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Nancysalchow

vor 6 Jahren

Liebe Lovelybooks-User,

heute wende ich mich mit einer etwas ungewöhnlichen Idee an Euch – und ich hoffe, dass sie Anklang findet.

Vielleicht kennt Ihr meinen Roman "Herzliche Restgrüße": eine ungewöhnliche Beziehung zwischen Isobel und Daniel und ihre Verbundenheit über das Telefon.

Die inhaltliche Besonderheit an „Herzliche Restgrüße“ ist die Darstellung der Kommunikation zwischen Isobel und Daniel. Der Leser lernt ausschließlich die Dialoge der Beiden kennen.
Und hier bietet es sich förmlich an den Leser einzubeziehen: Mit Euren Ideen können wir dem Verlauf der Geschichte eine neue Richtung zu geben.

Im Bereich „Live Roman“ soll sich unser gemeinsamer Roman entwickeln. Zunächst stelle ich Euch hier den Beginn von „Herzliche Restgrüße“ vor.
Endet die Textvorschau im „Live Roman“ mit Isobels Kommentar, dann antwortet Ihr an Daniels Stelle. Endet der Text mit Daniels Worten, folgt ein Kommentar von Euch alias Isobel. Fügt Euren Kommentar einfach dem Bereich „Daniel“ oder „Isobel“ bei. Wenn ihr mehrere Ideen für eine Antwort habt, könnt ihr auch verschiedene Vorschläge posten.
Aus allen Antworten wähle ich alle drei Tage immer eine aus, die ich im „Live Roman“ poste. Im „Live Roman“ liefere ich Euch dann auch den nächsten Textbaustein, auf den Ihr wieder antworten könnt. Und der Schneeball kommt ins Rollen. ;-)

Die Aktion ist zunächst bis zum 31. Dezember 2011 angesetzt. Ihr müsst den Roman nicht gelesen haben. Ihr könnt jederzeit einsteigen und mitmachen. Lasst die Fantasie spielen.

Ich bin gespannt, wie intensiv wir den Verlauf des Romans mit Euren Kommentaren beeinflussen! In "Live Roman" gebe ich den Startschuss. Ich freue mich über jeden einzelnen Mit-Schreiber. ;-)

In diesem Sinne:
Herzliche Restgrüße :-)
Eure Nancy Salchow

P.S. Die Textbausteine, die ich im Laufe der Aktion hier posten werde, werden in ihrem Umfang variieren. Der erste Baustein ist etwas umfangreicher, damit auch diejenigen, die den Roman noch nicht gelesen haben, ein ungefähres Bild von Isobel und Daniel bekommen. Beginnen werde ich mit dem Anfang des Original-Romans, im Laufe der Aktion soll sich dieser, aufbauend auf euren Antwortvorschlägen, zu einem alternativen Roman entwickeln.

Autor: Nancy Salchow
Buch: Herzliche Restgrüße

Nancysalchow

vor 6 Jahren

Live Roman

Nancy Salchow

Alternativfassung zum ROMAN "Herzliche Restgrüße"

