Schere, Stein, Papier

von Naja Marie Aidt 
3,8 Sterne bei9 Bewertungen
Schere, Stein, Papier
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Positiv (5):
vielleser18s avatar

Eintauchen in die Gedanken und Gefühle mit all seinen Veränderungen durch einen "Geldsegen" des Protagonisten, die Geschichte hat Sogwirkung

Kritisch (2):
DanielaAlges avatar

eine deprimierende Geschichte mit vielen offenen Fragen

Alle 9 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Schere, Stein, Papier"

Mit "beklemmender Eindringlichkeit" (Süddeutsche Zeitung) erzählt die preisgekrönte dänische Autorin Naja Marie Aidt, wie die Vergangenheit einen Menschen unerwartet einholt und eine einzige falsche Entscheidung eine sorgfältig aufgebaute Existenz zum Einsturz bringt. Ein faszinierender Roman über die Bruchstellen des Lebens, das Gewicht der Vergangenheit und die Verletzlichkeit der menschlichen Existenz. Von einer der aufregendsten literarischen Stimmen unserer Zeit.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783630874265
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:448 Seiten
Verlag:Luchterhand
Erscheinungsdatum:09.05.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    DanielaAlges avatar
    DanielaAlgevor 7 Monaten
    Kurzmeinung: eine deprimierende Geschichte mit vielen offenen Fragen
    Deprimierend, kalt, ehrlich, fragwürdig


    Der Titel "Schere, Stein, Papier" suggerierte mir eine einfache, schöne Geschichte. Ein Roman, um auf andere Gedanken zu kommen, um  ein paar schöne Stunden vor dem warmen Ofen zu verbringen.


    Dem war nicht so. Die Protagonisten leben perspektivlos in unbarmherzigen Umfeld, mögen sich allesamt selber nicht und ziehen sich gegenseitig mit ihren Problemen immer tiefer in die Scheiße.


    Penibel und ausführlich erläutert die Autorin jeden Ständer, jeden Furz und jeden Gedanken, mit dem Thomas zu kämpfen hat. Etwa 20 Seiten nimmt ein einziges Gesellschaftsspiel an einem Abend mit Verwandten ein. Da kam dann beim Lesen zwischendurch mal großes Gähnen und genervtes Weiterblättern auf.


    Irgendwie wollte ich dann doch wissen, wie es zu all diesen widerwärtigen Situationen gekommen ist. Doch die auf über 400 Seiten aufgeworfenen Fragen bleiben größtenteils unbeantwortet. Das Buch war fertig. Ohne Ende. In meinem Kopf blieb: "Häh? Das ist also die gern zitierte große Literatur?"


    Ich les dann lieber wieder spannende, schöne Geschichten!

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    FrolleinJotts avatar
    FrolleinJottvor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Literarisch sicher gut, aber die Story war mir zu beklemmend und etwas langwierig. Fesselnd wurde es erst auf den letzten Seiten.
    Beklemmende Atmosphäre

    Inhalt / Klappentext:

    Mit "beklemmender Eindringlichkeit" (Süddeutsche Zeitung) erzählt die preisgekrönte dänische Autorin Naja Marie Aidt, wie die Vergangenheit einen Menschen unerwartet einholt und eine einzige falsche Entscheidung eine sorgfältig aufgebaute Existenz zum Einsturz bringt. Ein faszinierender Roman über die Bruchstellen des Lebens, das Gewicht der Vergangenheit und die Verletzlichkeit der menschlichen Existenz. Von einer der aufregendsten literarischen Stimmen unserer Zeit.


    Meine Meinung:

    Das ist eins dieser Bücher, wo ich beim Lesen die meiste Zeit nicht wußte, was ich davon halten soll, wo das Ganze hinführen soll. Die Story konnte mich nicht richtig fesseln, die Personen kamen mir nicht wirklich nah und so überlegte ich ständig, ob ich es abbrechen soll. Und es hat größtenteils diese beklemmende Atmosphäre, auf die ich irgendwie gar keine Lust hatte.

