Ausgehend von Straßen, Bauten, Plätzen und historischen Personen werden die koloniale Vergangenheit und die postkoloniale Gegenwart Friedrichshain-Kreuzbergs in unser Bewusstsein gerückt.
Die meisten Beiträge beziehen sich auf Übersee und Rassismus, andere spannen den Bogen des deutschen Kolonialismusbegriffs weiter und beziehen die imperiale Vereinnahmung des Nahen Ostens und des östlichen Europas mit ein. Schade ist die chronologische Sortierung, denn gerade die ersten Beiträge lesen sich mitunter wie eine Seminararbeit, was mit der fragmentarischen Quellenlage zusammenhängt. Wir erfahren von Macellino, der 1854 vor Gericht seine Freiheit forderte, von W. E. B. Du Bois, Mtoro Bakari, Quane a Dibobe, die im 19. Jahrhundert in Berlin lebten, von Menschenschauen und Kolonialfilmen. von Kolonialwaren und - Handel, wie Sarotti, Muratti, die Oranienapotheke werden thematisiert, ebenso wie der koloniale Kontext von Chamiso, Pückler, Rathenau, Stresemann. Und die wundervollen May Ayim löst 2010 als Namensgeberin für einen Uferabschnitt den Kolonialisten Groeben ab.
Ich empfehle die Lektüre von »Die Postkoloniale Stadt lesen« sehr, denn er sollte uns viel präsenter sein, der deutsche Postkolonialismus. Bitte mehr davon.
Die Postkoloniale Stadt lesen versammelt Spuren des deutschen Kolonialismus im öffentlichen Raum.


