Familie eigentlich wirklich kommen? Was hält Vater, Mutter, Kind und alle anderen zusammen und ist es schlimm, wenn dieses „Was“ wenig mit der Wirklichkeit zu tun hat?

Ich versuchte mir vor Augen zu führen, dass jeder von uns ein Recht auf seine eigene Version der Vergangenheit hatte. Die Sicht meiner Mutter war nicht wahrer als meine eigene. (S. 42)

Jenseits dieses durchaus interessanten Gedankenspiels ist Was nie geschehen allerdings erschreckend nichtssagend. Nadja Spiegelmann folgt in ihrem Debüt leider der Tendenz, alles zu zerreden, vieles zu wiederholen und zu stark in einen Plauderton zu fallen, der noch so jedes unbedeutende und uninteressante Detail ihrer Familiengeschichte ausbreitet. Immer wieder stellte sich mir beim Lesen die Frage: Was interessiert mich eigentlich, was mit dieser einen kaputten Familie unter so vielen kaputten Familien ist? Was lerne ihr hieraus, was geben mir diese Geschichten an die Hand, inwiefern sind sie relevant? Die Antwort fällt bescheiden aus und doch – und das ist das Paradoxe – liest man bzw. habe ich das Buch unheimlich gerne gelesen. Es ist trotz aller Makel sehr atmosphärisch, wartet mit intensiven Passagen auf und zeigt durchaus Spiegelmans Schreibtalent. Dieses wird sie hoffentlich in einem nächsten Roman mit einer bedeutsameren Geschichte jenseits jeder Nabelschau erneut unter Beweis stellen. Eine weitere Chance würde sie von mir auf jeden Fall bekommen. 4 Sterne!

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Babschas avatar

Rezension zu "Was nie geschehen ist" von Nadja Spiegelman

famille noir
Babschavor 4 Monaten

Das Buch hat drei Hauptpersonen: Die Autorin, ihre Mutter Francoise und ihre Großmutter Josée. Und daneben gibt´s noch diverse weitere Familienmitglieder, die hier mehr oder minder detailliert beschrieben auftauchen. Angemerkt sei noch, dass Nadja Spiegelman die Tochter berühmter Eltern ist, der Vater pulitzerprämierter Cartoonist und die Mutter Art Directorin beim New Yorker. Die Autorin, die offensichtlich jahrelang an ihrem Werk gearbeitet hat, fühlt im Verlaufe ihres Erwachsenwerdens, dass mit ihrer Familie mütterlicherseits generationsübergreifend irgendetwas nicht stimmt. Und zwar eine Art grundlegendes Unverständnis, eine Gleichgültigkeit, Gefühlskälte, Sprachlosigkeit, ja Aggression von den jeweiligen Müttern zu ihren Töchtern. Da selbst so erlebt, will sie dem allem irgendwann auf den Grund gehen und bringt sowohl ihre sperrige Mutter wie ihre in Paris lebende exaltierte Großmutter dazu, sich ihr zu öffnen und die ganze Familiengeschichte, natürlich aus deren jeweiligen völlig unterschiedlichen Sichtweisen und Erinnerungen, zu erzählen.

Trotz der eigentlich ja ziemlich interessanten Idee hat mich das Buch leider nicht mal ansatzweise erreicht, sondern stattdessen nach einiger Zeit  fast nur noch genervt. Zum einen wird hier ein kompliziertes Familienportrait von der Vertreterin der letzten Generation mit großem Bohei ins Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit gezerrt, das über alle Generationen hinweg nur so strotzt von Dekadenz, Egoismus, Lügen, Intrigen, Hass und Missgunst und den hieraus resultierenden Handlungen bis hin zu Missbrauch und Selbstmordversuchen, was bei jeder der Frauen tiefe psychische Beeinträchtigungen und elementare Kommunikationsprobleme hinterlassen hat. Gleichzeitig ist das Buch dann aber auf voller Länge durchdrungen von einem irgendwie oberflächlichen, nichtssagenden, breit ausgewalzten französischen savoir-vivre mit einem selbstgefälligen, unnatürlichen Gehabe der Protagonistinnen, das einem als Leser irgendwann einfach auf den Geist geht. Aber das ist natürlich Ansichtssache.

Und das Ganze wird schließlich verpackt in eine permanente Achterbahnfahrt der Gefühle bei den Beteiligten in einem permanenten Wechsel von Gegenrede, Streitereien, Besserwissereien einerseits und großen Emotionen, Gefühlsduselei und plötzlicher unverständlich inniger Zuneigung. Mag ja sein, dass das in typisch-französischen Familien der Oberklasse so normal ist. Bei mir hat es jedenfalls die Lesefreude und das Interesse am Fortgang des sehr persönlichen Berichts sukzessive auf ein Mindestmaß reduziert. Schade drum.

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Doreen_Klauss avatar

Rezension zu "Was nie geschehen ist" von Nadja Spiegelman

Mütter und Töchter
Doreen_Klausvor 5 Monaten

Ich liebe meine Mama wirklich sehr und ich bin froh, dass sie nur hier bei mir ums Eck wohnt, aber auch in unserer Beziehung gab es Zeiten, in denen die Entfernung zwischen uns nicht groß genug sein konnte.

