Naja Marie Aidt

 3,7 Sterne bei 32 Bewertungen
Autor*in von Schere, Stein, Papier, Carls Buch und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Die dänische Schriftstellerin und Dichterin Naja Marie Aidt, Jahrgang 1963, zählt zu den wichtigsten Stimmen Skandinaviens, ausgezeichnet u.a. mit dem renommierten Nordischen Literaturpreis und dem Großen Preis der Dänischen Akademie. Aidt wurde auf Grönland geboren und lebt heute in Brooklyn. Sie ist Mutter von vier Söhnen. »Carls Buch« gilt als eines der 10 besten Memoirs des letzten Jahrzehnts (Lithub). Bei Luchterhand ist zuletzt von Naja Marie Aidt der Roman »Schere, Stein, Papier« erschienen.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Aus dem Dunkel (ISBN: 9783630878300)

Aus dem Dunkel

(1)
Neu erschienen am 16.04.2026 als Gebundenes Buch bei Luchterhand.

Alle Bücher von Naja Marie Aidt

Cover des Buches Schere, Stein, Papier (ISBN: 9783630874265)

Schere, Stein, Papier

(17)
Erschienen am 09.05.2017
Cover des Buches Carls Buch (ISBN: 9783630875903)

Carls Buch

(7)
Erschienen am 30.08.2021
Cover des Buches Süßigkeiten (ISBN: 9783630621463)

Süßigkeiten

(6)
Erschienen am 09.04.2009
Cover des Buches Aus dem Dunkel (ISBN: 9783630878300)

Aus dem Dunkel

(1)
Erschienen am 16.04.2026
Cover des Buches Das Wasserzeichen (ISBN: 9783518397640)

Das Wasserzeichen

(1)
Erschienen am 19.03.2001

Neue Rezensionen zu Naja Marie Aidt

Cover des Buches Aus dem Dunkel (ISBN: 9783630878300)
Hyperikums avatar

Rezension zu "Aus dem Dunkel" von Naja Marie Aidt

Hyperikum
Posttraumatische Belastungsstörung

Nach den Sitzungen fährt sie eine Stunde mit dem Bus nach Hause. Sie ist so müde, dass sie einnickt. Sie solle sich danach nichts mehr vornehmen, es werde anstrengend, sagten sie ihr. Ihren Therapeuten nennt sie den PTBS-Mann. Während der ersten Termine brachte sie kein Wort heraus. Statt seine Fragen zu beantworten, starrte sie auf den Boden. 

Zuhause angekommen, legt sie sich aufs Sofa und fällt in einen leichten Schlaf. Sie träumt, dass sie auf Kinder aufpassen soll, die sie vernachlässigt. Ihr schlechtes Gefühl im Traum ist tief. Als sie erwacht, hat sie Hunger. Sie kocht Reis und Gemüse, setzt sich an den Klapptisch in der Küche und starrt aus dem Fenster. Die Stimmen im Radio sind ein lärmendes Hintergrundgeräusch. Sie steht auf, schaltet es aus, geht ins Wohnzimmer und legt sich auf das Sofa, um irgendeine hohle Sendung im Fernsehen zu schauen. Das wird Öl auf ihre ausgefransten Nerven gießen. 

Etwas reißt sie aus dem Schlaf, ihr Herz klopft wild unter der Brust. Sie schwört, dass jemand in der Wohnung ist, durchsucht akribisch jeden Raum, aber sie ist allein. Mit ihrer Decke geht sie ins Schlafzimmer, legt sich hin. In den frühen Morgenstunden schläft sie ein, ein paar traumlose Stunden, ausgespült vom Regen, der gegen das Fenster fällt. 


Viele ihrer Albträume handeln davon, nicht zu genügen, alles verkehrt zu machen, Menschen oder Kinder in Not nicht retten zu können. Pflichten zu versäumen, sich an vertrauten Orten nicht mehr auszukennen, verloren zu gehen. S. 197


Fazit: Naja Marie Arndt, preisgekrönte dänische Schriftstellerin, hat das Thema Posttraumatische Belastungsstörung verhandelt. Ihre namenlose Protagonistin hat einen gewalttätigen Vater hinter sich gelassen, eine Schwester verloren und eine Vergewaltigung in ihrer Jugend noch nicht verarbeitet, als sie auf einem nächtlichen Nachhauseweg eine Frau schreien hört. Sie kann ihr nicht nur nicht helfen, sie wird selbst angegriffen. Danach ist nichts mehr, wie es war. Sie findet einen fähigen Psychotherapeuten, der sie durch eine Verhaltenstherapie wieder ins Leben boxt. Aber nicht nur seine Arbeit bereichert ihre Zukunftsaussichten, sondern auch ihre vier Freundinnen. Die Autorin schreibt über traumatische Erfahrungen, als hätte sie es selbst erlebt. Diese tiefe, zehrende Müdigkeit, gleicht einer Ohnmacht, die sie in die Arbeitslosigkeit zwingt. Jederzeit kann sie getriggert und retraumatisiert werden, dazu reichen Geräusche oder ein wenig Druck, ein wenig zu viel von etwas. Während der Therapie ist das notgedrungen gewünscht und angeleitet, aber darüber hinaus allein mit der Todesangst zu sein und dem Gefühl sterben zu müssen, überfordert sie zutiefst. Ihre Freundinnen geben ihr Halt und Fürsorge. Sie absorbieren ihre Wutanfälle, wenn sie überfordert ist, kratzen sie vom Asphalt, wenn sie zitternd und keuchend am Boden klebt und lachen mit ihr über ihre neuerlichen Wunderlichkeiten. Naja Marie Aidt erzählt von männlicher Übergriffigkeit und weiblicher Solidarität. Sie beleuchtet einen Weg des Heilwerdens und macht Mut. Ein Buch für alle, die mit traumatisierten Menschen zu tun haben und sie besser verstehen möchten. 

