Dieses schon allein optisch "o là là"-Vibes versprühende Buch hat mich vor allem sprachlich überrascht: Der Schreibstil von Nasanin Kamani ist unglaublich poetisch, tiefgründig und voller Gefühl - manche Sätze sind mir wirklich unter die Haut gegangen und ich habe mir etliche Passagen markiert.
Mein Lieblingszitat ist dieses hier:
"Das nennt man wohl Leben: mit Haut und Haaren zu fühlen, ins Schwärmen zu kommen, ins Schweben - und keine Gewissheit zu haben, was morgen daraus wird. Ja, das ist Leben. Das macht lebendig."
Genau dieses Gefühl vermittelt die Geschichte durchwegs - wir erleben das pure Leben, die Liebe … und la ville de l'amour: Paris.
Es ist einfach Fakt: Das Paris in Büchern - egal ob in der Gegenwart oder in historischem Kontext - liebe ich einfach SEHR viel mehr als das Paris im realen Leben. Und im vorliegenden Werk wurde die Stadt so atmosphärisch und faszinierend, fast schon einladend eingefangen, dass ich mich beim Lesen wunderbar dorthin träumen konnte.
Gestaltung: Top. Die zarten Rosa- und Blautöne auf dem Cover, die hübsch gestalteten Innenklappen - alles wunderschön.
Erzählt wird im Dual POV, aus den Perspektiven von Jules und Solène. Besonders Jules habe ich schnell ins Herz geschlossen und fand seine innige Freundschaft zu Louis richtig authentisch dargestellt; beide kennen sich schon seit Jahren und wissen einfach, wie der andere tickt. Zwischen ihnen besteht eine tiefe Verbundenheit, und ich musste bei ihren Dialogen mehrfach schmunzeln (z.B. als Louis Jules den Begriff Gaslighting erklärt).
Mit Solène hatte ich dagegen meine Schwierigkeiten. Ich konnte ihre Gefühle und ihre Vergangenheit durchaus nachvollziehen und hatte auch vollstes Mitgefühl mit ihr, aber so richtig warm geworden bin ich mit ihr leider nicht. Vielleicht lag es daran, dass ihre Geschichte sehr viele schwere und emotionale Ebenen mitbringt oder dass es diesen einen Moment (mit Tom) gab, in dem ich ihr Verhalten nicht sympathisch fand … schwer zu sagen.
Obwohl ich aufgrund des Klappentextes durchaus mit einer emotionalen Romance gerechnet hatte, war mir die Geschichte stellenweise fast zu deep und zu schwer, zumal eben nicht nur eine Figur ein großes emotionales Päckchen zu tragen hat. Ich hätte mir tatsächlich eine insgesamt etwas leichtere, süßere Paris-Romance gewünscht, bei der vielleicht nur eine der beiden Hauptfiguren mit etwas zu kämpfen hat.
Gleichzeitig muss ich aber sagen: Gerade die Themen rund um Heilung, Vergangenheit, psychische Belastungen und den Mut, sich seinen eigenen Ängsten zu stellen, sind sehr feinfühlig eingebunden worden. Solènes Therapeut bzw. ihr Austausch mit ihm nimmt dabei eine wichtige Rolle ein.
Die Liebesgeschichte selbst entwickelt sich eher langsam, aber das war vollkommen okay. Was für mich ganz klar die größte Stärke des Buches ist, bleibt die Sprache.
𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁:
Eine emotionale NA-Romance über Heilung und Neuanfänge, die mit einem bezaubernden Paris-Setting und einem ganz besonderen, poetischen Schreibstil punktet.









