Nana Ekvtimishvili

 3,5 Sterne bei 12 Bewertungen
Autorenbild von Nana Ekvtimishvili (©Nata Sopromadze/Suhrkamp Verlag)

Lebenslauf von Nana Ekvtimishvili

Sie gibt den rebellischen Frauen Georgiens eine Stimme: Die georgische Autorin und Filmemacherin Nana Ekvtimishvili erblickte am 9. Juli 1978 in Tbilisi das Licht der Welt. Sie studierte zunächst Philosophie an der Ivane Javakhishvili State University in Tbilisi und zog dann nach Deutschland, um hier unter dem Filmemacher Konrad Wolf an der Filmhochschule in Potsdam Babelsberg ein Studium zu beginnen. Ihre ersten Erzählungen veröffentlichte sie im Jahr 1999 in dem georgischen Literaturmagazin „Arili“. Ekvtimishvili schrieb mehrere Drehbücher und produzierte im Jahr 2011 den Kurzfilm „Deda – Waiting for Mum“. Den ersten längeren Film stellte sie ein Jahr später zusammen mit Simon Groß fertig unter dem Titel „Grzeli Nateli Dgeebi – In Bloom“. Premiere feierte das Werk beim 63. Internationalen Film Festival in Berlin 2013. Der Film erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Ebenfalls sehr erfolgreich war Nana Ekvtimishvili mit dem Film „My Happy Family“ von 2017. Ihr Debütroman „The Pear Field“ kam im Jahr 2015 in Georgien auf den Markt, 2017 erschien die Übersetzung in Deutschland unter dem Titel „Das Birnenfeld“. Das Werk beleuchtet die gesellschaftliche Situation in Georgien aus der Sicht der rebellischen Lela. Ekvtimishvili lebt heute in Berlin und Tbilisi.

Alle Bücher von Nana Ekvtimishvili

Cover des Buches Das Birnenfeld (ISBN: 9783518468821)

Das Birnenfeld

 (12)
Erschienen am 13.08.2018
Cover des Buches Die langen hellen Tage (ISBN: 9783848870141)

Die langen hellen Tage

 (0)
Erschienen am 13.03.2015

Auf einen Kaffee mit…

Nana Ekvtimishvili ist eine der erfolgreichsten Schriftstellerinnen Georgiens und der Welt. Geboren wurde sie 1978 in Tiflis, nach ihrem Studium der Philosophie zog sie nach Deutschland. Seit 1999 veröffentlicht sie bereits erste Erzählungen, zusätzlich schreibt sie Drehbücher und produziert Filme. Seit ihrem Debütroman „Das Birnenfeld“ ist Nana Ekvtimishvili ihre Bekannt- und Beliebtheit gesichert. Wir haben uns mit der Autorin unterhalten und sie zu ihrem Leben in zwei Ländern, ihren Hobbies und ihren Büchern befragt. Das ganze Interview könnt ihr hier nachlesen.

Liebe Frau Ektvimishvili, was ist das schönste Feedback, das Sie von Lesern erhalten haben?

Dass sie gelacht oder geweint haben.

Wann kommen Ihnen die besten Ideen?

In dem Zustand, in dem ich keine großen Berührungspunkte mit der Außenwelt habe.

Haben Sie ein Lieblingswort?

Ich habe einen Lieblingsnamen, Nutsa, der Name meiner Tochter.

Welchen anderen Job würden Sie gerne für einen Tag ausüben?

Kapitän auf einem Schiff.

Haben Sie für uns einen Tip für eine gute Fernsehserie?

Nur für Georgier, aber die kennen die Serie sowieso schon alle: „Die Freundinnen meiner Frau.“

Welches Buch verschenken Sie gerne?

Virginia Woolfs „Ein Zimmer für sich allein“ habe ich einige Male gerne verschenkt, auch J.M. Coetzees „Zeit und Leben von Michael K.“, sowie Pesoas „Buch der Unruhe“.

Wohin sollen wir unbedingt einmal reisen und welches Buch soll uns begleiten?

Das ist natürlich Georgien. Eines von diesen Büchern: Vaja Pshavelas sämtliche Werke, Galaktion Tabidze - Gedichte, Erzählungen von Davit Kldiashvili, Rustavelis „Der Recke im Tigerfell“.

Gibt es etwas, was Sie gerne lernen würden?

Verteidigungskunst.

Was ist das Besondere an georgischer Literatur?

Georgische Literatur kann dem Leser ein Land erschließen, das man auf den ersten Blick nicht sehen kann. In der georgischen Literatur ist ein Land verborgen, das viele Menschen nicht kennen - mit Werten und Ansichten, die heute genauso aktuell sind wie vor mehreren Jahrhunderten.

Etwas, was kaum jemand über Georgien weiß:

...oder kaum jemanden wirklich wissen möchte: 20% von Georgien ist heute von Russland okkupiert!