    Dabei ist es wirklich gut geschrieben, also am Stil, der Sprache und am Können der Autorin hat es sicher nicht gelegen. Und deshalb habe ich es dann auch zu Ende gelesen. Und im letzten Drittel hat es mich dann doch noch gepackt, da wurde es dann sogar noch spannend und auf den letzten Seiten gar dramatisch. Wobei leider nicht alle Fragen aufgelöst wurden, einiges bleibt am Ende offen, was ich doch etwas unbefriedigend finde.

    Das ist sicher ein literarisch gelungener Roman. Aber die im Klappentext als "einer der aufregendsten literarischen Stimmen unserer Zeit" benannte Autorin ist sie für mich nicht. Insgesamt fand ich es größtenteils langwierig und ziemlich bedrückend, so dass ich nicht neugierig auf weitere Bücher dieser Autorin geworden bin.

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    vielleser18s avatar
    vielleser18vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eintauchen in die Gedanken und Gefühle mit all seinen Veränderungen durch einen "Geldsegen" des Protagonisten, die Geschichte hat Sogwirkung
    Geschichte mit Sogwirkung

    Der Vater von Thomas und Jenny stirbt. Ein einfacher Trauerfall ? Mitnichten, denn die Beziehung der drei war mehr als schwierig. Die Mutter hat die Familie schon früh verlassen, der Vater war oft handgreiflich gegenüber seinen Kindern, ein Kleinkrimineller, der ihnen das Leben nicht leicht gemacht hat. Sein Tod reißt alte Wunden wieder auf.
    Das Erbe besteht nur aus Schulden - ein letzter Gang in seine verwahrloste Wohnung. Ein Erinnerungsstück will Jenny behalten, seinen Toaster. Als Thomas ihn repariert macht er eine unglaubliche Entdeckung: zwei Geldpäckchen. Heimlich schiebt er sie sich unter den Pullover, erzählt auch seiner Lebensgefährtin Patricia nichts davon. Der Tod, die Entdeckung des Geldes und die Bekanntschaft mit Luke, dem "Jungen", der anscheinend so viel Zeit mit Jacques, Thomas Vater, verbracht hat und so viel zu berichten hat - über Ereignisse und Erlebnisse, die Thomas nie mit seinem Vater erlebt hat - all dies setzt bei Thomas eine Veränderung seiner Gedanken, seines Verhaltens in Gang, dass ihn unaufhörlich immer weiter in den Abgrund zieht......


    Das Buch ist kein einfaches Buch. Es fordert den Leser heraus, sich auf diese Geschichte einzulassen. Es ist kein Spannungsroman, sondern ein Roman, der so viele Ereignisse, so viele Veränderungen so genau beschreibt, dass man als Leser das Gefühl hat, selber in der Haut von Thomas, aus dessen Sicht erzählt wird, zu stecken.
    Grandios aus meiner Sicht ist, wie gut die Autorin diese Veränderungen, die Thomas durchlebt, realistisch und vor allem nachvollziebhar erzählt. Es ist ein schleichender Prozess, der nicht nur ihn, sondern durch ihn auch seine Lebensgefährtin, seine Familie und seine Freunde betrifft.
    Durch die Beschreibungen, die gut gesetzten Dialoge und Ereignisse, die sich immer weiter dramatisieren, die immer wieder härter und agressiver werden, fühlt man sich auf dieser Abwärtsspirale wie in der ersten Reihe.  Das besondere darin ist, dass die Autorin Naja Marie Aidt die Protagonisten so gut skizzieren kann. Vor allem voran natürlich Thomas, dessen Innenleben wir beobachten können. Aber auch die anderen Patricia, Jenny, seine Nichte Alice und weitere Verwandte, sein Freund und Kollege Maloney, sie alle werden in diesem Buch lebendig - sie sind und bleiben keine starren Figuren, sondern verändern sich, entwickleln sich. Dies zu beschreiben, so dass es so echt wirkt, ist eine Kunst.