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1. Kapitel

16. Juni 2010

ISOBEL: Partyservice Baale.
DANIEL: Guten Tag. Zielonke hier.
ISOBEL: Zielonke?
DANIEL: Die Party am Freitag. Erinnern Sie sich?
ISOBEL: Der Geburtstag im Bootshaus.
DANIEL: Richtig. Ich war der Mann, der die Rechnung bezahlt hat.
ISOBEL: Ich erinnere mich. Gibt es ein Problem? War etwas mit dem Essen nicht in Ordnung?
DANIEL: Nein, nein. Alles bestens. Besonders der Krabbencocktail hat für wahre Begeisterungsstürme gesorgt. Ich rufe eigentlich nur wegen der Quittung an, die ich von Ihnen erhalten habe. Wäre es vielleicht möglich, dass Sie mir eine neue ausstellen?
ISOBEL: Eine neue? Wieso? Stimmt mit der alten etwas nicht?
DANIEL: Doch. Im Grunde ist alles in Ordnung. Aber die Schrift darauf ist doch ziemlich blass. Der Betrag ist sehr schlecht zu entziffern.
ISOBEL: Zu blass? Das kann ich mir nicht vorstellen. Das war ein ganz normaler Kassenbeleg, den ich im Laden ausgedruckt habe. Die sehen immer gleich aus. Außerdem handelt es sich doch um eine private Feier, oder? Ist es da wirklich so wichtig, dass Sie den Betrag noch lesen können? Wenn es Ihnen hilft, schaue ich gerne noch mal in den Akten nach und sage Ihnen auf den Cent genau, was Sie bezahlt haben.
DANIEL: Nein. Nicht nötig.
ISOBEL: Aber ich dachte, Sie ...
DANIEL: Na ja, ich hatte gehofft ... im Grunde ...
ISOBEL: Stimmt etwas nicht?
DANIEL: Es ist mir wirklich sehr unangenehm.
ISOBEL: Was ist Ihnen unangenehm?
DANIEL: Ähm...
ISOBEL: Hören Sie, ich stehe gerade in der Küche und bereite 250 Lachshäppchen für eine Doppelhochzeit zu. Vielleicht mag das nicht sonderlich aufregend klingen, aber das ist nun mal mein Job und wenn ich den richtig erledigen will ...
DANIEL: Warten Sie!
ISOBEL: Worauf?
DANIEL: Darauf dass ich eine plausible Ausrede dafür finde, dass ich Sie angerufen habe.