Ihr Lieblingsort in Georgien:

Tbilissi und ein Dorf in Imeretien - namens Kvebi (Steine), wo ich meine Sommerferien als Kind verbrachte.

Ihr Lieblingsort in Berlin:

Der Mauerpark.

Ein Satz über Ihr neues Buch:

Über die eigenen Bücher oder Werke zu reden ist ein merkwürdiges Zeichen unserer Zeit.

Ein Satz aus Ihrem neuen Buch:

“In einem Außenbezirk von Tbilissi, dort, wo die Straßen keine Namen haben, sondern das Viertel in Blöcke und Nummern unterteilt ist, stößt man auf eine, die doch einen Namen hat: die Kertsch-Straße.”

Zu guter Letzt: Welche Figur aus einer Buchwelt würden Sie gerne treffen? Und was würden Sie gemeinsam unternehmen?

Mit Bernardo Soares durch Lissabon gehen, Kaffee trinken und reden.

Neue Rezensionen zu Nana Ekvtimishvili

Cover des Buches Das Birnenfeld (ISBN: 9783518468821)EmmaWinters avatar

Rezension zu "Das Birnenfeld" von Nana Ekvtimishvili

Elend in einem georgischen Internat
EmmaWintervor einem Jahr

Der Klappentext liest sich wie ein Jugendbuch, in dem junge Mädchen rebellieren und die Verhältnisse in einem Internat in Georgien zum Guten wandeln. Das habe ich aus dem Buch aber so nur in Teilen herausgelesen. Was wesentlich vordergründiger ist, ist das dargestellte Elend, die Armut und die unzureichende Versorgung der Kinder. 

Lela ist bereits 18 Jahre und nimmt in dem Internat, in dem sie aufwuchs, einen kleinen Job als Parkplatzbewacherin an. Daneben unterstützt sie die überforderten Lehrkräfte bei der Betreuung der Internatskinder. Offiziell ist das baufällige Gebäude ein Internat für geistig behinderte Kinder, doch tatsächlich ist es ein Sammelbecken für all die Kinder, die sonst keinen Platz finden. Teilweise von ihren Eltern verlassen, abgegeben und vergessen. Als sich ein amerikanisches Ehepaar ankündigt, könnte sich für ein Kind die Lage entschieden ändern.

Die Handlung wird aus der Sicht von Lela erzählt. Dabei hat man das Gefühl, dass man in ihrem Tagebuch liest, denn es handelt sich um viele Einzelszenen. Der Alltag im Internat wird durch diese Einblicke verdeutlicht und die sehr unterschiedlichen Kinder werden durch die geschilderten Einzelschicksale dargestellt. Dabei werden einige besonders außergewöhnliche Kinder sozusagen en bloc in einem Rückblick vorgestellt. Immer wieder wird Missbrauch thematisiert, dem die Internatskinder ausgesetzt sind, durch Lehrkräfte, andere Kinder oder Außenstehende aus der Siedlung. Das titelgebende Birnenfeld spielt in diesem Zusammenhang auch eine Rolle. Die "kleinen, krüppeligen" Birnbäume stehen zudem für die Kinder, die nicht aus dem Internat entkommen können und in dem schlammigen Boden des Birnenfeldes festgehalten werden. So sind auch die Früchte dieser Bäume ungenießbar: "Wenn sie taugen würden, wären sie längst weg!" (S.148)

Lela ist zwar ein patenter Hauptcharakter, aber man kommt ihr nicht wirklich nahe. Insgesamt tauchen sehr viele Personen in diesem Roman auf, die aufgrund der georgischen Namen durchweg (zumindest für mich) für Verwirrung sorgen. Es gibt viele interessante kleine Szenen, zum Beispiel das Telefonieren bei den Leuten im Wohnblock oder die Hochzeitsfeiern im Internat. Auch das Titelbild wird durch eine kleine Geschichte erläutert. Allerdings überwiegt der Eindruck von Szenen, die das Elend der Kinder darstellen, auch wenn Lela recht leidenschaftslos, ja nahezu nüchtern über diese Dinge berichtet.

Insgesamt konnte mich der Roman leider nicht überzeugen. Es fehlt für mich eine durchgängigere und tiefergehendere Handlung und ein emphatischerer Schreibstil, der dem Thema angemessener gewesen wäre. Auch bereitet der Klappentext nicht auf den Inhalt (Gewalt, Missbrauch etc.) vor. Daher vergebe ich dreieinhalb Sterne.

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Cover des Buches Das Birnenfeld (ISBN: 9783518468821)N

Rezension zu "Das Birnenfeld" von Nana Ekvtimishvili

Traurig und bewegend
Nadezhdavor 2 Jahren

Ich hatte zunächst Mühe, in diesen Roman hineinzufinden - kein klarer Handlungsbeginn und zu viele Figuren auf einmal (deren für mich nicht immer geläufige georgische Namen zunächst auch noch schwer zuzuordnen waren).