    Fazit:
    Sehr gut beschriebener Roman über die Auswirkungen von Vergangenheit gepaart mit Kurzschlusshandlungen, über große Gefühle wie Eifersucht, Liebe und Freundschaft.
    Was verändert einen Menschen ? Wie weit wird er getrieben von seinen eigenen Gefühlen und Wünschen ? Wie weit nimmt er in Kauf  andere zu verletzen  - und wie weit kann er sich dabei einreden, dass alles nur zum Besten geschieht ?
    Der Roman von Naja Marie Aidt erzählt die Entwicklung eines Menschen, dessen Abwärtsspirale ihn immer tiefer nach unten zieht....

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    Petriss avatar
    Petrisvor einem Jahr
    Anspruchsvolle Lektüre

    Der erste Eindruck:
    Angesprochen hat mich in erster Linie der Titel. Meine Schwester und ich spielten immer Schere, Stein, Papier, wenn es darum ging, wer eine ungeliebte Aufgabe übernehmen sollte.
    Außerdem finde ich das Cover sehr ansprechend, es ist ästhetisch und lässt die Fantasie wandern.

    Rezensionen:
    Es waren genau zwei auf Lovelybooks, als ich mir den Roman in der Bücherei bestellte. Eine lobte das Buch, die zweite war ein völliger Verriss. Das interessierte mich, ich mag Bücher, die spalten.

    Der erste Leseeindruck:
    Ich kam gut in die Geschichte hinein, mochte die Sprache. Die Charaktere waren sperrig und dennoch menschlich mit ihren Sorgen, Ängsten und vor allem ihrer zum Teil schwierigen Kindheitsgeschichte.

    Und weiter geht’s:
    Der Roman las sich gut, die Handlung war nicht schön, zum Teil gewalttätig, zum Teil aber auch ganz alltäglich, keine leichte Kost, aber unaufgeregt und sehr schlüssig erzählt. Auf alle Fälle ein anspruchsvoller Roman, der nicht in erster Linie auf Unterhaltung aus ist, sondern immer wieder überrascht. Es werden Dinge angedeutet, man weiß nie, was eigentlich wirklich unter der Oberfläche abläuft. Ich war gefesselt und wartete gespannt darauf, ob es eine Auflösung geben würde!

    Der Schluss:
    Ich muss zugeben, ich habe ihn nicht verstanden, und er hat mir auch nicht gefallen. Er hat nicht dazu gepasst und erklärt wurde dadurch nichts. Schade, sonst fand ich den Roman klasse. Gerade wegen der Ecken und Kanten! Deshalb gibt’s auch vier Sterne.

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    miss_mesmerizeds avatar
    miss_mesmerizedvor einem Jahr
    Naja Marie Aidt - Schere, Stein, Papier

    Thomas und Jennys Vater ist gestorben. Eigentlich sind sie erleichtert, das Verhältnis war schlecht, gekümmert hat er sich nie und ein Verbrecher war er dazu, die letzte Zeit seines Lebens saß er im Knast. Doch die erhoffte Erleichterung stellt sich nicht ein. Ein letztes Mal gehen sie in die elterliche Wohnung, Jenny will unbedingt den Toaster mitnehmen, der sie an die guten Zeiten der Kindheit erinnert. Doch das Gerät ist scheinbar kaputt. Als Thomas ihn auseinanderbaut, findet er die Beute des letzten Raubzugs seines Vaters. Er behält das Geld und verschweigt seiner Schwester und seiner Freundin Patricia den Fund. Doch an dem unverhofften Geldsegen klebt Pech und Thomas muss mit ansehen, wie sein geordnetes bürgerliches Leben, in das er sich als dem Sumpf gerettet hat, nach und nach bedroht wird und schließlich zusammenbricht.

