Natalie Zemon Davis

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Mit Gott rechten

Mit Gott rechten

 (1)
Erschienen am 07.10.2003
Return of Martin Guerre

Return of Martin Guerre

 (1)
Erschienen am 15.10.1984
Slaves on Screen

Slaves on Screen

 (0)
Erschienen am 30.03.2002
Leo Africanus

Leo Africanus

 (0)
Erschienen am 07.10.2008

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Rezension zu "Die wahrhaftige Geschichte von der Wiederkehr des Martin Guerre" von Natalie Zemon Davis

Vom Verlassen-Werden im 16. Jahrhundert
Sokratesvor 5 Jahren

Die amerikanische Historikern Natalie Zemon Davis hat sich in diesem schmalen Wagenbach-Bändchen der mysteriösen Geschichte des Martin Guerre gewidmet. Verfilmt und vielfach Stoff literarischer Erzählungen hat das plötzliche Verschwinden des jungen Guerre seit dem 16. Jh. Menschen immer wieder bewegt. Die Quellenlage lies für Zemon Davis zumindest eine plausible Rekonstruktion zu: sehr jung verheiratet, möglicherweise impotent und damit als Erbe eines Hofes in Frankreich in leichter Bedrängnis, hält es Martin nach einigen Ehejahren nicht mehr aus und verschwindet. An verschiedenen Orten wird er gesehen, heuert schließlich auf einem Schiff an, zieht in den Krieg. Mehr als zehn Jahre bleibt er so vom Erdboden verschwunden. In der Zwischenzeit entdeckt ein Betrüger seine Geschichte, trifft Martin irgendwann auf einer seiner Stationen und nimmt schließlich dessen Identität an. Fotos gab es im 16. Jh. noch nicht, weshalb der Schwindel bei Frau und Verwandtschaft nicht auffällt. Bertrande, die junge Ehefrau des Verschwundenen, erkennt im Schwindler jedoch irgendwann noch, dass es sich nicht um ihren Ehemann handelt – sie macht bei dem Schwindel indes mit, wohl auch deshalb, weil sie sich mittlerweile in ihren „neuen“ Mann verliebt hat. Die Geschichte nimmt eine fatale Wendung, als schließlich Martin Guerre, nunmehr mit Holzbein und gute 15 Jahre älter, zurück zu seiner Familie kommt und der Schwindel auch den übrigen Dorfbewohnern sowie der Justiz auffällt...

Zemon Davis Essay über diese wundersame und kuriose Ehegeschichte stellt, historisch gesehen, einen Glücksfall dar, denn aufgrund des sich anschließenden Gerichtsverfahrens sind Akten erhalten, Verhörprotokolle existent, die Historikern die Erschließung der Materie und eine – wenn auch im kleinen Rahmen – Eigenbewertung der Materie ermöglichen. Das Verschwinden einzelner Personen ist zur damaligen Zeit indes keine Besonderheit, besonders ist im vorliegenden Fall nur, dass Martin Guerre schließlich aus uns unbekannten Gründen zurückkehrt und seinen „alten Platz“ einzunehmen fordert. Für den „Schwindler“, der sich in der Zwischenzeit eine beachtete und ehrbare Position in der dörflichen Gemeinschaft erarbeitet hat, endet die Rückkehr mit dem Tod. Das Buch erschließt mithilfe dieser Geschichte nicht nur die Sitten- und Mentalitätsgeschichte Frankreichs im späten 16.Jh., sondern auch ein wenig Alltags- und Rechtsgeschichte, die sonst gleichsam wie abstrakter Lehrstoff nur vermittelbar sind, weil die historischen Quellen eine individuelle Geschichtsschreibung nicht zulassen. Zemon Davis schreibt lebendig, auf den Leser eingehend, auch wenn die Erschließung des Buches Vorwissen verlangt.

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Rezension zu "Mit Gott rechten" von Natalie Zemon Davis

Frauenalltag in der Frühen Neuzeit
Sokratesvor 5 Jahren

Die Amerikanische Kulturhistorikerin Natalie Zemon Davis widmet sich in diesem schmalen biographischen Essay der jüdischen Kaufmanns-Witwe Glikl bas Judah Leib, die Mitte des 16. Jahrhunderts in Hameln lebte und wirkte. Entgegen den gängigen Geschlechterklischees wirkte diese Frau weit außerhalb des ihr gesellschaftlich wie ökonomisch zugestandenen Rahmens: als ihr erster Ehemann verstarb, übernahm sie das Geschäft und konnte es um internationale Kontakte erweitern. Erst die Aussicht auf eine späte, wenn auch gewinnbringende zweite Ehe lies sie in Hameln ihre Geschäfte einstellen und nach Menz umziehen. Da wie dort widmet sie sich der Erziehung von mehr als sieben Kindern – zunächst ihre eigenen, dann denen ihres zweiten Ehemannes, der erst kurz vor ihrer Hochzeit seine erste Frau verloren hatte. Die zweite Ehe stand jedoch unter keinem guten Stern: der Ehemann stirbt schließlich wirtschaftlich bankrott und Glikl um gute 2/3 ihrer Mitgift gebracht vor Glikl. Während all dieser Jahre schreibt Glikl indes Tagebuch – während jener Jahre eine übliche Art der Rechtfertigung, der Unterweisung und der religiösen Rückversicherung in der jüdischen Kultur der Frühen Neuzeit. Glikls Schriften offenbaren jedoch die weit individuellere Form dieser Schrift gegenüber vergleichbaren Zeitdokumenten: Glikl schreibt nicht nur viel über ihre Arbeit als Händlerin, sondern offenbart auch ihre in privaten Belangen weitreichenden Kompetenzen. Sie besaß insoweit weit größere Freiheiten, als man von Frauen jener Jahre annehmen würde. Zemon Davis widmet sich im ersten Drittel ihres Buches zunächst den biographischen Fakten, in den letzten 2/3 des Essays der Textinterpretation von Glikls Tagebuch. Lebendig geschrieben, viele Einblicke in das jüdische „Nischendasein“ in der Frühen Neuzeit gewährend, war dieses schmale Wagenbach-Bändchen ein angenehmes, wenn auch kurzweiliges Lesevergnügen. Andererseits ein Muss für alle Geschlechtergeschichte- und Frühe Neuzeit-Interessierten.

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