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16. Juni 2010

ISOBEL: Partyservice Baale.
DANIEL: Es tut mir leid. Sie haben einfach aufgelegt und mir somit die Möglichkeit genommen, mich bei Ihnen zu entschuldigen.
ISOBEL: Sie schon wieder?
DANIEL: Ja.
ISOBEL: Der Bootshaus-Mann, dem ich das Essen für den Geburtstag seiner Ehefrau geliefert habe ...
DANIEL: Und genau deshalb ... Ich meine, mir ist bewusst, dass mein Anruf sehr unpassend war, in vielerlei Hinsicht. Aber ich habe einfach nicht nachgedacht vorher. Ich hatte geglaubt, dass die Idee mit der Quittung ...
ISOBEL: Die Idee mit der Quittung war nicht nur unoriginell, sondern auch äußerst albern.
DANIEL: Wie gesagt, es tut mir leid. Und ich möchte mich hiermit aufrichtig bei Ihnen entschuldigen. Wir waren sehr zufrieden mit Ihrem Essen und es wäre schade, wenn dieser Zwischenfall es verhindern würde, dass wir uns auch in Zukunft an Sie wenden können.
ISOBEL: Meinetwegen. Jede Feierlichkeit ist willkommen. Aber eine Frage müssen Sie mir noch gestatten: Wie kommt ein verheirateter Mann dazu, eine wildfremde Frau anzurufen? Ich meine, Sie kennen mich doch überhaupt nicht. Nur mein Essen. Kocht Ihre Frau so schlecht, dass Ihnen jedes Mittel recht ist, um etwas Abwechslung auf den Tisch zu bekommen?
DANIEL: Meine Frau ist sogar eine exzellente Köchin. Doch gerade an ihrem Geburtstag sollte sie nicht hinter dem Herd stehen, sondern rundum verwöhnt werden.
ISOBEL: Sie haben meine Frage nicht beantwortet.
DANIEL: Haben Sie das noch nie erlebt?
ISOBEL: Was erlebt?
DANIEL: Na, dieses Gefühl, einen Menschen unbedingt näher kennen lernen zu wollen, kennen lernen zu MÜSSEN. Sie sehen jemanden und können nicht aufhören, an diese Person zu denken.
ISOBEL: Doch, das Gefühl kenne ich. Von mir und meinem MANN.
DANIEL: Ja, Sie sind verheiratet. Natürlich sind Sie verheiratet. Wieso sollte eine Frau wie Sie nicht verheiratet sein.
ISOBEL: Ja. Genau wie Sie.
DANIEL: Sie meinen, warum ein Mann wie ich nicht verheiratet sein sollte?
ISOBEL: Ich meine gar nichts. Ich habe lediglich festgestellt, dass wir beide verheiratet sind. Ihnen scheint das ja im Gegensatz zu mir weniger auszumachen.
DANIEL: Das ist nicht wahr.
ISOBEL: Sonst würden wir wohl kaum dieses Gespräch führen, das übrigens bereits viel zu lange dauert.
DANIEL: Falls Sie denken, dass ich meine Ehefrau nicht respektiere ... Ich meine, es ist ja nicht so, dass ich sie betrüge. So etwas würde ich niemals tun.
ISOBEL: Es ist mir egal, was Sie tun oder nicht tun würden. Fakt ist, dass ich kein Interesse daran habe, mit einem wildfremden Mann zu telefonieren. Entweder Sie bestellen jetzt etwas oder wir beenden das Gespräch.
DANIEL: Heißt das, wenn ich etwas bestelle, bleiben Sie am Apparat?
ISOBEL: Ich werde mich mit Ihnen sicher nicht über fiktive Cremetörtchen unterhalten, falls Sie das meinen.
DANIEL: Ganz und gar nicht. Ich musste nur gerade an unsere Agentur denken. Ich arbeite in einer Werbeagentur, wissen Sie.
ISOBEL: Das ist schön für Sie.
DANIEL: Na ja, und wir sind schon seit längerem auf der Suche nach einem neuen Partyservice für unsere Meetings.
ISOBEL: Das sagen Sie jetzt nur, damit wir uns wieder sehen.
DANIEL: Also, im Moment sage ich es ehrlich gesagt, um Sie am Telefon zu behalten. Ich weiß nämlich nicht, ob das mit der Agentur so eine gute Idee wäre. So generell.
ISOBEL: Was wäre keine gute Idee?
DANIEL: Sie als Cateringservice zu engagieren.
ISOBEL: Sie haben doch davon angefangen.
DANIEL: Ja, aber ich denke, dass ich es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren könnte, wenn wir uns wieder sehen. Ich bin schließlich verheiratet.
ISOBEL: Das ist das albernste Gespräch, das ich jemals geführt habe. Ich werde jetzt auflegen.
DANIEL: Das ist ein Fortschritt.
ISOBEL: Ein Fortschritt?
DANIEL: Dass Sie es ankündigen, bevor Sie auflegen. Bei unserem ersten Gespräch war das Freizeichen zu hören, bevor ich mich überhaupt darauf einstellen konnte.
ISOBEL: Sie machen mir Spaß.
DANIEL: Tatsächlich?
ISOBEL: Hören Sie, Herr ...
DANIEL: ... Zielonke. Aber Sie können mich auch gerne weiterhin den Bootshaus-Mann nennen. Das hat so was Anonymes.
ISOBEL: Herr ZIELONKE. Sie sind verheiratet. Ich bin verheiratet. Sie kennen mich nicht. Ich kenne Sie nicht. Halten wir das bitte so fest und verabschieden uns voneinander.
DANIEL: Verraten Sie mir vorher noch Ihren Namen?
ISOBEL: Wie bitte?
DANIEL: Ihren Vornamen. Auf der Quittung steht nur Partyservice I. Baale.
ISOBEL: Ich dachte, sie ist zu blass, um etwas darauf lesen zu können.
DANIEL: Wofür steht das I? Inge? Ingrid? Na, kommen Sie. Nur Ihr Vorname, dann werde ich sogar von mir aus auflegen. Versprochen.
ISOBEL: Also, gut. Isobel. Ich heiße Isobel.
DANIEL: Ich heiße Daniel. Machen Sie es gut, ISOBEL.