    Naja Marie Aidts Roman beschreibt den Niedergang in aller Eindringlichkeit und facettenreich. Es sind nicht die Handlungen, das Geschehen, die ihren Roman bestimmen, sondern die Menschen mit ihren Wesenszügen und Schwächen. Im Zentrum Thomas. Mit seinem Freund hat er einen Schreibwarenladen. Er hat den sozialen Aufstieg geschafft, es zu etwas gebracht, sich von seinem Vater und der Kriminalität seiner Kindheit distanziert. Der Fund des Geldes weckt jedoch eine Gier in ihm und bringt das zum Vorschein, was er hinter sich lassen wollte. Nicht kalkuliert hatte er, was dieses kleine Verbrechen mit ihm und seiner Umwelt macht. Er wird misstrauisch, vermutet Betrug hinter allen Handlungen seiner Mitmenschen, vertraut nicht mehr. So zerstört er nach und nach alle Beziehungen und gefährdet sich und andere. Vor allem seine Freundin Patricia. Ist die Beziehung zu Beginn des Romans fragil, werden die Risse im Laufe der Geschichte immer deutlicher. Leidet Thomas eher unbewusst, wird sie physisch wie psychisch zum Opfer.

    Auch das Verhältnis der Geschwister zueinander ist nicht geprägt durch Verbundenheit ob des gemeinsam erlebten Leidens. Mit leichter Verachtung straft Thomas Jenny immer wieder, diese ist schwach, hat den Aufstieg nicht im selben Maße geschafft wie ihr Bruder und zudem in der Kindererziehung versagt. Doch mehr und mehr kehrt sich dieses Verhältnis um, Jenny findet ihren Weg, wirkt zunehmend selbstsicher und autonomer und kann sogar eine funktionierende Beziehung aufbauen während Thomas dazu immer weniger in der Lage scheint.

    „Schere, Stein, Papier“ – ein passender Titel. Immer wieder stehen sich im Roman zwei Figuren gegenüber, die vor eine Entscheidung gestellt werden und deren Kampf ein scheinbar offenes Ende hat. Beide können gewinnen, sie taktieren, versuchen das Gegenüber zu durchschauen, um so die Oberhand zu gewinnen. Jede Handlung beeinflusst unbewusst jedoch die darauf folgende – wie auch jede Erfahrung das weitere Agieren eines Menschen bewusst oder unbewusst beeinflusst. Nichts ist völlig willkürlich im Leben und daher kann man sich auch nicht von dem lossagen, was man gerne ablegen möchte. Am Ende der Handlung muss Thomas sehen, dass er wieder zurückkehrt zu dem, was er verdrängt hatte und schließt so den Kreis. 

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    serendipity3012s avatar
    serendipity3012vor einem Jahr
    Geld macht nicht glücklich

    Geld macht nicht glücklich 

    Als Jacques stirbt, haben Thomas und seine Schwester Jenny schon länger keinen Kontakt mehr zu ihrem Vater. Vor allem Thomas ist eher erleichtert, sind die Erinnerungen an seine Kindheit doch mehr schlecht als alles andere. Er und Jenny wurden vom Vater grausam behandelt, die Mutter verließ Mann und Kinder. Jacques war ein Krimineller und starb schließlich im Gefängnis, als er gerade auf seinen nächsten Prozess wartete. Auf der Trauerfeier erfährt Thomas von einem der Gefängniswärter, dass Jacques dieses Mal wohl für länger hinter Gitter gekommen wäre, da sein Vergehen offenbar so gravierend war, dass es keine kurze Strafe zuließ. Was der Vater getan hatte, darf der Wärter Thomas nicht mitteilen. Ebenfalls auf der Trauerfeier trifft er einige alte Freunde seines Vaters, die er lang nicht gesehen hat bzw. die er gar nicht kennt, zum Beispiel dessen langjährigen Freund Frank und den noch recht jungen Luke, für den Jacques so etwas wie eine Vaterfigur zu sein schien, was Thomas sehr verblüfft.