Nadja Spiegelman liefert mit diesem Buch eine Hommage an ihre Mutter. Es handelt sich allerdings nicht um eine Biografie, den auch die Geschichte ihrer Großmutter und deren Mutter findet Einzug ins Buch und wird verewigt. Erzählt wird das Ganze über Erinnerungen. Erinnerungen die Nadja aus ihrer Kindheit an die Mutter hat.
Eine Zeit in der sie glaubt die Mutter wäre eine Fee und könnte zaubern.
Dann die Erinnerungen der Mutter an ihre eigene Kindheit in Paris, die sie in langen Gesprächen mit ihrer Tochter teilt, und Jahre später die Erinnerungen der Großmutter, als Nadja diese besser kennenlernt.

Schnell erkennt die Autorin und auch der Leser, dass sich die Erinnerungen der einzelnen Personen zu ein und derselben Sache stark voneinander unterscheiden können, wie flüchtig und subjektiv sie sind. Jeder hat seine eigene Art die Dinge wahrzunehmen, Erinnerungen werden im Nachhinein verändert, gehen verloren, was gute Emotionen hervorruft wird ausgeschmückt, was unangenehm ist manchmal sogar komplett verdrängt. Stück für Stück setzt Nadja nun ihre Familiengeschichte, über mehrere Generationen und Jahrzehnten hinweg, zusammen und was dabei an die Oberfläche kommt ist nicht nur schön.

Die Geschichte folgt gerade zu Anfang keiner bestimmten Chronologie. Die Autorin springt in den verschiedenen Abschnitten zwischen ihren Erinnerungen und denen ihrer Mutter hin und her, oft ohne Zusammenhang. Das Buch ist zwar in einige längere Kapitel unterteilt, die einzelnen Abschnitte sind aber nicht beschriftet, so fiehl es zumindest mir manchmal schwer den Überblick zu behalten, welche Person gerade erzählt, ich lese relativ schnell und war dadurch ab und zu verwirrt. Manchmal musste ich den Abschnitt neu beginnen um wieder in Fluss zu kommen.

Der Schreibstil der Autorin ist davon abgesehen sehr flüssig und leicht, man spürt aus ihren Worten die Liebe und den Respekt für ihre Familie. Es wird gut erkennbar, wie sensibel sie in der Gesprächsführung gewesen sein muss. Sie erweist sich als gute Zuhörerin, der die Beteiligten auch unangenehme Dinge anvertrauen. Auch diese Details finden Eingang ins Buch, obwohl ich mir vorstellen kann, dass vieles davon in anderen Familien sicher unter den Tisch gekehrt worden wäre.

Das Buch liefert einen guten Einblick in das Familienleben verschiedener Epochen, in zu dieser Zeit geltende Erziehungsmethoden, über das Verhalten gegenüber Frauen und Kindern, über den Umgang den Eltern mit ihrem Nachwuchs pflegten. Vieles davon lässt uns heute unverständlich den Kopf schütteln, war aber zur jeweiligen Zeit vollkommen normal.

Das Buch steckt voller Leidenschaft, voller Konflikte (besonders zwischen Müttern und Töchtern), voller Hoffnungen und Wünsche, es macht nachdenklich über die eigenen Wurzeln. Es zeigt welche Macht die Familie haben kann, welchen Einfluss auf das eigene Leben, selbst im Erwachsenenalter. Es zeigt den Kampf den wir ausfechten um uns von ihr zu lösen um auf eigenen Beinen zu stehen und an den wir uns im Alter dann mit Wehmut, Sentimentalität und oft auch Groll erinnern. 
Ein Buch für Frauen, und selbst wenn wir keine Mütter sind, so sind wir doch auf jeden Fall Töchter. 

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Gespräche aus der Community

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aufbauverlags avatar
Nadja Spiegelman erzählt mehr als ihre eigene Geschichte. Sie zeichnet die Lebenswege dreier Frauen nach, deren Schicksale kaum enger miteinander verknüpft sein könnten. Ein eindrucksvolles Debüt über die blinden Flecken in Familien, über die Unzuverlässigkeit unserer Erinnerung und über die Kraft des Erzählens.Als Kind glaubt Nadja Spiegelman, ihre Mutter sei eine Fee. Ein besonderer Zauber umgibt Françoise Mouly, die erfolgreiche Art-Direktorin des New Yorker. Erst Jahre später, als Nadja allmählich zur Frau wird, bricht dieser Zauber. Immer häufiger trifft sie die plötzliche Wut der Mutter, ihre Zurückweisung, ihre Verschlossenheit. Nadja ahnt, dass sich in Françoises Ausbrüchen deren eigene Familiengeschichte widerspiegelt, und sie beginnt, der Vergangenheit nachzuspüren. In langen Gesprächen mit ihrer Mutter und ihrer Großmutter stößt sie auf unsagbaren Schmerz und widerstreitende Erinnerungen, aber auch auf die Möglichkeit, im Erzählen einen versöhnlichen Blick auf die Vergangenheit zu finden. Ein poetisches, zutiefst ehrliches Buch, das offenlegt, warum uns die, die wir am meisten lieben, häufig am stärksten verletzen.

Über Nadja Spiegelman
Nadja Spiegelman, geboren 1987, wuchs in New York City auf und lebt heute in Paris und Brooklyn. Sie ist die Tochter des berühmten Comic-Autors und Pulitzer-Preisträgers Art Spiegelman und der Art-Direktorin des New Yorker, Françoise Mouly.

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