Najem Wali

 3,2 Sterne bei 11 Bewertungen
Autor von Saras Stunde, Bagdad und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Najem Wali

Najem Wali, geboren 1956 im irakischen Basra, flüchtete 1980, nach dem Ausbruch des Iran-Irak-Krieges, nach Deutschland. An der Universität Hamburg studierte er Germanistik, in Madrid spanische Literatur. Heute lebt er als Autor und Journalist in Berlin. Er war lange Zeit Korrespondent der arabischen Tageszeitung Al Hayat und schreibt u. a. für die Süddeutsche Zeitung, den Spiegel und Die Zeit.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Najem Wali

Cover des Buches Saras Stunde (ISBN: 9783446258266)

Saras Stunde

 (3)
Erschienen am 19.02.2018
Cover des Buches Bagdad Marlboro (ISBN: 9783446244856)

Bagdad Marlboro

 (2)
Erschienen am 17.03.2014
Cover des Buches Bagdad (ISBN: 9783423145824)

Bagdad

 (2)
Erschienen am 04.08.2017
Cover des Buches Reise in das Herz des Feindes (ISBN: 9783446248977)

Reise in das Herz des Feindes

 (1)
Erschienen am 09.02.2015
Cover des Buches Soad und das Militär (ISBN: 9783966390354)

Soad und das Militär

 (1)
Erschienen am 11.06.2021
Cover des Buches Engel des Südens (ISBN: 9783446253261)

Engel des Südens

 (1)
Erschienen am 07.03.2011
Cover des Buches Abraham trifft Ibrahîm (ISBN: 9783518469736)

Abraham trifft Ibrahîm

 (0)
Erschienen am 14.07.2019
Cover des Buches Die Reise nach Tell al-Lahm (ISBN: 9783423139403)

Die Reise nach Tell al-Lahm

 (0)
Erschienen am 01.12.2010

Neue Rezensionen zu Najem Wali

Cover des Buches Soad und das Militär (ISBN: 9783966390354)B

Rezension zu "Soad und das Militär" von Najem Wali

Zwischen realen Fakten und Fiktion
buchlesenliebevor einem Jahr


2001 stirbt die bekannte ägyptische Sängerin und Filmdiva Soad Hosney unter mysteriösen Umständen im Londoner Exil. Gestürzt vom Balkon ihrer Wohnung im Stuart Tower. Kurz zuvor hatte sie das Schreiben ihrer Memoiren angekündigt. War es selbstgewählter Suizid oder doch Mord- in Auftrag gegeben durch den einflussreichen ägyptischen Geheimdienstapparat und das Militär? Die Spekulationen über dieses tragische Unglück bestehen bis heute fort und dienen als realer Bezugspunkt für den Roman „Soad und das Militär“ des irakisch-deutschen Schriftstellers und Journalisten Najem Wali.

Drei Jahre nach dem Beginn des sogenannten „arabischen Frühlings“ in Kairo: der Erzähler Harun, der schon oft im Land war, ist für eine Lesung am Goethe-Institut angereist. Unverhofft trifft er auf seinen alten Freund Simon Syros - ein Amerikaner, der einst an einem Weltwörterbuch über die Sprache des Militärs arbeitete - und plötzlich spurlos verschwand. Warum ist Simon nach so langer Zeit mit einer Pistole im Gepäck zurückgekehrt? Warum müssen sie sich heimlich treffen? Was steht in den elf fiktionalen und in der 3.Person formulierten Heften seiner großen und verstorbenen Liebe Soad, die Simon dem Erzähler überlässt?

Wali legt mit seinem Roman eine klug konstruierte Mischung aus Fakten und Fiktion vor, die sich zeitlich von Beginn der 1950er bis zum postkolonialen Kairo der Gegenwart spannt. Dabei gewährt der Autor tiefe Einblicke in das Schicksal und unausweichliche Abhängigkeitsverhältnis der Sängerin und Schauspielerin Soad, die seit ihrer Kindheit ein fremdbestimmtes Leben in den Fängen des Geheimdienstes und Militärregimes führt. Gleichsam von den Offizieren bewundert und hinsichtlich ihrer Karriere selbst von diesem hegemonialen Netzwerk profitierend, wird sie nahezu ihr ganzes Leben perfide instrumentalisiert und im vermeintlichen Dienste des Patriotismus und Nationalismus für politische Zwecke missbraucht. Mit pornografischen Aufnahmen wird Soad u.a. zu Spionagetätigkeiten und Geschlechtsverkehr mit hochrangigen arabischen Herrschern und den ägyptischen„Feinden“
erpresst, lebt in ständiger Überwachung, erfährt bloße Frauenverachtung und Demütigungen. 