    Eigentlich will Thomas seinen Vater und alles was mit ihm und seinem Tod zusammenhängt, schnell hinter sich lassen und sein Leben weiterleben. Er wohnt mit seiner Freundin Patricia zusammen, allerdings ist die Beziehung schwierig, auch deshalb, weil sie sich ein Kind wünscht, er aber nicht. Mit seinem Freund Maloney führt Thomas einen Papierwarenladen. Das Einzige, was Thomas aus Jacques’ Wohnung mitnimmt, ist ein alter Toaster, den seine Schwester Jenny unbedingt haben will – Thomas hält sie für übertrieben sentimental und ist oft genervt von ihren dramatischen Auftritten und den vielen Tränen, die sie seiner Meinung nach gern vergießt. Der Toaster allerdings hat es in sich: In ihm ist eine große Menge Geld versteckt – vermutlich stammt es aus Jacques’ letztem Coup. Thomas beschließt, das Geld an sich zu nehmen und eine weitere Filiale des Papierladens zu eröffnen. Er erzählt niemandem, wovon er dies bezahlen will und woher er plötzlich so viel Geld hat.

    Die dänische Autorin Naja Marie Aidt erzählt in ihrem soeben bei Luchterhand erschienenen Roman „Schere, Stein, Papier“ von Thomas’ Leben nach dem Tod des Vaters. Natürlich kann es nicht funktionieren, das Geld einfach an sich zu nehmen und zu erwarten, dass niemand Anspruch darauf erheben wird. Und so passieren immer mehr seltsame, beängstigende Dinge: Jemand scheint ihm ganz offenbar zu drohen.

    Es gibt vor allem zwei Gründe, warum mir Aidts Roman nicht gefallen hat und ich seine Lektüre leider nicht empfehlen kann: Das ist zum einen die Vorhersehbarkeit der ganzen Geschichte. Spätestens nach einem Drittel des Romans ist es offensichtlich, was genau hinter den Vorkommnissen in Thomas’ Leben steckt und wie die Geschichte mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgehen wird. Und auch, wenn einige Details überraschend waren und die eine oder andere Wendung dann doch etwas anders ausfiel, war im Großen und Ganzen tatsächlich alles so, wie erwartet. Die Andeutungen der Autorin sind einfach zu offensichtlich, falsche Fährten gibt es nicht.

    Das wäre zu verzeihen, wenn die Geschichte auf anderer Ebene punkten würde, wie zum Beispiel einer glaubwürdigen Entwicklung der Hauptfigur, aber gerade in dieser Figur liegt der zweite Punkt, der mich an „Schere, Stein, Papier“ gestört hat: Wieso zeichnet Aidt diesen Mann so eindimensional? So negativ und unsympathisch? Thomas ist oft schlecht gelaunt, redet nicht mit seinem Freund Maloney oder seiner Freundin über das Geld oder die Dinge, die ihm zustoßen und die möglichen Zusammenhänge. Das ist wie in einer bestimmten Art von Film, in denen die Hauptfiguren einfach nicht miteinander reden und man als Zuschauer weiß, dass so nur Zeit geschunden werden soll. Thomas macht ständig zu und merkt nicht, dass er seine Freundin damit von sich wegstößt. Er jammert oft und tut sich selbst leid und fühlt sich ausgeschlossen. Er ist verbittert. Meine Frustrationsgrenze bei jammernden Protagonisten ist eigentlich sehr hoch. Ich kann oft gerade viel mit Figuren anfangen, die auch um sich selbst kreisen, sich analysieren, die ihr Inneres für den Leser nach außen kehren. Und ich mag ambivalente Protagonisten, niemand hat schließlich nur gute Seiten. Ich mag Abgründe. Aber dieser Thomas ging mir irgendwann nur noch auf die Nerven. Seiner Freundin übrigens auch. Und seine Einstellung zum Sex muss man noch dazu ernsthaft hinterfragen. Generell fügt sich das Thema Sexualität alles andere als stimmig in den Roman.

