Nassim Nicholas Taleb Narren des Zufalls

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Inhaltsangabe zu „Narren des Zufalls“ von Nassim Nicholas Taleb

Häufig wird Erfolg auf eine clevere Strategie, Intelligenz oder Können zurückgeführt. Der Finanzexperte Nassim Nicholas Taleb ist der Meinung, dass es dagegen oft reines Glück und Zufall ist. Er entlarvt und zeigt, wie man das Risiko des Misserfolgs minimieren kann.

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    Narren des Zufalls
    R_Manthey

    R_Manthey

    24. June 2015 um 14:25

    Man muß sich das einmal genau überlegen: Da schreibt uns einer ins Stammbuch, daß wir schlicht zu blöd sind, um mit dem Zufall richtig umzugehen. Und er weiß auch zu berichten, daß daran unsere Gene Schuld sind, die hätten sich dummerweise nicht mit uns weiterentwickelt. Folgen wir der Argumentation des Autors, dann ergibt sich sofort die Frage nach dem Sinn dieses Buches. Womit wohl versucht uns der Autor unser Unverständnis zu erklären? Richtig, wieder mit statistischen Untersuchungen und wahrscheinlichkeitstheoretischen Berechnungen. Und da er offenbar annimmt, dass wir sowieso keinen Zugang zu diesen Dingen haben, bemüht er sich dann auch gar nicht erst, uns seine vielen Berechnungen zu erklären, obwohl diese manchmal ganz einsichtig wären (Beispiel Geburtstagsparadoxon). Die Grundthese von Mr. Taleb ist dagegen sehr einfach: In Wirklichkeit haben die erfolgreichen Fondmanager nur Glück gehabt. Sie waren nur zur rechten Zeit am rechten Ort. Sie sind eben Glückspilze, die irgendwann wieder von der Bildfläche verschwinden, wenn ein seltenes Ereignis wie ein Börsencrash eintritt oder der Markt einfach in ein anderes Fahrwasser kommt. Es mag schon sein, daß diese These auf nicht wenige Vertreter des Geldmanagements zutrifft. In ihrer Allgemeinheit ist sie natürlich falsch. Aber sie weckt beim interessierten Leser Interesse, und genau das ist ihr eigentliches Ziel. So funktionieren Bücher dieser Art: Man stelle eine provozierende These auf, formuliere sie möglichst schwammig und untermauere sie scheinbar mit viel Text und allerlei Geschichten. Es wird nur wenige Leser geben, die vom Fach sind und erkennen, daß hier mehr verwirrt als aufgeklärt wird. Wenn die Grundthese des Autors in dieser Allgemeinheit stimmen würde, dann ist unerklärlich, wie es sein kann, daß große Banken oder Brokerfirmen wie die Deutsche Bank oder Goldman Sachs inzwischen mehr als die Hälfte ihrer Gewinne durch Eigenhandel erwirtschaften. Eigenhandel bedeutet: Trader erzielen mit dem Geld ihres Arbeitgebers diese Profite. Wenn der Autor Recht hätte, dann wäre dies nicht möglich. Oder er müßte uns erklären, wieso es zu dieser Häufung von Glückspilzen bei diesen Instituten kommt. Darüber hinaus gibt es noch eine Reihe großer privater Trader, die der Allgemeinheit nicht bekannt sind, die aber die in den Instituten arbeitenden Vertreter derselben Zunft um Längen schlagen. Was bleibt also von der These übrig? Nicht viel. Denn so, wie die wenigsten von uns Formel Eins Wagen fahren können oder eine Skisprungschanze mehr als einmal herunterfahren werden, so können auch nur wenige Menschen wirklich traden. Das ist einer der härtesten Jobs dieser Welt. Das Skispringen wird sich kaum einer zutrauen, das Traden dagegen fast jeder. Wenn der Autor seine These von dieser Seite beleuchtet hätte, dann wäre dabei vielleicht ein gutes Buch herausgekommen. So aber wird nur weit ausgeholt und über alles geplaudert, was Mr. Taleb zum Zufall so einfällt. Ein wirres Buch ohne roten Faden. Unsere Schwierigkeiten mit dem Zufall haben zwei einfache Ursachen. Zum einen haben viele Menschen mit der Mathematik so ihre kleinen und großen Probleme. Und zum anderen ist statistisches Denken kein Thema irgendeiner allgemeinen Grundausbildung. Das wiederum hat Gründe