Eine freie Beziehung zu Simon, der ebenfalls unaufhaltsam in dieses Machtgefüge verstrickt wird, ist in Ägypten kaum möglich und treibt das Paar ins Exil. Doch Soad zerbricht an ihrem Schicksal, in das sie einst vom eigenen Vater getrieben wurde und welches sie aus Liebe zu ihrer Familie aufrechterhalten hat.

Dies alles ist ziemlich interessant zu lesen, hat meinen Horizont in soziokultureller/historischer Hinsicht ungemein erweitert und das Schicksal von Soad hat mich sehr bewegt. Spannend auch vor dem Hintergrund, dass der Roman in vielen autokratischen Ländern auf dem Index landet, der Titel teilzensiert wird. Teilweise empfand ich die Schilderungen als etwas zu langatmig, zu repetitiv, den Fokus verlierend, zu monologisch, wodurch der Spannungsbogen nicht durchgängig gehalten werden konnte. Dennoch hat mir der Schreib- und Erzählstil insgesamt sehr gut gefallen, der Autor ist sich dabei treu geblieben und man merkt auf jeder einzelnen Seite, wie viel Mühe, Recherche, Gedankenreichtum und Bedächtigkeit in seinem Schreiben liegt. Dies und den Mut so ein Buch zu schreiben, ist definitiv zu wertschätzen und ich spreche daher eine klare Leseempfehlung aus. Verdient steht der Roman auf Platz 5 der aktuellen Bestenliste „Weltempfänger“ von litprom_ev Hervorzuheben ist auch die gelungene Übersetzung aus dem Arabischen von Christine Battermann.

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Cover des Buches Reise in das Herz des Feindes (ISBN: 9783446248977)Buchhandlung_am_Schaefersees avatar

Rezension zu "Reise in das Herz des Feindes" von Najem Wali

Sehr beeindruckend
Buchhandlung_am_Schaeferseevor 7 Jahren

Wenn man als Iraker nach Israel reist, bedarf es einer Rechtfertigung, ja es war zeitweise sogar verboten. Die Möglichkeit, den "Feind" als Menschen kennenzulernen ist von den meisten arabischen Machthabern nicht erwünscht. Umso mutiger, dass Najem Wali sich bei der ersten offiziellen Gelegenheit aufmacht zu einer Reise durch Israel.

Das Buch ist aufgebaut auf den Begegnungen mit den Menschen in Israel - gebürtigen Israelis, eingewanderten irakischen Juden, geflüchteten Libanesen und vielen mehr. Ob international anerkannte israelische Irakforscher, Taxifahrer oder Drusen - Najem Wali kennt keine Berührungsängste.
Die Begegnungen werden nicht nur erzählt, sondern sind Anknüpfungspunkte für intensive Reflexionen über unendlich viele Themen, die mit dem politischen Konflikt zusammenhängen. Die Betrachtungsweisen, die sich dabei eröffnen sind höchst unterschiedlich, aber allen gemeinsam ist die tiefe Menschlichkeit Walis und eine vehemente Ablehnung von diktatorischen Machtgefügen. Diese Einstelung ist so berührend und so echt, dass sich ein tiefes Gefühl der Bewunderung für diesen Autor im Laufe der Lektüre immer mehr ausbreitet.

Zu bemerken ist allerdings, dass das Buch durch diesen großen Willen zum Frieden und die Ablehnung der Systeme der meisten arabischen Staaten zu einer Israel gegenüber sehr unkritischen Haltung kommt. Besser gesagt wird das Thema Israel als politisch-militärische Macht nahezu ignoriert. Das Land wird zur positiven Utopie für die unfreien, diktaturgebeutelten Einwohner arabischer Staaten.
Diese Perspektive ist erfrischend - und ihre Wahl unter anderem auch deswegen plausibel, da eine Bearbeitung des Thema ansonsten ausufern müsste in ein dickes Konvolut - doch es ist eben nur als ein schmaler, intellektueller Reiseband gedacht.

Daraus ergibt sich jedoch, dass man sich grundsätzlich mit dem Israel-Palästina-Konflikt auskennen muss, um "Reise in das Herz des Feindes" gewinnbringend zu lesen. Dieses Buch liefert keine Basisinformationen, und keine ausgewogene Betrachtung, sondern intellektuelle Reflektionen anhand von Begegnungen mit Menschen in Israel.

Auf dieser Ebene gelesen ist es großartig und höchst beeindruckend.

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