Beides scheint Konzept zu sein. Das erzählte Geschehen bildet einen Ausschnitt aus dem Leben der beteiligten Figuren ab und steht dabei doch nur für eine Runde in einer Endlosschleife, aus der die Figuren kaum entkommen werden. Und es sind viele Schicksale, die teils nur angerissen, teils intensiv verfolgt werden; viele Kinder und Jugendliche, die durch die Mühle der "Debilenschule" gedreht werden. Dabei sind die wenigsten InternatsschülerInnen tatsächlich geistig behindert. Bei den meisten handelt es sich um verwaiste, verhaltensauffällige oder dem wirtschaftlichen Überleben der Eltern schlicht im Weg stehende Kinder - den "Ausschuss" einer im Umbruch befindlichen Gesellschaft, der von staatlichen Maßnahmen nur bedingt aufgefangen werden kann. Eklatanter Personalmangel und schlimme hygienische Bedingungen, schlechtes Essen und noch schlechtere Zukunftsperspektiven führen dazu, dass die Kinder sich selbst überlassen sind, ihre soziale Hackordnung untereinander über Mobbing und Vergewaltigungen definieren und schließlich auch ihr Fortkommen als Jugendliche selbst in die Hand nehmen müssen. Wenige Lichtstreifen zeigen sich am Horizont - die eine schafft die Schule mit einem guten Abschluss und den Sprung an die Universität, der andere soll von einem amerikanischen Ehepaar adoptiert werden. Doch nicht immer ist es leicht, zwischen Schein und Sein dieser angeblichen Möglichkeiten zu entscheiden, und nicht alle Figuren stehen am Ende wirklich da, wo sie sich gern gesehen hätten... Die junge Lela, die selbst den Absprung von der "Debilenschule" nicht geschafft hat, unterstützt andere dabei, so gut sie kann, stößt aber immer wieder an die Grenzen ihrer Möglichkeiten.

Mehr möchte ich zum Inhalt nicht verraten.


Es ist die Grundstimmung des Romans, die mich stärker überzeugt hat als der eigentliche Handlungsbogen: Die unverschuldete Verwahrlosung dieser Randgestalten ist mit Händen zu greifen, ihre Perspektivlosigkeit schmerzt. Die wahren Werte einer Gesellschaft zeigen sich an ihrem Umgang mit den Schwachen. Hier deckt Nana Ekvtimishvili ohne moralischen Zeigefinger, sondern nur durch ihr unaufgeregtes Erzählen dieser unsäglichen Zustände einige Kehrseiten des postsowjetischen Georgien auf. Ein Buch, das trotz der starken Protagonistin Lela - oder vielleicht gerade wegen ihr - sehr traurig stimmt.

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Cover des Buches Das Birnenfeld (ISBN: 9783518468821)AnnBees avatar

Rezension zu "Das Birnenfeld" von Nana Ekvtimishvili

Trostlos in Georgien
AnnBeevor 4 Jahren

Ein Heim für „Debile“ in Georgien, indem es ungefähr so zugeht, wie man das erwarten würde. Armut, sexueller Missbrauch, Gewalt; Kinder ohne Zukunftsperspektive, die von ihren Eltern abgeschoben werden. Bei weitem die Mehrheit der Heimkinder ist dabei mitnichten schwachsinnig oder zurückgeblieben; eine Chance haben sie trotzdem kaum. Nur einige Ausnahmetalente schaffen es zu einem guten Schulabschluss und Beruf. Der Rest strandet irgendwo als Bettler, Prostituierte oder Kleinkrimineller.
Gleichzeitig gibt es auch in dieser Welt Mitgefühl, Freundschaft und Liebe. Hauptfigur ist die 18jährige Lela, die trotz ihres Alters das Heim nicht verlässt. Erstens weiß sie nicht, wohin; zweitens plant sie, zuvor einen Lehrer umzubringen, der sie (und andere) als Kind vergewaltigt hat. Sie hat eine enge Beziehung zu Irakli aufgebaut, einem kleinen Jungen, der noch immer der Illusion anhängt, seine Mutter liebe ihn und würde ihn irgendwann abholen. Für dessen Zukunft und Chance auf Adoption ist sie bereit, einiges zu opfern.
Die Autorin hat eine sehr klare und schnörkellose Sprache, manchmal ich der Ton fast lakonisch. Dadurch konnte ich allerdings nicht wirklich in die Geschichte eintauchen; auch die Charaktere blieben mir fremd. Trotz der Kürze des Buchs hat es sich für mich in die Länge gezogen; genau weiß ich auch nicht warum, aber irgendwie hat mich das nicht abgeholt.

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Zusätzliche Informationen

Nana Ekvtimishvili wurde am 09. Juli 1978 in Tiflis, Georgien geboren.

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