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18. Juni 2010

ISOBEL: Partyservice Baale.
DANIEL: Isobel.
ISOBEL: Sagt Ihnen der Begriff STALKING etwas?
DANIEL: Stalking ist das willentliche und wiederholte beharrliche Verfolgen oder Belästigen einer Person.
ISOBEL: Sie scheinen sich auszukennen.
DANIEL: Das hab ich bei Wikipedia gelesen, kurz bevor ich Sie angerufen habe.
ISOBEL: Sie haben also nach Ihrem eigenen Persönlichkeitsprofil gegoogelt.
DANIEL: Nein, ich wollte einfach nur mehr über dieses Thema erfahren. Denn ob Sie es glauben oder nicht: Ich finde es mindestens genauso verwirrend wie Sie, dass ich den Drang verspüre, eine Frau anzurufen, die ich eigentlich gar nicht kenne. Aber die Tatsache, dass Sie nicht direkt aufgelegt haben und wir uns auch schon beim letzten Mal wesentlich länger unterhalten haben als erwartet, bestätigt meine Theorie.
ISOBEL: Ihre Theorie?
DANIEL: Die Theorie, dass ich kein Stalker sein KANN. Immerhin kann nicht von einer Belästigung die Rede sein, wenn Sie mich noch nicht einmal darum bitten, das Gespräch zu beenden.
ISOBEL: Ach, Sie meinen, ich war bisher einfach noch nicht deutlich genug?
DANIEL: Zumindest nicht deutlich genug, um sich eines Stalkers zu entledigen.
ISOBEL: Dann sind diese Telefonate praktisch MEINE Schuld?
DANIEL: Das sind sie so oder so.
ISOBEL: Wie darf ich das nun wieder verstehen?
DANIEL: Sie sind schließlich diejenige, die von einer Aura umgeben wird, der man sich nur schwer entziehen kann. Eine Aura, die vom ersten Moment an fasziniert. Ich weiß, es klingt albern. Aber glauben Sie mir, ein Essen allein kann gar nicht so gut sein, dass ich eine fremde Frau anrufen würde.
ISOBEL: Dann hat Ihnen mein Essen also doch nicht gefallen? Haben Sie eigentlich eine Ahnung, wie viel Arbeit allein meine Lasagne gemacht hat? Ich habe damit bereits Preise gewonnen.
DANIEL: Es ist Ihnen also wichtiger, wie Ihr Essen schmeckt als die Tatsache, ob jemand Sie als Person anziehend findet?
ISOBEL: Ich mag es einfach nicht, wenn man eine gute Arbeit nicht ausreichend zu würdigen weiß.
DANIEL: Ich weiß Ihre Arbeit zu würdigen.
ISOBEL: Könnten Sie mir bitte noch mal erklären, was genau Sie jetzt eigentlich von mir wollen? Ich habe es vergessen.
DANIEL: Ich will mit Ihnen reden, Sie näher kennen lernen.
ISOBEL: Wir WERDEN uns nicht näher kennen lernen.
DANIEL: Nicht von Angesicht zu Angesicht. Vielleicht könnten wir einfach von Zeit zu Zeit telefonieren. Ich möchte mehr erfahren über die Frau, die einen Kochlöffel als Schlüsselanhänger hat.
ISOBEL: Woher kennen Sie meinen Schlüsselanhänger?
DANIEL: Sie haben Ihren Schlüssel auf den Tisch gelegt, als Sie die Aluplatten platziert haben.
ISOBEL: Hören Sie, die Tatsache, dass Sie meinen Schlüsselanhänger kennen, berechtigt sie nicht zu der Annahme, dass wir so etwas wie Freunde sind.
DANIEL: Aber wir können es werden.
ISOBEL: Können wir nicht.
DANIEL: Warum nicht? Warum können Männer und Frauen nicht einfach befreundet sein? Niemand findet es verwunderlich, wenn sich ein Mann mit einem Kollegen nach der Arbeit verabredet, um beispielsweise gemeinsam ein Fußballspiel zu sehen. Bei Männern und Frauen wird automatisch gleich etwas Anzügliches daraus. Dabei möchte ich Sie noch nicht einmal privat treffen.
ISOBEL: Sie sind ein sehr merkwürdiger Mensch, hat Ihnen das schon mal jemand gesagt?
DANIEL: Ja. Aber aus Ihrem Mund klingt es fast wie ein Kompliment.
ISOBEL: Ich muss jetzt in den SB-Markt. Er schließt in einer halben Stunde.
DANIEL: Fahren Sie vorsichtig.

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21. Juni 2010

ISOBEL: Partyservice Baale.
DANIEL: Machen Sie das eigentlich allein?
ISOBEL: Was mache ich allein?
DANIEL: Den Partyservice.
ISOBEL: Noch nicht mal drei Tage sind vergangen und Sie suchen schon wieder jemanden, mit dem Sie telefonieren können?

...

