Die Autorin nimmt ihre Leser*innen mit auf eine Erfahrungsreise zu Fragilität feiner Gefühlserzitterungen in der die Wörter manchmal in Varianten derart Wiederklingen, dass ihr Schönheit und zugleich auch ihr Gehalt wieder zum Vorschein kommen. Der enorme Respekt vor der sublimen Sprache, vor allem dem Wort als Wort hallt hier demnach oft in den Zeilen wieder: In "Auf den Schultern", um nur ein Beispiel blind herauszugreifen, wird uns berichtet von diesem Idol, die Sprache wird über das Selbst erhoben. Ich & Du Begegnungen - und ihre Schwere wiegen hier nach, sind oft mehr geträumt oder öffnen das Tor zu einem Traum. Daher auch das Pendelspiel zwischen Innen & Außen. Einiges von Paul Celan, aber nicht aufdringlich konserviert, sondern neu verwoben, taucht hier aus den Erinnerungen eines Lesegedächtnisses empor. Zugleich eine Textur, die insgesamt so geschickt gewoben, dass die vielen Teile in der Lage sind zu einem Ganzen zusammenschnellen, um sich wieder voneinander zu lösen. Und bei aller dagebotener Verletzlichkeit, so völlig harmlos ist diese Lyrik dann auch wieder nicht, so zeigt sich in der Abteilung "Knirschen" auch eine Tyrannin, die abgemilderte Sylvia Plath-Züge trägt..
Was mir persönlich am besten gefällt, ist neben der Sensibilität und den klingenden Worten, der Reflektionsmodus. "Die Goldwaage" gibt in ihrem Glauben ans Wort ihren Leser*innen eben diesen Glauben zurück und stellt sich über die Banalitäten der Sprücheklopfer und führt uns in ein reiches, schönes, sanftes Land, einen Ort, schlichter Besinnung.