    Nun gut. Vielleicht ist Thomas das Produkt seiner Kindheit. Dieses Vaters, der ihn so schlecht behandelt hat. Natürlich ist es in dem Zusammenhang auch nur logisch, dass er selbst keine Kinder haben möchte. Sowieso sind Väter in Aidts Roman eigentlich generell abwesend (zum Beispiel hat Thomas’ Tante mit ihrer Partnerin Zwillinge durch eine Samenspende bekommen – auch hier also keine Vaterfigur in Sicht). Das Vatersein an sich scheint durchweg negativ besetzt, wenn man einmal von dem angeblich väterlichen Verhältnis Jacques’ zu dem jungen Luke ausgeht, allerdings ist dies ja auch eine Beziehung, an die Thomas so nicht glauben will. Das ist sicher alles kein Zufall und verfolgt ein Ziel, kann den Roman aber letztlich nicht retten.

    Kommentare: 1
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    marpijes avatar
    marpijevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Schonungslos und ohne Verschönerungen - ein sprachlicher Kunstwerk !!!!
    Ein sprachlicher Kunstwerk !!!


    Kann eine falsche Entscheidung das Leben ruinieren ?
    Kann der Vergangenheit über der Gegenwert bestimmen ?,
    leider ja, und das alles erlebt Thomas. Sein Vater ist im Gefängnis gestorben und Thomas zusammen mit seine Schwester Jenny besuchen der Wohnung von den gestorbenen, Jenny will nur eine Sache von dort nehmen- alte kaputte Toaster, die Reparatur übernimmt Thomas und macht eine Entdeckung - in Toaster sind viel Geldscheine versteckt , er nimmt sie und zusammen mit das Geld er nimmt auch das Schuld, der paranoische Angst, die Unsicherheit und verliert sein altes Leben....
    Thomas ist nicht mehr Thomas , seine bisherige Existenz ist im Bruch gegangen und er verwandelt sich zu einem anderen Mensch....


    Thomas hat sein Vater nicht geliebt , oder doch ? , meine Meinung das war so genannte Hassliebe , weil nach den Beerdigung Thomas hat sich nicht mehr in Griff, er ist lethargisch und eifersüchtig auf die anderen Menschen welche haben sein Vater von ganz andere Seite gekannt , so wie Luke, Luke mit seine magisch anziehende und abstoßende Kraft. Thomas hasst Luke und gleichzeitig ist gierig auf die Geschichten über sein Vater, er hat Angst von Luke aber sucht immer die Nähe zu ihm. Thomas drängt immer tiefer in der Vergangenheit , sein Charakter ändert sich, in ihm kommen die brutale Züge zum Vorschein  , aber auch Zweifeln, Unsicherheit , Ängste und Verletzlichkeit , das was er hat bis jetzt erreicht und aus was er stolz war liegt von ihm im Scherben.


    Der Schreibstil ist einfach, deutlich und unglaublich klar, jede Gedanke und jeder Gefühl ist erfasst und uns schonungslos aufgetischt, die Schreibweise sorgt auch dafür , dass ich der Thomas sympathisch fand, obwohl einige seine Handlungen für mich nicht nachvollziehbar sind . Die Autorin schreibt über das Leben so wie wirklich ist, ohne Verschönerungen , ohne blumige Sprache, die Gefühle und die Emotionen sind hier normal , keine oh... und ah ... , nur das Leben pur - klar und ohne Sentimentalität.


    Das Buch drückt und trübt, die Stimmung ist beklemmend und schwer, die Geschichte ängstigt und macht kein Mut, die Protagonisten sind nicht glatt und süß- trotzdem, das Buch  fesselt und bohrt sich im Kopf.
    Heute geht mir gut- was bringt Morgen ?


    Ein sprachlicher Kunstwerk !!!!

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    teresainnvor 5 Monaten
    Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr

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