Cover des Buches Carls Buch (ISBN: 9783630875903)
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Rezension zu "Carls Buch" von Naja Marie Aidt

BeautyBooks
Berührend aber auch so hoffnungsvoll und stark!

In dem Buch beschreibt die Autorin den Tod ihres Sohnes Carl und ihre Zeit der Trauer danach. Carl stirbt plötzlich durch einen Unfall, wodurch für seine Familie eine Welt zusammenbricht. Die Mutter versucht zu begreifen, was passiert ist, und sucht nach einer Möglichkeit, mit ihrem Verlust zu leben.

Das Buch zeigt, wie stark der Tod eines nahestehenden Menschen das Leben verändern kann. Die Erzählerin beschreibt ihre Gefühle von Schock, Schmerz und Hilflosigkeit. Gleichzeitig erinnert sie sich immer wieder an Carl, an gemeinsame Erlebnisse und an sein Leben.

Neben ihren persönlichen Erinnerungen setzt sich die Autorin auch mit Gedanken über Trauer, Verlust und Liebe auseinander. Das Buch macht deutlich, wie schwer es ist, den Tod eines geliebten Menschen zu akzeptieren, und wie lange der Weg durch die Trauer sein kann.

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Meine persönliche Meinung:

Ich fand die Kombination aus Poesie und Erzählungen der Autorin richtig schön. Das hat in diesem Buch perfekt gepasst. Durch die Gedichte konnte man all die Gefühle der Autorin und was ihr durch den Kopf geht, regelrecht spüren und verstehen. Man kann und will sich das nicht vorstellen, wie es für eine Mama ist, wenn man seinen eigenen Sohn verliert viel zu früh verliert. Sehr persönlich schreibt Naja Marie Aidt über etwas, das man nur schwer begreifen oder verstehen kann. Sprachlich handelt es sich hier um ein wirklich brillantes, mutiges und unvergessliches Buch. Poetisch, kurze Sätze, das Erzählte wechselt zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit. Ich habe bisher noch nie ein Buch in so einer Art gelesen und das Geschriebene wird mich noch ganz lange begleiten

Cover des Buches Carls Buch (ISBN: 9783630875903)
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Rezension zu "Carls Buch" von Naja Marie Aidt

KataRaf
Berührend, schmerzend und tröstend

Wie schreiben über das unschreibbare?  Plötzlich tot, ein Unfall, selbstverschuldet, in einem unzurechensfähigen Zustand, mit Mitte 20, der eigene Sohn...

Wie schreiben über das aus dem Leben, der Zeit, der Welt gerissen sein? Wie diesen Schmerz verarbeiten, wie weiterleben, wie es erschreiben?

Und warum so ein Buch lesen? Autofiktion über den plötzlichen Tod des eigenen Kindes. Diese Frage stellt sich mir normalerweise nicht, nicht im Leben, nicht in der Literatur, denn es verschreckt mich wenig. Aber der eigene Sohn, plötzlich, weg, für immer, ja das ist auch mein wundster Punkt...

Aidt schafft es, mit Carl's Buch ein berührendes, schmerzendes und tröstendes Buch zu schreiben über dieses Jahr außerhalb von allem, rund um den Tod ihres Sohnes Carls, der Pilze mit seinem Freund konsumierte und in einem negativen Trip aus dem Fenster sprang. Ein ganz normaler junger Mann, keine besonderen Probleme. Ein ganz besonderer junger Mann, ganz normale Probleme.

Fragmentarisch, lyrisch, allgemein, weit weg, ganz nahe, nehmen wir teil an den Reaktionen der Autorin, der Mutter. Aidt gelingt es, das unbeschreibbare zu beschreiben, uns mitzunehmen in ihren Gedanken, ihren Schmerz, ihre Veränderung, in ihre Ruhe und Trost.

Es ist ein sehr persönliches Buch und es ist ein universelles, lesenswertes Buch. Das Leben und der Tod, es sind zwei Punkte, das Leben ist dazwischen, kein Entrinnen, wir kommen von einem Punkt, zum anderen, immer. Dieses Buch lohnt sich und es bewegt in tiefen Schichten, es verbindet sich etwas mit diesem Text.


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