Nancysalchow

vor 6 Jahren

Kleine Anmerkung an das Lovelybooks-Team: Ich habe diese Aktion, auch wenn es keine Leserunde ist, als Leserunde eingerichtet, da ich die Möglichkeit, mehrere Unterbereiche einzurichten, soweit ich weiß nur hier habe.

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WolfgangB

vor 6 Jahren

Daniel

Wären Sie ein Mann, würden wir im Fußballstadion sitzen, Bier trinken und chauvinistische Schmähs reißen. Punkt.
So, haben wir jetzt die Sache mit den Stereotypen erledigt?

Nancysalchow

vor 6 Jahren

Ihr Lieben,

ich merke schon, mein Vorhaben, die Beiträge nur alle drei Tage auszuwählen, gibt der Aktion ein bisschen was Träges. Daher überlege ich, den Textbaustein jeden zweiten Tag zu posten, dafür wäre er dann allerdings etwas kürzer. So würde es schneller weitergehen als bisher. Eine weitere Alternative wäre die tägliche Auslosung, allerdings weiß ich nicht, wie ihr darüber denkt?

Unabhängig davon poste ich im Laufe des Abends den neuen Textbaustein, beginnend mit meiner ausgewählten Antwort - und würde mich freuen, wenn ihr auch beim nächsten Mal wieder dabei seid.

Nancysalchow

vor 6 Jahren

So. Die Entscheidung ist gefallen. Ausgesucht habe ich mir den Vorschlag von WolfgangB:

Wären Sie ein Mann, würden wir im Fußballstadion sitzen, Bier trinken und chauvinistische Schmähs reißen. Punkt. So, haben wir jetzt die Sache mit den Stereotypen erledigt?

Den neuen Textbaustein poste ich wieder im Bereich Live-Roman. Diesmal werde ich, wie angekündigt, die nächste Antwort am kommenden Dienstag, also schon in zwei Tagen auswählen. :-)