in der Sache selbst. Sie ist einfach zu schwierig, um sie einer breiten Allgemeinheit anzutun. Aber nur durch eine fundierte Ausbildung werden wir lernen können mit dem Zufall angemessen umzugehen. Da ich als Hochschullehrer unter anderem Statistik und Wirtschaftsmathematik an deutschen Universitäten gelehrt habe, weiß ich wovon ich rede. Dieses Buch und sein Autor vermögen es leider auch nicht, wenigstens ein kleinen Beitrag zur Verbesserung unserer desolaten Lage zu leisten. Im Gegenteil, sie verwirren sie nur noch mehr. Aber das kann leider nur der fachkundige Leser beurteilen. Der Autor, der sich selbst als Mathematiker bezeichnet, arbeitet(e) offenbar auf einem sehr begrenzten Teilgebiet der angewandten Statistik. Sowie er Aussagen zu anderen Gebieten der Mathematik oder der Physik trifft, wird er ausgesprochen mutig, um es einmal freundlich auszudrücken. Die komplexen Zahlen wären nur für die Mathematik von Bedeutung und die Newtonsche Mechanik sei falsch, lesen wir zum Beispiel und staunen über so viel Unsinn. Einsteins und Smoluchowskis Arbeit zur Brownschen Bewegung wird in ihrer wissenschaftlichen Bedeutung falsch bewertet. Einstein ist weder der Erfinder von zufälligen Irrfahrten (random walks), die gab es schon viel früher, noch hat er je einen mathematischen Beitrag zur Theorie stochastischer Prozesse geliefert. Die erwähnte Arbeit lieferte vielmehr den entscheidenen Beitrag zur Durchsetzung der Atomtheorie in der Physik. Auch ist die Bedeutung der Wahrscheinlichkeitstheorie nicht mit der Spieltheorie verbunden, denn die entstand viel später und hat nichts mit der wahrscheinlichkeitstheoretischen Modellierung von Glücksspielen gemein. Offenbar leidet der Autor schlicht selbst an der Krankheit, die bei uns allen entdeckt hat: Seine Wahrnehmung ist aufgrund recht mangelhafter Kenntnisse etwas eingeschränkt. Aber es kommt noch schlimmer. Selbst auf seinem Fachgebiet unterlaufen ihm merkwürdige Fehler. Er verwechselt den Schätzer für den Erwartungswert mit diesem selber (S.118 ). Oder er erklärt uns, daß die Vermögensverwalter der Ergodizität nicht entrinnen können (S.173). Nun schreibt er aber selbst, daß diese erst in sehr langen Zeiträumen zuschlägt. Da es sich tatsächlich um Grenzwertaussagen handelt, erleben die Herren das garantiert nicht. In der Chaostheorie führt nicht ein geringer Input zu einem unverhältnismäßigem Output, wie der Autor behauptet (S.190), sondern kleine Veränderungen des Inputs können solche Folgen haben. Zweifel an der Kompetenz des Autors kommen einem da schon. Hinzu kommt eine geradezu katastrophale Übersetzung. Ehrlich gesagt, habe ich mir ein solches Grauen nie vorstellen können und schon gar nicht bei diesem Verlag. Da wird Einsteins Spezielle Relativitätstheorie als "besondere Relativität" angeboten (S.58). Oder es wird vom "Durchschnitt einer Verteilung" gesprochen (S.173), wobei sicher wieder der Erwartungswert gemeint ist. Schließlich werden ganz neue Begriffe wie "konditionale" und "unkonditionale" Wahrscheinlichkeiten oder Verteilungen erfunden. Diese Dinger heißen in der deutschen Fachsprache schlicht bedingte und unbedingte Verteilungen oder Wahrscheinlichkeiten und niemals anders. Das sind leider nur einige Beispiele, das Buch strotzt nur so von solchen Mißgriffen oder sprachlichen Fehlleistungen. Wenn der Autor wenigstens den Versuch gemacht hätte, uns unsere Fehler nicht nur vorzuhalten oder gespreizt über sie zu plaudern, sondern uns mit klarer und präziser Sprache auch zu helfen, sie zu vermeiden, dann wäre dieses Werk vielleicht ein lesenswertes Buch mit großem Nutzen geworden. So trägt es wahrscheinlich unbemerkt nur noch mehr zur allgemeinen Verwirrung bei. Das Publikum wird es hingegen kaum merken und vielleicht vor Bewunderung Beifall klatschen. 

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