Nancysalchow

vor 6 Jahren

Live Roman

DANIEL: Wären Sie ein Mann, würden wir im Fußballstadion sitzen, Bier trinken und chauvinistische Schmähs reißen. Punkt. So, haben wir jetzt die Sache mit den Stereotypen erledigt?
ISOBEL: Es ist ja nicht so, dass ich das Ganze unnötig verkomplizieren möchte.
DANIEL: Sie doch nicht. Wer würde schon auf SO EINE Idee kommen?
ISOBEL: Eben.
DANIEL: Habe ich da gerade ein Lächeln gehört?
ISOBEL: Ich frage mich, warum ich noch immer nicht aufgelegt habe.
DANIEL: Lassen Sie uns das Thema wechseln, Isobel. Ich habe nämlich erkannt, dass wir weit mehr füreinander tun können, als uns gegenseitig ein schlechtes Gewissen einzureden.
ISOBEL: Tatsächlich?
DANIEL: Ich weiß nun nämlich, warum ich mich nicht schlecht fühle, auch wenn ich mit einer Anderen rede. Weil Sie mir helfen können, Isobel.
ISOBEL: Ihnen helfen?
DANIEL: Und ich Ihnen …
ISOBEL: Inwiefern?
DANIEL: Ich liebe meine Frau. Das tue ich wirklich. Allerdings gibt es nach all den Jahren noch immer so viele offene Fragen. Fragen, die ich ihr nicht stellen kann, weil ich weiß, dass sie sie missverstehen würde.
ISOBEL: Worauf wollen Sie hinaus?
DANIEL: Wollen Sie behaupten, dass es Ihnen nicht so geht? Dass Sie wunschlos glücklich in Ihrer Ehe sind?
ISOBEL: Sie versuchen schon wieder, eine Ehekrise aus mir herauszukitzeln.
DANIEL. Im Gegenteil: Ich versuche, künftige Krisen zu vermeiden. Indem ich Ihnen helfe, Isobel. Und Sie mir.
ISOBEL: Das ist doch lächerlich.
DANIEL: Ist es nicht.
ISOBEL: Aber wie stellen Sie sich das vor? Dass ich Sie anrufe, wann immer ich irgendein männliches Hirngespinst nicht verstehen kann?
DANIEL: Warum nicht?
ISOBEL: Ich kenne Sie doch kaum.
DANIEL: Das Argument zählt nun wirklich nicht mehr.
ISOBEL: Außerdem kann man Steffen und Sie überhaupt nicht miteinander vergleichen.
DANIEL: Das ist schon mal eine Sache. Wenn wir uns vertrauen wollen, sollten wir uns auch duzen.
ISOBEL: Ich weiß nicht.
DANIEL: Ich heiße Daniel.
ISOBEL: Also gut, DANIEL. Dann sag mir: Warum sollte ich dir vertrauen? Warum solltest ausgerechnet DU mir weiterhelfen können?
DANIEL: Schon allein deshalb, weil ich gemerkt habe, dass dich in deiner Ehe ähnliche Dinge beschäftigen wie mich. Ohne dass du es je ausgesprochen hast.
ISOBEL: Aha. Und was für Dinge?
DANIEL: Du bist treu und trotzdem sehr eigenständig.
ISOBEL: Das kann schon sein.
DANIEL: Mir geht es nämlich genauso. Und trotzdem frage ich mich ständig: Will ich wirklich so eigenständig sein, wie ich es bin? Ela lässt mir meinen Freiraum, ist nicht mal im Ansatz misstrauisch, wenn ich später nach Hause komme und käme im Traum nicht auf die Idee, dass ich sie betrügen könnte.
ISOBEL: Was du ja auch niemals tun würdest, richtig?
DANIEL: Natürlich nicht. Es ärgern mich nur die Gründe, aus denen sie einen Betrug ausschließt. Manchmal glaube ich, dass sie mir nicht vertraut, sondern mir einen Betrug nicht ZUTRAUT. Verstehst du, was ich meine?
ISOBEL: Für mich läuft das aufs selbe hinaus.
DANIEL: Ich möchte es nicht heraufbeschwören. Ich vermisse nur einfach den leicht skeptischen Blick von früher, wenn ich mich auf einer Party länger mit einer gemeinsamen Freundin unterhalten habe oder ein Meeting mit einer weiblichen Kundin hatte. Dieses gesunde Maß an Eifersucht, das jede Ehe braucht.
ISOBEL: Eifersucht ist die Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was …
DANIEL: … Komm mir jetzt bitte nicht mit irgendwelchen Floskeln. Es ist mir ernst.
ISOBEL: Du willst ihr also beweisen, dass sie Grund hätte, eifersüchtig zu sein. Verstehe ich das richtig?
DANIEL: Natürlich nicht. Es geht mir lediglich darum, dass sie es nicht von vornherein ausschließt, dass dies möglich wäre.
ISOBEL: Aber eben darum geht es doch in einer funktionierenden Ehe: Eine Frau muss ihrem Mann blind vertrauen können. Sie darf und muss sogar die Möglichkeit ausschließen, dass ihr Mann sie betrügen könnte. Wenn man stets die Frage im Hinterkopf hat, ob er jetzt gerade bei einer Anderen sein könnte, ist es auch keine richtige Ehe. Zumindest nicht das, was ich unter einer richtigen Ehe verstehe.
DANIEL: Ich möchte ja auch nicht, dass sie unsicher wird. Ich möchte einfach, dass sie mich nicht als selbstverständlich nimmt. Selbst wenn ich es bin. Niemand sollte für den anderen selbstverständlich sein.
ISOBEL: Es wäre dir also lieber, wenn deine Frau stets in Unsicherheit leben würde?
DANIEL: Nicht in Unsicherheit. Sie soll mich lediglich zu schätzen wissen. Ich meine, ist es dir nicht wichtig, von deinem Mann geschätzt zu werden? Ist es dir egal, ob er eifersüchtig ist?
ISOBEL:

...

Nancysalchow

vor 6 Jahren

Ich möchte mich an dieser Stelle bei all denen bedanken, die sich bisher an der Aktion beteiligt haben. Eure Ideen waren sehr belebend und ich habe mich sehr über euer Feedback gefreut. Allerdings wird mit jedem neu geposteten Textbaustein deutlicher, dass das jetzige Prinzip der Aktion etwas zu verworren, zu komplex ist und gerade Quereinsteigern den Überblick etwas erschwert. Deshalb erfährt dieses Projekt heute eine kleine Veränderung. Wer auf dem Laufenden bleiben möchte: Mehr dazu gibt es heute im Laufe des Tages auf meiner Website www.nancysalchow.de.

Fannie

vor 6 Jahren

Hallo Nancy, hallo liebe Mitleser,

ich habe es nun endlich geschafft, "Herzliche Restgrüße" komplett zu lesen und eine Rezension zu schreiben. Entschuldigung für die Verspätung, aber ich war in letzter Zeit beruflich sehr eingespannt.

Vielen Dank, dass ich an der Leserunde teilnehmen durfte und viele Grüße!

* * *

Hochemotionales Katz- und Mausspiel

„Wir müssen lernen, zu begreifen, dass die Magie des Unbekannten nur so lange am Leben bleibt, bis das Unbekannte zum Alltag wird.“ (Zitat aus dem 11. Kapitel von „Herzliche Restgrüße“). Nach 16 gemeinsamen Ehejahren hat sich die Magie des Unbekannten dem Alltag gebeugt. Nicht, dass man deshalb unglücklich wäre – nein, man darf sich selbst trotzdem als „glücklich verheiratet“ betiteln. Das tun zumindest die beiden Hauptfiguren in Nancy Salchows Roman „Herzliche Restgrüße“ im Brustton der Überzeugung: Der Werbefachmann Daniel Zielonke und Isobel Baale, die ihren eigenen Partyservice betreibt. Beide sind sich nur einmal zufällig begegnet, doch dann entwickelt sich innerhalb kürzester Zeit eine sehr enge Telefonfreundschaft zwischen ihnen. Vor ihren Ehepartnern halten sie diese seltsame Beziehung geheim. Doch reichen Telefonate aus, um die eigene Ehe in Frage zu stellen? Nancy Salchow hat mit „Herzliche Restgrüße“ eine wirklich ungewöhnliche und beeindruckende Geschichte geschaffen, für die mir die Bezeichnung „Roman“ erst auf den zweiten Blick passend erscheint. Es ist vielmehr ein Protokoll der unzähligen Dialoge zwischen Isobel und Daniel, die wir als Leser heimlich mithören. Die Autorin zeigt anhand ihrer beiden Protagonisten, wie komplex die Liebe ist: Missverständnisse, Beteuerungen, wie wichtig einem der Andere ist, Streitigkeiten, ein Alles-in-Frage-Stellen, Liebesschwüre, Selbstverleugnung – die Gespräche und Briefwechsel zwischen Daniel und Isobel sind ein hochemotionales Katz- und Mausspiel, dessen Dialoge mich hin und wieder an Sketche von Loriot erinnert haben. Und über allem steht die Frage: Kriegen sich die Beiden letztendlich? Das verrate ich natürlich nicht, denn ich wünsche Nancy Salchows Roman viele begeisterte Leser und Leserinnen, die das selbst herausfinden sollen. Perfektioniert hat die Autorin die Geschichte durch Hörproben von Liebesliedern sämtlicher Genres und Generationen. Der jeweilige Link im Buch führt einen direkt zur Hörprobe auf www.amazon.de. Die Songs unterstreichen die Geschichte stimmungsvoll und machen sie dadurch noch greifbarer. Nancy Salchow ist ein ganz tolles Buch geglückt, das neugierig auf mehr macht und mich oft zum Nachdenken bewegt hat. Leider gibt es „Herzliche Restgrüße“ nur als e-Book. Ich gehöre nämlich zu den „altmodischen“ Leuten, die lieber ein Buch in der Hand halten, das Rascheln des Papiers gern hören und nach dem Duft der Druckerschwärze geradezu süchtig sind. Das allerdings tut der faszinierenden Geschichte um Daniel und Isobel keinerlei Abbruch. 5 Sterne!

Nancysalchow

vor 6 Jahren

@Fannie

Ich habe deine Rezension heute früh schon auf Amazon entdeckt und mich sehr darüber gefreut. Sie ist wirklich toll geworden und ich habe sie mit großer Freude gelesen. Schön, dass dir das Buch (auch ohne Papierrascheln ;-)) gefallen hat.

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